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Der Junge besuchte die Cavour-Schule in Rom – und wurde dort offenbar von Mitschülern und Lehrern gemobbt

Ein schwuler Teenager hat sich in Rom das Leben genommen, nachdem er offen von Mitschülern und Lehrern wegen seiner sexuellen Orientierung gemobbt wurde. Aktivisten fordern nun schärfere Gesetze.

Wie italienische Medien berichten, hat sich der 15-Jährige eines Gymnasiums in Rom am Mittwoch vor den Augen seines jüngeren Bruders aufgehängt. Zuvor war er offenbar massiv gemobbt worden. So hätten sich Mitschüler über ihn lustig gemacht, weil er oft rosafarbene Kleidung trug. Ein Unbekannter habe sogar ein Facebook-Profil gefälscht mit dem einzigen Ziel, den Schüler lächerlich zu machen.

Am Dienstag ist der Junge nach Angaben der Zeitung "La Repubblica" mit lackierten Nägeln in die Schule gekommen – und sei dafür von einem Lehrer öffentlich getadelt worden. Keine 24 Stunden später beging er Selbstmord im Haus seiner Eltern.

Italien: Kaum Gesetze zum Schutz von Homosexuellen

Homo-Aktivisten haben angekündigt, Gedenkkundgebungen für den Teenager in Rom abzuhalten. Sie beklagen, dass Italien im Vergleich zu anderen westeuropäischen Ländern beim Thema Homo-Rechte weit abgeschlagen sei. "Wir brauchen ein Gesetz gegen Homophobie und das Parlament könnte in dieser Frage aktiv werden", erklärte Vincenzo Branà von der Gruppe Arcigay. Er forderte die Politiker auf, wegen der "Notfallsituation" schnell zu handeln. Allerdings lehnte die Parlamentsmehrheit erst im vergangenen Jahr ein von den Sozialdemokraten eingebrachtes Anti-Homophobie-Gesetz ab (queer.de berichtete).

Italien erkennt auch keine Homo-Partnerschaften an und hat nur einen begrenzten Diskriminierungsschutz für Schwule und Lesben – so dürfen etwa Homosexuelle anders als in Deutschland beim Zugang zu Dienstleistungen wegen ihrer Sexualität benachteiligt werden. Homo-Aktivisten hoffen nun, dass das Thema im Wahlkampf wichtig wird: Die italienischen Parteien bringen sich derzeit für die Parlamentswahl in Stellung, die spätestens im April 2013 stattfinden wird.

Mobbing wurde in mehreren Studien als Hauptproblem für junge Homosexuelle ausgemacht. So kam vor wenigen Monaten eine britische Umfrage zu dem Ergebnis, dass 55 Prozent von schwulen, lesbischen oder bisexuellen Schülern wegen ihrer Sexualität gemobbt werden (queer.de berichtete). Homophobe Sprache ist demnach an Schulhöfen weit verbreitet. (dk)



#1 MariusAnonym
  • 23.11.2012, 12:41h
  • Dass Schüler mobben ist nichts neues. Aber wenn auch noch Lehrer mobben, hat so eine fundamentalistische Gesellschaft nur den Untergang verdient.

    Da sieht man was Berlusconi und Vatikan angerichtet haben.
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#2 Tobi CologneAnonym
  • 23.11.2012, 12:47h
  • Wieder mal ein Beleg dafür, dass man umfassende rechtliche Regelungen gegen Diskriminierung braucht!!

    Hier in Deutschland ist ja die Union gegen jeden Diskriminierungsschutz und die FDP rechtfertigt ein Fehlen des Diskriminierungsschutz damit, dass das angeblich "der Markt" regele.

    Aber wir sehen wieder mal, dass "der Markt" ohne gesetzliche Regeln gar nichts von selbst regelt! Und der tote Schüler und alle anderen gemobbten Menschen haben gar nichts von den "Markt"-Spinnereien solcher neoliberalen Fundamentalisten.

    Da ähneln sich Deutschland und Italien.
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#3 goddamn liberalAnonym
  • 23.11.2012, 12:55h
  • "Und sie muß dabei nicht nur die Erde, das Wasser und die Luft als Schöpfungsgaben verteidigen, die allen gehören. Sie muß auch den Menschen gegen die Zerstörung seiner selbst schützen. Es muß so etwas wie eine Ökologie des Menschen im recht verstandenen Sinn geben. Es ist nicht überholte Metaphysik, wenn die Kirche von der Natur des Menschen als Mann und Frau redet und das Achten dieser Schöpfungsordnung einfordert. Da geht es in der Tat um den Glauben an den Schöpfer und das Hören auf die Sprache der Schöpfung, die zu mißachten Selbstzerstörung des Menschen und so Zerstörung von Gottes eigenem Werk sein würde. Was in dem Begriff Gender vielfach gesagt und gemeint wird, läuft letztlich auf die Selbstemanzipation des Menschen von der Schöpfung und vom Schöpfer hinaus. " Ratzinger 2009

    Diese ganz konkrete Zerstörung und Selbstzerstörung eines jungen Menschen ist ein Triumph für den Ratzingerismus, der in Italien sämtliche Bereiche der Gesellschaft kontrolliert, bis weit in die selbsternannte und sogenannte Linke hinein. Ratzingers Arme reichen leider sehr weit. Und manchmal sind sie Schulhof-Bullys.
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#4 Thorsten1Profil
#5 LucaAnonym
#6 SebiAnonym
  • 23.11.2012, 16:07h
  • Antwort auf #3 von goddamn liberal
  • Leider sind Gleichungen nicht immer so einfach. Die Kirche trägt einen entscheidenden Beitrag zur Homophobie, ist aber nicht in allen Fällen die einzige Ursache.

