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  • 15.01.2013           113      Teilen:   |

Gründung der "Demokratischen Schwul/Lesbischen Partei"

Rechtsextreme tarnen sich als Homo-Partei

Artikelbild
Bislang gab es einen "Arbeitskreis Schwule in der NPD" nur als Facebook-Satire - mit der DSLP-Gründung wurde sie nun von der Wirklichkeit eingeholt

Zu Update springen: Stellungnahme von Thomas Mosmann (16:42h)

In Villingen-Schwenningen wurde am Sonntag die "Demokratische Schwul/Lesbische Partei (DSLP) gegründet. Der Vorsitzende Thomas Mosmann bezeichnete sich selbst als "NPD-Sympathisanten".

Von Micha Schulze

SPD, Grüne, Linke, Piraten und sogar die FDP fordern in ihren Parteiprogrammen die Öffnung der Ehe für schwul-lesbische Paare – nur CDU und CSU beharren noch immer auf eine Bevorzugung der Heteros. Doch selbst bei den Konservativen bröckelt der Widerstand gegen eine Gleichstellung. Braucht die Bundesrepublik da wirklich noch eine Partei, die den Kampf um LGBT-Rechte zum Hauptschwerpunkt macht?

Bei entsprechenden Neugründungen sollte man also vorsichtig sein und genauer hingucken. Nachdem im vergangenen Jahr der Kölner Holger Quernheim eine "Queerpartei Deutschland" (QPD) ins Leben rufen wollte (queer.de berichtete), wurde nun am vergangenen Sonntag im Schwarzwald tatsächlich eine "Demokratische Schwul/Lesbische Partei – Die Bürgerpartei (DSLP)" gegründet.

Versammlungsort war der Club 46 in Villingen-Schwenningen, der als Deutschlands älteste Homo-Bar gilt. Zum Bundesvorsitzenden wurde Thomas Mosmann gewählt – ein Mann, der bislang weniger als Homo-Aktivist, dafür in der Region umso mehr als Sympathisant der rechtsextremen NPD in Erscheinung getreten ist. Sein Stellvertreter ist Jörg Schnellbächer, ein eher unbeschriebenes Blatt.

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Forderung nach Wiedereinführung der Grenzkontrollen

DSLP-Homepage im schlichten Design: Spenden sind schon möglich
DSLP-Homepage im schlichten Design: Spenden sind schon möglich

"Die politische Ausrichtung ist weder rechts noch links ausgerichtet", erklärte DSLP-Pressesprecher Bernd Tritschler – doch das ist eine glatte Lüge. Das am Sonntag verabschiedete Programm, das auf der Homepage zum Download zur Verfügung versteht, erinnert in vielen Punkten an rechtspopulistische und rechtextreme Parteien – auch wenn dies beim ersten Lesen des wirren Themenmixes vielleicht nicht auffällt und man sich offiziell zum Grundgesetz bekennt.

Doch zwischen den Forderungen nach einem "Verbot von exotischen Tieren" im Zirkus und nach einem Ende der "Abzocke an der Tankstelle" wettert die Partei u.a. gegen Migranten, die sich nicht an die "Gepflogenheiten des Landes anpassen", gegen "Parallelgesellschaften" und den "überproportionalen" Bau von Moscheen. Staatliche Drogen-Substitutionsprogramme, wie sie von den Aids-Hilfen gefordert werden, lehnt die "Demokratische Schwul/Lesbische Partei" strikt ab. Sie fordert darüber hinaus "keine Entschädigungszahlen vom Zweiten Weltkrieg [sic!] mehr an das Ausland", die Wiedereinführung der Grenzkontrollen in Deutschland sowie einen Volksentscheid über den Euro.

LGBT-Themen spielen im Parteiprogramm dagegen eine eher untergeordnete Rolle – die Forderungen der etablierten Parteien etwa zu Antidiskriminierungs- und Aufklärungskampagnen sind da teilweise sogar fundierter, konkreter und umfangreicher. Das Thema HIV und Aids taucht im Programm überhaupt nicht auf.

Vater von drei Kindern, schwul und NPD-Sympathisant

Auf Facebook präsentiert sich Parteichef Thomas Mosmann in Leder und mit Hund
Auf Facebook präsentiert sich Parteichef Thomas Mosmann in Leder und mit Hund

Kein Wunder: Denn DSLP-Initiator Thomas Mosmann ist in erster Linie ein in der Region bekannter rechter Aktivist, der sich in Leserkommentaren für die "Schwäbische Zeitung" und Onlineforen u.a. für eine NPD-Geschäftsstelle in Tuttlingen stark machte. "Thomas Mosmann kann man nach den uns zur Verfügung stehenden Informationen mindestens als NPD-Sympathisanten bezeichnen", erklärte etwa das Administratoren-Team von tuttlingen.mixxt, das den Rechtsradikalen als Kommentator sperrte.

