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  • 04.12.2012           85      Teilen:   |

ARD-Talkshow

"Hart aber fair": Warnung vor "homosexuellem Hype"

Die Runde: Martin Lohmann, Birgit Kelle, Stefan Kaufmann, Lucy Diakovska und Ralph Morgenstern
Die Runde: Martin Lohmann, Birgit Kelle, Stefan Kaufmann, Lucy Diakovska und Ralph Morgenstern

Bei "Hart aber fair" versuchen zwei reaktionäre katholische Aktivisten, die Zeit zurückzudrehen – und wollen nebenbei noch Ralph Morgenstern zur Heterosexualität bekehren.

Von Dennis Klein

"Wieso fordert eigentlich jemand gleiche Rechte, der so viel Wert aufs Anderssein legt?", eröffnet Frank Plasberg die "Hart aber fair"-Runde am Montag. Man könnte auch fragen: Warum fordern Juden die gleiche Rechte, wo sie doch sonntags nicht in unsere schönen Kirchen gehen? Die Diskussion mit dem Titel "Papa, Papa, Kind: Homo-Ehe ohne Grenzen?" beginnt also gleich blutdrucksteigernd. Als dann die fünf Gäste vorgestellt werden, wird es schlimmer: Mit der katholischen Publizistin Birgit Kelle und dem Theologen Martin Lohmann sind zwei Hardcore-Katholiken am Start, die am liebsten die Sichtbarkeit von Homosexuellen auf den Stand der 50er Jahre zurückversetzen wollen.

Der größte Teil der Diskussion dreht sich nicht um den Antrag einiger CDU-Abgeordneter zur Gleichstellung von eingetragenen Lebenspartnern im Einkommensteuerrecht, den der schwule Stuttgarter CDU-Chef Stefan Kaufmann vorstellt. Nichts zu hören ist von Kindern aus Regenbogenfamilien, obwohl diese doch das Titelthema sind. Statt dessen verschwendet die Runde die meiste Zeit mit dem schwul-lesbischen Weihnachtsmarkt in Köln – kein Wunder, ist der doch zwei U-Bahn-Stationen vom Studio entfernt und eignet sich für einige Aufnahmen einer singenden Dragqueen und halbnackter Jungs bei einer Modenschau. Für die beiden Katholiken in der Runde ist das der Untergang des Abendlandes: Birgit Kelle fühlt sich davon "provoziert", während Lohmann den "homosexuellen Hype" lamentiert und über Homosexuelle als "gefühlte Mehrheit" spricht.

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"Falsche Erfahrungen mit Heterosexualität"

So bebilderte die WDR-Redaktion die Sendung: Ein schwuler Weihnachtskalender soll als Kronzeuge herhalten, dass Heterosexuelle mehr Rechte verdienen als der gemeine Homo
So bebilderte die WDR-Redaktion die Sendung: Ein schwuler Weihnachtskalender soll als Kronzeuge herhalten, dass Heterosexuelle mehr Rechte verdienen als der gemeine Homo

Die beiden herzenskalten Fundis schrecken dabei nicht davor zurück, die anwesenden homosexuellen Gäste aus der Unterhaltungsindustrie – die lesbische Pop-Sängerin Lucy Diakovska von den No Angels und den schwulen Moderator Ralph Morgenstern – mit Bekehrungsversuchen zu überhäufen. Hier sind drei Zitate von Lohmann, die er in der besten ARD-Sendezeit von sich geben darf: "Vielleicht haben Sie falsche heterosexuelle Erfahrungen gemacht." – "Ich glaube, dass sie manche falschen Erfahrungen mit Heterosexualität gemacht haben und in ihrer Sexualität nicht zu dem Punkt gekommen sind, der die komplette Erfüllung ermöglicht" – "Ich wünsche Herrn Morgenstern, dass er die Schönheit einer klaren heterosexuellen Lebenswelt wiederentdeckt".

