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  • 19.01.2013           36      Teilen:   |

Together-Writing-Projekt "Slam"

Die ganze Welt ist islamisch – und schwul

Artikelbild
Die "perfekte" schwule Welt von "Slam": Im 27. Jahrhundert herrscht endlich Frieden, Wohlstand und wahre Männerliebe ohne Frauen (Bild: Auschnitt des Covers)

Das Online-Literaturprojekt "Slam" von Akif Pirinçci spielt im 27. Jahrhundert – Frauen scheint es nicht mehr zu geben.

Von Angelo Algieri

Die ganze Welt ist islamisiert! Und das bereits seit dem 22. Jahrhundert. Nach einer Reihe innerregliöser Kriege herrschen Jahrhunderte später endlich paradiesische Zustände: Frieden, Wohlstand sowie Männer, die einander heiraten und Kinder erziehen. Arbeit verkommt zur Beschäftigungstherapie. Denn Computer und Maschinen kümmern sich um den Alltag, um das ganze Leben. Der Islam hat sich im 27. Jahrhundert auch geändert. Er ist spiritueller, erinnert an Wohlfühl-Buddhismus der Gegenwart und wird Slam genannt. In dieser scheinbar perfekten Welt gibt es keine Frauen: Weder sieht man welche, noch erinnert man sich an sie…

Was zunächst wie ein Zukunftsszenario-Mix aus Thilo Sarrazin und Tom of Finland beginnt, entpuppt sich als Ausgangslage für den Science-Fiction-Roman "Slam". Die Storyline hat der deutsch-türkische Autor Akif Pirinçci vorgegeben, die Ausarbeitung lieferten nach Pirinçcis Aufruf über Facebook die Autoren Jutta Schützdeller, E.M. Jungmann und Markus Günther. Laut Vorbemerkung wurde der Roman binnen eines Monats ausgearbeitet, lektoriert und veröffentlicht. Der in Bonn lebende Pirinçci, Jahrgang 1959, hat bereits mehrere Romane veröffentlicht, darunter die Felidae-Katzenkrimis, die auch als Zeichentrick mit bekannten Sprechern – etwa Helge Schneider und Uwe Ochsenknecht – verfilmt wurden.

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Eine Gebärmaschinenhöhle in der Schattenwelt

Bekannt durch seine Felidae-Katzenkrimis: Ideengeber und Co-Autor Akif Pirinçci - Quelle: privat
Bekannt durch seine Felidae-Katzenkrimis: Ideengeber und Co-Autor Akif Pirinçci (Bild: privat)

Nun zur Story: Protagonist Karim ist mit Soli verheiratet. Beide warten gespannt auf das "Geschenk des Lebens", ihrem Baby. Doch Karim will sich nicht so recht freuen. Irgendetwas stimmt mit ihm nicht: Er träumt seit geraumer Zeit von Rundungen. Und entwickelt die Obsession, Ecken rund zu schleifen. Zudem plagt ihn das Gefühl, dass er Soli nicht ganz lieben kann. Anders als seine Mitmänner, fängt er an, das System der heillosen Welt zu hinterfragen. Erst recht als er ein Taschentuch findet, das gut riecht und seine Sinne betört. Ist es haram? Er fragt seinen Mentor BEY, was das Taschentuch zu bedeuten habe. Doch eine befriedigende Antwort bekommt er nicht.

Am darauffolgenden Tag, als das Paar den kleinen Malak in einer Behörde in Empfang nehmen kann, möchte Karim unbedingt wissen, wo die Babys herkommen – an die Mär, dass Allah sie schickt, glaubt er nicht mehr! Und so dringt er unbemerkt in eine andere Welt. Eine Schattenwelt, die die perfekte Welt in Takt hält. Er lernt dort zum ersten Mal eine Frau, Hayat, kennen und lieben. Beide begeben sich in ein riesiges Gebäude. Doch was Karim dort sieht, schockt ihn: Schwangere, schlafende Frauen liegen in wohligen Kokons, die von fliegenden Robotern versorgt werden. Eine wahrhaftige Gebärmaschinenhöhle.

Karim geht es schlecht. Auch weil er HAVVA2 kennenlernt. Das zentrale Computersystem hat im Laufe der Jahrhunderte nicht nur ein eigenes Bewusstsein entwickelt, sondern auch Gefühle. Es hat sich in Karim verliebt und das Taschentuch war sein Köder. Doch Karim erwidert die Liebe von HAVVA2 nicht; er liebt nur Hayat. Das hat sogleich verheerende Folgen: Wird Karim dort lebend rauskommen? Wie kann er seinen Brüdern von dieser Schattenwelt erzählen? Was wird aus den dauergebärenden Frauen? Und was hat HAVVA2 noch im Schilde? Wird die Welt, die er kennt, zusammenbrechen? Liebt er seinen Mann Soli noch?

