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  • 26.12.2012           5      Teilen:   |

Neuverfilmung

Ludwig II. – Der schwule Herrscher

Artikelbild
Ludwig II. (Sabin Tambrea) liebte die Musik des Komponisten Richard Wagner, mehr noch als seinen Weggefährten, den Stallmeister Richard Hornig.

Neu im Kino: Eine Neuverfilmung zeigt den Märchenkönig Ludwig II. als einen sensiblen Menschen mit hehren Idealen.

Die Neuverfilmung begibt sich intensiver als die Versionen von Helmut Käutner und Luchino Visconti auf die Spuren einer genauso schillernden wie zerrissenen Persönlichkeit. Von Ludwigs Besteigung des Throns in jungen Jahren bis zu seinem Tod erlebt man im Film einen Menschen, der eine bessere Welt erschaffen möchte, sich nach Nähe zu einem Mann sehnt und nach Schönheit strebt, der aber – gefangen zwischen persönlichem Sein und dem Anspruch seines königlichen Amtes – an den Zwängen der Realität scheitert und zerbricht. Schauspieler Sabin Tambrea spricht über seine persönliche Begegnung mit dem Märchenkönig, den er spielen durfte.

Wann ist Ihnen der "Märchenkönig" zum ersten Mal in Ihrem Leben begegnet? Was wussten Sie über Ihn, bevor Sie für diesen Film engagiert wurden?

Ich bekam mit ungefähr zwölf Jahren von meinen Eltern zu Weihnachten ein 1000-teiliges Puzzle geschenkt, das Neuschwanstein im Herbst zeigte. Ich wurde verrückt beim Versuch es aufzubauen, habe es nie zu Ende gebracht. Mit 15 Jahren begann ich mich für Wagners Opern zu interessieren. Dadurch wurde ich auch auf Ludwig aufmerksam. Ausführlicher mit ihm befasst habe ich mich aber erst 2008, als der Castingaufruf kam, in dem das Krönungsgemälde als Hintergrundbild meine Hoffnungen weckte.

Wie war Ihre erste Reaktion, als man Ihnen die Zusage für die Rolle gab?

Den Anruf der Zusage nahm ich sitzend entgegen, und ich glaube, ich blieb in dieser Position auch noch eine gefühlte Stunde. Dieser Moment der Stille nach dem einjährigen Castingsturm brauchte viel Zeit, um meinen Gedanken den Mut zu verleihen, es mir als wirklich, als bevorstehend vorzustellen. Vorher wehrte ich mich sehr dagegen, mir den Fall der Zusage auszumalen, damit es nicht so weh tut, wenn die Absage kommt. Als ich es dann wirklich verstanden habe, rief ich meine Eltern und viele Wegbegleiter an, die seit meiner Zeit im Jugendtheater an diesem Weg mit beteiligt waren.

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Ein Lohengrin-Schwan von Freundin und Kaiserin Sisi. - Quelle: Warner
Ein Lohengrin-Schwan von Freundin und Kaiserin Sisi. (Bild: Warner)

Hatten Sie Angst davor, die Hauptlast des Films tragen zu müssen und sich dabei möglicherweise in Konkurrenz zu legendären Kollegen wie O. W. Fischer oder Helmut Berger zu begeben?

In erster Linie hatte ich keine besondere Angst vor dem Vergleich mit ehemaligen Darstellern, eher hatte ich eine große Ehrfurcht vor der Rolle selbst. Ludwig II. wie er wirklich war oder wie er heute in den Köpfen der Menschen und in unzähligen Büchern und Analysen weiterlebt, bietet so viel mehr Raum für Interpretationen als beispielsweise eine Rolle in einem Theaterstück, die von einer bestimmten Anzahl von Textseiten eingegrenzt wird. Was Ludwig betrifft reden wir in unserem Fall von einer Zeitspanne von 32 Jahren. Da würde ich ungern von Konkurrenz reden, eher davon, dass jeder Darsteller eine legitime Übersetzung für die emotionale Sprache seiner Zeit liefert.

Wie würden Sie Ihre Filmfigur charakterisieren?

