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  • 02.12.2012           7      Teilen:   |

Ingwer-Plugs aus dem schwulen Kräutergarten

Die Anthologie "Kräuter-Code" vereint zehn mehr oder weniger gelungene schwule Kurzgeschichten von acht Autoren
Die Anthologie "Kräuter-Code" vereint zehn mehr oder weniger gelungene schwule Kurzgeschichten von acht Autoren

Der neue incubus Verlag hat sich auf schwule Literatur spezialisiert. Eines seiner beiden ersten Bücher ist die Kurzgeschichten-Anthologie "Kräuter-Code".

Von Angelo Algieri

Kräuter geben dem Essen die Würze, riechen gut, können heilende Wirkung haben und auch als Aphrodisiakum benutzt werden. Sie können im eigenen Garten wachsen oder aus exotischen Ländern stammen. Und auch im schwulen Leben spielen sie eine gewürzte Rolle, wenn wir den zehn Kurzgeschichten von acht Autoren in der Anthologie "Kräuter-Code" Glauben schenken dürfen. Das Buch ist eines der beiden ersten Bücher des neuen Dortmunder incubus Verlags, der das mutige Abenteuer eingegangen ist, sich auf schwule Literatur zu spezialisieren (queer.de berichtete).

Waldmeister, Salbei, Chili-Schoten, Schnittknoblauch und immer wieder Ingwer sind den Shortstorys des Bandes beigemengt. Diese Gewürzkräuter stehen nicht immer im Mittelpunkt, allerdings spielen sie meist eine gewichtige Nebenrolle.

So etwa gleich in der ersten Kurzgeschichte "Hunger" von C(ecil) Dewi. Sie spielt in Chile, am Zoll der wichtigen Hafenstadt Valparaíso. Am Unabhängigkeitstag hat der ungeoutete Ich-Erzähler Julian Dienst. Der aus Deutschland kommende Daniel will seine im Container befindliche Ware abholen. Doch sie steht schon seit Tagen unter Verschluss aufgrund nicht deklarierter Gewürze. Eigentlich wird eine solche Arbeit nicht an einem Feiertag erledigt – zu wenig Personal… Doch Julian fühlt sich von Daniel so dermaßen angezogen, dass er ein Auge zudrückt und mit ihm im Lager die Inspektion durchführt. Allerdings werden leidenschaftlich nicht nur die Kräuter geprüft…

Diese Erzählung besticht vor allem durch das Eintauchen in die chilenische Welt, die zwischen spröder Bürokratie und unbändiger Leidenschaft oszilliert. Sie spricht zugleich homophobe Lebenswirklichkeit, Armut und illegale Hundekämpfe an und ist insgesamt gut und spannend erzählt!

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Zwei Perlen von Jannis Plastargias und Devin Sumarno

Jannis Plastargias schrieb eine Trennungsgeschichte aus Madrid, die sich um die Pfefferminze dreht - Quelle: privat
Jannis Plastargias schrieb eine Trennungsgeschichte aus Madrid, die sich um die Pfefferminze dreht (Bild: privat)

Auch Jannis Plastargias fasziniert mit seiner Erzählung "Madonna in Madrid", die sich um die Pfefferminze dreht. Der Autor ist bereits mit seinem Jugendroman "Plattenbaugefühle" (queer.de rezensierte) aufgefallen. In seiner Kurzgeschichte geht es um die Überwindung der Liebesbeziehung zwischen dem Ich-Erzähler Tobias und Tom. Sie spielt in Madrid, wo Tom einen neuen Job hat. Die beiden haben sich zwar getrennt, doch Tobias hofft immer noch, dass sie wieder zusammenkommen. In der Woche, wo Tobias zu Besuch ist, überwindet er jedoch den Verlust und erkennt, dass er doch noch andere Männer lieben kann. Auch weil er João und Arturo kennenlernt… Das mag im ersten Augenblick banal klingen. Doch Plastargias gelingt es, die Wandlung des Innenlebens von Tobias spannend zu erzählen, auch wenn er skizzenhaft bis andeutend vorgeht. Zudem fällt diese Story rein formal auf: Sie ist wie ein Album mit Best-of-Liedern als Zwischenkapiteln aufgebaut.

