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Manfred Amerell vor zwei Jahren in einem von vielen Interviews

Der ehemalige Bundesliga-Schiedsrichter und Referee-Sprecher beim DFB, Manfred Amerell, ist tot. Wie mehrere Medien am Dienstagabend berichten, fanden Polizisten die Leiche des 65-Jährigen in seiner Münchner Wohnung.

"Wir haben unter dieser Adresse heute Nachmittag eine tote Person aufgefunden", sagte ein Polizeisprecher der "Bild"-Zeitung. Der Deutsche Fußballbund hat den Tod Amerells inzwischen der Zeitung "Die Welt" bestätigt. Ermittlungen zur Todesursache dauern noch an. Berichten zufolge fanden Ermittler die Post von mehreren Tagen in Amerells Briefkasten, auch habe er tagelang nicht auf Anrufe reagiert.

Der gebürtige Münchner hinterlässt eine Ehefrau und zwei erwachsene Töchter. Amerell stand vor zwei Jahren im Mittelpunkt der sogenannten "Schiedsrichteraffäre", nachdem ihn der Bundesliga-Schiedsrichter Michael Kempter (29) mehrfache sexuelle Belästigung vorgeworfen hatte. In Folge trat Amerell von seinen Ämtern zurück, beteuerte aber seine Unschuld. Während mehrerer Gerichtsprozesse hatte Amerell des öfteren von Suizidgedanken gesprochen. "Meine Lebensqualität geht gegen null. Und das ist bis zum Tod nicht mehr zu korrigieren", sagte er im Dezember 2011.

Gerichtlicher Vergleich mit Amerell


Mit vermutlich übetriebenen Schlagzeilen wie dieser in der "Bild"-Zeitung musste Amerell nach der Affäre leben

Amerell hatte seine Karriere im Sport 1970 als Geschäftsführer des TSV 1860 München begonnen, nach fünf Jahren wechselte er zum FC Augsburg und später zum Karlsruher SC. Von 1986 bis 1994 war er Schiedsrichter der Fußball-Bundesliga. Danach wurde er Funktionär beim Deutschen Fußballbund, zuletzt als Sprecher von über 80.000 im DFB tätigen Schiedsrichtern.

Im Jahr 2010 belastete ihn dann der junge Bundesliga-Schiedsrichter Michael Kempter schwer: Amerell habe ihn sexuell genötigt. Amerell hingegen sprach von Handlungen im gegenseitigen Einvernehmen und einer einvernehmlichen Beziehung, präsentierte den Medien entsprechende E-Mails von Kempter und verklagte den Bankkaufmann, der abstritt, schwul zu sein, auf Schmerzensgeld.

Die Klage wurde zunächst abgewiesen, vor dem Landgericht Stuttgart einigten sich beide Parteien vor rund einem Jahr auf einen Vergleich: Amerell verzichtete auf die Forderung, Kempter verzichtete auf Gegenklagen und musste mit der Meinung des Gerichts leben, sich den Annährungsversuchen Amerells nicht entschieden genug zur Wehr gesetzt zu haben.

Medien interpretierten den Vergleich als Sieg Amerells. Bereits zu Beginn der Affäre hatte die Staatsanwaltschaft Augsburg die Ermittlungen sowohl gegen den früheren DFB-Funktionär wegen sexueller Nötigung als auch gegen Schiedsrichter Michael Kempter und drei weitere Referees wegen Verleumdung mangels Tatverdacht eingestellt.

Amtspflichtverletzung nachgewiesen


Michael Kempter wurde nach der Affäre vom DFB und der FIFA zurückgestuft

Die Affäre hatte auch den DFB und seinen früheren Boss Theo Zwanziger in Bredrouille gebracht; Kritiker bemängelten, durch ungeschicktes Hantieren sei die Affäre erst zu einer Schlammschlacht geworden, die zudem das Ziel des DFB, für ein anti-homophobes Klima im Sport zu sorgen, konterkarierten.

