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Seyran Ateş mit dem Respektpreis 2012 (Bild: Norbert Blech)

Die Rechtsanwältin Seyran Ateş hat den Respektpreis des Berliner Bündnisses gegen Homophobie erhalten. Die Nominierung von Erzbischof Woelki bleibt umstritten, er landete mit Gabi Decker auf dem zweiten Platz.

Von Norbert Blech

"Gott, auch der der Muslime, liebt Schwule und Lesben und hält eine schützende Hand über sie." Mit diesem Schlusswort bedankte sich die deutsch-türkische Rechtsanwältin und Bürgerrechtlerin Seyran Ateş am Dienstag in Berlin für den an sie vergebenen Respektpreis und fasste damit auch die beiden Kernthemen der Veranstaltung zusammen: Glaube und Gewalt.

Denn das Berliner Bündnis gegen Homophobie, dem rund 70 Organisationen und Firmen angehören, arbeitet daran, ein besseres Klima für Schwule und Lesben zu schaffen: Diese sollen nicht nur nicht mehr Opfer von Übergriffen werden, sondern sich wohl und willkommen fühlen. Bei der Kirche, dazu später mehr, ist das noch ein langer Prozess.

In der Tourismusbranche, mit zahlreichen Firmen im Bündnis vertreten, hingegen wird der Umgang professioneller, was auch seine kommerziellen Gründe hat: Von rund 22 Millionen Übernachtungen in der Haupstadt entfielen sechs Prozent auf Schwule, Lesben und Transgender, schätzt Ralf Ostendorf von Visit Berlin. Man will sich darauf nicht ausruhen: "Es soll nicht mehr reichen, einfach einen Regenbogenaufkleber an die Tür zu kleben."

Daher gibt es nun eine neue Kampagne unter dem Titel "Pink Pillow": Hotels, die sich mit der Homo-Kissen-Auszeichnung schmücken wollen, müssen eine gezielte Mitarbeiterschulung betreiben und zudem mindestens ein soziales Projekt der Community unterstützen. Bereis 20 Häuser zeigen sich dementsprechend fortschrittlich.

Kampf gegen Homophobie und Gewaltverbrechen


Der Geist des nominierten Kardinals Woelki schwebte über der Veranstaltung (Bild: nb)

Dass die Sache einen ernsten Hintergrund hat, machte Tanja Knapp, die Leiterin der Präventionsstelle der Polizei deutlich. In den ersten drei Quartalen des Jahres habe es 66 gemeldete Fälle von homo- oder transphob motivierter Hasskriminalität in der Hauptstadt gegeben, nur eine Tat weniger als im Vergleichszeitraum 2011. Immerhin sei die Aufklärungsquote gestiegen, bei Gewaltverbrechen von 23 auf 33 Prozent, insgesamt von 38 auf 42 Prozent.

Es würden aber immer noch zu wenig Fälle gemeldet, so Knapp weiter, gerade von Lesben. Die Polizei verstärke ihr Bemühen, als engagierter und schnell eingreifender Ansprechpartner wahr genommen zu werden: "Das Vertrauen muss wachsen." Hassverbechen gingen die ganze Gesellschaft an, denn "sie schaffen ein Klima von Unfreiheit und Angst."

Das Thema Gewalt griff auch die Preisträgerin in ihrer Dankesrede auf, denn die Hassverbrechen gegen LGBT würden oft von rechtsextremen und muslimischen Tätern begangen. Ateş warnte davor, das Thema zu verharmlosen oder zu verschweigen. "Homophobe Verbechen werden zumeist nichts aus Affekt heraus begangen, sondern aufgrund gefertigter Einstellungen und Wertanschauungen". Unter jungen Muslimen werde der Begriff "schwul" bzw. "ipne" wie bei deutschstammigen Jugendlichen "inflationär" als Beleidigung benutzt, hier oft mit der Konnotation des Un-Männlichen.

Ateş, die in ihrem Buch "Der Islam braucht eine sexuelle Revolution" auch auf Homosexualität eingeht, forderte ein "Handeln, nicht Wegschauen" der Gesellschaft. Es bräuchte mehr Aufklärung, gerade auch in und von muslimischen Gemeinden. Ihr selbst sei es immer eine "Herzensangelegenheit gewesen, sich für Schwule und Lesben einzusetzen", auch als Anwältin, die gegen Zwangsverheiratungen kämpfte. Seit wenigen Tagen hat sie, die aufgrund ihrer Arbeit Todesdrohungen erhielt, wieder eine Kanzlei mit öffentlichem Namenschild an der Straße.

Kardinal Woelki erhielt mehr Stimmen als David Berger


David Berger konnte sich nach der Preisverleihung seine Kirchenkritik nicht verkneifen (Bild: nb)

Aus den Mitgliedern des Bündnisses gegen Homophobie hatte Ateş 40,6 Prozent der Stimmen erhalten. Nominiert waren auch der Theologe David Berger (dessen Kampf gegen kreuz.net nicht mehr in die Wertung einfloss), die Kabarettistin Gabi Decker und der katholische Berliner Bischof Kardinal Woelki. Decker und Woelki teilten sich bei Stimmengleichheit den zweiten Platz.