Solche Aussagen sind es, die jungen Schwulen und Lesben das Coming-out unheimlich schwer machen – und sie sogar manchmal in den Selbstmord treiben, weil sie denken, dass mit ihnen etwas nicht stimmt. Leider sind weder Lucy noch Ralph Morgenstern den beiden katholischen Wortverdrehern rhetorisch gewachsen – und CDU-Mann Kaufmann hält sich aus der Diskussion heraus, die ihm sichtlich unangenehm ist. Immerhin sind Lohmann und Kelle seine Parteifreunde.

Martin Lohmann bei einem Versuch, Ralph Morgenstern zu bekehren
Martin Lohmann bei einem Versuch, Ralph Morgenstern zu bekehren

Am meisten Gegenwehr kommt noch vom Moderator, der immer wieder an den gesunden Menschenverstand appelliert. Als Plasberg Lohmann fragt, ob dieser nur einmal mit seiner Frau Sex gehabt habe, weil er ja nur eine Tochter hat, findet der Katholik die Frage "primitiv" und reitet die ganze Sendung auf ihr herum. Er selbst erklärt aber, dass "Homosexuelle und Lesben" generell Identifikationsprobleme mit der Sexualität hätten.

Am Ende der Sendung liefert immerhin noch Irmgard Franken, die Mutter eines schwulen Sohnes, einen versöhnlichen Abschluss. Sie erzählt vom schwierigen Prozess des Coming-outs. So habe sie bemerkt, dass sich ihr Sohn "eigentlich nie für Mädchen interessiert" habe. Im Alter von 19 Jahren fragte sie ihn dann, ob er schwul ist – was er bejahte. Nun ist sie erschüttert, wie in der Familie hinter ihrem Rücken getuschelt werde. "Das tut richtig weh, das geht nicht", so Franken. Und bezieht sich dabei wohl auch auf die beiden katholischen Diskussionsteilnehmer, die solche Ressentiments sogar in aller Öffentlichkeit pflegen.

Links zum Thema:
» Sendung in der ARD-Mediathek ansehen
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Tags: hart aber fair, ralph morgenstern, frank plasberg, stefan kaufmann, lucy diakovska, birgit kelle
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Reaktionen zu ""Hart aber fair": Warnung vor "homosexuellem Hype""


 85 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
04.12.2012
10:40:11


(+17, 19 Votes)

Von CarstenFfm
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Hätte man den religiösen Fanatikern Volker Beck gegenüber gesetzt, der hätte sie schön auseinderganommen.


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#2
04.12.2012
10:42:29


(+21, 21 Votes)

Von TV Kritik


@Dennis Klein (Queer.de Redaktion)

Lieber Dennis Klein,

Ihre TV-Kritik bringt die Sendung derart präzise auf den Punkt, dass ich mich mit Ihrem Text tatsächlich zu 100 % identifizieren kann.

So hätte ich es geschrieben, wenn ich mehr als nur einen Kurzkommentar verfasst hätte (siehe meine Kurzkritik im 2. Artikel über 'Hart aber fair' von gestern).

Dass ein "Krieg" weit rechts stehender Kleriker und Politiker gegen uns Schwule und Lesben tobt, scheinen einige aus unserer Mitte noch gar nicht mitbekommen haben (Stichworte: 'kreuz.net' - 'kath.net' - 'kreuzgang.org' - 'Berliner Kreis in der CDU' - CDU Fulda usw. usw.).

Dass Leute aus diesen, politisch weit rechts stehenden, Kreisen sich auf Sendungen, wie die gestrige, detailliert vorbereiten und Studien als "irrelevant" und "nicht aussagekräftig" bezeichnen können, ohne dass von schwul-lesbischer Seite auch nur ansatzweise dem widersprochen wird, weil "Entertainer" meist keinen blassen Schimmer davon haben, von welchen Studien die überhaupt reden, ist eine Katastrophe!

Natürlich gibt es unter Schwulen und Lesben eine Menge intelligente, belesene und sachkundige Menschen und genau die werden benötigt, wenn es darum geht rechten Hardlinern verbal Paroli zu bieten.

Was da gestern ablief, war dagegen unglaublich dilettantisch von unserer Seite. Morgenstern sollte Theater spielen und Lucy singen, von politischen Debatten, von denen in der Öffentlichkeit viel hängen bleibt, haben sie keine Ahnung.

