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  • 02.12.2012           20      Teilen:   |

Bear Pride Week

Mit Beats, Bart und Penispumpe zum Mr. Bear

Fünf Kandidaten, ein Teddybär und ein Ex-Mister (vorn). Die Wahl zum Mr. Bear Germany 2013 - Quelle: Marc Kersten
Fünf Kandidaten, ein Teddybär und ein Ex-Mister (vorn). Die Wahl zum Mr. Bear Germany 2013 (Bild: Marc Kersten)

Der 33-jährige Maik Conrath aus Herne ist am Samstag zum Mr. Bear Germany 2013 gekürt worden. Ein haariger Report aus dem Kölner Gloria.

Von Christian Scheuß

Bär-Kruzifix, ich hab nix anzuziehen! Also nichts, was irgendwie standesgemäß ist für einen Bear Pride. Es ist meine erste Bärenveranstaltung, die ich besuche, da will ich mich nicht blamieren. Ist sowieso höchste Zeit, sich dort mal blicken zu lassen. Mit Mitte Vierzig gehöre ich zur Kategorie "reifer Kerl", mein Brustfell wird immer üppiger. Dass ich Hosen brauche, die eine Nummer größer sind, habe ich inzwischen akzeptiert. Egal, schwarzes T-Shirt, dunkle Jeans, Sneaker, das passt in den meisten Fällen. Ich bin ja schließlich als Journalist da, um die wahren Bären zu sehen, von denen einer zum Mr. Bear Germany 2013 gekürt werden wird.

Seit vergangenen Dienstag wird die Domstadt von auffallend vielen Männern mit Bart im Gesicht und Haaren auf der Brust bevölkert, die in Grüppchen durch die Innenstadt ziehen. Die Kölner Bartmänner haben zur internationalen Bear Pride Week geladen. Mann feiert – ganz befreit von Jugendkult und Schlankheitswahn – in den Clubs, schwitzt und cruist in der Sauna, schiebt eine ruhige Kegelkugel, versucht sich im Bingo oder verspeist den Flammkuchen in der Brennerei Weiß. Der Höhepunkt des international beliebten wie bekannten Treffens ist – eigentlich – die Wahl des nächsten Mr. Bear Germany. Als am Samstagabend kurz nach 20 Uhr die Lichter auf der Bühne im Kölner Gloria angehen, hätte das Motto gut lauten können: "Stell Dir vor, es ist Bear Pride, und kaum einer geht hin." Gerade mal 200 Personen halten sich in dem Saal auf, der locker 500 Leute fasst.

Als der Mr. Bear Germany vor zwei Jahren gekürt wurde, strömten noch 1.200 Leute zu der Veranstaltung, im vergangenen Jahr waren es immerhin noch 600. Gründe für die akute Leere? Das "katastrophal organisierte und moderierte Programm des vergangenen Jahres", vermuten die einen. Die Wirtschaftskrise, munkeln andere. Tatsache ist: Die zahlenmäßig sonst so starken Bären aus Spanien und Italien sind zu Hause geblieben.

"Es kann nur besser werden", mag sich Klaus Regel hinter dem Bühnenvorhang gedacht haben. Unbeirrt eröffnet er singend und mit bunt blinkender Pilotenuniform den Abend unter dem Motto "Bearwings …the furry way to fly". Als ehemaliger Mr. Bear Germany 2003 & International Mr. Bear 2003 ist er erfahren genug mit öffentlichen Auftritten. Sein Charme und Witz zieht die Aufmerksamkeit auf das Geschehen im Rampenlicht. Dort marschieren die fünf Kandidaten auf, die sich in den Vorentscheiden und dem Online-Voting in den vergangenen Wochen durchsetzen konnten. Klaus weiß aus eigener Erfahrung, wie es den Mr. Bear-Anwärtern geht: Da schlottern gerade die Knie von fünf Kerlen. Die Kandidaten sind sich aber bewusst: Sollen die Bärenfelle nicht davonschwimmen, müssen sie sich ins Zeug legen und das Publikum, das abstimmen darf, überzeugen.

