Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://queer.de/?1797

Coolness ist eine Frage der Muschel – mit diesem Slogan wirbt eine Kölner Firma für ihr neuestes Designobjekt...aber cool macht das nicht wirklich.

Von Tanja Reinsfelder

Coolness ist eine Frage der Muschel – mit diesem Slogan wirbt eine Kölner Firma für ihr neuestes Designobjekt, das Freakyphone. Bei dieser Erfindung aus der Reihe "Dinge, die die Welt nicht braucht" handelt es sich um einen traditionellen, fast antiken Telefonhörer, den noch jeder aus seinen Kinderzeiten vom elterlichen Wählscheiben-Telefon kennt. Dieser wird zum Headset umgebaut und kann somit mit Hilfe eines Adapters problemlos an (fast) jedes Handy angeschlossen werden.

Das Angebot an Modellen reicht vom dezent schwarzen "Alten Knacker" aus den 40er Jahren über den Standard-Hörer "Freaky Grau" der 60er bis hin zu "Türkise Wonne" im Metallic-Look aus den 80ern. Die Preise reichen von 40 bis zu 85 Euro. Bei jedem Stück handelt es um ein Einzelstück, das von Hand umgebaut wird. Das Telefon, das ursprünglich mit dem Hörer betrieben wurde, wird gleich als Hörerhalter für zu Hause mitgeliefert.

Auf die Frage "Wer braucht so etwas?" antwortet das Team um Georg Leciejewski gleich selbst mit einem klaren "NIEMAND!" und einem nicht mehr ganz so klaren "...wirklich niemand?". Schließlich habe doch der Hörer einige Vorteile, mit denen kein Headset mithalten könne: "Er schmiegt sich geradezu an Ihr Ohr, lässt sich mit der Schulter einklemmen und liegt satt in der Hand." Einen sehr entscheidenden und wichtigen Nebeneffekt habe das Freakyphone außerdem: "Unsere Freakyphones sind geradezu Kontaktmaschinen." Die Designer versprechen, dass wildfremde Menschen auf der Straße den Nutzer dieses Hörers ansprechen werden, um sich davon zu überzeugen, dass er wirklich funktioniert. So schnell habe man noch nie eine Telefonnummer bekommen.

Aber braucht diesen Hörer wirklich jemand? Wollten wir nicht alle in den letzten Jahren möglichst kleine Handys und Headsets haben? Es ist doch wesentlich bequemer, das Telefon in einer Jackentasche zu verstauen und beim Telefonieren nichts mehr in der Hand zu haben. Schlägt die technische Entwicklung jetzt wirklich wieder ins Gegenteil um? Da haben wir ja nochmal Glück gehabt, dass die Designer nicht auch noch das Handy in ein Wähltelefon eingebaut haben und wir nicht mit einem kompletten Telefon durch die Straßen laufen müssen. Vielleicht ist es ja auch eine "Kontaktmaschine", wenn man mit den Spiralkabeln anderer Telefonierer aneinander hängenbleibt. Und wer meint wirklich, dass er attraktiv auf fremde Menschen wirkt, wenn er mit schiefem Kopf, einen Hörer zwischen Schulter und Hals eingeklemmt, durch die Stadt läuft? Ganz zu schweigen von den Folgeschäden wie Verspannungen und Muskelentzündungen im Nackenbereich durch die Daueranspannung. Es gibt bestimmt noch zahlreiche andere Möglichkeiten, wirklich peinlich aufzufallen.Coolness ist eine Frage der Muschel – aber nicht alles ist cool.



#1 Jan ScharnowskiAnonym
  • 18.10.2004, 20:10h
  • Vielen Dank für Euren ausführlichen kritischen
    Bericht über die Freakyphones. Und wir dachten
    schon die Presse säht uns nur zufriedene Blümchen.
    Trotzdem nochmal ins Detail. "Peinlich" ist genau das
    richtige Stichwort. In unserer Gesellschaft muss alles
    funktionell, praktisch und farblos sein - das ist
    Mainstream! Bloss nix falschmachen und im
    Einheitsbrei mitschwimmen. Wir wollen peinlich sein!
    Eine Homage an die guten alten Hörerzeiten und ein
    Kampf gegen die deutsche Ernsthaftigkeit. Und dann
    gibts auch ein Hörer im Froteemantel und notfalls
    packen wir noch eine ganze Telefonzelle auf den
    rücken.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 Der auf dem Bild im ArtikelAnonym
  • 18.10.2004, 22:41h
  • Auch wenn´s in euren Augen peinlich erscheint - ich bin
    der auf dem Foto im Artikel, and i´m proud to be peinlich.
  • Antworten » | Direktlink »
#3 M1Anonym