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  • 12.12.2012           23      Teilen:   |

Debatte zu den BLSJ-Thesen

"Die Zukunft der Szene-Medien in schweren Zeiten"

Christian Beese, Ex-Verleger der Stadtmagazine "rik", "GAB" und "EXIT" - Quelle: inqueery.de
Christian Beese, Ex-Verleger der Stadtmagazine "rik", "GAB" und "EXIT" (Bild: inqueery.de)

Der Bund lesbisch-schwuler JournalistInnen (BLSJ) hat Anfang Dezember fünf Thesen zur Situation des Szene-Pressemarktes veröffentlicht. Nach einer ersten Antwort darauf von queer.de-Redakteur Christian Scheuß (Sind die schwul-lesbischen Medien in Gefahr?) nun die Antwort eines langjährigen Kölner Verlegers.

Von Christian Beese

Ich denke, dass in den Thesen des BLSJ viel Richtiges steckt, allerdings erscheinen sie mir doch etwas abstrakt und praxisfern. Sie klingen nicht so sehr nach 2012, sondern mehr nach 1999. Damals haben wir die GayCityCom als Verbund der Stadtmagazine auch deshalb gegründet, um Berichte "zwischen den Magazinen auszutauschen" und dadurch "eine qualitativ ansprechendere Berichterstattung zu schaffen". In den Folgejahren hatten "GAB", "hinnerk", "rik" und die beiden "sergej"-Ausgaben einheitliche Titelbilder und Titelstorys. Und dabei waren das noch die goldenen Zeiten mit vielen Markenartikler-Anzeigen wie Jacobs und zahlreichen Zigaretten-Werbungen. Aber die Zeiten sind schwieriger geworden.

Der gesamte Zeitschriftenmarkt muss heute 50 Prozent mehr Aufwand betreiben, um den gleichen Umsatz zu erreichen, das gilt auch für die Szenepresse. Wenn die neue Kombination "blu"-"EXIT"-"GAB"-"rik" also 2012 zu dem Modell von 1999 zurückkehrt und möglichst viele Synergieeffekte im überregionalen Bereich nutzt, so ist dies ebenso notwendig wie sinnvoll. Dass dabei vielleicht nicht immer das redaktionelle Niveau von damals erreicht wird, liegt eindeutig daran, dass zur Verpflichtung von sehr guten Autoren nicht mehr genug Geld verdient wird.

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Der Gegenentwurf: Sechs zeitgemäße Thesen

1. Alle Blätter, deren journalistischer Anspruch höher war als der Durchschnitt, sind gescheitert. Das reicht von der Riesenpleite der "Queer" bis zum "hinnerk", der in der alten Firmierung Schulden von mehreren Hunderttausend Euro hinterlassen hat und nur von neuen Eigentümern mit anderem Konzept gerettet wurde. Auch Kaufmagazine von "Magnus" über "Vary" und "G-Mag" bis "Front" sind reihenweise gescheitert.
Deshalb die These 1: Schwule Magazine mit hohem journalistischem Anspruch lassen sich nicht wirtschaftlich betreiben.

2. Soll man es deshalb lassen? Nein, die Community braucht Informationsquellen und Angebote, die ihnen Identifikationsmöglichkeiten vorstellen. Insoweit ist die erste These des BLSJ richtig.
Deshalb die These 2: Schwule Magazine mit etwas geringerem journalistischem Anspruch sind besser als gar keine.

3. Alle Medien müssen bei der Frage, wie viel sie für die Redaktion ausgeben können, immer darauf achten, wie viel sie einnehmen. Wenn die Einnahmen keine großen Sprünge zulassen, dann helfen akademische Forderungen nach besserer Bezahlung nicht weiter.
Ich glaube an These 3: Schwule Magazine, die ihre Mitarbeiter nach DJV-Maßstäben bezahlen würden, wären schnell pleite.