Die berührendste, atemstockendste und vielschichtigste Kurzgeschichte der Anthologie liefert jedoch Devin Sumarno mit "Noahs Körper". Darin tauchen wir in die Beziehung zwischen Noah und Sebastian ein. Ihre Beziehung ist alles andere als normal. Denn Noah ist nach einem Verkehrsunfall nach mehreren Jahren ab dem sechsten Halswirbel gelähmt. Sebastian kümmert sich um seinen Freund im Rollstuhl. Doch nach den vielen Jahren ekelt es Noah, dass Sebastian ihn bemuttert. Auch bemerkt er, dass sich sein Freund bei einer Hochzeitsfeier erstmals für ihn schämt. Das schmerzt ihn, Noah fühlt sich gedemütigt. Kurz darauf kommt es zum Eklat. Noah sieht die Beziehung am Ende: "Aber wir lieben uns nicht mehr." Sebastians bittere Antwort darauf ist, dass sie sich noch genug lieben würden: "Es wird reichen."

Autor Sumarno versteht es nicht nur eine dichte, beklemmende Atmosphäre einer ungleichen Beziehung einzufangen, er beschreibt auch die körperlichen Handikaps, die eine solche Behinderung mit sich bringt. Dabei tappt er nicht in die Falle, eine Betroffenheitsgeschichte zu erzählen. Er schildert eine Beziehung, die in die Brüche geht – ohne "Erlösung". Außerdem macht er vor dem Tabu Sex mit Behinderung nicht Halt. Eine Story, die nachhaltig wirkt – wie gute Literatur sein muss!

Der Herausgeber der Anthologie bleibt anonym

In der Kurzgeschichte "Unter Feuer" von Levi Frost kommt ein Ingwer-Plug zum Einsatz...
In der Kurzgeschichte "Unter Feuer" von Levi Frost kommt ein Ingwer-Plug zum Einsatz...

Das kann man leider von den anderen Kurzgeschichten des Bandes nicht behaupten: Sie langweilen. Zum einen geht es ganz platt um Erotik-Geschichten. Von zart bis hart ist alles dabei, darunter auch ein Ingwer-Plug wie im Text "Unter Feuer" von Levi Frost. Zum anderen gehen diese Geschichten leider nach demselben eintönigen Strickmuster: Prägnanter Satz zu Beginn zum Eintauchen der Alltagsgeschichte, Rückblenden, Nebenrolle Kräuter, heftiges Begehren oder Sex und offener Schluss. Kurz: Sie bleiben der Form nach zu streng und konservativ beim Kurzgeschichten-Schema der Nachkriegsjahre. Mehr Mut zur Sprengung dieser Form, ja mehr Verspieltheit und Ironie hätte ich mir gewünscht.

Außerdem ärgerlich, dass in dieser Anthologie die Autoren im Anhang nicht vorgestellt werden, zumal die meisten von ihnen einen Literatur-Blog führen. Zudem spannend: Mit Raik Thorstad ist ein bigender Autor darunter. Zusätzlich fällt negativ auf, dass diese Anthologie keinen Herausgeber hat, der im Vor- oder Nachwort eine eigene Zuordnung angibt oder gar erklärt, wie die Idee zu dieser Anthologie überhaupt entstanden ist. Schade!

Dennoch: Wie bei jeder Anthologie, so besticht auch "Kräuter-Code" letztlich durch ihre Perlen, die sich wirklich zu lesen lohnen. Sie sind die Würze in diesem sonst faden Buch!

  Infos zum Buch
Kräuter-Code. Zehn Kurzgeschichten aus dem schwulen Leben. Von C. Dewi, Tracy S., Levi Frost, Jannis Plastargias, Raik Thorstad, Nik S. Martin, Gerry Stratmann, Devin Sumarno. Incubus Verlag, Dortmund 2012. 212 Seiten. 7,95 €. ISBN: 978-3-9815220-1-3.
Links zum Thema:
» Homepage des incubus Verlags
Mehr zum Thema:
» Blog von C(ecil) Dewi
» Facebook-Seite von Levi Frost
» Blog von Jannis Plastargias
» Blog von Raik Thorstad
» Homepage von Nik S(imon) Martin
» Blog von Gerry Stratmann
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Tags: incubus verlag, c. dewi, tracy s., levi frost, jannis plastargias, raik thorstad, nik s. martin, gerry stratmann, devin sumarno, kurzgeschichten, anthologie
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Reaktionen zu "Ingwer-Plugs aus dem schwulen Kräutergarten"


