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  • 06.01.2013           8      Teilen:   |

Neue Anthologie

Macht Sex Spaß?

Artikelbild
Die Frage ist natürlich nicht ganz ernst gemeint. Das von Volker Surmann herausgegebene Buch bietet humorvolle und ironische Texte

Der Frage, ob Sex Spaß macht, geht eine neue Anthologie des Satyr Verlags nach – gleich zwei Geschichten beschäftigen sich mit Gayromeo. Auch schwule Schwaben im Prenzlauer Berg bekommen ihr Fett weg.

Von Angelo Algieri

"Macht Sex Spaß?" Diese Frage stellt tatsächlich die neueste Anthologie von Herausgeber, Verleger und Comedian Volker Surmann. Darin sind 49 Geschichten von 44 Autoren versammelt. Sie sind in sieben etwa gleichlange Kapitel unterteilt – mit Überschriften wie "Sex – kann ich das auch kriegen?" oder "Ist das nicht ganz schön kompliziert?". Wir merken schon, dass dieses Buch nicht ganz ernst gemeint ist und viele humorvolle als auch ironische Texte bereithält. Ähnlich wie die vorhergehende, zweibändige Anthologie "Sex – von Spaß war nie die Rede".

Natürlich dürfen bei einem Sexthema die queeren Geschichten nicht fehlen! So etwa die Story "Romeo must live" des 29-jährigen Autors Christian Ritter. Er treibt eine Gayromeo-Story auf die Spitze. Mit "umgekehrter Psychologie" glaubt der Ich-Erzähler, seine begehrenswerten Kontakte zu verscheuchen. Wer glaubt denn wirklich, dass man seine richtige Adresse auf den Blauen Seiten angibt? Ritter macht sich über für ihn verwunderliche Fetische lustig, die er dann gekonnt mit anderen Begebenheiten paart: Einer möchte nackt als Teppichvorleger behandelt werden. Gut dass daraufhin ein Staubsaugervertreter kommt… Und so schaukelt sich einiges hoch. Doch wie rauskommen aus dem Gayromeo-Schlamassel? Ritter, der u.a. in Würzburg Poetry-Slams moderiert, führt eine völlig normale Situation ins Bizarre.

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Schwule Schwaben im Prenzlauer Berg

Die Anthologie vereint 49 Geschichten von 44 Autoren
Die Anthologie vereint 49 Geschichten von 44 Autoren

Auch Paul Bokowski, Jahrgang 1982 (queer.de besprach seinen Erzählband "Hauptsache nichts mit Menschen"), nutzt in seinem Langpoem "Der Schwabe" als Aufhänger Gayromeo, um sich mit einem Typen zu treffen, der sich als Schwabe im Prenzlauer Berg entpuppt – die Schwaben und Berlins Trend-Bezirk sind nicht erst seit Wolfgangs Thierses Schwaben-Bashing ein Thema in der Hauptstadt. Das Besondere hier ist, dass Bokowski eine Parodie auf Edgar Allen Poes berühmtes Gedicht "Der Rabe" verfasst hat. Poes jeweils letzter Vers endet auf nimmermehr. Auch bei Bokowski heißt es "nimmermehr", dann "nicht mehr" oder "bitte sehr". Doch wir ahnen es, auch "Geschlechtsverkehr" oder "Willscht Verkehr?" Die Story endet mit einer peinlichen Entblößung – ironisch, filigran, einfach genial.

Wie bei der Anthologie "Mein schwules Auge" (queer.de rezensierte die neunte Ausgabe), darf in "Macht Sex Spaß?" ein Beitrag des 46-jährige Autors Jan Gympel nicht fehlen. Diesmal nicht in Dialogform, sondern scheinbar in Prosa. Doch man merkt bald, dass es ein Monolog ist. Der Text handelt von einem markanten Kerl, der seine Fantasien mit anderen kerligen Typen auslebt. Wohlgemerkt Fantasien. Und diese nur – wie es der Titel "Zeit bis halb sechs" vorgibt – am Nachmittag. Denn dann kommt seine Alte… Ein typischer Gympel-Text, der den Leser zum Lachen bringt.,

Satyr-Verleger Surmann selbst steuert gleich drei Texte bei, meist aus einer schwulen Perspektive auf Heteros. So erzählt er etwa, dass ein Gothic-Pärchen in der Silvesternacht am Tempelhofer Feld Sex vor Publikum hat – was Schwule vermeintlich nicht gemacht hätten, vor allem nicht bei minus 15 Grad. Seine beiden anderen Texte spielen in der Bahn. In dem einen beobachtet er ein Teenie-Pärchen, wobei der 14-jährige Junge "krasse" blaue Augen hat und es schafft, in 39 Sekunden zu kommen… In dem anderen breitet ein etwa 30-Jähriger sein "Büro" auf einem ICE-Tisch aus, erzählt belanglose Sachen, bis er dann sagt: "Ich befriedige mich auch gelegentlich selbst." Was sich dann im Gehirn von Ich-Erzähler Surmann entspinnt, ist einfach klasse. Ironisch, witzig und überzeichnet!