4. Viele Medien, nicht nur schwule Printmagazine, überleben auch mit Hilfe von PR-Beiträgen, um Werbekunden zufrieden zu stellen. Dies muss auch gar nicht störend sein, wenn auf diese Weise Informationen dargeboten werden, die die Leser tatsächlich interessieren.
Dazu die These 4: Es ist besser, schwule Magazine mit PR-Artikeln zu haben als gar keine schwulen Magazine.

5. Nach der (bescheidenen) Leserforschung der schwulen Magazine gehören Terminkalender, Partytipps und Partybilder zu den meistgelesenen Seiten. Man sollte sich also nicht der Illusion hingeben, dass man Leser durch gutgeschriebene Artikel zu politischen und gesellschaftlichen Themen tatsächlich dazu bringen könnte, diese zu lesen. Wenn dem wirklich so wäre, dann würden die Magazinmacher diese Seiten ausbauen, weil sie ihren Anzeigenkunden dann berichten könnten, dass diese intensiv gelesen werden und Anzeigen deshalb dort geschaltet werden sollten. Tatsächlich interessiert sich nur eine kleine Minderheit für diese Themen. Dies hat natürlich mit der gesamtgesellschaftlichen Entwicklung zu mehr Hedonismus und mehr Egoismus zu tun. Es ist aber auch die Antwort darauf, dass wir alle mit immer mehr Informationen zugeschüttet werden und zum Auswählen gezwungen sind.
Dazu These 5: Lifestylige Themen sind das, was die Leser weit überwiegend lesen wollen.

6. Das Scheitern der Kaufmagazine hat auch damit zu tun, dass sich die Schwulen in Deutschland seit über zwanzig Jahren daran gewöhnt haben, dass sie ihre Magazine kostenlos bekommen. Dadurch ist eine Umsonst-Mentalität gefördert worden, die sich nicht mehr ändern lässt und gegen die sich neue Titel nicht durchsetzen konnten. Nur die langjährig etablierten Titel "Du&Ich" und "Männer" haben bisher überlebt, doch auch hier mit rückläufigen Auflagen. Zumindest "Männer" wäre ohne die zusätzliche Funktion als Marketinginstrument für andere Publikationen des Bruno Gmünder Verlages nicht überlebensfähig.
Deshalb spitze ich etwas zu für die These 6: Es ist unmöglich, im schwulen Printmarkt mit kostenpflichtigen Angeboten Geld zu verdienen.

Den Horizont erweitern – Welche Medien brauchen wir in Zukunft?

Es wäre interessant, wenn der BLSJ nunmehr den Horizont erweitern und darüber diskutieren würde, ob sich eine bessere Zukunft bei anderen Medien ergeben könnte. Die Pleite von Timm TV macht nicht gerade Mut in Richtung Fernsehen, aber dieses Konzept war viel zu ehrgeizig, viele Nummern zu groß geplant und viel zu dilettantisch umgesetzt. Kann schwules TV funktionieren, wenn man es richtig macht? Es gibt so manch interessanten Ansatz von Internet-TV – kann daraus mehr werden? Reden wir auch über schwul-lesbische Radioprogramme: Muss es immer nur Musik sein? Werden die vom BLSJ eingeforderten Themen wie "gesellschaftliche und ökonomische Probleme und Benachteiligungen" vielleicht in Zukunft vor allem von Sendungen im Bürgerradio abgedeckt werden müssen?

Und was ist im Internet möglich? Das Portal queer.de behauptet sich seit zehn Jahren, zwar auch mit Hungerlöhnen, aber durchaus mit Qualität, wenn man von mancher Polemik absieht. Was bedeutet die mediale Zersplitterung im Internet überhaupt für den Zusammenhalt der Community? Die medienwirtschaftliche Diskussion in Deutschland und darüber hinaus beschäftigt sich schon seit einiger Zeit mit der Frage, wie Zeitungen und Zeitschriften im Netz Geld verdienen könnten. Diese Diskussion könnte man im Hinblick auf Schwule und Lesben als Zielgruppe führen. Sind wir in der Lage, hier der Gratis-Kultur zu entkommen oder ist das bei uns noch viel schwieriger als im übrigen Medienmarkt?

