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  • 07.12.2012           16      Teilen:   |

Sorge um Homosexuelle in Libyen

Die zwölf Männer, deren Bilder auf Facebook verbreitet wurden, sind inzwischen freigelassen worden
Die zwölf Männer, deren Bilder auf Facebook verbreitet wurden, sind inzwischen freigelassen worden

Nach Berichten über die Folter einer Gruppe von schwulen Männern durch eine Miliz beobachtet auch das Auswärtige Amt die Lage für Homosexuelle in dem Land.

Von Norbert Blech

"Schwulen aus Libyen droht Folter und Tod durch eine Miliz" – mit Überschriften wie diesen sorgten vor rund zwei Wochen einige internationale Homo-Medien für Schlagzeilen und Besorgnis. Andere Medien, darunter queer.de, verzichteten zunächst aufgrund mangelnder Verifizierungsmöglichkeiten und einigen Zweifeln an den Details auf eine Berichterstattung.

Den Berichten zufolge, die sich alle auf die gleichen zwei Quellen bei Facebook stützten, waren am 22. November zwölf schwule Männer in einem Vorort von Tripolis verhaftet worden, durch eine Miliz, die Fotos davon in einem Account bei Facebook postete. Die Männer schienen zu dem Zeitpunkt über einige Tage festgehalten worden zu sein.

Diese Facebookseite, in der angekündigt wurde, dass die Männer aufgrund einer Zugehörigkeit zu einem dritten Geschlecht gefoltert und getötet werden würden, war allerdings erst kurz zuvor angelegt worden und zeigte Fotos, die eine Festnahme auch aus anderen Gründen hätten dokumentieren können. Eine weitere Facebookseite, Human Rights Watch Libya, gab dazu besorgte Einschätzungen ab, die von den internationalen Medien verbreitet wurden. Wenige Zeit später wurde bekannt (und größtenteils nicht korrigiert), was beinahe augenscheinlich war: Der Account gehört einer Privatperson und hat mit der Menschenrechtsorganisation nichts zu tun.

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Auswärtiges Amt verfolgt den Fall

Via Facebook wurden auch beschlagnahmter Alkohol sowie Drogen und Geld präsentiert
Via Facebook wurden auch beschlagnahmter Alkohol sowie Drogen und Geld präsentiert

Der Grünenpolitiker Volker Beck hatte die Bundesregierung daraufhin gefragt, welche Erkenntnisse sie zu der Sache hatte. Für diese antwortete am Mittwoch Michael Georg Link, Staatsminister im Auswärtigen Amt und FDP-Politiker. Er bezieht sich in seiner umfassenden Antwort auf "Artikel der libyschen Zeitung 'Libya Herald'" – die allerdings nur ein von Ausländern gemachtes englischsprachiges Blog ist, das ursprünglich auch die vermeintliche Gruppe Human Rights Watch Libya zitiert hatte.

Link erwähnt einen Bericht, wonach die Miliz behaupte, die Männer "wegen zu lauter Musik, Alkohol- und Drogenkonsums" festgenommen zu haben, während Freunde berichteten, sie seien wegen ihrer sexuellen Orientierung inhaftiert worden. Das Blog selbst berichtet detaillierter: Mitglieder der dem Innenministerium Nawasi-Miliz hätten bei einer Routine-Patroille laute Musik gehört und seien so auf die Geburtstagsfeier gestoßen. Sie hätten die Feier gestürmt, als sie dachten, eine Frau gesehen zu haben, die mit den Männern feierte – es soll sich dem Blog zufolge um einen Mann im Fummel gehandelt haben.

Die Miliz selbst wird mit der Aussage zitiert, dass man die Männer nicht festgenommen habe, weil sie schwul sind, sondern weil sie zu laut gewesen und weil Haschich und Alkohol gefunden worden seien. Ein Freund der Männer wird allerdings mit der Aussage zitiert, die Drogen hätten der bestellten Geburtstagsband gehört. Diese heterosexuellen Männer seien kurz nach der Festnahme freigelassen worden.

Es sei nie beabsichtigt gewesen, die Männer zu töten, wird die Miliz noch zitiert, entsprechende Facebookzitate seien unkontrolliert gewesen. Das Auswärtige Amt ergänzt, dass "möglicherweise von offizieller Seite Druck auf die Nawasi-Miliz ausgeübt" wurde, die Todesdrohungen zu löschen.

