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Durch die deutsche Presse wandern ja manchmal dumme Wörter wie "Homosexuellenmilieu", die Assoziationen mit "Rotlichtmilieu" oder "Drogenmilieu" wecken und deshalb den Leser in eine falsche Richtung führen. Auch wir bei queer.de führen manchmal Diskussionen um die richtige Wortwahl ("Trans*Person", "Transperson", "Transmensch", "Trangender", "Transsexueller" oder doch ein anderes Wort?). Um derlei Zweifelsfälle zu vermeiden, hat die Nachrichtenagentur AP für ihre englische Berichterstattung ein neues "Style Book" herausgegeben. Darin wird unter anderem empfohlen, die Wörter "Homophobie" und "Islamophobie" nicht länger zu verwenden. Der Grund liegt im Wortstamm, wie die Autoren beschreiben:

-phobie: Eine irrationale, unkontrollierbare Angst, tritt oft als psychische Erkrankung auf. Beispiele: Akrophobie (Höhenangst), Klaustrophobie (Angst in kleinen, geschlossenen Räumen). Nicht benutzen in politischen oder gesellschaftlichen Zusammenhängen: Homophobie, Islamophobie.

Gegenüber "Politico" rechtfertigte Redakteur Dave Minthorn den Eingriff:

Insbesondere das Wort "Homophobie" liegt weit daneben. Es beschreibt jemanden als psychisch krank, dabei gaukeln wir ein Wissen vor, das wir nicht haben. Es erscheint uns als ungenau. Stattdessen wollen wir ein neutrales Wort verwenden, zum Beispiel "anti-gay", wenn es uns angemessen erscheint.

Das vorgeschlagene "anti-gay" lässt sich allerdings schwierig ins Deutsche übertragen: Das Wort "antischwul" lässt die Lesben außen vor und "antihomo" klingt meist albern. Es ist nicht leicht, Konzepte wie die irrationale Angst vor Homosexuellen in kurzen, prägnanten Begriffen darzustellen – insbesondere deshalb, weil diese Konzepte und Worte erst seit wenigen Jahrzehnten in Umlauf sind: "Homophobie" wurde etwa in den 1970er Jahren geprägt. Ein Wort mit weiter fassender, gesamtgesellschaftlicher Bedeutung – "Heterosexismus" – stammt hauptsächlich aus den 80ern. Bis wir ein besseres Wort finden, werden wir bei queer.de unsere gewohnten Vokabeln erst einmal weiterverwenden. Allzu fantasievolle neue Kreationen würden nur zu einem Kauderwelsch führen, das kaum noch jemand versteht. (dk)

Bild: FARE network / flickr / cc by-sa 2.0



#1 TashaAnonym
  • 27.11.2012, 17:45h
  • ich finde die entscheidung der ap interessant, weil sie den bedeutungs-fokus von den (unterstellten) gründen zu den handlungen verlagert. im deutschen ließe sich das durch - je nach anlass - schwulenfeindlich, lesbenfeindlich oder lesben- und schwulenfeindlich etc entsprechend umsetzen. heterosexistisch finde ich dagegen nur theoretisch passend (die heteronormative mehrheitsgesellschaft hat ja schon probleme, "homophob" zu verstehen)
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#2 PhobieAnonym
  • 27.11.2012, 17:55h
  • Die Homophoben sind ja auch nicht ängstlich sondern eher von Vorurteilen und oder Hass bzw. Feindlichkeit eingenommen. Warum dann nicht Homo-Feindlichkeit, Schwulen- und Lesbenfeindlichkeit, Homo-Hass, Lesben- und Schwulenhass, Homo-Hate, Homovorverurteiler, Homovorverurteilung, Homo-Prejudice...
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#3 Doc QueerAnonym
  • 27.11.2012, 18:09h
  • Das Wort "Homophobie" ist tatsächlich ungeeignet.
    Geeignete neue Worte sind "Homosexuellenfeindlichkeit" oder kurz "Homofeindlichkeit".
    Entsprechend kann mensch von "Homo-, Bi- und Trans-Feindlichkeit" schreiben.
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#4 DefinitionAnonym
  • 27.11.2012, 18:09h
  • Die "Argumente" von AP überzeugen mich überhaupt nicht.

