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  • 15.01.2013           2      Teilen:   |

Ausstellung im SUB München

Das versteckte queere Leben in Kiew

Artikelbild
Nikolay, fotografiert von Stanislaw Mischtschenko. Hoffnungen, Ängste, Liebe und Trauer der Community in der Ukraine zeigt der LGBT-Aktivist mit seiner Lomographie.

Stanislaw Mischtschenko hat mit verschiedenen Lomo-Kameras die Szene seiner Heimatstadt Kiew abgebildet – mit Portraits von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgendern. Mischtschenko, LGBT-Aktivist aus Kiew, präsentiert seinen ganz persönlichen Blick auf die Community, die in der Ukraine eher versteckt ist. Ein Outing kann schlimme Konsequenzen haben – die Betroffenen fürchten um ihren Arbeitsplatz, ihre soziale Stellung sowie ihre seelische und körperliche Gesundheit. Denn Übergriffe sind an der Tagesordnung, wie er im Interview mit Conrad Breyer erzählt.

Stanislav, wer, was sind K-People? Kiew-Leute?

Kiew, Key, Kinky – K-People kann vieles bedeuten. Das hängt vom Betrachter ab. Wenn du es laut aussprichst, klingt es wie Gay People.

Gay People sind auf den Bildern ja tatsächlich zu sehen…

Die Ausstellung hat eigentlich zwei Teile. Der eine zeigt Frauen, Männer, und Transgender – mal homo-, mal bi-, mal heterosexuell. Manche sind geoutet, andere leben versteckt. Sie alle sind die Community, die sie prägen, führen, gestalten, meine Szene. Es sind Leute, die bei uns im Communitycenter arbeiten oder Gäste dort sind. Ich zeige aber auch meine Freunde, meine WG. Der andere Teil präsentiert Kiew: Plätze, die jeder sehen und erleben kann, aber auch versteckte Orte, Hinterhöfe mit Inschriften auf den Hauswänden zum Beispiel.

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Stanislaw Mischtschenko: Mindestens eine seiner Lomo-Kameras hat er immer dabei - Quelle: SUB - Conrad Breyer
Stanislaw Mischtschenko: Mindestens eine seiner Lomo-Kameras hat er immer dabei (Bild: SUB - Conrad Breyer)

Eine Analogie zu den Personen, die zu sehen sind? Manche leben verdeckt, manche offen…

Das stimmt. Wir können nicht von einer Community sprechen, wie Sie sie in Europa kennen. Die Szene in der Ukraine machen Einzelne aus, kleine Gruppen. Sie ist kaum sichtbar, am ehesten noch in Kiew. Ganze zehn Gay-Clubs gibt es in unserem Land – und die Ukraine ist groß. Drei von diesen Clubs sind in Kiew – in einer Stadt mit 4,5 Millionen Einwohnern! Die Szene hat ihr Coming-out noch vor sich, dafür machen wir den KyivPride in diesem Jahr, der zweite Versuch. Die Gesellschaft aber will, dass wir in unseren Verstecken bleiben, sie nicht stören mit unserer bloßen Existenz. Unsere Gegner tun alles dafür: Sie demonstrieren, verabschieden Anti-Schwulengesetze, schlagen uns.

Die Bilder sind ein Protest dagegen?

Das wäre zu viel gesagt. Ich zeige einfach, dass es uns gibt. Wir müssen uns nicht ducken!

Die Fotografien wirken wie zufällig aufgenommen.

Ich mag gestellte Bilder nicht. Die Leute posieren, lächeln und klick, fertig ist das Foto. Ich versuche sie immer in dem Moment zu erwischen, wenn sie es nicht erwarten. Dann krieg ich den echten Menschen, seine Persönlichkeit. Die will ich zeigen, mit all ihren Hoffnungen, Ängsten, ihrer Liebe und Traurigkeit – und das ist viel mehr als bloß gay, bi oder hetero. Erst einmal geht es um den Menschen.

Plakat zur Münchner Ausstellung
Plakat zur Münchner Ausstellung

Die Ukraine macht euch das Leben nicht gerade leicht. Merkt man das den Bildern an?

Das ist sichtbar, ja. Es ist in der Ausstellung keine einzige Fotografie zu sehen mit einem Paar, das sich in der Öffentlichkeit umarmt oder gar küsst. Das wäre viel zu gefährlich. Zwei Frauen können Händchen halten, das ist das Maximum. Die Gesellschaft erkennt darin nämlich lediglich eine freundliche Geste. Ein solches Paar habe ich abgelichtet. Viele konnte ich nicht für die Ausstellung gewinnen, obwohl wir die Bilder ja nur in München zeigen, ganz weit weg von zu Hause. Da ist so viel Angst.

Dein Stil ist Lomo, verwischt, überbelichtet, unscharf.

Lomo ist wie Magie. Man weiß nie, welches Ergebnis man am Ende haben wird mit all den Lichtlecks, Kratzern, der doppelten Belichtung, die sich manchmal einstellt. Die analoge Fotografie macht das Bild lebendig, es bewegt sich, es atmet. Und ich kann das Motiv – anders als bei einer digitalen Kamera – nicht kontrollieren. Da überlegst du zehnmal, ob du wirklich abdrückst. Dafür ist das Bild dann aber auch das Bild, wie es ist. Ohne Bearbeitung, einfach die Realität. Lomo spiegelt meine Auffassung von Fotografie am besten und sie passt zum Thema der Ausstellung, Dinge und Menschen unverfälscht darzustellen. Ich will, dass alles echt ist, und zeige nichts anderes als den Alltag, meinen Alltag. Das wahre Leben halt.

  Stanislaw Mischtschenko
Vize-Präsident der NGO Gay Alliance Ukraine, die sich für die Menschenrechte von Lesben, Schwulen, Bi- und Transsexuellen in der Ukraine einsetzt. In Kiew leitet die Nichtregierungsorganisation verschiedene HIV-Präventions- und politische Projekte, die unter anderem vom Global Fund finanziert werden. Für Gay Alliance Ukraine arbeitet der 29-Jährige als Sozialarbeiter und Projektmanager. Mit anderen Vereinigungen bildet die Gay Alliance Ukraine das Organisationskomitee des KyivPride. Mishchenko, von Beruf Manager of International Business, war lange Musiker, bevor er zu Gay Alliance Ukraine stieß. Noch heute komponiert er.
Links zum Thema:
» Weitere Infos und Termine auf subonline.org
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K-People - Queeres Leben in Kiew

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Tags: ukraine, kiew, lgbt, lomographie, sub münchen
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Reaktionen zu "Das versteckte queere Leben in Kiew"


 2 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
16.01.2013
00:40:53


(+1, 1 Vote)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Die Ukraine hat noch einen weiten Weg in Sachen Homorechte vor sich! Deshalb ist es wichtig, daß das Gesetz gegen Homopropaganda im Parlament keine Mehrheit bekommt!


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#2
16.01.2013
12:06:36


(+2, 2 Votes)

Von Felix


Schlimm, unter welchen Bedingungen Menschen dort leben müssen, nur weil sie lieben...

Das sind wahre Helden unserer Zeit!


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