Ich habe mich zeitweise geschämt, zu sehen wie Kaufmann-Morgenstern-Diakovska völlig hilf- und ahnungslos in eine rhetorische Falle der Gegenseite, nach der anderen tappten.

DAS MUSS SICH ÄNDERN! Sonst werden wir verlieren!


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#3
04.12.2012
10:45:58


(+12, 14 Votes)

Von Foxie


Und wieder zwei Gespenster aus der dunklen Vergangenheit!

Wenn´s nicht so ernst, könnte man drüber lachen.

Homosexuelle als "gefühlte Mehrheit"?
Das ist gut so!


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#4
04.12.2012
10:47:37


(+13, 15 Votes)

Von MeineFresse


"Vielleicht haben sie falsche heterosexuelle Erfahrungen gemacht." "Ich glaube, dass sie manche falschen Erfahrungen mit Heterosexualität gemacht haben und in ihrer Sexualität nicht zu dem Punkt gekommen sind, die die komplette Erfüllung ermöglicht" "ich wünsche Herrn Morgenstern, dass er die Schönheit einer klaren heterosexuellen Lebenswelt wiederentdeckt". "

Der braucht wohl man ein paar hinter die Ohren dass er etwas Respekt lernt.
Was fällt diesem dummen Vogel bitte ein, unaufgefordert und qualifikationslos irgendwelche frechen Diagnosen über das Leben eines völlig Fremden anzustellen?
Über sowas könnte ich mich stundenlang aufregen.
Ich habe die Sendung nicht gesehen. Hat der Adressat da in irgendeiner Weise drauf reagiert?
Davon mal abgesehen wenn schlechte Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht einen homosexuell machen, dann wären Homosexuelle wohl kaum eine gefühlte Mehrheit, sondern eine tatsächliche


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#5
04.12.2012
10:53:23


(+5, 9 Votes)

Von ehemaligem User FoXXXyness
Antwort zu Kommentar #1 von CarstenFfm


Und ich hätte mir die Sendung nicht angesehen! Es war gut, daß das Thema besprochen wurde. Leider kamen Kinder aus Regenbogenfamilien überhaupt nicht in der Diskussion vor!

Die beste war gestern Abend Irmgard Franken (ihr Sohn saß übrigens im Publikum, was Herr Plasberg vergaß zu erwähnen)!


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#6
04.12.2012
10:57:29


(+11, 11 Votes)

Von CarstenFfm
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #4 von MeineFresse


Nein er hat nicht drauf reagiert - und das war eben schwach. Er hat die Vorlage, den religösen Fanatiker mal so richtig auseinderzunehmen, nicht verwandelt.

Genauso als der von natürlicher Verhütung (Zyklus)bei seiner "kosbaren" Sexualität (hetero, in der Ehe, ohne Verhütung) - keiner hat sich drauf gestürzt.


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#7
04.12.2012
10:58:41


(+13, 15 Votes)

Von TV Kritik
Antwort zu Kommentar #1 von CarstenFfm


@CarstenFfm

Hallo Carsten,
vielleicht sollten "wir" (poltisch interessierte und engagierte Schwule und Lesben) uns nicht nur auf wenige "Gaillionsfiguren", wie MdB Volker Beck verlassen, sondern diejenigen unterstützen und ermutigen, die sich ebenfalls "in die Schlacht für unsere Rechte stürzen".

Es kann doch nicht sein, dass falls (ich wünsche es nicht!) Beck morgen tot umfällt oder er die Schnauze von Undank und Anfeindungen aus eigenen Kreisen endgültig satt hat, er sich ins Privatleben zurückzieht NIEMAND mehr vorhanden ist, der rhetorisch und sachkundig in der Lage ist politische Debatten für unsere Sache zu führen.

Ohne die Schwulen-Bewegung und diejenigen Aktivisten, die Zeit und Kraft geopfert haben, um etwas zu verändern wären wir nicht da wo wir immerhin sind. Wer, wenn nicht wir selbst, sollte daran interessiert sein, dass wir endlich vollständig gleiche Rechte bekommen und nicht mehr Menschen 2. Klasse sind? Etwa Heteros, die ihre Privilegien gern behalten wollen?

