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Prinz in Strumpfhosen

Warum Aschenbrödel so schwul ist


Aschenbrödel heißt im tschechischen "Popelku", was sich für deutsche Ohren sehr nach Schimpfwort anhört. Hier im Bild die künftige Prinzenrolle der Popelkuh...

"Drei Nüsse für Aschenbrödel", das Kult-Märchen voll homophiler Bezüge, wird zu Weihnachten auf den öffentlich-rechtlichen Kanälen ständig gezeigt. Zeit für diese Text-Wiederholung aus dem Jahr 2010…

Von Christian Scheuß

Die CSSR und die DDR waren in den siebziger Jahren die vielgelobte Schmiede für Kinder- und Märchenfilme. Die Pan Tau-Reihe oder "Sechs Bären mit Zwiebel" waren großartige Produktionen, die auch die westdeutschen Kinder begleiteten und beeindruckten. Als "Tři oříšky pro Popelku" im November 1973 in den tschechischen Kinos anlief, sowie 1974 in der DDR und 1975 in der BRD Premiere hatte, ahnte noch keiner, dass aus dieser speziellen Cinderella-Version ein Kult-Klassiker werden sollte. Seit über 30 Jahren zeigen europaweit TV-Stationen in der Weihnachtszeit die kitschig-romantische Liebesgeschichte zwischen dem gelangweilten Prinzen und dem Underdog-Mädchen. 2010 strahlte die ARD erstmals eine restaurierte HD-Version aus, was die vielen Fans in Entzücken versetzte. Ein knackig scharfes Bild und ein verbesserter Ton zeigen so klar wie nie, warum auch Schwule auf genau dieses Märchen so abfahren. Es steckt voller Bezüge zum eigenen Leben.

Das Coming-out-Motiv
Aschenbrödel wird von ihrer bösen Stiefmutter und deren Tochter unterdrückt und ausgenutzt. Sie darf ihre eigene Identität weder ausleben noch zeigen. Doch aus dem hässlichen Entlein wird am Ende ein selbstbewusster schöner Schwan. Die drei Zaubernüsse symbolisieren die Schritte heraus aus dem Schrank, die Befreiung aus den äußeren Zwängen und Normen, hinein in ein freies Leben.

Youtube | Die Tanzszene (in tschechisch)

- Der Hofball – Sitten wie bei Gayromeo -


Mit seinen Freunden (li., re.) teilt der Prinz mehr als die Leidenschaft des Jagens (Bild: Screenshot ARD)

Das Strumpfhosen-Motiv
Nun ja, Männer in Strumpfhosen gelten heutzutage eher als unmännlich. Doch die zwei jungen Freunde und Diener des Prinzen sowie "Eure Hoheit" selbst sehen ungemein sexy aus in ihren enganliegenden Beinkleidern und den knapp geschnittenen Gewändern darüber. Spontane Erektionen ließen sich mit dieser Bekleidung nur schwerlich kaschieren. Am Anfang des Films tollen die drei im Schnee und "tucken" ganz unbefangen herum, so wie wir es von Jungschwulen her kennen.

Motiv: Starke Mutterbindung, schwacher Vater
Der junge Prinz hat ganz eindeutig eine sehr starke Beziehung zur Mutter, die ihn auch stets in Schutz nimmt. Herr Papa König dagegen wirkt weichlich und schwach. Trotz der herzlichen Beziehung zwischen dem Königspaar: Der männliche Hoffnarr ist seinem Herrn körperlich stets näher als die Gemahlin ihrem Gatten. Und warum schaut der Inhaber der Krone so versonnen lächelnd auf die jungen Freunde seines Sohnes? Unterdrückte Homoerotik?

Das Traumprinz-Motiv
Einladungen zu festlichen Bällen zum Zwecke der Vermählung mit einer Hoheit werden im 21. Jahrhundert kaum noch verschickt. Doch die Szene im Film, in der dem geschlechtsreifen Prinzen sämtliche Jungfrauen der Gegend präsentiert werden, die erinnert stark an die endlose Suche in den Profilen von Gayromeo. Es wird solange weiter geklickt, bis Mr. Right auftaucht.

- Crossdresser, Gendertausch, Travestie -


RuPaul würde vor Neid erblassen bei diesem Outfit (Bild: Screenshot ARD)

Das Transgender-Motiv
Aschenbrödels erste Zaubernuss macht aus dem Mädchen einen feschen jungen Jäger, der besser schießt als der Prinz selbst. Die königliche Jagdgesellschaft, die im verschneiten Wald auf Aschenbrödel trifft, hält sie für einen jungen Mann. Und doch fühlt sich der Prinz irgendwie von diesem vermeintlichen Mann erotisch angezogen.

Das Drag-Queen-Motiv
Die böse Stiefmutter macht sich hübsch für den Ball, auf dem sie hofft, ihre Tochter mit dem Prinzen verkuppeln zu können. Der Hut, den sie dafür aufsetzt, ist so grandios overstylt, dass selbst RuPaul vor Neid erblassen würde. Überhaupt sind sämtliche Kostüme im Film ein Füllhorn für Drag Queens.