Allerdings konnte Zwanziger sich mit der Auffassung, Amerell habe eine Amtspflichtsverletzung begangen, gerichtlich durchsetzen. Mit einer Unterlassungsklage gegen die Äußerung scheiterte Amerell vor dem Landgericht Augsburg und im Februar 2011 vor dem Oberlandesgericht München.

Für Michael Kempter brachte die Affäre einen Karriereknick: Der Schiedsrichter war vom Weltfußballverband FIFA 2010 für internationale Spiele angesetzt worden, kam aber nicht zum Einsatz und fand sich ein Jahr später nicht mehr auf der Referee-Liste. Auch in der Bundesliga pfiff er nicht mehr, im August leitete er ein Spiel in der Oberliga Baden-Württemberg. Vor einem Jahr kam es, vermutlich auch im Zuge der Auseinandersetzung mit Amerell, zu einer Hausdurchsuchung bei ihm und anderen Schiedsrichtern wegen vermuteter Steuerhinterziehung. 2009 war Kempter bereits wegen eines Steuerdelikts verurteilt worden. (nb)

Update, 12. Dezember, 12.45h: Nach Aussagen der Polizei gibt es beim Tod von Amerell "keine Hinweise auf einen Unfall, Suizid oder Fremdverschulden". Eine Obduktion am Mittwochnachmittag soll nähere Ergebnisse zu den Todesumständen des Schiedsrichters bringen.



#1 RealAnonym
  • 11.12.2012, 23:36h
  • Ein heterosexeueller Kachelmann wurde mangels an Beweisen freigesprochen und von Vielen unterstützt und steht in Diskussionsforen als "Symbol" und als das Paradebeispiel für falsche Beschuldigungen.

    Ein homosexueller/ bisexueller Amerell wurde mangels an Beweisen freigesprochen, aber von Allen fallen gelassen.
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#2 Oury JallohAnonym
#3 FoXXXynessEhemaliges Profil
#4 alexander
  • 12.12.2012, 18:05h
  • Antwort auf #1 von Real
  • ich kann dir nur zustimmen.
    was mir besonders an der berichterstattung missfiel, der ständige hinweis :"er hinterlässt eine frau und 2 kinder"! und im nächsten atemzug dann von seiner schon stark verwesten leiche berichtet wird ?
    (was impliziert, dass sich niemand gekümmert hat ?)
    den rest kann man sich denken !
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#5 erererEhemaliges Profil
  • 12.12.2012, 18:45h
  • Wenn das tatsaechlich ein gegenseitig einvernehmlicher Sex und kein Mobbing war, wuerde ich mich an Stelle von Herrn Kempter jetzt noch mehr schaemen als diese zwei Radio-Moderatoren aus Australien: Herr Amerell ist an gebrochenem Herzen (wie banal das auch klingt, ist trotzdem wahr) und kaputten Nerven gestorben, das ist doch jedem klar. Anstatt sich zu freuen, dass so ein attraktiver, wenn auch aelterer, Mann ihm Interesse gezeigt hat, machte dieser Kerl die ach wie brisante im ganzen homophoben Kontext des deutschen Fussballs Geschichte zum Skandal, um zu verdienen (versuchte er vielleicht zuerst das 'aussergerichtlich' zu klaeren?). Wie war das noch einmal - 'Ein Gentleman geniesst und schweigt'.
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#6 nicolasAnonym
#7 wanderer LEAnonym
#9 wanderer LEAnonym
#10 felix-cgnAnonym
  • 14.12.2012, 15:34h
  • Ich stimme dir zu. Wieso schreibt auch queer.de so einen Mist: "Der gebürtige Münchner hinterlässt eine Ehefrau und zwei erwachsene Töchter"?

    Wen er "hinterlässt" hat die bürgerliche Journalie nicht zu entscheiden. Vielleicht starb er vereinsamt? Vielleicht hatte er einen, drei, sieben, fünf Lover? Vielleicht hatte er wenige traurige Fans, die er "hinterlässt"?
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