Im Roman sind nur Heteros die wahren Männer

Der Roman ist als Kindle-Ebook sowie als Taschenbuch erschienen
Der Roman ist als Kindle-Ebook sowie als Taschenbuch erschienen

Zugegeben: Das Autorenteam um Pirinçci hat einen spannenden Science-Fiction-Roman geschrieben. Teils mit schnellen Szenen, sinnlichen Beschreibungen und spannenden retardierenden Momenten ist der Text dramaturgisch gut kombiniert – Hollywood-Drehbücher lassen grüßen!

Dennoch überzeugt die Geschichte gleich auf mehreren Ebenen nicht. Zum einen haben sich einige Ungereimtheiten eingeschlichen. Unverständlich etwa, wie Computersystem HAVVA2 sich in andere Systeme einloggt, viel Macht hat, aber im Showdown weit unter seinen Möglichkeiten bleibt. Inkohärent auch die Erzählperspektive: Mal weiß der Erzähler nur so viel wie Karim, mal entpuppt er sich als allwissend – was denn nun?

Zum andern ist es richtig empörend, welche Aussagen der Text vermittelt. Im Tenor heißt es, dass Männer ohne Frauen "verweichlicht" sind. Und das nicht wegen des erreichten Wohlstandes. Denn, so legt das Online-Autoren-Team dem Erzähler in den Mund, in dieser Homo-Gesellschaft gäbe es keine Entwicklung, da Männer nicht um eine Frau buhlen würden. Eine Message, die absurd und eigenartig rückwärtsgewandt ist. Da einerseits unterstellt wird, dass nur Hetero-Männer wahre Männer sind. Und andererseits vorgegaukelt wird, dass Männer nur dann zu Höchstleistungen fähig sind, wenn sie um ein Weibchen gockeln. Das ist schlicht unerträglich! Sicher gibt es Höchstleistungen aus Liebe oder Anmache. Doch die meisten technologischen, geistigen Entwicklungen sind aus anderen Motiven hervorgegangen. Oder wollte etwa Einstein mit E=mc² eine Frau beeindrucken?!

Frauenemanzipation auf Kosten von LGBT-Rechten

Um es klar zu stellen: Löblich, dass Frauenemanzipation im Islam eingefordert wird. Aber doch nicht auf Kosten von LGBT-Rechten. Die Autoren suggerieren – vielleicht unbeabsichtigt -, dass Heterosexualität die einzig richtige sei. So wird am Ende des Buches Soli etwas lächerlich dargestellt, weil er weiterhin für seine Liebe zu Karim kämpft. Peinlich auch: Als die Frauen in der "perfekten Welt" eintreffen, stürzen sich die "Mitbrüder" gleich auf sie und vergessen ihre Ehemänner. Und der Gipfel: Nur der Hetero-Sex wird ausgiebig beschrieben. Während die körperlichen Berührungen zwischen Karim und Soli schamhaft-bieder bleiben. Kein Aufgeilen, kein Wichsen, kein Analsex. Zu hetero-einseitig und schlicht unglaubwürdig!

Fazit: Das Facebook-Projekt "Slam" hätte wirklich das Zeug gehabt, einen Diskussionsbeitrag über mangelnde Frauen- und LGBT-Rechte im Islam beizusteuern. Eine ärgerlich-verpasste Chance!

  Infos zum Buch
Akif Pirinçci (Hrsg.): Slam. Roman. Ein Together-Writing-Projekt von Akif Pirinçci, E.M. Jungmann, Jutta Schützdeller und Markus Günther. 312 Seiten. CreateSpace Independent Publishing Platform. Bonn 2012. 11,85 €. ISBN 978-1481165891
Links zum Thema:
» Mehr Infos zum Buch und Bestellmöglichkeit bei Amazon
» Das Ebook bei Amazon
» Fanpage zum Buch auf Facebook
» Blog von Akif Pirinçci
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Tags: islam, slam, akif pirinçci
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Reaktionen zu "Die ganze Welt ist islamisch – und schwul"


 36 User-Kommentare
« zurück  1234  vor »

Die ersten:   
#1
19.01.2013
11:58:24


(+7, 9 Votes)

Von Leser


Tja, da will er sich wohl bei Frauen anbiedern. Und ist vielleicht auch selbst latent homophob. Es gibt nun mal mehr Frauen als Schwule. Deshalb lohnt es sich kommerziell eher, sich bei Frauen einzuschmeicheln.


