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  • 07.01.2013           4      Teilen:   |

Einmal am Tag

Das Regiment der Tabletten

Artikelbild
Wann mit welchen Medikamenten beginnen? Neben den rein medizinischen Gründen gilt es auch, die persönlichen Lebensumstände zu betrachten. (Bild: Mike Auerbach)

Um das HI-Virus in Schach zu halten, ist die regelmäßige Einnahme von Tabletten nötig. Einst war es eine Handvoll Pillen am Tag, jetzt ist es oft nur noch eine. Ist weniger mehr?

Von Christian Scheuß

Ein bisschen komisch kommt sich Oliver schon vor. Der 27-jährige sitzt in der Berliner Praxis seines Hausarztes auf einem Barhocker, vor ihm eine Handvoll Journalisten, die ihn erwartungsvoll anschauen. Heiko Jessen, sein behandelnder Arzt, sitzt neben ihm, legt ihm die Hand auf die Schulter und muntert seinen Patienten auf: "Na dann erzähl doch mal, wie das mit deiner Therapie angefangen hat." Oliver hat vor ein paar Tagen mit der antiretroviralen Therapie (ART) begonnen, so wie es bereits Tausende vor ihm irgendwann einmal getan haben. Man hat halt die großen Packungen mit den Medikamenten nach Hause geschleppt, und nimmt sie täglich ein. So what?

Ganz so profan ist die Sache natürlich nicht. Zum einen ist der Start der Kombinationstherapie ein Wendepunkt in der Biographie eines HIV-Positiven. Das Immunsystem schafft es von nun an nicht mehr allein, die Infektion in Schach zu halten. Wer die Beilagenzettel seiner Kombi durchliest, der ist sich sehr bewusst: Heute ist der erste Tag vom Rest meines Lebens ohne Pillen. Nicht mehr der dreimonatige Blutcheck gibt den Rhythmus vor, es ist die tägliche Einnahme.

Zum anderen gilt es ein paar gedankliche und gefühlte Hürden zu nehmen. Da ist die Sorge vor Nebenwirkungen, die, wenn sie auftreten, gemanagt werden müssen. Da ist aber auch die Frage nach Wechselwirkungen in Verbindung mit anderen Medikamenten und Genussmitteln, die Einfluss haben auf die Wirksamkeit der Therapie. Es muss – ganz generell gesagt – ein Weg gefunden werden, mit dem sich die Therapie möglichst reibungslos in den Alltag einbauen lässt. Das dieser Weg für jeden individuell anders aussieht, ist eine der Erkenntnisse des Pressetermins, zu dem im November Gilead Sciences eingeladen hatte.

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Therapiestart: Es gibt medizinische Gründe. Und romantische Motive...

HIV-Experten mit Schwerpunktpraxis in Berlin: Arne und Heiko Jessen - Quelle: Mike Auerbach
HIV-Experten mit Schwerpunktpraxis in Berlin: Arne und Heiko Jessen (Bild: Mike Auerbach)

Oliver lebt noch nicht so lange in Berlin, aber er weiß, dass er sich hier infiziert hat. Er landete beim Ärztebrüderpaar Heiko und Arne Jessen, die ihre Schwerpunkt-Praxis direkt über Tom's Bar mitten im schwulen Viertel am Nollendorfplatz liegen haben. Die Anlaufstelle für HIV-Patienten betreiben sie seit den Neunzigern. Darüber hinaus stecken sie als Referenten und Experten tief im wissenschaftlichen Diskurs und in der Forschung. Sie hatten Oliver vorgeschlagen, an einer derzeit laufenden Studie teilzunehmen, die mit zwei Vergleichsgruppen herausfinden soll, welcher Zeitpunkt für den Beginn einer Therapie besser geeignet ist für eine dauerhafte Wirksamkeit. Und eigentlich war er in der Gruppe der Patienten, die erst einmal abwarten sollten. Viruslast und Status der Immunabwehr waren bei ihm noch im grünen Beriech.

Doch dann kam die Liebe. "Ich hatte die Sorge, meinen Freund möglicherweise einem Risiko auszusetzen, und habe mich deshalb für einen vorzeitigen Start entschieden." Es ginge ihm nicht darum, das Kondom weglassen zu wollen, was er nach Erkenntnis der Forschung durchaus tun könnte, wenn die Medikamente ihre Arbeit zuverlässig verrichten. Er fühlt sich dazu einfach gegenüber seinem Partner verpflichtet. Therapiebeginn nicht nur aus Verantwortung gegenüber sich und dem anderen, sondern auch aus romantischen Motiven, als eine Art Liebesbeweis? Nun nimmt er seit ein paar Wochen seine Medizin, eine Dreifachkombi in einer Tablette, die er einmal täglich zum Abendessen einnimmt. Nebenwirkungen hat er keine, die Viruslast rutschte innerhalb von vier Wochen von 66.000 auf unter 400 Kopien/ml. Insgesamt fühlt er sich nun sicherer.

