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  • 16.12.2012           2      Teilen:   |

"Jack Holmes und sein Freund"

Abgöttisch verliebt in einen Hetero

Artikelbild
Ein schwules Paar 1971 in Sheep Meadow, Central Park
Foto: Kay Tobin Lahusen/NYPL

Edmund Whites neuer Roman "Jack Holmes und sein Freund" begleitet eine Männerfreundschaft in den 60er und 70er Jahren.

Von Angelo Algieri

Was ist, wenn ein Schwuler sich abgöttisch in einen Hetero verliebt? Ihn anhimmelt? Emotional sich an ihn bindet? Ein solches Szenario beschreibt der US-amerikanische Schriftsteller und Altmeister Edmund White in seinem neuen Roman "Jack Holmes und sein Freund". Das hätte leicht eine peinliche Komödie oder eine pathetische Tragödie werden können – doch White tappt weise in keine dieser Fallen.

Zunächst zum Plot: New York, Mitte der 60er Jahre. Der Twen Jack Holmes arbeitet nach dem College in der Zeitschriftenredaktion "Northern Review". Eine Freundin empfiehlt ihm, Will Wright, den Jack persönlich nicht kennt, in die Redaktion aufzunehmen. Es klappt und als Jack ihn zum ersten Mal sieht, ist er angetan. Er möchte ihn haben. Jack glaubt, dass Will auch auf Männer steht. So wie er das für sich entdeckt hat. Jack schleppt abends Männer in diversen Bars ab. So kommt er kurz mit dem Tänzer Peter zusammen oder mit dem IBM-Eigentümer Billy Delight. Doch Jacks wahre Liebe ist und bleibt Will. Auch weil Will ihm anvertraut, dass er schreibt. Und er als erster das Manuskript zu lesen bekommt. Auch Jack träumt davon, einmal ein großer Schriftsteller zu werden.

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Jack bekämpft sein Schwulsein mit einer Therapie

Jack Holmes und Will Wright lernen sich in einer New Yorker Zeitschriftenredaktion kennen. Bei träumen davon, Schriftsteller zu werden...
Jack Holmes und Will Wright lernen sich in einer New Yorker Zeitschriftenredaktion kennen. Bei träumen davon, Schriftsteller zu werden...

Als er Wills Roman liest, ist er nicht mehr so begeistert. Er überlegt, ob er ihm die Wahrheit sagen soll. Doch dies erledigt bereits ein Verriss der "New York Sunday Times"… Will ist am Boden zerstört. Jack lädt ihn zu sich zum Essen ein; es wird viel getrunken und Jack gesteht ihm seine Liebe, aber dass er eine Therapie mache, um sich der Homosexualität zu entledigen. Will ist kurz konsterniert und glaubt zunächst, dass es Jacks Masche sei, um bei den Frauen besser anzukommen. Denn Jack besucht häufig die bekannte Literaturkritikerin Alexandra. Doch sie sind lediglich gut befreundet. Al Jack Will und Alexandra einander vorstellt, bleibt dies nicht ohne Folgen…

Edmund Whites Roman springt nun zehn Jahre weiter; auch von der Erzählperspektive gibt es einen Wechsel. Während in den 60ern die Dritte-Person-Perspektive nahe an Jack ist, werden die 70er aus der Ich-Perspektive vom Hetero Will erzählt. Er ist mittlerweile mit Alexandra verheiratet, da Paar hat zwei Kinder und lebt vor den Toren von New York City. Will und Jack treffen sich seit knapp zehn Jahren zufällig wieder und Will lädt seinen alten Freund daraufhin in ein Zurück-zur-Natur-Haus ein. Jack bringt eine Freundin mit: Pia. Will findet sie attraktiv und wenig später beginnt er mit ihr eine heiße Affäre. Jack hängt plötzlich mit drin und sieht sich in der Zwickmühle: Er ist schließlich auch ein Freund von Alexandra. Doch er bleibt loyal zu Will. belügt Alexandra und stellte seine Wohnung sogar als Liebesnest zur Verfügung. Zudem nimmt Will auch an Orgien eines befreundeten Hetero-Paares teil. Letztlich erfährt Alexandra davon… Kehrt Will zurück zu ihr und den Kindern? Und was wird aus Jack? Bleibt er bei seinem jungen Rupert? Was wird aus dieser eigenartigen Männerfreundschaft?