    Auch Mitschüler die selber nicht religiös sind, die keine Probleme mit Heterosex in jeglicher Art haben und dem gegenüber offen sind, können stark homophob sein und gegen Schwule und männliche Homosexualität hetzen...das ist eine zunehmende Beobachtung auf deutschen Schulhöfen.

    Eine Art neuer Spartenkonservativismus unter jungen Leuten der ausschließlich Heterosexualität auch in nicht- klasssich familiären und religiösen Vorstellungen ( wie Heteropornografie und Partnertausch etc) als Selbstverständlichkeit versteht, aber Homosexualität befremdlich, tabuisierend und abweisend gegenüber steht bis hin zum schweren Mobbing.

    Ob die Ursachen dieser neuen Homphobie in dem zunemhemden Heterosexismus zu finden sind ( Alles dreht sich heute um Sex, aber sichtbar nur um einseitigen Heterosex/ Die Medien suggerieren das jeder Mann von klein auf Frauen ( die heute in allen Bereichen, selbst jenen die nichts mit Sex zu tun haben, als "unwiederstehliche" Sexsymbole inszeniert werden) zu begehren hat und wer das nicht tut ist uncool/ Schwul ist das neue Wort für Loser/ etc etc), wäre eine Untersuchung wert.

    Es geht also nicht nur darum das Homosexualität wie von der Kirche als etwas "böses" und "bevölkerungswachstumhemmendes" angesehen wird,
    sondern zunehmend auch wieder als etwas "ekliges", "uncooles", weil Frauen doch die angeblich geileren sind, wie jede Werbung, die neue Mode, jede TV Sendung, sehr viele der Internetnachrichtenseiten mit gestreuten Informationen ( nicht nur Springer) uns weiss machen wollen. Von echter Vielfalt ist nicht zu sprechen.

    Heterosexismus und Homophobie sind bekanntlich zwei Seiten einer Medaille.

    Wie stark wiederum die neue Art der Homophobie durch die klassische Art bedingt ist, wäre auch eine Betrachtung wert.
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#7 armes ItalienAnonym
  • 23.11.2012, 16:22h
  • In dem Land ist der ganze Vatikan schwul und die allermeisten Männer sind es auch (habe lange genug da gelebt), aber keiner hat die die Eier auch nur irgendetwas gegen die Kirche und die Regierung und für die Schwulen und Lesben zu tun.
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#8 Thorsten1Profil
  • 23.11.2012, 16:28hBerlin
  • Bis in die 1970er Jahre hinein war Italien das Traumziel vieler deutscher Schwuler. Hier war vieles möglich, besonders in den kleinen Dörfern außerhalb der Großstädte. Das Wort Homosexualität war im katholischen Italien tabuisiert, aber strafbar -wie in Deutschland- war es schon seit 100 Jahren nicht mehr. Ebenso war die Scheidung verboten, aber Millionen von Italiern lebten in "wilder Ehe", was gesellschaftlich voll akzeptiert war. Es war aus deutscher und angelsächsischer Sicht zwar eine Doppelmoral, aber es ging menschlich zu. Jeder wusste um die menschlichen Schwächen und man drückte beide Agen zu. In den USA und in Deutschland dagegen wurde damals Homosexualität pausenlos thematisiert, zwar überwiegend noch negativ, aber jeder junge Mann wusste dadurch von klein auf an, dass er keinen Sex mit einem Mann haben durfte. In Italien wusste man das nicht und man lies seinen Gefühlen freien Lauf. Unzählige deutsche Schwule hatten damals ihren Wohnsitz nach Italien verlegt, wo sie ihr Leben -diskret- leben konnten.
    Jetzt hat die schwule Emanzipation auch Italien erreicht, was zur Folge hat, dass auch dort jeder junge Mann einen Verfolgungswahn bekommt, wenn er offen schwule Männer sieht, vor allem im Süden des Landes. Die homophobe Reaktion der Italiener ist somit letzten Endes eine Folge der aus den USA und aus Deutschland importierten schwulen Emanzipation. Man wird das Rad nicht mehr zurück drehen können, aber man sollte diese Zusammenhänge kennen.
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#9 goddamn liberalAnonym
  • 23.11.2012, 16:35h
  • Antwort auf #6 von Sebi
  • Da hast Du - in Bezug auf die säkularisierten Länder nördlich der Alpen - sicher recht.

    In Italien kenne ich mich aber ganz gut aus und kann Dir sagen, dass es dort aller 'Bandera rossa'-Folklore vergangener Zeiten zum Trotz gerade heute wieder einen Universalkatholizismus gibt, der sich repressiv über die gesamte Gesellschaft legt. Und dieser Katholizismus hat mit dem von Geissler, Süßmuth, Thierse u. Co. nichts zu tun. Er orientiert sich streng am Ratzingerismus und ist massiv homophob.

    chiesa.espresso.repubblica.it/articolo/1350361?eng=y

    Wenn man das Italien von heute mit dem der 70er Jahre vergleicht, als es dort mutige (offen schwule) Intellektuelle wie Visconti und Pasolini gab, dann kann man sehen, wie mächtig der gesellschaftliche Rückschritt sein kann!
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#10 MarcAnonym
  • 23.11.2012, 17:28h
  • Schlimm!

    Im Jahr 2012 nimmt sich immer noch ein Jugendlicher das Leben, weil manche Fanatiker meinen, ihn wegen seiner Gefühle seelisch zerstören zu müssen.

    Und das nicht in einer Diktatur, sondern in einer westeuropäischen Demokratie.

    Wieviele Menschen müssen noch sterben?

    Wieviel Leid werden die Homohasser noch über die Menschheit bringen?
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