  Zur Person
Christian Beese ist ehemaliger Verleger der Stadtmagazine "rik", "EXIT" und "GAB". Nach dem Verkauf der Titel im Sommer 2012 an den Berliner blu Medien Verlag kümmert er sich derzeit verantwortlich um den Ausbau des Online-Magazins inqueery.de. Der vorliegende Text wurde zuerst als Antwort über den BLSJ-Verteiler geschickt. queer.de dankt für die freundliche Genehmigung zur Veröffentlichung.
Links zum Thema:
» Die Thesen des BLSJ
Mehr zum Thema:
» Sind die schwul-lesbischen Medien in Gefahr? (07.12.2012)
Wochen-Umfrage: Bist du bereit, für schwul-lesbischen Journalismus Geld auszugeben? (Ergebnis)

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Tags: blsj, journalismus, szenepresse
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Reaktionen zu ""Die Zukunft der Szene-Medien in schweren Zeiten""


 23 User-Kommentare
« zurück  123  vor »

Die ersten:   
#1
12.12.2012
18:52:32


(+13, 15 Votes)

Von A x e l


"(...) Die medienwirtschaftliche Diskussion in Deutschland und darüber hinaus beschäftigt sich schon seit einiger Zeit mit der Frage, wie Zeitungen und Zeitschriften im Netz Geld verdienen könnten ..."

Dazu sind vielleicht diese Online-Artikel interessant:

Link zu www.taz.de

Link zu www.taz.de

Link zu www.zeit.de

Link zu www.zeit.de

Zur Aussage:
'... Es ist besser, schwule Magazine mit PR-Artikeln zu haben als gar keine schwulen Magazine ...'

Dann hat aber über dem jweiligen PR-Artikel deutlich sichtbar der Hinweis 'Anzeige' zu stehen, sonst handelt es sich bei solchen angeglichen 'Nachrichten' eindeutig um Lesertäuschung und auf derartige Manipulationsversuche reagiere z.B. ich ausgesprochen allergisch.

Alles andere ist kein seriöser Journalismus. Wenn ich einen Werbeprospekt oder Katalog lese, will ich vorher wissen, dass es sich um (bei Werbeagenturen oder Redaktionen) gekaufte Texte handelt. So etwas nehme ich nicht ernst, im Sinne ehrlicher Nachrichtenvermittlung, sondern würde es beispielsweise in meinen Blogs bei ZEIT-ONLINE, der Freitag oder TELEPOLIS niemals zitieren oder auch nur verlinken.


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#2
12.12.2012
18:57:42


(+1, 3 Votes)
 
#3
12.12.2012
19:05:16


(+2, 8 Votes)

Von Johannes1989
Aus Bonn (Nordrhein-Westfalen)
Mitglied seit 30.04.2012


Frustrierend, wenn man das so liest: alle wollen billig vom Niveau her, als machen wir ihnen Niedrigniveau ... schwule Zeitschriften auf unterstem Level sind besser als gar keine... NEIN: dann lieber gar keine schwulen Zeitschriften als solche die schlicht nur ein peinliches Niveau auf die Community werfen und zu einer weiteren Verdummung auch noch beitragen - dann doch lieber schwule Themen auf hohem Niveau bei SZ, taz usw (sind Heteros klüger, wenn es dort auch niveauvolle Zeitungen gibt, die sogar noch ein Geschäft machen?)


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#4
12.12.2012
19:14:52


(-13, 19 Votes)

Von Fabian123456


Journalistische Qualität bei queer.de, der war echt gut! Selten so gut gelacht.


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#5
12.12.2012
19:32:32


(+13, 15 Votes)

Von A x e l
Antwort zu Kommentar #4 von Fabian123456


'Journalistische Qualität bei queer.de, der war echt gut! Selten so gut gelacht'

Billige Polemiken, wie deine, @Fabian123456, sind destruktiv. Übe lieber konstruktive Kritik, über die sich diskutieren lässt. Oder hast du zur Diskussion keine eigenen Gedanken beizutragen, dann troll dich.

