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  • 13. Oktober 2004, noch kein Kommentar

Es gibt Schwule jenseits der großen Metropolen. Jenseits von Mainstream- Kommerz, Partys und Lifestyle kann man sie erkennen.

Von Dirk Jung

In den meisten Metropolen dieser Welt sind Schwule aus dem Stadtbild kaum mehr wegzudenken. Mit ihren Partys und ihrem Lifestyle prägen sie das kulturelle Leben, mal mehr im Untergrund, mal völlig integriert in den Mainstream-Kommerz. Begegnet man auf der Straße einem effeminierten Mann in Köln oder Berlin, dreht sich kaum noch jemand um.
In seinem Film "Ich kenn keinen - Allein unter Heteros" zeigt der Regisseur Jochen Hick die andere Welt, die nur wenige Kilometer weit entfernt von den glitzernden Großstadtfassaden beginnt: Schwule Männer in der Provinz, die nur deshalb nicht auffallen, weil sie sich unauffällig verhalten. Hartmut, Richard, Stefan und Uwe, vier Männer unterschiedlichen Alters, wurden von Hick in ihrem schwäbischen Alltag begleitet.

Neben 70 weltweiten Festivaleinladungen erhielt die Produktion bei der Berlinale 2003 den Teddy Award in der Kategorie "Bester Dokumentar-/Essayfilm". Begründet von der Jury mit den Worten: "Für das gekonnte und einfühlsame Portrait schwuler Männer, die sich den Herausforderungen eines Lebens in kleinen, konservativen Gemeinschaften stellen". Stammtischgespräche zum Thema Homosexualität werden von Hicks Kamera ebenso eingefangen ("Die Arschfickerei finde ich abstoßend. Es kann ja sein, dass man mal aus Versehen ins falsche Loch kommt, aber das kann ja kein ewiger Zustand sein"), wie die entwaffnend offenherzigen Statements von Müttern ("Bei meinem Sohn hätte ich nie vermutet, dass er schwul ist, weil er doch so ein fröhlicher Typ war"). Eine der Protagonistinnen, Erica Micale, engagiert sich als Mutter zweier schwuler Söhne in einer Selbsthilfegruppe für Eltern homosexueller Kinder. Im Film berichtet sie von einem Anruf, den sie vor ein paar Jahren von einer Mutter bekommen hat: "Sie teilte mir mit, dass sie mal einen homosexuellen Hund hatte, den sie erschlagen habe, aber sie könne ja schließlich ihren homosexuellen Sohn nicht erschlagen". In seinem achten Film zeigt Jochen Hick, um wieviel couragierter manch ein Schwuler auf dem Land ist. Einer Umgebung, in der die meisten Menschen ganz ernsthaft behaupten würden: "Ich kenn keinen".

Dokumentarfilm
FSK: ab 12
Regie: Jochen Hick
Mitwirkende: Hartmut Alber, Stefan Braun, Uwe Furtwängler


14. Oktober 2004