Dies räumt Mosmann übrigens auch selbst ein: "Bin selbst vater von 3 Kinder und schwul und NPD Symphatisant", postete Mosmann auf der ehemaligen Homepage der rechtsextremen Deutschen Volksunion (Rechtschreibfehler nicht korrigiert): "Wisst ihr eigentlich wieviele schwule NPD/DVU Symphatisanten sind? Mehr als ihr denkt". Im Jahr 2010 begrüßte er auf der Facebook-Seite der NPD die Verschmelzung der Nationaldemokraten mit der Deutschen Volksunion: "Endlich!!!!!! Das wird auch höchste zeit das die Streiterei aufhört…nur gemeinsam sind wir stark."

Doch nun, nur knapp drei Jahre später, geht Mosmann seinen eigenen Weg und versucht den Kampf für gleiche Rechte für seine rechtsextreme Agenda zu missbrauchen. Als die beiden nächsten Schritte kündigte er die Gründung eines DSLP-Landesverbandes Baden-Württemberg und eines Kreisverbands im Schwarzwald-Baar-Kreis an.

Bei den Bundestagswahlen im Herbst will die rechte Homo-Clique aus dem Schwarzwald allerdings noch nicht antreten. "Unsere erste Wahl werden wir 2014 mit der Europawahl bestreiten und dort erstmals mit unserem Programm auf Europaebene Bewegung in die Entscheidungen zu bringen", heißt es im schlechten DSLP-Deutsch in einer Pressemitteilung.

Mit der Verweigerung der erforderlichen Unterstützungsunterschriften kann die Community mit dazu beitragen, dass es dazu niemals kommen wird.

 Update  16:42h: Stellungnahme von Thomas Mosmann
In einer Stellungnahme vom Dienstagnachmittag wies DSLP-Parteichef Thomas Mosmann den Vorwurf, eine rechtsextreme Partei gegründet zu haben, zurück. Er sei zwar "in kurzen Zeitabschnitten mal auf dem 'Holzweg'" gewesen und habe sich rechtem Gedankengut angeschlossen, dies bedauere er jedoch im Nachhinein. "Wir werden außerdem noch Aktionen gegen Rechtsextremismus starten", kündigte Mosmann an und bat um eine zweite Chance. "Ich bitte alle, uns an unseren programmatischen Aussagen zu messen."

Die queer.de-Redaktion merkt an: Genau dies haben wir getan. Die ins Parteiprogramm aufgenommene Weigerung, Verantwortung für die Verbrechen des Nationalsozialismus zu übernehmen, der mehrfache Ruf nach dem Law-and-Order-Staat, das Schüren rassistischer Vorurteile, das Betonen des Nationalen und die populistische Kritik an der Europäischen Union zeigen eindeutig, in welchem Spektrum die DSLP anzusiedeln – und dass der "Holzweg" noch lange nicht beendet ist.

Links zum Thema:
» Homepage der DSLP
» Pressemitteilung zur DSLP-Gründung
Mehr zum Thema:
» Queerpartei Deutschland in den Startlöchern (02.04.2012)
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Tags: dslp, thomas mosmann, rechtsextreme, npd, homopartei
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Reaktionen zu "Rechtsextreme tarnen sich als Homo-Partei"


 113 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
15.01.2013
09:13:29


(0, 4 Votes)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Das ist doch nicht zu fassen! Homosexualität und Rechtsextremismus passen nicht zusammen! Die neu gegründete Partei ist unglaubwürdig und wird wohl kaum Wähler haben!


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#2
15.01.2013
09:20:51


(-4, 12 Votes)

Von schwarzerkater
Profil nur für angemeldete User sichtbar


zitat aus dem artikel: "...Dies räumt Mosmann übrigens auch selbst ein: "Bin selbst vater von 3 Kinder und schwul und NPD Symphatisant", postete Mosmann auf der Homepage der rechtsextremen Deutschen Volksunion (Rechtschreibfehler nicht korrigiert): "Wisst ihr eigentlich wieviele schwule NPD/DVU Symphatisanten sind? Mehr als ihr denkt". ..."
damit hat der Mosmann leider recht,
es gibt genug homosexuelle, die eine "karriere" am politisch rechten rand bevorzugen. denke, dass unsere demokratie und unsere community so stark und selbstbewusst sind, dass wir die wenigen fehlgeleiteten ertragen können.


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#3
15.01.2013
09:36:00


(+3, 5 Votes)

Von Marek


Prima!

Je mehr sich das rechte Pack in Splittergruppen aufteilt, desto unbedeutender werden sie...