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Wie wird man eigentlich Mr. Bear? Braust raus, Blamagen vermeiden

Nils Amrun hat im vergangenen Jahr die Schärpe getragen, jetzt muss er abdanken. - Quelle: Marc Kersten
Nils Amrun hat im vergangenen Jahr die Schärpe getragen, jetzt muss er abdanken. (Bild: Marc Kersten)

Wie wird man eigentlich Mr. Bear Germany? Nun, man muss ein paar Standard-Fragen über sein Leben beantworten, möglichst blamagefrei ein paar Kindergeburtstagsspiele überstehen, einmal in Badehose über den Laufsteg stampfen und mit einer kleinen selbstkreierten Bühnenshow brillieren. Der freie Oberkörper ist zwar nicht verpflichtend für die Kandidaten, doch sie wissen, was ihr Publikum erwartet. Bauch und Brust als Insignien der Männlichkeit zeigen sie gern her.

Während die fünf Anwärter kläglich am Bauchtanz mit pinken Hoola-Hoop-Reifen scheitern, sich in einer nachgestellten Szene am Flughafenzoll mehr oder weniger originell für aus dem Koffer gefischte Sextoys rechtfertigen sollen oder – sehr mutig – in der mit inzwischen rund 350 Gästen immer noch recht leeren Halle per Stagediving von der Menge tragen lassen, schaut Nils Amert dem Treiben halb amüsiert, halb wehmütig zu. In wenigen Minuten wird es sich auf seiner rechten Schulter wieder etwas luftiger und leichter anfühlen. Der Mr. Bear Germany 2012 muss die lederne Schärpe ablegen und an seinen Nachfolger übergeben. Vor einem Jahr rockte er die Bühne. "Ich kann es manchmal noch nicht fassen, was im letzten Jahr passiert ist, dafür dass ich vorher nur drei Mal in der Szene unterwegs war", erzählt er. Mit gerade mal 23 Jahren errang er als bislang jüngster Gewinner den weltweit ältesten Mr.-Titel. 19 Mal sei er danach mit seiner Schärpe im Einsatz gewesen, eine anstrengende wie spannende Zeit. Der Titel habe ihm Türen geöffnet, angesprochen worden sei er jedoch überwiegend von Älteren, die sich freuten über den jungen Mann, der ihre Szene repräsentierte. "Gleichaltrige sind dagegen eher auf Distanz geblieben" wundert er sich und vermutet dahinter einen falsch verstandenen Respekt vor diesem Amt.

Was den weiteren Bärennachwuchs angeht, braucht sich die Community keine großen Sorgen zu machen. Drei der fünf Kandidaten sind unter 30. Der Leipziger Uwe Wagner ist mit seinen 45 Jahren der älteste Bewerber. Er setzt nicht auf Show, er versucht es mit Anekdoten, die er mit seiner auffallend rauen Stimme zum Besten gibt. So stellt er fest, dass er mit seinem Geburtsdatum 11.11. und der Geburtszeit 11:11 Uhr eigentlich perfekt ins Rheinland passe. Und er berichtet, wie er einmal von RTL mit versteckter Kamera hereingelegt worden war und anschließend den Titel "Sachsens unfreundlichster Kellner" verpasst bekam. Der Schweizer Pietro Totaro (28) ist ein professioneller Cocktailmixer. Mit Pyrotechnik und Trockeneis schüttelt und rührt er einen "Weather Girls-Remix-Cocktail", der dem kostenden Publikum trotz Mischverhältnis aus dem Handgelenk gut schmeckt. Dafür wird er mit dem dritten Platz belohnt. Nesthäkchen Felix Böhme (23) aus Gelsenkirchen berichtet von seinem zweiten Coming-out als Bär, nachdem er zuvor wegen ständiger Lästereien von Freunden seine Behaarung regelmäßig wegrasiert hatte. Bemerkenswert auch sein Musikgeschmack: Punk und sein Idol: Rio Reiser. Er landet auf dem zweiten Platz.

Schornsteinfeger bringen nicht nur Glück, sie haben selber welches

Siegerpose: Maik Conrath bekommt den Segen der Schwestern der perpetuellen Indulgenz - Quelle: Marc Kersten
Siegerpose: Maik Conrath bekommt den Segen der Schwestern der perpetuellen Indulgenz (Bild: Marc Kersten)

Der Hamburger Alexander Lieder (28) hat sich alle sieben Todsünden in lateinischer Sprache auf die Brust tätowieren lassen. Welche tiefere Bedeutung das für ihn hat, erfahren wir leider nicht. Dafür aber, dass sein Traummann "sehr treu" sein muss, auch sexuell. Ein Statement, das man von fast allen Kandidaten vernimmt. Gerät da gerade mit dem Generationenwechsel das Model "offene Beziehung" aus der Mode oder sprechen hier Singles, die ihre Beziehungserfahrungen noch machen müssen? Die Statistiken zum Leben schwuler Männer zeigen bislang unverändert an, dass die sexuelle Treue bei Paaren, die lange zusammen sind, in der Regel aufweicht.