Selbstverständlich gibt es bei 'Queer.de' eine ganze Menge journalistische Qualität, sonst würde ich hier gar nicht regelmäßig lesen. Die Recherchen sind fundiert und nachprüfbar, die Einschätzungen politischer Ereignisse zeugen von Sachkenntnis und 'Queer.de' wird längst regelmäßig von Zeitungen, wie Zeit, FR, SZ, der Freitag usw. zitiert. Das zeigt, dass 'Queer.de' als Online-Portal der schwul-lesbischen Community ernst genommen wird.


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#6
12.12.2012
19:34:42


(+9, 11 Votes)

Von hmmm
Antwort zu Kommentar #3 von Johannes1989


>Sind Heteros klüger?

Die Masse machts, zudem die Anzeigenkunden, die bei Heteros werben und nicht bei Schwulen und sicher auch die Verkaufseinnahmen. Sprich: Die Einnahmen und die daraus resultierenden Töpfe für Redakteure und freie Mitarbeiter. Ansonsten bringst du auch einen Apfel- und Birnebvergleich. Besser etwa die Siegessäule mit dem Prinz vergleichen. Dann siegt sogar das LGBT-Medium.

> dann doch lieber schwule Themen auf hohem Niveau bei SZ, taz

Da findet man manchmal gute Sachen, manchmal peinliches und oft einfach ungenügendes Eigen- oder Agenturmaterial. In der Regel bekommt man etwa hier auf queer.de mehr Hintergründe und übrigens 100 mal Nachrichten mehr, die auch ihre Wichtigkeit haben (und wegfallen, wenn nur noch Hetero-Presse gelesen wird). In der Hetero-Presse liest du m.E. zu Russland nur, wenn Madonna verklagt wird, oder zu Angela Merkels Ablehnung der Gleichstellung erst rund um den Parteitag rum und nicht Monate früher. Weitere Beispiele gibt es genügend. Das gilt auch für die Magazine: Lokale Themen aus rik & co wirst Du kaum bei der SZ finden.

> alle wollen billig vom Niveau her

Ich glaube, man muss unterscheiden: Manche wollen tatsächlich billig (dass Leser vor allem Lifestyle bevorzugen, glaube ich nicht; für Anzeigenkunden mag das gelten; die Blu setzt aber zum Beispiel gar nicht mehr auf Politik oder sonstwie überregional wichtige Themen und ist wirklich ärgerlich). Manche strengen sich nach Kräften an und bringen erstaunlich viel Seriöses: Nimm einmal dieses Portal, wieviele Nachrichten es etwa zu Politik täglich bringt. Dann bedenke, dass es wohl nur vier Leute sind, die dafür inklusive Vermarktung, Programmierung und allem sonstigen dafür zuständig sind.


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#7
12.12.2012
19:39:05


(+4, 6 Votes)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Hoffentlich lehnt sich Herr Beese mit den Thesen, die er aufstellt, nicht zu weit aus dem Fenster!


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#8
12.12.2012
19:48:09


(+6, 10 Votes)

Von Natalie
Antwort zu Kommentar #7 von FoXXXyness


Das würde er nie tun. Ich habe das auch nur einmal gemacht.

Link zu www.matteimedien.de


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#9
12.12.2012
20:20:36


(+6, 8 Votes)
 
#10
12.12.2012
20:34:10


(+4, 4 Votes)

Von ehemaligem User ererer


Die Franzosen haben 'Pink TV', die Niederlaender und die Schweden 'Out TV', die Amerikaner - 'Logo' - ja, warum also Deutschland absolut nichts, nach 'Timm'? Wie waers, zuerst mit einer schwul-lesbischen Sendung (die muss aber regelmaessig, am besten woechentlich sein) auf einem Sender anzufangen, wo der kommerzielle Erfolg nicht enorm wichtig ist - wie 'Arte', z.B.? Das schwule Publikum ist zwar eine ziemlich kleine Nische, aber doch nicht ein schwarzes Loch.


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