Ludwig strebt nach dem Guten, dem Schönen und der Wahrheit. Er ist ein hochsensibler Charakter, der daran zugrunde geht, dass die Kluft zwischen der Privatperson Ludwig und seiner öffentlichen Funktion nicht überbrückbar ist, nicht zuletzt, weil er diese Funktion erfüllen musste, ehe er sich selbst als Mensch orientieren und festigen konnte.

Waren die aufwändigen historischen Kostüme für Sie hilfreich, um in Ihre Filmfigur hineinzufinden?

Jeder Drehtag begann mit der Verwandlung vom mit tiefen Augenringen dekorierten Schauspieler in Jeans und T-Shirt zum frischen ideologischen Kämpfer mit gewagter Frisur und teuersten Gewändern. Waldemar Pokromski und Gerhard Gollnhofer haben durch ihre geniale Arbeit in Maske und Kostüm einen sehr großen Teil der Warmmiete für die Ludwigwohnung meiner schauspielerischen Arbeit übernommen. Hinzu kamen noch die Originalschauplätze, Orte wie Neuschwanstein, die Münchner Residenz und Herrenchiemsee, um nur drei zu nennen. Sie beflügelten alle Anwesenden am Set und motivierten zu Höchstleistungen. All das zusammen war nicht nur hilfreich, sondern richtig gehend notwendig, um Ludwig beim Drehen näher zu kommen.

Ludwig II. wollte dem Volk Kunst statt Krieg geben, am Ende war er einsamer Exzentriker
Ludwig II. wollte dem Volk Kunst statt Krieg geben, am Ende war er einsamer Exzentriker (Bild: Warner)

Was halten Sie von Ludwigs Idee, seine Untertanen durch Kunst und Kultur zu besseren Menschen erziehen zu wollen?

Kunst ist zu jeder Zeit eine der mächtigsten Waffen, gerade auch durch die Grenzenlosigkeit des Begriffs selbst. Wer früh mit Künsten, gleich welcher Art, in Berührung kommt, erlernt damit einen instinktiven Zugang zur eigenen Emotionalität. Dies beinhaltet im besten Fall auch die Fähigkeit zur Eigen- und Fremdreflexion. Ob ein Mensch dadurch besser wird, muss jeder für sich selbst entscheiden. Ich denke, dass die Kunst das Unterbewusstsein einer Gesellschaft darstellt.

In der Vergangenheit waren sich gefährliche politische Strömungen dieser Macht bewusst, sie wollten mit Kunst manipulieren und die Identität einer Gesellschaft nach der eigenen Vorstellung formen. Die Zeit in der wir uns gerade befinden, empfinde ich als nicht minder gefährlich. In ganz Deutschland werden Tag für Tag Sparmaßnahmen in kulturellen Einrichtungen entschieden, die ganze Theater die Existenz kosten. In meinen Augen wird unsere Gesellschaft diese Einsparungen auf lange Sicht mit dem Verlust der eigenen Identität bezahlen, denn eine Gesellschaft ohne Kunst ist wie ein lethargischer Zustand ohne Vergangenheit und Zukunft.

Glauben Sie, dass das Schicksal dieses Königs auch noch im 21. Jahrhundert die Kinozuschauer bewegen kann?

Die Konflikte, die Ludwig widerfahren sind, empfinde ich als zeitlos. Wenn man seine Geschichte auf den Kern reduziert, dann geht es um einen Menschen, der ein Bild seiner beruflichen Funktion in der Gesellschaft zu erfüllen hat, das im Widerspruch zu den inneren Wünschen und Sehnsüchten steht. Und das ist heute aktueller denn je: Mütter und Väter, die Kinder und Beruf miteinander koordinieren müssen, Bundespräsidenten, die Geschenke annehmen, Fußballer, die für eine Karriere möglicherweise ihre sexuelle Identität verleugnen.

Wir leben in einer Zeit, in der die Privatperson völlig hinter der gesellschaftlichen Funktion zu verschwinden droht. Irgendwann steht man vor der Frage: Wer bin ich eigentlich? Diese Frage konnte auch Ludwig sich ein ganzes Leben lang nicht beantworten. Deshalb wird der Film die Menschen berühren, da sie sich mit Ludwig identifizieren können, egal wie abweichend der Maßstab erscheint. Die Prüfungen, die Ludwig durchlaufen musste sind jene, die uns allen bevor stehen.

