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Papas neues Lebensmodell: Hausfrau, spießig (Bild: teamWorx)

Teenager Maren wird gerade zur Frau. Ihr Vater ist schon eine. Der Kinofilm "Transpapa" zeigt, wie holprig der Pfad zur eigenen Identität ist.

Von Carsten Weidemann

Was wäre geschehen, hätte sich Heinz Rühmann bereits 1955, ein Jahr vor der Klamotte "Charleys Tante", in den Fummel der Carlotta Ramirez geschmissen, um in "Wenn der Vater mit dem Sohne" selbst die Rolle der fehlenden – weil nach Amerika ausgewanderten leiblichen Mutter – für den sechsjährigen Uli zu übernehmen? Es hätte einen handfesten Filmskandal gegeben. Im Rührstück ging es aber nicht darum, Geschlechterrollen und -Identitäten in Frage zu stellen. Im Gegenteil: Die traditionelle Familienordnung musste mit allen Mitteln wieder hergestellt werden. Am Ende wird der kleine Uli seiner Mutter in die USA folgen, und Teddy Lemke, der zwischenzeitliche Kindesentführer muss sich fügen, muss wieder zurück an seinen alten Platz als einsamer Single und Untermieter von Fräulein Biedermann.

Sechzig Jahre später ist – was die Familienverhältnisse betrifft – nach wie vor alles im Fluss. Nur das diese heute nicht mehr durch Nachkriegsschicksale und dem Wunsch nach Restauration geprägt sind. Sich selbst zu finden, sich der Angst vor den dadurch zu bewältigenden Änderungen zu stellen und sich – wenn nötig – auch außerhalb des gesellschaftlichen Mainstreams zu begeben, darum dreht sich alles. Das ist der Stoff, aus dem sich die heutigen Familiengeschichten speisen. Regisseurin Sarah Judith Mettke hat mit ihrem Debütfilm "Transpapa" geschickt eine Coming-of-age mit einer Coming-out-Geschichte verknüpft.

Der Vater ist kein flippiger Künstler, er ist jetzt spießige Hausfrau


Die neue Mutti – Die Tochter fremdelt noch (Bild: teamWorx)

Die Story: Maren ist einer dieser typischen Teenager in der Pubertät. Das Selbstbewusstsein ist im Keller, der Segen in ihrer zusammengestückelten Familie hängt schief. Sie außen vor und ihre kleine Halbschwester wird von allen mehr geliebt, als sie. Es wird Zeit auszuziehen, aber eigentlich sehnt sich Maren noch viel zu sehr nach Geborgenheit und einer ganz normalen Familie. Sie geht davon aus, dass ihr Künstler-Vater und Frauenheld, von dem sich ihre Mutter schon vor Jahren getrennt hat, mal wieder in Nepal unterwegs ist um sich selbst zu finden. Doch die Wahrheit ist: Er hat sich längst gefunden und ihr nur noch nichts davon gesagt, dass er jetzt als Frau lebt. Ihre Mutter – die auf ihren Ex nicht sonderlich gut zu sprechen ist – hatte sie jahrelang mit dieser Information "verschont". Maren fühlt sich belogen und betrogen und vor allem verlassen.

Angetrieben von der Sehnsucht nach ihrem Vater und in der Hoffnung, dass sich dieser nur äußerlich verändert hat, macht sich Maren auf den Weg zu ihm nach Köln. Dort hatte sie ihn schon oft besucht, doch diesmal ist alles anders: Die Weiblichkeit ihres Vaters ist erschlagend und sie muss mit Entsetzen feststellen, dass Sophia jetzt in der Vorstadtidylle der Eifel lebt, als Putzfrau arbeitet und auch sonst das genaue Gegenteil von dem Menschen ist, den Maren hier zu finden glaubte.

Devid Striesow gibt einen Transpapa, wie man ihn sich nur wünschen kann

Das piefige Haus in dem Sophia lebt und arbeitet, hat diese für ihre Tochter liebevoll hergerichtet. Und hier bekommt Maren tatsächlich die Aufmerksamkeit und Liebe, die sie zu Hause schon lange nicht mehr kriegt. Aber umgehen kann sie damit nicht. Zumal sie nicht damit gerechnet hatte, dass ihr Vater das Modell einer spießigen Hausfrau lebt und alles dafür tut, Maren eine gute Mutter zu sein.