Die Männer sollten vielmehr dem Innenministerium überstellt werden. Dazu kam es nicht, die Männer wurden am 29. November (Libya Herald) oder Anfang Dezember (Link) freigelassen; es werden Personen zitiert mit der Bemerkung, dass man von der Überstellung abgesehen habe, weil Misshandlungen erkennbar gewesen seien.

Fortbestehende Intoleranz

Die Hintergründe der Festnahme bleiben größtenteils ungeklärt. Allgemein gibt es aber die Sorge, dass Milizen mehr Macht bekommen.
Die Hintergründe der Festnahme bleiben größtenteils ungeklärt. Allgemein gibt es aber die Sorge, dass Milizen mehr Macht bekommen.

Allgemein sieht die Bundesregierung gegenüber Schwulen und Lesben "eine fortbestehende Intoleranz seitens der konservativ geführten libyschen Bevölkerung", schreibt Link. Es sei unwahrscheinlich, dass das Verbot der Homosexualität in nächster Zeit abgeschafft wird (es besteht in Libyen ohnehin in der Form, dass außerehelicher Sex generell verboten ist). "Aufgrund des größtenteils respektierten Schutz der Privatsphäre" sei das Verbot "nur in seltenen Fällen durchgesetzt" worden, berichtet Link.

In der Tat gab es in Libyen selten Fälle einer staatlichen oder privaten Homo-Verfolgung. Nach der Revolution habe sich die Lage verbessert, sagte kürzlich ein Aktivist dem Portal Gay Star News, es sei nun einfacher geworden, sich – weiterhin diskret – zu treffen.

Man habe aber die Befürchtung, dass militante Milizen, darunter oft extreme Islamisten, an Macht gewinnen – das Beispiel Irak, in dem Schwule regelrecht von Milizen gejagt und getötet werden, hat man besorgt vor Augen.

Es ist unklar, ob libysche Behörden die zwölf Männer weiter verfolgen werden, berichtet Link. "Die Bundesregierung wird diesen Fall ebenso wie die Menschenrechtslage in Libyen allgemein weiterhin mit großer Aufmerksamkeit verfolgen." Volker Beck dankte der Regierung für die "engagierte Rolle": "Wir müssen darauf achten, dass nach dem arabischen Frühling die Gedanken von Rechtsstaatlichkeit, Demokratie und Menschenrechte nicht unter die Räder kommen."

Links zum Thema:
» Gay Star News: Ein LGBT-Aktivist über die Lage unter Gaddafi
» Gay Star News: Die Lage in Libyen nach der Revolution
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Tags: libyen, miliz
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Reaktionen zu "Sorge um Homosexuelle in Libyen"


 16 User-Kommentare
« zurück  12  vor »

Die ersten:   
#1
07.12.2012
12:40:22


(-13, 25 Votes)

Von Thorsten1
Aus Berlin
Mitglied seit 15.05.2012


Hoch lebe der "Arabische Frühling"!


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#2
07.12.2012
12:44:52


(+5, 27 Votes)

Von Bavaria1
Antwort zu Kommentar #1 von Thorsten1


Hunderte historische Farbfotografien auf einem Dachboden entdeckt.
Allgäuer Kaplan mit Familie fährt mit Kleinkraftrad nach München,
um gegen die Machtübertragung an Hitler zu protestieren:

Link zu www.spiegel.de


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#3
07.12.2012
16:17:10


(+9, 9 Votes)

Von *öhm*
Antwort zu Kommentar #2 von Bavaria1


"Nach dem Freitagsgebet soll es losgehen: Die Gegner von Ägyptens Präsident Mohammed Mursi trafen am Morgen auf Kairos Tahrir-Platz letzte Vorbereitungen für eine neue Massenkundgebung gegen den Staatschef und die ihn unterstützenden Islamisten. Die Protestaktion soll unter dem Motto "Rote Karte" stehen...."


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#4
07.12.2012
16:35:56


(+10, 12 Votes)

Von Felix


Schlimm, was unsere libyschen Brüder da durchmachen müssen.

Und extrem heuchlerisch, dass das selbe Außenministerium, das jetzt angesichts anstehender Wahlen und desaströser Umfragen für die FDP, Aktionismus vortäuscht, regelmäßig schwule Asylanten in solche Länder zurückschickt.