Adhärenz: Der Patient kann der Therapie komplett folgen

Die Untersuchung pharmakologischer Werte sind nur ein Baustein für eine erfolgreiche Therapie
Die Untersuchung pharmakologischer Werte sind nur ein Baustein für eine erfolgreiche Therapie (Bild: Mike Auerbach)

Der Trend geht eindeutig zur "Once Daily"-Tablette, die Pharmafirmen entwickeln die entsprechenden Produkte, die dem Patienten helfen sollen, mit der Therapie gut klar zu kommen. In der Wissenschaft wird der Erfolg mit dem Maßstab der so genannten Adhärenz vermessen. Die Adhärenz gilt als vollständig, wenn der Patient in der Lage ist, sämtliche Teile seiner antiretroviralen Therapie regelmäßig und wie vorgeschrieben einzunehmen. "Es gibt eine Art Grundrauschen von zehn Prozent der Patienten, bei denen es mit der Adhärenz überhaupt nicht klappt", berichtet Heiko Jessen. Ein Problem, dass bei allen chronischen Erkrankungen, die regelmäßige Medikamenteneinnahme erfordern, zu beobachten ist.

Die Ursachen dafür liegen in den Lebensumständen der Menschen. Sie kämpfen mit wirtschaftlichen, beruflichen, privaten oder psychologischen Probleme, die alles andere überdecken. Für die Mehrheit der Patienten gilt aber, dass sie sich darum bemühen, im Takt zu bleiben mit den Einnahmevorschriften.

Es klingt plausibel, dass es einfacher ist, nur einmal am Tag ein Medikament zu sich zu nehmen, als wenn man es zwei- oder mehrmals am Tag tun muss. Studien belegen dies auch. Patienten unter dem so genannten "Single Tablet Regimen" sind näher dran am Ziel der kompletten Adhärenz. Ob die Formel "Nur eine einmal täglich" aber für einen selbst gilt, muss der Patient gemeinsam mit seinem Arzt abklären. In der Abwägung spielen sogar generelle Lebenshaltungen eine Rolle. "Wir haben Patienten", berichtet Heiko Jessen, "die erkundigen sich bei jedem Check-Termin, was es denn so neues auf dem Medikamentenmarkt gibt". Daneben gibt es aber auch den konservativeren HIV-Patienten, der eine Umstellung ablehnt, weil er einfach gut klarkommt mit seinem jahrelang praktizierten Tabletten-Regiment.

  Disclaimer
Dieser Artikel wurde inhaltlich frei von einem queer.de-Autoren verfasst. Der Themenkanal "Gesundheit HIV+" wird durch Unterstützung von "GILEAD Sciences GmbH" ermöglicht.
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Tags: hiv, kombinationstherapie, adhärenz
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Reaktionen zu "Das Regiment der Tabletten"


 4 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
07.01.2013
18:00:09


(+5, 5 Votes)

Von Nico


Es ist gut, welche Fortschritte gemacht wurden. Und ich hoffe, dass der medizinische Fortschritt weitergeht und das irgendwann ganz heilbar ist.

Aber man sollte jetzt nicht meinen, dass man dank der Tabletten eine HIV-Infektion auf die leichte Schulter nehmen sollte.

1. Nach wie vor sterben Leute an AIDS. AIDS ist nicht geheilt.

2. Die Medikamente können (teils erhebliche) Nebenwirkungen haben.

3. Egal wie viele Tabletten man am Tag schlucken muss - es ist einfach lästig. Man kann mal nicht einfach so spontan wegbleiben, wenn man nicht ausreichend Vorräte bei sich hat. Vieles, was früher spontan möglich war, benötigt jetzt immer Vorbereitung und Planung. Und ganz unabhängig davon ist es auch einfach lästig.

Wie gesagt:
es ist toll, welche Möglichkeiten es heute gibt und HIV muss kein Todesurteil mehr sein. Aber eine deutliche Einschränkung ist es immer noch. Solange es nicht heilbar ist, ist Vermeidung immer noch die beste Strategie.


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#2
07.01.2013
18:30:23


(-4, 4 Votes)

Von ehemaligem User FoXXXyness
Antwort zu Kommentar #1 von Nico


Genau!


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#3
09.01.2013
07:30:50


(+1, 3 Votes)

Von ehemaligem User Hannibal


Was ist so schwer daran, 2x täglich eine Tablette zu nehmen? Ist mir unverständlich!


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#4
09.01.2013
10:16:15


(+3, 3 Votes)

Von Yannick
Antwort zu Kommentar #3 von Hannibal


Ich bin zwar glücklicherweise nicht betroffen, denke aber schon, dass das belastend ist.

Alleine schon das psychische Wissen, für den Rest des Lebens auf diese Tabletten angewiesen zu sein, kann manchen sicher zu schaffen machen. Und wie oben schon gesagt wurde: es nimmt auch einfach Spontanität. Ein Beispiel: ich war mal abends bei Freunden in Köln. Und dann haben wir spontan entschieden, noch mitten in der Nacht nach Paris zu fahren um uns dort 3 schöne Tage zu machen. Wenn ich dann erst wieder nach Oberhausen gemusst hätte, um Tabletten für die drei Tage zu holen wäre die Sache wohl gestorben, denn dann wäre es ja noch später geworden.

Und wie auch schon oben geschrieben wurde, können diese Tabletten ja auch mehr oder weniger schlimme Nebenwirkungen haben oder irgendwann gar nicht mehr wirken. Und dann muss man wieder Tabletten gegen die Nebenwirkungen nehmen, kann bestimmte Sachen nicht mehr vertrage, o.ä.

Ich schließe mich vollkommen Nico an, dass es super ist, dass es diese Therapien gibt. Aber solange HIV / AIDS nicht komplett heilbar ist, ist es immer noch am besten, sich gar nicht erst zu infizieren.


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