Die sind sich echt für keinen Trick zu schade, um Wähler zu bekommen.


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#4
15.01.2013
09:47:50


(+11, 15 Votes)

Von Zeitfenster


Eine traurige Nachricht, aber gut ist, dass diese politischen Schwachmaten schon bald ins Nirvana verschwinden werden. Oder glauben die ernsthaft, dass man vom Schwarzwald aus eine rechte Partei mit schwul-lesbischem Anstrich gründen kann? Da haben sich ein paar schwule Hinterwäldler getroffen, um auf dicke Hose zu machen und in ihrer Naivität geglaubt, die Community würde Beifall klatschen. Stattdessen muss man sich für diese politisch Verwirrten fremdschämen.

Wie alle anderen Versuche vorher wird auch die Gründung dieser Homo-Partei scheitern, insbesondere weil sie rechtspopulistisch ist.

Aus gutem Grund haben Schwule und Lesben sich offen in den vorhandenen Parteien engagiert und sich dort auch etabliert, um etwas zu erreichen. Das dürfte wahrlich die erfolgreichere Methode sein, wenn man etwas bewegen will.

Wen kratzt es da, wenn im Schwarzwald ein schwuler Profilneurotiker, der offenbar von seiner eigenen Homonegativität geleitet ist, eine schwul-lesbische Partei gründet?

Wir sollten dieser Partei nicht zu viel Bedeutung zukommen lassen - das überhöht sie nur. In einem Jahr spricht kein Mensch mehr davon.


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#5
15.01.2013
09:57:48


(+10, 12 Votes)

Von Robin


Man sollte wirklich immer gut aufpassen, denn Populisten versuchen jede Manipulation um ihr Gedankengut unters Volk zu bringen.

Aber auch noch eine kleine Korrektur zum Artikel:
Die FDP ist nicht für die Eheöffnung. Die behaupten das nur auf dem Papier, um Stimmen zu bekommen. Aber in der Realität stimmen sie regelmäßig dagegen - egal ob als Regierungspartei oder in der Opposition. Und das was in der Realität zählt ist nun mal die tatsächliche Politik und nicht irgendwelche Versprechen, die das Papier nicht wert sind auf dem sie stehen.


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#6
15.01.2013
10:00:39


(+1, 13 Votes)

Von Dieter Eisele
Antwort zu Kommentar #1 von FoXXXyness


Schwule und Rechte. Das passt wohl zusammen, Ich erinnere nur an Ernst Röhm, Chef der SA. Dessen Schwulsein war wohlbekannt und wurde von der hilflosen sozialdemokratischen Presse als Mittel gegen ihn genutzt. Schließlich wurde er von Hitler beseitigt, aber nicht wegen seines Schwulseins, sondern um die SA zu entmachten und die Reichswehr wieder als einzige militärische Formation zu etablieren


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#7
15.01.2013
10:10:19


(+12, 12 Votes)

Von fink


vielleicht sollte noch der "kampf gegen die deutsche grammatik" offiziell ins parteiprogramm eingefügt werden. das passt zu einem rechtsnationalen politikkonzept (wenn der begriff "konzept" hier nicht ohnehin schon übertrieben ist) genauso gut wie schwule politik.


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#8
15.01.2013
10:34:10


(+10, 14 Votes)

Von pöolikujzhtgrf
Antwort zu Kommentar #1 von FoXXXyness


und wieso wählste dann cdufdp??


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#9
15.01.2013
10:52:23


(-8, 10 Votes)

Von Mogji
Antwort zu Kommentar #8 von pöolikujzhtgrf


Das ist aber ein schlechter Vergleich von Dir.
Momentan ist die Regierung schwarz- gelb. Nicht das ich damit zufrieden bin ( wählen würde ich die nie), aber unter einer Partei wie der NPD wäre es um einiges schlimmer.


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#10
15.01.2013
11:23:17


(+11, 19 Votes)

Von ehemaligem User reiserobby


Rechtsextremer gründet eine Homo-Partei, wäre die korrekte Überschrift, finde die Formulierung "tarnen" irreführend. Folgt man den Kommentaren, die ich auf Queer.de und anderswo von Homos vernehmen muss, erscheint es mir nämlich als gar nicht abwegig, dass Homos tatsächlich Bedarf für eine rechtsextreme Partei verspüren. Sie fordern die Todesstrafe, rufen nach mehr Polizei, verlangen die Einschränkung der Religionsfreiheit, verhöhnen unseren Rechtsstaat, streben nach Zensur von Kunst und Kultur, suhlen sich in rassistischen Ressentiments, äußern sich antisemitisch, verleumden den Sozialstaat u.s.w.


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