Damit hatte die Veranstaltung dann auch so etwas wie einen Eklat, und das nicht nur wegen der würdelosen Bekanntgabe aller Prozentzahlen. Bereits die Nominierung von Woelki hatte für Kritik gesorgt; dass dieser diese später ablehnte, half der Sache auch nicht sonderlich. Nach der Verleihung war Berger bemüht, nicht als eine Art schlechter Verlierer dazustehen. Als Theologe, dessen Kampf inzwischen der gegen die Homophobie in der Kirche ist, konnte er aber nicht anders als kritisieren, dass die Veranstaltung mit der Hofierung des Kardinals ein "fatales Zeichen" gesetzt habe.

Berger, der die Auszeichnung von Ateş als "großartig und mehr als verdient" bezeichnete, will dies für Woelki nicht gelten lassen. Zwar mag seine Nominierung strategisch Sinn gemacht haben, um sich ins Gespräch zu bringen und dem Bischof weitere positive Signale zu entlocken, so Berger. Doch durch dessen Absage sei der Preis letztlich herabgewürdigt worden und es sei unverständlich, dass Woelki nun "auf einer Ebene wie Decker steht, die sich ein Leben lang für Schwule und Lesben eingesetzt hat".

Grund für die Nominierung war ein Treffen Woelkis mit dem LSVD, das es mit seinem Vorgänger nicht gegeben hätte, und seine Aussage beim Katholikentag im Mai, wonach Personen in einer treuen und dauerhaften homosexuellen Partnerschaft Anerkennung verdienten. Diese Aussage hatte er allerdings später relativiert, homosexuelle Handlungen seien etwa "in sich nicht in Ordnung". Auch in anderen Aussagen zu Schwulen und Lesben war und ist er auf kirchlicher Linie. Vielen fällt es schwer, darin Respekt zu sehen.

Jörg Steinert vom LSVD verteidigte für das Bündnis die Entscheidung und sprach von einem "demokratischen Abstimmungsprozess" der Mitglieder. Das Bündnis habe ein Thema gesetzt und Haltung bewahrt, gerade das Bistum hätte sich wohl eine Rücknahme der Nominierung gewünscht. Auch setze das Bündnis in seiner Vielfalt auf einen kritischen und offenen Dialog, der auch die kleinen Schritte anerkennt, "seien sie auch winzig".



#1 anomeAnonym
  • 04.12.2012, 17:58h
  • Absolut verdient. Das Bündnis leistet zudem großartige Arbeit und ich bin sehr dankbar dafür.
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#2 Katrin
  • 04.12.2012, 18:05h
  • Der Homohasser Woelki wird für den Respektpreis vorgeschlagen, lehnt den Vorschlag aber ab und wird trotzdem noch von vielen gewählt. Fürs nächste Mal möchte ich Adolf Hitler und Josef Stalin vorschlagen. Beide hatten mal Kontakt mit den Menschen, denen sie ihre Rechte absprachen.
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#3 Johannes1989Profil
  • 04.12.2012, 18:21hBonn
  • Der LSVD gebraucht hier die gleiche Logik wie die Preisverleiher, die damals den Integrations-Bambi Bushido verliehen haben ... damals hat nur der LSVD Riesenaufstand gegen eine solche Begründung gemacht - da stimmt was hinten und vorne nicht! Wer bildet überhaupt dieses Bündnis?
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#4 alexander
  • 04.12.2012, 18:23h
  • Antwort auf #1 von anome
  • wie bescheuert muss man eigentlich sein, um WOELKI mit einem solchen preis auszuzeichnen ???????? aber es macht ihn immerhin mit BULLSHITO vergleichbar !

    offenbar fehlt es in dieser bananenrepublik, nicht nur an schulischer aufklärung, sondern auch an erwachsenenbildung ???
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#5 alexander
  • 04.12.2012, 18:31h
  • Gabi Decker und Seyran Ate , bewundere ich sehr und freue mich über diese auszeichnung !

    aber ich halte es wie unsere liebe INGE MEYSEL, (Bundesverdienstkreuz), mit solchen preisträgern (woelki), möchte ich nicht in einem topf geworfen werden !!!
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#7 alexander
#8 Johannes1989Profil
  • 04.12.2012, 18:46hBonn
  • Antwort auf #6 von Loren
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    Na, in der Tat alles Institutionen, die regelrechte Fachleute für Homophobie sind :)))
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#9 WernerAnonym
  • 04.12.2012, 19:11h

  • Woelki kriegt einen Preis für seinen Einsatz gegen Homophobie, Buschido einen Integrationspreis...kurios
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#10 fachärztlichAnonym