Mit dem 33-jährigen Maik Conrath aus Herne steht ein selbstbewusster Ruhrgebiets-Malocher auf der Bühne. Er ist Schornsteinfeger von Beruf. Wenn er keine Kamine kehrt, stellt er sich gern mal hinter ein DJ-Pult, um andere mit elektronischen Beats in Wallung zu bringen. Wie das funktioniert, das demonstriert er an sich selbst. Zu Technogewummer tanzt er eine taktgenaue Choreographie, in der er sich zumindest bis zum Bauchnabel von seiner Schornsteinfeger-Kluft befreit. Die riesige Penispumpe beim "Zollcheck" deklariert er clever zur "Ruß-Pumpe", die er für seine Arbeit benötigt. Das Publikum steht drauf und bringt ihn mit der Mehrheit der Stimmen nicht nur ans Ziel seiner Träume. Er gerät auch aus der Fassung. Es braucht erst den beruhigenden Segen der Schwestern der perpetuellen Indulgenz, um wieder Worte zu finden. Aus Neugier habe er sich um den Titel beworben. Nun wird sein Wunsch, "unsere Bärenszene in Deutschland zu repräsentieren", wahr…

Links zum Thema:
» Website des Bear Pride Cologne
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Wahl zum Mr. Bear Germany 2013, Gloria, Köln, 01.12.12

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Reaktionen zu "Mit Beats, Bart und Penispumpe zum Mr. Bear"


 20 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
02.12.2012
18:37:09


(-9, 9 Votes)

Von HAIRRY


und dann kommt der "alterszucker" (diabetes) und die haare fallen aus !


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#2
02.12.2012
21:17:50


(-12, 12 Votes)

Von ehemaligem User Darkpaw


Bear-Pride.....wird die Menschheit immer bekloppter.....


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#3
03.12.2012
01:48:18
Via Handy


(+8, 8 Votes)

Von Martin28a
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Lieber Teddys als wilde Schwule skins


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#4
03.12.2012
05:14:23


(-7, 9 Votes)

Von chilland


Läuse-Leitern waren noch nie so mein Ding.


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#5
03.12.2012
06:37:50


(+7, 9 Votes)

Von RetKon


Oh Leute, stop the hate.


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#6
03.12.2012
08:15:16


(+7, 9 Votes)

Von SchwTA


Immer wieder erfrischend, was der Standard-Schwule so über die Bären denkt...wie war nochmal das Wort, das die sonst in den Mund nehmen, wenn man nicht nach ihrer Pfeife tanzt? Ach ja: "Toleranz". Schön, dass man sich auch gegenseitig zerfleischt, dann müssen das die Politiker und die Gläubigen nicht machen. Nur weiter so! Die Bären sind nicht nur älter, haariger und beleibter...ich hab' mir sagen lassen, dass die sogar schwul sind *bääääääää*.


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#7
03.12.2012
09:12:56


(-3, 5 Votes)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Maik hat den Titel verdient! Er ist übrigens nicht der erste Schwule, der aus Herne kommt: auch der Schlagerstar Jürgen Marcus ist von dort.


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#8
03.12.2012
09:55:37


(+2, 4 Votes)

Von Foxie
Antwort zu Kommentar #6 von SchwTA


Genauso sehe ich das auch. Wo bleibt die immer so gern beschworene Toleranz, wenn einige hier alle anderen ablehnen, die nicht haar(los?)- genau wie sie selber sind?

Die Bears sind ganz normal anders, wie wir auch.
Artenvielfalt macht doch die LGBT- Community
bunt und interessant, oder etwa nicht?


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#9
03.12.2012
11:05:39


(+1, 3 Votes)

Von userer
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #7 von FoXXXyness


Link:
tinyurl.com/blm8ha4


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#10
03.12.2012
13:21:20


(0, 4 Votes)

Von chilland
Antwort zu Kommentar #6 von SchwTA


Warum ? Deshalb kann es doch mein bester Freund sein. Dazu muß ich doch die Läuse-Leiter nicht mögen. Was hat das mit Toleranz zu tun, wenn man eine andere Meinung hat ? Immer diese Drama-Queens. Hachgottchen.... Und Standard bin ich auch nicht. Das sind wohl eher die anderen. Die Mehrzahl.Ich ficke auch ohne Kondom.


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