Schwulsein besteht eben nicht nur aus Party, Sex und Entertainment. Wer sich das anbildet, bleibt manipuliertes Objekt anderer (Politiker, Geschäftemacher usw.) und ist weit davon entfernt, als agierendes Subjekt, sein Lebensglück (und das seiner eher unengagierten Mit-Schwulen und Lesben) selbst voranzutreiben.

Freiheit, Demokratie und Menschenrechte sind nichts selbstverständliches. Sie müssen ständig verteidigt und neu erstritten werden, sonst verschwinden sie unauffällig und von einer Generation zur nächsten.

Gruß
TV Kritik


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#8
04.12.2012
11:10:26


(+10, 16 Votes)

Von Thorsten1
Aus Berlin
Mitglied seit 15.05.2012


Die Sendung hat gezeigt, dass die Gegner der schwullesbischen Emanzipation nicht die dümmsten sind. Sie sind rhetorisch geschult und haben eine klare Position. Bei diesen beiden handelte es sich ganz klar um politisch denkende Kampfkatholiken, mit denen man auch in Zukunft vermehrt rechnen muss.
Es ist daher von größter Wichtigkeit, solchen Leuten Diskussionsgegner gegenüber zu setzen, die ebenfalls brillant geschult sind und vor allem auch vom Äußeren her Sympathieträger sind.
In der gestrigen Sendung waren Ralph Morgenstern mit seiner oberflächlich-tuntigen Art und eine Frau, die die deutsche Sprache nicht verinnerlicht hat, wodurch es immer wieder zu sprachliche Missverständnissen kam, eher fehl am Platz.


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#9
04.12.2012
11:16:45


(+4, 8 Votes)

Von lucdf
Aus köln (Nordrhein-Westfalen)
Mitglied seit 04.09.2011


Die Homogegner waren allerdings sehr motiviert und offensiv, dafür um so unsympathischer. Diese Bekehrungsversuche waren mehr als peinlich. Die Diskussion erinnerte mich an die 80 er Jahre, als ob die Zeit stehen geblieben wäre. Bei der Entrüstung über den schwulen Weihnachtsmarkt musste ich herzlich lachen.
Da Morgenstern und Diakovska eher gelassen reagierten, halte ich für eine gute Leistung. Wären sie offensiver geworden, wäre es in so einer main stream Sendung kontraproduktiv gewesen. Es ging nicht um rethorische Siege und Kampfbereitschaft sondern darum zu zeigen, dass Homos sich gut in ihrer Haut fühlen und eigentlich Menschen wie du und ich sind. Machen wir uns keine Illusionen. Diese Erkenntnis ist in breiten Bevölkerungsgruppen leider noch nicht angekommen.


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#10
04.12.2012
11:33:30


(+7, 7 Votes)

Von luxi81
Aus Hamburg
Mitglied seit 10.04.2012


am geilsten neben den beiden christspacken war der eine zuschauerkommentar von einer gewissen frau gübel, die da meinte, dass ihr im kontext egal ist, wer homo oder hete ist und sie damit kein problem hätte, aber dass gleichgeschlechtliche paare kinder großziehen und bekommen sollen, geht ihr nicht rein.ein kind braucht beide geschlechter als eltern und bei homos ist das eben nicht gegeben andernfalls hätte die evolution ja schon längst dafür sorge getragen, dass gleichgeschlechtliche paare kinder bekommen könnten.

ich frag mich bei solchen aussagen echt immer, ob diese leute auch nur ein fünkchen aufgepasst haben in der schule und mit welch riesigen scheuklappen man eigentlich durch unsere welt gehen kann. erstens sind wir organisch alle in der lage kinder zu zeugen (sofern nicht gesundheitlich eingeschränkt). und zum anderen frage ich mich, warum dann in der natur die meisten tierarten nur eingeschlechtlich ihren nachwuchs aufziehen und warum gibts dann alleinerziehende mütter und väter? passt irgendwie nicht zur gübelschen auffassung von evolutionstheorie und familien-weltbild.


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