Das effiminierte Camp-Motiv
Die höfischen Tänze des Mittelalters waren bekanntermaßen stark ritualisiert und sehr elegant. Doch wie im Märchenfilm die jungen Herren mit den Damen tanzen, das ist eine wahre Pracht. Mit gespreizten Fingern, abgeknickten Händchen und einer Hand in der Hüfte (Amphore) wähnt man sich auf einem Tuntenball.

Das Fetisch-Motiv
Die Story spielt im Mittelalter. Zu jener Zeit war der Sneaker noch nicht auf dem Markt, der Schuh-Fetischismus ist jedoch ein wichtiges Element dieser Geschichte. Jemand, der verspricht, diejenige zur Braut zu nehmen, die den passenden Fuß zum gefundenen pinken Pumps hat, der muss zwangsläufig ein Fuß- oder Schuhfetischist sein.

TV-Termine 2012

22. Dezember: 14:55 ARD
24. Dezember: 11:10 ARD / 11:30 + 20:15 EINS FESTIVAL / 13:05 SF1 / 14:35 WDR
25. Dezember: 10:30 NDR / 20:15 RBB / 01:15 SWR
26. Dezember: 09:00 RBB / 10:20 BR / 12:15 MDR
27. Dezember: 12:40 MDR


#1 LukaAnonym
  • 22.12.2012, 13:55h
  • "kitschig-romantische Liebesgeschichte zwischen dem gelangweilten Prinzen und dem Underdog-Mädchen."
    "aus dem hässlichen Entlein wird am Ende ein selbstbewusster schöner Schwan."
    "dem geschlechtsreifen Prinzen sämtliche Jungfrauen der Gegend präsentiert werden
    Das Transgender-Motiv
    "Doch wie im Märchenfilm die jungen Herren mit den Damen tanzen, das ist eine wahre Pracht."

    Es ist schon eine Meisterleistung aus einer rein heterosexuellen Liebesgeschichte ( mit rein weiblichen Jungfrauen und einem Mädchen, nicht Jungen(!), das zu einem "schönen Schwan wird) angeblich starke, versteckte Homoerotik zu ziehen.
    Es mag Filme geben die dies können, dieser aber überzeugt mich in dieser Hinsicht Null.

    Was an dem Märchen "schwul" sein soll entzieht sich mir völlig.
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#2 nichts neuesAnonym
  • 22.12.2012, 14:22h
  • Antwort auf #1 von Luka
  • man stelle sich vor dem prinz würden mehrere teils minderjährige, jugendliche und unberührte jungs angepriesen werden, wieviele würden daran anstoß finden und das märchen als halb- päderastisches machwerk abstempeln?

    bei jungen mädchen darf man das aber im namen der ehe, das ist völlig okay und keinen stört es. auch viele schwule nicht...es wird trotz heterovariante ironischerweise von teilen der szene sogar als schwul angesehen...siehe überschrift.

    die schwule szene versucht sich krampfhaft von jedem päderastieverdacht zu lösen in dem beziehungen von jungen männern zu älteren jugendlichen kaum noch beachtung in schwuler literatur und film zu finden sind, während man offen von altertümlichen, heteronormen märchen schwärmt.
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#3 reiserobbyEhemaliges Profil
#4 Luca mit cAnonym
  • 22.12.2012, 14:26h
  • Ich war als Kind in den Prinzen verliebt...

    Schön, hier diese Aufstellung schwuler Andeutungen zu sehen.
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#5 RaceXYAnonym
#6 chillandAnonym
#7 LukaAnonym
  • 22.12.2012, 14:46h
  • Antwort auf #3 von reiserobby
  • Schlicht?

    "Da küsste der Prinz Aschenputtel und drückte sie an sich und bald wurde ein großes und schönes Hochzeitsfest gefeiert und sie lebten glücklich bis an ihr Lebensende."

    Wer ist hier schlicht?
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#8 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 22.12.2012, 16:00h
  • Ich habe mich beim Artikel von Christian Scheuß köstlich amüsiert! Vielen Dank dafür!
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#9 Lich KingAnonym
  • 22.12.2012, 16:09h
  • also bei Kommentator #1 und #2 habe ich auch das Gefühl die beiden haben einige Haselnüsse zu viel an den Kopf bekommen. Ihr beide solltet mal Bedenken dass der Film ein Koproduktion zweier kommunistischer Staaten der 70er Jahre war, homosexuelle Bezüge kommen allerhöchsten nur versteckt vor. Und mit Päderastie/Pädophilie hat das ganze auch nichts zu tun...
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#10 erererEhemaliges Profil
  • 22.12.2012, 17:37h
  • Schade, dass 1973 der huebsche Florian David Fitz noch nicht geboren war - er wuerde bestimmt mehr passend fuer die Rolle des Prinzen gewesen. (ist er in der Tat schwul, wie zahlreiche Kommentatoren im Netz zu 'wissen' behaupten, oder doch nicht?)
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