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  • 24.11.2012           1      Teilen:   |

Eine lesbische Liebe in den 50er Jahren

Die lesbische Micha erfährt durch ein Tagebuch, dass auch ihre verstorbene Tante Frauen liebte: "Das Tantenerbe"
Die lesbische Micha erfährt durch ein Tagebuch, dass auch ihre verstorbene Tante Frauen liebte: "Das Tantenerbe"

Trix Niederhausers Roman "Das Tantenerbe" ist eine vielseitig spannende Love-Story, unterhaltsam wie nachdenklich.

Von Angelo Algieri

Gleich zwei Überraschungen erwarten Micha zu Beginn: Zum einen hat ihre verstorbene Tante Gertrud, von der sie seit Kindertagen nichts mehr gehört hat, ihr eine Villa unweit von Zürich vererbt. Zum anderen erfährt sie, dass ihre Tante unter Pseudonym die berühmte und reiche Bestseller-Autorin Jane Blackriver ist.

Diese und andere, größere und kleinere Wendungen hält der Roman "Das Tantenerbe" von der Schweizer Autorin und Buchhändlerin Trix Niederhauser bereit. Erschienen ist er im Sulzbacher Ulrike Helmer Verlag, der sich seit 25 Jahren auf Frauen- und Genderthemen spezialisiert hat.

Doch nun zum Plot: Ich-Erzählerin und Protagonistin Micha renoviert nicht nur das Haus der Tante, sondern zieht auch dort ein. Ihre Freundin Simone kommt mit – vielleicht können sie so ihre Beziehungskrise kitten. Doch Simone will ihren Einrichtungsstil aufdrücken – mit dem Micha absolut nichts anfangen kann. Die Situation eskaliert, und die Erbin macht Schluss!

In den zwei anderen Appartements der Villa ziehen bald darauf Michas beste Freundin Alex und die Hetera Caro ein, in die sich Micha gleich verliebt. Doch Caro ist hoffnungslos mit Ben zusammen. Nach einigem Gezicke werden die beiden am Ende doch noch gute Freundinnen.

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Eine wunderschöne und traurige Liebesgeschichte

Das Spannende an diesem Roman allerdings sind die Tagebucheinträge der verstorbenen Tante Gertrud. Micha liest ihre Einträge und stößt schon bald auf den Namen Paddy, eine heimliche Liebe der Verstorbenen. Anfangs denkt Micha, Paddy sei ein Mann. Doch weit gefehlt: Paddy ist Patrizia. So bekommt der Romantitel gleich eine Mehrfachbedeutung…

Diese "wunderschöne und traurige Liebesgeschichte", wie es im Klappentext heißt, begleitet uns bis zum Schluss. Denn die freie Journalistin Micha hat sich entschlossen, eine Biografie über ihre Tante und ihr Geheimnis zu schreiben. Gertrud und Paddy, die sich Anfang der 50er Jahre kennen lernten, sollten nicht zusammen kommen. Denn Paddy heiratete 1956 Max und Gertrud war unendlich traurig darüber. Sie schrieb Paddy weiter Briefe, sie blieben jedoch unbeantwortet. Erst als Paddys Mann starb, Mitte der 90er Jahre, nahm sie mit Gertrud wieder Kontakt auf. Sie zogen in die Villa und erlebten gemeinsam noch zwölf glückliche Jahre.

Micha stellt gemeinsam mit der Historikerin Dani, einer guten Freundin von Caro, Recherchen an. Sie wollen mit den Nachkommen von Paddy sprechen – und finden auch welche. Doch zu ihrer Überraschung ist Paddy noch am Leben… Vor Aufregung bemerkt Micha nicht, dass Dani sie anbaggert. Kommen die beiden Frauen zusammen?

Ein gut geschriebener und aufregender Roman

Trix Niederhauser am 13. Oktober 2012 bei der Buchvernissage in der Buchhandlung am Kronenplatz im Schweizer Ort Burgdorf
Trix Niederhauser am 13. Oktober 2012 bei der Buchvernissage in der Buchhandlung am Kronenplatz im Schweizer Ort Burgdorf (Bild: Ulrike Helmer Verlag)

Autorin Trix Niederhauser, Jahrgang 1969, hat einen gut geschriebenen und aufregenden Roman geliefert. Ihre Charaktere sind glaubwürdig und man hat sie noch Tage später in Gedanken um sich. Zu loben ist auch, dass sie ihre Figuren geschickt-dramaturgisch führt – ein erstaunlich gutes Gespür, das ich vielen Autoren wünsche.

Außerdem besticht dieser Roman dadurch, dass Niederhauser eine nicht erfüllte lesbische Liebe in den 50ern thematisiert. Diese traurige Liebesgeschichte ist berührend, ohne je kitschig zu sein. Dass Gertrud selbst in ihren Tagebucheinträgen – unbewusst oder bewusst – vorsichtig, distanziert und andeutend über ihre Sehnsucht und Liebe zu Paddy schreibt, ist wohl der homophoben Atmosphäre jener Zeit geschuldet. Auch hier beweist Niederhauser die nötige, realistische Sensibilität. Und sie verweist darauf, dass es zu jener Zeit leider viele Paddys und Gertruds gab, die aus Angst in die Hetero-Ehe flüchteten.

Natürlich geht es nicht ohne lustige Passagen und Ironie. Etwa die chaotische Liebesbeziehung von Michas Schwester oder ihre völlig überdrehte Mutter. An einer Stelle heißt es selbstbezogen ironisch: Das Leben sei kein Liebesroman…

Fazit: "Das Tantenerbe" ist eine vielseitig spannende Love-Story, die sowohl Spaß macht als auch zum Nachdenken einlädt. Wer "Auf dem Sprung" von Roland Gramling und "Schmeckt wie Urlaub und macht nicht dick" von Andreas Bertram gemocht hat, wird diesen Roman ebenso lieben. Garantiert das richtige Buch für die trüben grau-nebligen Tage!

  Infos zum Buch
Trix Niederhauser: Das Tantenerbe. Roman. Ulrike Helmer Verlag, Sulzbach/Taunus, 2012. 278 Seiten. 14,95 €. ISBN: 978-3-89741-339-9.
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Tags: trix niederhauser, tantenerbe, 50er jahre, lesbenliteratur, ulrike helmer verlag
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Reaktionen zu "Eine lesbische Liebe in den 50er Jahren"


 1 User-Kommentar
« zurück  1  vor »

Die ersten:   
#1
24.11.2012
15:04:45


(0, 0 Vote)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Vielleicht liegt dieses Buch ja an Weihnachten auf irgendeinen Gabentisch!


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