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#5
07.12.2012
17:24:43


(0, 4 Votes)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Volker Beck dankte der Regierung für die "engagierte Rolle": "Wir müssen darauf achten, dass nach dem arabischen Frühling die Gedanken von Rechtsstaatlichkeit, Demokratie und Menschenrechte nicht unter die Räder kommen."

Selten so gelacht! Das hat er bestimmt nur aus Jux und Tollerei gesagt! Wirklich passiert ist nichts!


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#6
07.12.2012
17:25:10


(+8, 12 Votes)

Von -hw-
Antwort zu Kommentar #1 von Thorsten1


Und höher!

Die Phase des vermeintlichen Stillstands der Revolution ist vorüber: Die soziale Frage meldet sich mit Heftigkeit zurück.[...]Anders als in jener Anfangsphase des Arabischen Frühlings damals noch als Jasminrevolution bezeichnet handelt es sich jedoch nicht um unorganisierte spontane Revolten (wie in Sidi Bouzid vor zwei Jahren), sondern die Gewerkschaftsorganisation UGTT ist im Augenblick der Hauptakteur.[...] Am heutigen Donnerstag ist die Bevölkerung in vielen Städten Tunesiens zu Demonstrationen zur Unterstützung der UGTT aufgerufen. Und am kommenden Donnerstag, den 13. Dezember soll ein Generalstreik im Land stattfinden.

Link zu www.labournet.de


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#7
07.12.2012
17:54:13


(-6, 8 Votes)

Von Thorsten1
Aus Berlin
Mitglied seit 15.05.2012
Antwort zu Kommentar #5 von FoXXXyness


WIE möchte Volker Beck verhindern, dass Rechtstaatlichkeit, Demokratie und Menschenrechte in Libyen nicht unter die Räder kommen? Will er zusammen mit Claudia Roth dorthin fahren und mit den Menschen dort basisdemokratisch über Demokratie diskutieren, vielleicht sogar über Schwulsein?
Die Araber dort werden bestimmt schwer beeindruckt sein!


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#8
07.12.2012
20:19:50


(-5, 7 Votes)

Von small
Antwort zu Kommentar #7 von Thorsten1


Wie sollen Rechtsstaatlichkeit, Demokratie und Menschenrechte unter die Räder kommen?!?!

Das gibt oder gab es nicht in Lybien noch im Rest der Arabischen Welt, weder in der Vergangenheit und gegenwärtig schon gar nicht!!!

Zeigt mir ein arabisches Land auf, wo es sowas auch nur annähernd gibt.

Und besser wird das auch nicht werden, ganz im Gegenteil...


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#9
07.12.2012
22:06:39


(+6, 8 Votes)

Von Glenn Greenwald
Antwort zu Kommentar #8 von small


Im Guardian gibt es sogar einen kleinen Quiz zum Thema Schurkenstaaten:

Link zu www.guardian.co.uk


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#10
07.12.2012
22:45:49


(+5, 7 Votes)

Von middle east
Antwort zu Kommentar #4 von Felix


Schwule in Syrien? Bald wie im Irak?

Eine Bochumer Bundestagsabgeordnete schreibt:

" Es scheint, als würde das Drehbuch des Irak-Kriegs neu aufgelegt.[...] In Teilen Aleppos ist das »neue Syrien« schon zu besichtigen. Dort, wo die Rebellen das Sagen haben, trägt es alle Züge einer saudischen Diktatur. Dies schert die NATO-Verbündeten allerdings wenig. Der NATO-Krieg gegen Syrien scheint beschlossene Sache. Dazu paßt, daß Merkels Sprecher zum Kabinettsbeschluß twitterte: »Solidarität mit der Türkei.« Während die AKP-Regierung islamistische Milizen in der Türkei für den Bürgerkrieg in Syrien ausbilden und bewaffnen läßt, und 10000 Oppositionelle, darunter über 100 Journalisten, in türkischen Gefängnissen schmoren, übt die Bundesregierung den Schulterschluß. Es geht um nicht weniger als um eine deutsch-türkische Waffenbrüderschaft für einen NATO-Angriffskrieg gegen Syrien. Die Bevölkerungen in Deutschland wie auch der Türkei sind gegen die Stationierung der Bundeswehr und einen Krieg gegen Syrien. Sie stehen für eine Kultur des Friedens gegen das aggressive NATO-Bündnis, das nach Afghanistan und Libyen bereit scheint, einen neuen Krieg vom Zaun zu brechen."

Link zu www.jungewelt.de


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