    Dass Sprache nicht statisch ist, sondern sich im Laufe der Zeit verändert, macht ja gerade ihre Lebendigkeit aus. Und so ist der Begriff Homophobie heute hinreichend eindeutig und aussagekräftig:

    Homophobie (von griech. homós[1]: gleich; phóbos: Angst, Phobie) bezeichnet hauptsächlich eine soziale, gegen Lesben und Schwule gerichtete Aversion bzw. Feindseligkeit[2] oder die irrationale, weil sachlich durch nichts zu begründende Angst vor homosexuellen Menschen und ihren Lebensweisen.[3] Homophobie wird in den Sozialwissenschaften zusammen mit Phänomenen wie Rassismus, Xenophobie oder Sexismus unter den Begriff gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit gefasst ()

    Der Begriff Homophobie weist auf Angst als Ursache des ablehnenden Verhaltens (siehe dazu unten Ursachen von Homophobie). Angst ist ein anerkanntes Erklärungsmodell für das aggressive-ablehnende Verhalten nicht nur Jugendlicher, sondern auch Erwachsener gegenüber Homosexuellen, und zwar nicht Angst vor diesen Personen, sondern eine tiefsitzende, oft unbewusste Angst vor den eigenen unterdrückten Persönlichkeitsanteilen ()

    Aus tiefenpsychologischer Sicht handelt es sich bei Homophobie wie bei Sexismus, Rassismus oder Antisemitismus um eine meist unbewusste Angst, die eigene Identität in Frage zu stellen.[2] Homophobe Menschen beschäftigen sich häufig exzessiv mit Homosexualität und wollen sie bekämpfen.

    Die verschiedenen Formen homophober Gewalt (seitens Gesellschaft, Gruppierungen oder Individuen, usw.) müssen als gestörte Verhaltensweisen bezeichnet werden, die ihrerseits Lesben und Schwule in ihrer Entfaltung teilweise massiv beeinträchtigen und unter denen sich sekundär psychische Störungen entwickeln können.[2]

    Quelle:
    de.wikipedia.org/wiki/Homophobie

    PS
    AP wird wohl zur Kenntnis nehmen müssen, dass sich Wörter in ihrer Bedeutung allmählich wandeln, z.B. Gay = einst nur im Sinne von fröhlich benutzt, beschreibt heutzutage etwas ganz anderes. Oder geil = einst rein sexuell gemeint aber heute im Sinne von toll, großartig usw. nahezu ohne jeden sexuellen Bezug benutzt. Auch das englische cool hat sich längst von der Temperatur gelöst und beschreibt heute zusätzlich ein souveränes Reagieren und Verhalten. Und natürlich schwul = einst üble Beleidigung wurde es von der Schwulenbewegung zum positiv besetzten Begriff umgedeutet (inzwischen ist schwul jedoch wieder einmal im Wandel und steht bei vielen Jugendlichen für die Bezeichnung von "uncool", "schwach", "Opfer" usw.)
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#5 erererEhemaliges Profil
  • 27.11.2012, 18:13h
  • Fuehrt dieser Weg von '-phobie' wie 'Homophobie' durch 'anti-' wie 'antischwul' zum 'pro-' wie 'pro-Familie'? Mir gefaellt diese Idee ganz und gar nicht.
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#6 Mr DödlAnonym
  • 27.11.2012, 18:18h
  • Antwort auf #3 von Doc Queer
  • Sehe ich auch so.

    Homophobie ist ein Teil der Homofeindlichkeit, weil Homofeindlichkeit durch irrationale Ängste und auch durch Verdrängung eigener homosexueller Anteile entstehen kann, aber nicht zwingend muss.

    Homophobie ist immer homofeindlich, aber "Homofeinde" sind (zwar häufig, aber) nicht immer homophob.
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#7 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 27.11.2012, 19:02h
  • Die Übersetzung von "anti-gay" ist doch einfach: homofeindlich und das bringt es auf den Punkt!
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#8 LinguistAnonym
  • 27.11.2012, 19:34h
  • Es kommt nicht drauf an, wie ein Wort von Laienlinguisten interpretiert wird, die irgendwelche Wortstämme wortwörtlich interpretieren.

    Sondern wie ein Wort im Alltag benutzt wird. Und "homophob" bzw. "Homophobie" hat sich nun mal für den Hass auf Schwule, Lesben, Bi- und Transsexuelle durchgesetzt.

    Insofern eine dumme (und gefährliche) Entscheidung von AP. Die Mehrheit wird weiter von Homophobie sprechen und AP wird nicht alleine die Sprache ändern können, nur weil irgendein Laie das nicht kapiert.
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#9 SoleilProfil
#10 LinguistAnonym
  • 27.11.2012, 20:38h
  • Antwort auf #7 von FoXXXyness
  • Nur funktioniert Sprache nicht so, dass sich einer ein Wort ausdenkt, was er gut findet und dann übernehmen das alle automatisch.

    Selbst wenn ein etabliertes Wort "schlechter" wäre, ist es halt im Gebrauch.
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