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  • 25.12.2012               Teilen:   |

Gay Fantasy

Ein schwuler Kämpfer auf Droge

Artikelbild
Kein Fantasyroman ohne Adler: Mit Syv besitzt Geryim einen Blauschwanzadler

Raik Thorstads Roman "Zenjanischer Lotus" erzählt die Liebesgeschichte zwischen dem Assassinen Sothorn und seinem Gegner Geryim.

Von Frank Hebenstreit

Wann haben Sie das letzte Mal ein Buch gelesen, dass Sie im wahrsten Sinne des Wortes kaum aus der Hand gelegt haben, weil es Sie so fasziniert hat?

Ich gerade eben, es war "Zenjanischer Lotus" von Raik Thorstad. Ich habe im Bett, am Esstisch, auf dem Sofa, im Bus, an der Bushaltestelle, ja sogar auf dem Klo gelesen. Im Bus hätte ich beinahe sogar einmal meine Haltestelle verpasst, einfach weil die Atmosphäre so dicht und in Anspruch nehmend war, dass ich nur äußerst ungern die Protagonisten allein ließ, um mich dem schnöden alltäglichen Broterwerb zu widmen.

Aber der Reihe nach.

Die Anfänge der Geschichte erscheinen im ersten Moment recht bekannt. Ein Zusammentreffen, eine überraschende Gewalttat, eine Heimreise und eine Ankunft in erbärmlichem Zustand, vier Parameter, die ach so vertraut scheinen und sicherlich aus jedem zweiten Fantasybuch stammen könnten. Wenn da nicht bereits an dieser Stelle in den Grundfesten der Geschichte eine Erwartung geschürt würde. Das liegt sicherlich einerseits an Thorstads Beschreibungen, die sich so plastisch in der eigenen Vorstellungskraft umsetzen, dass man tatsächlich meint, mittendrin zu sein. So fliegt man über diese ersten Seiten und saugt die Grundfesten dieser Geschichte in sich auf, um sich dann weiter mitnehmen zu lassen. Der Umschlagtext verspricht eine abenteuerliche Reise und das Buch hält das. Mit bestechend klarer und ruhiger Hand führt Thorstad das Steuer in einem teils atemberaubenden Abenteuer.

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Eine geheimnisvolle Droge macht gefügig

"Zenjanischer Lotus" entführt den Leser in eine fantastisch-raue Welt
"Zenjanischer Lotus" entführt den Leser in eine fantastisch-raue Welt

Der uns nun kurz bekannte Sothorn erledigt seinen Assassine-Job offensichtlich so meisterhaft, dass ganz Sunda über ihn flüstert und vor ihm einen Heidenrespekt hat. Das an sich ist aus unserer Welt heraus schon nicht verständlich. Der gute Mann ist ein Junkie. Nicht im Sinne unserer Welt, sondern ein Junkie des zenjanischen Lotus. Eine geheimnisvolle Droge, die selbst in einer raumtemperierten Phiole leicht brodelt und eine körperliche und seelische Abhängigkeit mit sich bringt. Nach Einnahme der Droge spürt Sothorn seinen Körper bis in die letzte Faser, fühlt sich frei und unbesiegbar. Das mit dem unbesiegbar stimmt bis hier. Allerdings hat die Droge im Körper des 23-jährigen Mannes bereits mehr als nur Spuren hinterlassen. Körper und Geist stumpfen ohne Droge mehr und mehr ab, lassen keine Empfindungen mehr zu und machen so für den Meister des Lotus gefügig. Sklavenhaltung ohne Ketten. Erledige Deinen Auftrag und erhalte als Belohnung eine Dosis Leben. Kalter Entzug anstelle von Ketten.

Als Leser begleiten wir Sothorn nun auf dem Weg zu seinem letzten Auftrag, auf dem ihm ein Fremder begegnet, der Wargsolja Geryim. Nicht dass die beiden sich einander vorstellen, den Namen Geryim erfährt man erst später. In einem nächtlichen Kampf bei Regen und Kälte messen sich beide ein erstes Mal, dann einige Zeit später treffen sie im Gebirge aufeinander, zur alles entscheidenden Auseinandersetzung. Sothorn hat in den letzten Tagen durchaus klar resümiert, dass sein Körper bald nicht mehr kann, sein Leben nahezu am Ende ist. Ein Todgeweihter, mit 23 Jahren aufgrund des Lotus. Trotz aller widrigen Umstände ist er ein Kämpfer, der sich nicht einfach so holen lässt. Vor allem nicht vom Tod.