Homo gegen Hetero, Reiche gegen Mittelschicht

Edmund White zählt heute zu den bedeutendsten schwulen Autoren des 20. Jahrhunderts
Edmund White zählt heute zu den bedeutendsten schwulen Autoren des 20. Jahrhunderts (Bild: Wiki Commons / David Shankbone / CC-BY-SA-3.0)

Dem 72-jährigen Autor White hat erneut einen vielschichtigen Roman vorgelegt. Dabei geht er wie ein Soziologe vor und entblättert Schicht für Schicht neue Zusammenhänge. Er beschreibt nicht nur das Versteckspiel schwuler Männer in der Vor-Stonewall-Ära, sondern die Therapieversuche von Psychiatern. Aber auch die zunehmende vermeintliche Toleranz gegenüber Homosexuellen in den 70ern schildert Edmund White genau.

Im Mittelpunkt des Romans steht aber die Freundschaft zwischen zwei unterschiedlichen Männern. Differenz nicht nur in der sexuellen Orientierung, sondern auch in der Religion (katholisch versus protestantisch) sowie der sozialen Herkunft: In diesem Fall Bürgertum gegenüber "Aristrokatie" der US-amerikanischen Gesellschaft. Das Spannende: Will und Jack treten in einen Dialog und reflektieren so ihr Verhalten, lernen gegebenenfalls voneinander. Heteronormativität, freie Liebe, Homophobie und homosexueller Selbsthass werden auf diese Weise thematisiert.

Gepaart mit dem oben erwähnten Erzählerwechsel, bietet der Autor aus Cincinnati eine treffende sozio-historische Analyse über die Gräben der Gegenwart: Homo gegen Hetero, Reiche gegen Mittelschicht, Protestanten gegen Katholiken, US-Amerikaner gegen Europäer, Toleranz gegen vorgegaukelte Toleranz. Dabei bedient sich White teilweise der (bitteren) Ironie, beispielsweise in den leerlaufenden Dialogen oder als die ach so tolerante Ökofrau Alexandra nicht will, dass ihre Kinder gemeinsam mit Jungen und Mädchen aus der Unterschicht zur Schule gehen…

Fazit: Dem Altmeister White ist mit "Jack Holmes und sein Freund" ein wegweisender, spannender Roman gelungen. Er muss unbedingt zusammen mit John Irvings "In einer Person" (queer.de rezensierte) gelesen werden. Nicht nur weil die beiden Meister im selben Zeitraum ihre Storys geschrieben und sich gegenseitig unterstützt haben, wie White in seiner Danksagung hinweist. Sondern weil beide eine historische Gesellschaftsanalyse bieten aus unterschiedlichen Perspektiven: Irving als Hetero über die queeren Randgruppen, White als Schwuler über die bürgerlichen Mainstream-Schichten. Beide Bücher ergänzen sich so in ihrer Analyse. Ob Jack und Will White und Irving darstellen? – Ein Schelm…

  Infos zum Buch
Edmund White: Jack Holmes und sein Freund. Roman. Aus dem Amerikanischen von Peter Peschke und Alexander Hamann. Bruno Gmünder Verlag, Berlin 2012. 400 Seiten. 14,99 €. ISBN 9783867874809.
Links zum Thema:
» Mehr Infos zum Buch und Bestellmöglichkeit bei Amazon
» Homepage von Edmund White
Mehr zum Thema:
» Rezension zu "Und das schöne Zimmer ist leer" von Edmund White (28.04.2012)
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Tags: edmund white, jack holmes, bruno gmünder
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Reaktionen zu "Abgöttisch verliebt in einen Hetero"


 2 User-Kommentare
« zurück  1  vor »

Die ersten:   
#1
17.12.2012
00:35:09


(0, 0 Vote)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Gute Literatur für kuschelige Winterabende!


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#2
17.12.2012
03:09:43


(0, 2 Votes)

Von Aus Bad Homburg


am besten ist es, in dieser heteromachomann-welt auch hetero und reich zu sein. wenn aber mistake passiert - nicht resignieren, trotzdem versuchen so viel kohle zu machen, trotz schwulseins; da sollte man sich aber an einige regeln zu halten: 1. rede nie von homo weder sehr positiv-tolerant noch betont negativ - also, durchschnittlich, und so selten, wie nur gehts ('weniger ist mehr'); 2. keine sandfrau, nichts, ganz egal, wie alibi leicht zu finden und unausweichlich ist oder zu sein scheint (besser ein bisschen risiko als 'ewiger junggeselle' als sich total eines tages blamieren, falls alles ans licht kommt); 3. man muss unbedingt dasselbe wie heteros machen - ohne 'wenn und aber', und immer brav zusammen in der gruppe bleiben, koste was es wolle - also witze, gemeiname 'cruising' nach der arbeit durchs zentrum, bars, drinks etc. die meisten heten sind sehr dumm, nehmen an, dass jeder, der sich nicht plakativ als schwul outet, auch hetero ist,- diese illusion sollten sie meinetwegen auch behalten, warum nicht, so ist es doch allen eigentlich leichter, also wunderbar!


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