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"'Risikogruppen' sollen zum HIV-Zwangstest" – so beschreibt die Online-Ausgabe der "Welt" aktuell einen Artikel zu einem Gesetzentwurf aus Sachsen-Anhalt. Er verbreitet sich wie wild in sozialen Medien, gerade unter aufgeschreckten Schwulen.

Dabei ist die Geschichte weder neu, Queer.de hat darüber als eines der ersten Medien am 13. Juli (!) berichtet, noch ist sie so alarmierend, wie sie klingt: Die Behörden haben überhaupt nicht vor, ganze Teile der Bevölkerung zwangszutesten.

Sie wollen auch nicht die "Untersuchung bei bestimmten Gruppen zur Pflicht machen", wie die "Welt" weiter schreibt, im Gesetzentwurf werden vermeintliche Risikogruppen nicht mal erwähnt. Stattdessen sollen die Polizei und andere Behörden das Recht bekommen, Einzelpersonen nach einem begründeten Verdacht auf HIV testen zu lassen, um eine Gefahr abwenden zu können, etwa nach einem Unfall für Ersthelfer, die sich danach selbst auf HIV testen lassen und ggf. eine Postexpositionsprophylaxen-Behandlung beginnen können (näheres im Beitrag aus dem Juli).

Das ist auch falsch und schlimm und wurde noch im Juli unter anderem von der Deutschen Aids-Hilfe und vom LSVD kritisiert und später gar von der Bundesregierung auf Anfrage der Linken als verfassungswidrig eingestuft. Es ist aber nicht der Kommando-Überfall auf Randgruppen, den die "Welt" daraus macht. Von all den Vorbedingungen für den Zwangstest ist in dem Bericht nichts zu lesen. Auch nichts davon, dass in Niedersachsen ein entsprechendes Gesetz schon seit Jahren in Kraft ist.

Offenbar erhoffen sich einige Medien einen Rückfall in die Zeiten eines Gauweilers, als der bayrische Innenminister noch HIV-Positive internieren wollte und man mit Aids-Hysterie Riesenschlagzeilen machen konnte. Den Vogel der Aufregung schoss am Freitag das Billigautorenportal Suite 101 ab, mit der Überschrift "Zwangstest für HIV / AIDS – Risikogruppen: Wie einst unter Hitler".

Auch andere Online-Medien (und selbst das Szenemagazin Blu) berichteten am Freitag ähnlich hysterisch über das Vorhaben aus Sachsen-Anhalt wie die "Welt", anstatt zu schildern, worum es wirklich geht. Dabei stand das alles schon im Artikel der "Mitteldeutschen Zeitung", auf den sich die "Welt" und die anderen Berichte beziehen.

Das Innenministerium halte trotz der monatelangen Kritik "am Entwurf fest und verweist auf andere Bundesländer, die einen ähnlichen Passus in ihrem Polizeigesetz hätten", schrieb die "Mitteldeutsche" und bot damit genug Anlass für eine aktuelle wie zielgerichtete Kritik und eine hintergründige Berichterstattung. Es kam auch eine Sprecherin des Ministeriums zu Wort, mit der geradezu prophetischen Aussage: "Die Fokussierung auf gleichgeschlechtlich Lebende ist eine gewollte Skandalisierung". Die Medien machen ihr den Job viel zu einfach.

Nachtrag, 18.20h: Inzwischen hat auch die Deutsche Aids-Hilfe in einer Presseerklärung "missverständliche Medienberichte" richtig gestellt und zugleich ihre Kritik am Gesetzentwurf erneuert.



#2 PascalAnonym
#3 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 30.11.2012, 15:34h
  • Das war wieder einmal klar, daß dieses Thema am Vorabend des Welt-AIDS-Tages zur Sprache kommt und ich frage mich, ob Sachsen-Anhalt denn keine anderen Sorgen hat!
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#4 Christian KnuthAnonym
  • 30.11.2012, 16:23h
  • blu schreibt man klein. Immer noch.
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  • Anm. d. Red.: RP Online nutzt man ohne Artikel.
#5 FelixAnonym
  • 30.11.2012, 20:53h
  • Tja, die Welt gehört halt auch zum Springer-Konzern.

    Das ist im Prinzip die weniger schreiend aufgemachte Version der Bild-Zeitung.
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#6 imwestennixneuesAnonym
  • 03.12.2012, 17:34h
  • "Die Welt" Zeitung wird täglich populistischer, fremdenfeindlicher und sexistischer.
    Mit geschickt ausgewählten, eingestreuten und plazierten Artikeln sollen gegenübergestellte Gruppen wie Ausländer und Deutsche, Männer und Frauen, Homos und Heteros, sich möglichst feindlich gegenüber gesonnen sein.
    Fast schlimmer als die Bild, weil "die Welt" selbst von vielen Gebildeten als seriöses Medium betrachtet wird.
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