 7 User-Kommentare
« zurück  1  vor »

Die ersten:   
#1
02.12.2012
10:32:08


(+1, 1 Vote)

Von Hermann Conzen


Ich kann mich da nicht so vorbehaltlos anschließen, was die "anderen" Geschichten angeht. Alle Geschichten in diesem Buch haben mich gut unterhalten und ich erwarte nicht grundsätzlich von jeder Geschichte tiefgreifende Erkenntnisse oder mich aufregende oder aufwühlende Handlungen. Nein, für mich ist Lesen oft einfach Ablenkung von aktuellen Dingen, abschalten und kurzzeitig Eintauchen in eine andere Welt. Dem werden die Geschichten in diesem Buch gerecht und wenn vielleicht auch die eine oder andere das zweite Mal lesen nicht erreicht, habe ich den Kauf dieses Buches nicht bereut. Vielleicht erwarten wir auch einfach oft zuviel und sind dann enttäuscht, wenn der hohe Level nicht immer erreicht wird. Mir jedenfalls waren es alle Geschichten wert, gelesen zu werden


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#2
02.12.2012
16:05:33


(-2, 2 Votes)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Gewagt!


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#3
02.12.2012
22:36:20


(0, 2 Votes)

Von BobderBaumeister
Antwort zu Kommentar #2 von FoXXXyness


Gewagt? Das Buch oder der Kommentar?


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#4
03.12.2012
03:04:31


(+1, 1 Vote)

Von kokl


Wenn man die anderen Besprechungen vom selbsternanten Reich-Ranicki der schwulen Literatur kennt, dann ist das ja hier ein Lobgesang *gg*

Ansonsten: Wen interessiert ein Herausgeber? Was will ich mit Autorenvorstellungen? Und schon gar nicht möchte ich als Leser erst mal über das Wieso-weshalb-warum belabert werden. Das sind für mich tatsächlich olle Kamellen, die kein Mensch braucht. Die Storys dafür hab ich alle durchweg gern gelesen, auch wenn da manche tatsächlich besser sind als andere.


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#5
03.12.2012
08:24:58


(+1, 1 Vote)

Von Schneider


Nee, so ganz kann ich mich nicht anschließen.
Das so gelobte "Madonna in Madrid" beispielsweise hat mich überhaupt nicht erreicht. Vielleicht ist mir alles zu knapp skizziert, oder das Weltuntergangsgejammer des Haupthelden hat mich zu sehr genervt. Ich weiß noch immer nicht, warum Pfefferminz relevant für den Inhalt ist.
Dafür bin ich überrascht von Thorstads "Basilikum" - wo es aus meiner Sicht weder um platte Erotik geht, noch fühlte ich mich gelangweilt. Da wird durchaus etwas transportiert, was nachhallt
Wenn mich die Vita von Autoren interessiert, kann ich das selbst recherchieren. Bei Romanen sehe ich ein, dass die erwähnt wird, aber hier? Entbehrlich.
Und ob ein Autor bigender oder transsexuell oder sonstwas ist, finde ich nicht spannend, sondern total nebensächlich.
Das Buch hat starke und schwache Momente. Fade fand ich es nicht. Aber ich habe bei einer Kurzgeschichtensammlung als Verlagsdebut auch keine Mischung höchst intellektueller, irre innovativer und komplett tiefschürfender Texte erwartet. Ich wollte gute Unterhaltung, und die habe ich absolut bekommen.


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#6
03.12.2012
08:57:17


(0, 0 Vote)

Von ehemaligem User FoXXXyness
Antwort zu Kommentar #3 von BobderBaumeister


Das Buch!


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#7
03.12.2012
09:56:36


(0, 2 Votes)

Von BobderBaumeister
Antwort zu Kommentar #6 von FoXXXyness


Und? Wagnis geglückt?


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