Im berührenden Film, der beim diesjährigen Max Ophüls-Festival in Saarbrücken Premiere feierte und gleich den ersten Filmpreis einsackte, fällt besonders Schauspieler Devid Striesow auf, der den Transpapa mit viel Einfühlungsvermögen und Überzeugung spielt. Striesow scheint ein Faible für Charaktere zu haben, deren sexuelle und Geschlechts-Identitäten fließend sind. In Tom Tykwers Drama "Drei" von 2010 spielte er zuletzt einen Mann, der parallel Beziehungen mit einer Frau und einem Mann führt.

Vimeo | Offizieller Trailer, Kinostart: 22. November


#1 GeraldAnonym
  • 23.11.2012, 11:28h
  • Schlimm, der spielt die so Klischee mäßig tuntig. Der Trailer ist cheesy. Wer geht denn ins Kino für so einen Film?! Deutscher Realismus ist passé, wir wollen endlich andere Filme sehen. Dann klappts vielleicht auch mit Filmkosten einspielen. Hat Striesow ein Monopol auf alle Rollen in BRD, btw?!
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#2 genervtAnonym
  • 23.11.2012, 15:58h
  • Ist es wirklich so schwer? Es handelt sich mitnichten um einen "Trans-Pa" und "seine" Tochter, sondern um eine Trans-Ma und ihre Tochter.
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#3 HartAberEhrlichAnonym
  • 23.11.2012, 16:34h
  • Antwort auf #2 von genervt
  • In der heutigen Zeit sollte man sich nicht sooo stark über veralterte Geschlechterrollen definieren, oder? Hängt denn die eigene Identität von einem Rock oder von der Schminke ab? Transsexuelle könnten womöglich in einer Therapie erfahren, dass Mann und Frau gewissermaßen Fantasiebilder sind.
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#4 antos
#5 finkAnonym
  • 23.11.2012, 18:25h
  • Antwort auf #3 von HartAberEhrlich
  • na, wenn du es für behandlungsbedürftig hältst, dass jemand seine geschlechtsidentität durch kleidung oder make-up ausdrücken möchte, dann kannst du die ganze welt in therapie schicken.

    ich finde ja, das ist im prinzip eine gute idee. aber vermutlich nicht mehrheitsfähig.

    wie sieht es übrigens in deinem eigenen alltagsleben aus? vermutlich ziehst du kleidung nur an, um dich vor der kälte zu schützen und bemerkst nicht einmal, ob es hose oder rock ist?
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#6 interessantAnonym
#7 FoXXXynessEhemaliges Profil
#8 GeraldAnonym
  • 23.11.2012, 21:44h
  • Antwort auf #4 von antos
  • Moah, muss ich jetzt alles aufzählen?

    - Hör auf die Musik
    - Fotos im Schuhkarton angucken
    - Heulen aufm Klo
    - Landschaft aus dem Zug filmen
    - Floskeln von Striesow: "Es ist schwer eine Frau zu sein", "Das ist mein Schicksal".

    Sei mal analytischer.
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#9 Leo GAnonym
#10 antos
  • 25.11.2012, 09:10h
  • Antwort auf #8 von Gerald
  • "Sei mal analytischer."

    Du hast aber schon bemerkt, dass ich nur eine Frage gestellt habe?

    Klar sind das abgenutzte Zeichen, die Du da auflistest, aber erstens erscheinen sie in einem Trailer [als werbliche Zusammenfassung immer der Holzschnitt vom Film] und zweitens: Woher willst Du - ohne alles im Zusammenhang gesehen zu haben - wissen, ob die Regisseurin diese Genre-Stereotype nicht verwendet, um sie in anderen Szenen zu parodieren? Der parodistische Ansatz schreit einem doch schon aus dem Trailer entgegen, lieber Analytiker.
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