Youtube | Der Trailer zum Film
  Ludwig II.
Spielfilm, D 2012, von Peter Sehr und Marie Noëlle. Mit Sabin Tambrea, Sebastian Schipper, Hannah Herzsprung, Edgar Selge, Friedrich Mücke, Justus von Dohnányi, Samuel Finzi, Tom Schilling, Paula Beer, Uwe Ochsenknecht, Peter Simonischek, Gedeon Burkhard, Katharina Thalbach, August Schmölzer, Michael Fitz, Franz Dinda, Christophe Malavoy, Bernd Birkhahn, Volker Zack Michalowski, André Eisermann und Axel Milberg.
Links zum Thema:
» Ludwig II. (1973), von Luchino Visconti, mit Helmut Berger und Romy Schneider
» Ludwig II. - Glanz und Elend eines Königs (1955), von Helmut Käutner, mit O.W. Fischer
» Ludwig II - Originalsoundtrack
» Offizielle Website
Galerie
Ludwig II. (Spielfilm, D 2012)

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Tags: ludwig ii., helmut berger, sabin tambrea, neuschwanstein
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Reaktionen zu "Ludwig II. – Der schwule Herrscher"


 5 User-Kommentare
« zurück  1  vor »

Die ersten:   
#1
26.12.2012
22:39:58


(+5, 5 Votes)

Von gezählt


außer in der überschrift kommt das attribut "schwul" im gesamten interview nicht ein einziges mal vor.

im film übrigens auch nicht.


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#2
27.12.2012
13:15:34


(+2, 4 Votes)

Von tjoar
Antwort zu Kommentar #1 von gezählt


Nicht ganz korrekt geht es auch bei Ludwigs Privatleben zu, allzu schwul möchten die Autoren ihren Protagonisten nicht sehen.
Nach einem Kuss mit seinem Stallmeister Richard Hornig (Friedrich Mücke) ist Ludwig über seinen Fehltritt selbst so erschreckt, dass er Richard den Schwur abnimmt, so etwas nie wieder zu tun. Folglich lebt er sexuell enthaltsam, ist sich seiner homoerotischen Neigungen zwar bewusst, erlaubt sich aber nicht, diese auszuleben.
Das entspricht nicht der historischen Wahrheit: Schon der Untersuchungsausschuss zu Ludwigs Tod brachte allerlei außerordentlich peinliche Dinge zu Tage, darunter Affären mit jungen Reitknechten. Es gibt auch Briefe, in denen Ludwig einen Freund beauftragte, in ganz Europa Jünglinge nach seinem Geschmack zu suchen.

Link zu www.inqueery.de


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#3
27.12.2012
15:45:57


(-2, 2 Votes)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Ob der Film top oder flop wird, muß sich zeigen und Vergleiche mit seinen Vorgängern aushalten!


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#4
31.12.2012
00:40:32


(-1, 1 Vote)

Von alexander
Profil nur für angemeldete User sichtbar


also was bis jetzt über diesen film zu erfahren war, scheint er nur ein geschönter aufguss, der früheren verfilmungen zu sein !
das drehbuch ist genauso öde und tröge, was seine schwulitäten angeht, wie alle vorgängerscripte !
insofern völlig langweilig , da die story schon mehr als bekannt ist, also nichts neues was den charakter des KINI angeht !
letztlich wie bei der TITANIC, die braucht man auch nur die letzte halbe stunde anzuschauen, wenn sie endlich untergeht, um bestenfalls die technischen raffinessen zu sehen !
das ganze ist mir zu gerüst und fleischloser knochen. SCHADE !


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#5
31.12.2012
05:06:36


(-1, 1 Vote)

Von Aus Bad Homburg
Antwort zu Kommentar #4 von alexander


Da hast Du absolut Recht, Schwesterchen: was kann noch so langweilig sein wie diesselbe Geschichten vom Leben eines vermeintlichen Homosexuellen aus Neuschwanstein? (Vielleicht nur die Geschichten vom Leben eines vermeintlichen Aristo aus Allenstein)


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