Das Mühsal einer lesbischen Erotikschreiberin

Herausgeber, Verleger und Comedian: Volker Surmann
Herausgeber, Verleger und Comedian: Volker Surmann

Selbstverständlich sind auch zwei Texte mit lesbischem Inhalt vertreten. Die Publikumspreisträgerin des "open mike 2012" Joey Juschka liefert die Geschichte "Auf Bestellung". Es geht um das Mühsal einer Erotikschreiberin. Sie überlegt sich etwa: Wie angewinkelt darf das Knie sein, wenn die Frau x cm groß ist, wenn die Protagonistinnen es im Treppenhaus treiben? Und wie ist es, wenn eine Stilettos trägt? Ein literaturbezogener Text, der den Irrwitz, einen vehement präzisen, authentischen Erotiktext zu schreiben, auf die Schippe nimmt – unbedingt lesen!

Witzig ist auch die Story "LBD" von Kali Drische. Der Titel steht für Lesbian Bed Death. Die Protagonistin würde gerne mit ihrer Freundin Sex haben. Doch aus links-ideologischen und feministischen Überlegungen gestaltet sich das Unterfangen als sehr schwierig und auch sehr komisch. Es endet dennoch mit einem befriedigenden Höhepunkt (anderer Art)…

Die meisten anderen Texte der Anthologie beschäftigen sich mit Hetero-Sex oder wie sich Mann und Frau finden und die urkomischsten Sachen erleben. Namhafte Autoren und Comedians sind dabei, etwa Kathrin Passig, Ahne, Martina Brandl und Jess Jochimsen. Aber auch die anderen Brauseboys-Autoren – neben den oben erwähnten Surmann und Bokowski – sind mit Robert Rescue und Heiko Werning vertreten. Allerdings fehlen von der Boygroup Hinark Husen und Frank Sorge, der in der vorhergehenden Anthologie die Zeichnungen lieferte. Schade!

Fazit: Diese Erzählsammlung hat für jeden Humorgeschmack etwas bereit: Von subtil-ironisch bis slapstick-artig, vom pointierten Witz bis zu absurden Situationen. Von verspielt bis bodenständig. Surmann hat uns ein schönes Potpourri der aktuellen Lesebühne- und Comedian-Autoren zusammengestellt. Was sie verbindet, ist die präzise Beobachtung des Hier-und-Jetzt, die Überspitzung einer "durchsexualisierten" Gesellschaft sowie ein Kommentar gegenwärtigen Sexlebens.

Was nach dieser Lektüre bleibt, ist ein unbehagliches Stirnrunzeln: Macht Sex wirklich Spaß?

  Infos zum Buch
Volker Surmann (Hrsg.): "Macht Sex Spaß?" Satyr Verlag, Berlin 2012. 224 Seiten. 13,90 €. ISBN: 978-3-9814891-7-0.
Links zum Thema:
» Mehr Infos zum Buch und Bestellmöglichkeit bei Amazon
» Homepage des Satyr Verlags
» Homepage von Volker Surmann
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Tags: sex und spaß, volker surmann, satyr verlag, gayromeo
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Reaktionen zu "Macht Sex Spaß?"


 8 User-Kommentare
« zurück  1  vor »

Die ersten:   
#1
06.01.2013
16:19:29


(+4, 6 Votes)

Von vielleicht


sollten schwule endlich die frage stellen:

warum sind und bleiben schwuler sex und schwule erotik im öffentlich raum weiterhin zu 100% unsichtbar? (außer vereinzelt beim schwulen karneval?)

sichtbarkeit aufzwingen, nicht kuschen oder nur darum betteln!


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#2
06.01.2013
17:06:16


(-1, 3 Votes)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Macht Sex Spaß: was für eine Frage! Die Antwort darauf ist: NATÜRLICH!!!


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#3
06.01.2013
20:37:33


(-1, 3 Votes)

Von chilland
Antwort zu Kommentar #1 von vielleicht


Und wo gibts heterosexuellen Sex im öffentlichen Raum? Ich lebe in einer Großstadt über 1 Mio Einwohner. Habe ich noch nie gesehen. Zumindest nicht mehr und nicht weniger als schwulen Sex. Also besoffen, oder unter Drogen.


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#4
07.01.2013
08:17:15


(0, 2 Votes)

Von Alte Tunte
Antwort zu Kommentar #3 von chilland


Komm nach Berlin. Da siehste sowas.


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#5
07.01.2013
11:48:00


(-2, 2 Votes)

Von Papst


Nein Sex macht keinen Spaß


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#6
07.01.2013
16:07:43


(+2, 2 Votes)

Von city guide
Antwort zu Kommentar #4 von Alte Tunte


Berlin ist arm, aber sexy.
Essen ist die Erotik des Alters!


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#7
10.01.2013
23:48:25


(0, 2 Votes)

Von TheDad
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Antwort zu Kommentar #3 von chilland


Das kann ja nur Berlin, Hamburg oder Köln sein..

Also Augen auf ebim Autokauf..

Die Werbe und Medienwelt strotzt nur so von hetero-sex und Anspielungen dazu..

Da wird mit nackten Frauen für Parfum oder Seife geworben, dat Mädel steht unter der Dusche, der Mann muß da draußen bleiben..

In jedem gutem Tatort pimpert ein hetero-Pärchen rum..

In vielen Spielfilmen auch..

Und in den Städten kann Mann allüberall knutschende Heten sehen die danach Hand in Hand durch die Fußgängerzone schlender..

Ständig hat Mann das "richtige" vor Augen, so das Mann den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht..

Und ich seh da weder besoffen noch nüchtern hin, weil mich deren Gefummel nicht interessiert..
Dafür kuck ich lieber hübschen Jungs auf den Arsch..


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#8
11.01.2013
00:01:54


(-1, 1 Vote)

Von TheDad
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #6 von city guide


Damit ist hoffentlich nicht die Stadt gemeint -lol-


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