Das allerdings ist die krasse Fehleinschätzung der Situation. Als er plötzlich in einer Adelijar-Festung aufwacht, winken Leben, Freundschaft, Gemeinschaft und etwas, was man durchaus als Heimat erahnen kann. Schlussendlich wird es mehr als nur ein "Heimweh" sein, was Sothorn dazu veranlasst, diesen letzten großen Kampf für eine ihm neue Welt aufzunehmen.

Eine Reise zu Respekt, Freundschaft und Niedertracht

Entwurf des Autors: So skizzierte Raik Thorstad seine Protagonisten Sothorn und Geryim
Entwurf des Autors: So skizzierte Raik Thorstad seine Protagonisten Sothorn und Geryim

Eine Reise beginnt, die spannend, unterhaltsam, niederschlagend, erfreuend, erregend und beruhigend sein kann. Fesselnd bis in die letzten Seiten entspinnt sich eine Geschichte, die mit Feinden beginnt, zu Respekt, teils zu Freundschaft, teils zu Niedertracht führt. Eine Erzählung von innerer Verbundenheit und offener Ablehnung, die um offene Seelen weiß und auch Lust und Leidenschaft zwischen zwei Männern nicht außen vor lässt.

So begleitet man als Leser greifbare Charaktere, die scheinbar manchmal sogar dem Autor ein Schnippchen schlagen. Der lässt sie aber gewähren und quetscht sie nicht auf Biegen und Brechen in Klischees. Ebenso wohlgefällig, aber sicherlich ein Aspekt, den man nicht außer Acht lassen sollte: Die Geschichte hört selbst da nicht auf, wenn Geryim und Sothorn sich der Lust hingeben. Und das ist bei diesem Buch einfach nur ein selbstverständlicher und wirklich genussvoller Bestandteil, der zum wahren Leben eben dazu gehört.

"Zenjanischer Lotus" ist ein Roman, der ohne zu zögern im gleichen Satz mit den Werken anderer großer und lange etablierter Autoren genannt werden kann. Weder muss sich Thorstad hinter der erzählerischen Dichte einer Marion Zimmer Bradley noch den anrührenden Charakteren eines E. M. Forster verstecken. Die teils monumentalen, teils mikroskopisch klaren Bilder stehen denen einer Anne Rice oder eines Frank Schätzing in nichts nach.

Bleibt Thorstad zu wünschen, dass die Ansätze, die "Zenjanischer Lotus" zu einem Sequel bietet, weise genutzt und in der notwendigen Ruhe umgesetzt werden, so das denn der Plan ist.

Mein Fazit: Für den Preis von 10,95 Euro bekommt man hier ein Buch, für das man gern eine im wahrsten Sinne des Wortes Mehrwertsteuer zahlt. Angesichts von Kinopreisen um die 13,50 Euro für einen teils nicht mal zwei Stunden dauernden Film, den man in dieser recht schnellen Zeit vielleicht am Ende der Rolltreppe schon fast wieder vergessen hat, ist der Preis des 552 Seiten starken Buches gering. Wirft man dann noch die Wortgewandtheit und die Tiefgründigkeit, mit der diese Geschichte an den Leser herantritt, in die Waagschale, so kommt ein beeindruckendes Leseerlebnis heraus, an das man sich auch nach Jahren noch gern erinnert.

  Infos zum Buch
Raik Thorstad: Zenjanischer Lotus. Roman. 552 Seiten. Incubus Verlag. Dortmund 2012. 10,95 €. ISBN 978-3-9815220-0-6
Links zum Thema:
» Mehr Infos zum Buch und Bestellmöglichkeit bei Amazon
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» Homepage von Raik Thorstad
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Tags: gay fantasy, raik thorstad, incubus verlag
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