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#2
19.01.2013
12:37:38


(+7, 7 Votes)

Von fink


in einem von pirinccis katzenkrimis kommt ein schwuler kater vor. die figur kommt über eine aufreihung aller handelsüblichen klischees leider auch nicht hinaus... wie ja auch hauptfigur francis im gegenzug nichts als ein ziemlich unoriginelles hetero-abziehbild ist.

originelle ideen zu gender-themen hätte ich pirincci - so sehr ich seine katzenkrimis sonst mochte - nicht wirklich zugetraut.


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#3
19.01.2013
12:41:54


(-2, 12 Votes)

Von anome


Islam und Homo-Rechte sind eben nicht miteinander vereinbar. Das wird auch im 27. JH so sein.


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#4
19.01.2013
12:44:05


(-9, 11 Votes)

Von naby


Jetzt beginnt wieder das größte Heulen, weil das Buch keine Homo-Szenen beinhaltet
Als ob es keine größeren Probleme gäbe. Autoren wollen nun mal die Mehrheit der Bevölkerung erreichen und die Mehrheit ist nun mal hetero. Kommt endlich mal damit klar.


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#5
19.01.2013
12:49:47


(-4, 8 Votes)

Von Thorsten1
Aus Berlin
Mitglied seit 15.05.2012


Wie viele Männer, die vom Christentum zum Islam übertreten, tun dies wohl aus -oft unbewussten- homosexuellen Gefühlen heraus?
Man träumt von paradiesischen subtropischen Gärten und einer Welt, in der Männer weitgehend unter sich sind. Die Wirklichkeit ist allerdings anders: Bei den vielen moslemischen Männern handelt es sich um heterosexuelle Machomänner, in deren Gesellschaft sich emanzipiert-schwule Westeuropäer alles andere als wohl fühlen.


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#6
19.01.2013
12:56:16
Via Handy


(+9, 9 Votes)

Von langelastic


Schon "Felidae" war voll von schwulenfeidlichen Bemerkungen - in einem Wust aus platt konstruierten Charakteren, Pirincis kurzsichtigem Rollenverständnis und mit kruder aber dennoch vorhersehbarer Story. Hat das keiner gemerkt? Ich habe von "Slam" nicht mehr erwartet...


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#7
19.01.2013
13:21:11


(+10, 10 Votes)

Von gedankenspiel


wenn es nur frauen und mich gäbe, würde ich auch keine frauen ficken, weil sie mich einfach nicht anmachen.
so sehen das auch andere schwule in meinem freundeskreis.
lieber wichsen und sich dabei in fantasie- welten träumen, als mit frauen sex haben.

das zeigt mal wieder das heteros anscheinend mehr bi- anteile haben als schwule. ( oder das nicht alle heteros, die sich als hetero bezeichnen,wirklich hetero sind, sondern einige bi oder heimlich schwul).
denn der autor meint, dass sobald frauen fehlen, männer miteinander rummachen. soll in der realität ja auch in knästen zwischen heteros der fall sein.


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#8
19.01.2013
14:04:51


(+8, 10 Votes)

Von spielfeld
Antwort zu Kommentar #7 von gedankenspiel


"Die Soldaten begegneten einander oft mit Urvertrauen - das gehörte zu ihren gewohnten Umgangsformen aus der militärischen Gruppenkultur.

Sich schnell mit neuen Kameraden anzufreunden war ihnen schon in der Ausbildung eingeimpft worden. Sie kannten es aus der Wehrmacht, und deshalb gingen sie auch in Fort Hunt nicht
anders miteinander um - dies ist in zahlreichen Abhörprotokollen spürbar.

Meist wurden Männer in den Zellen
zusammengeführt, die sich vorher niemals gesehen hatten. Trotzdem kamen sie stets
sofort ins Gespräch: Vom Smalltalk des ersten Kennenlernens ging das Gespräch dann häufig schnell zu ernsteren Themen über.

Fast nie dauerte es lange, bis sie einander vertrauliche Dinge erzählten.

Mehr als mit Abhöranlagen rechneten die Wehrmachtssoldaten in der Gefangenschaft mit Spitzeln - doch erstaunlich selten begegneten sie sich deshalb mit Misstrauen.

In einem Ausnahmefall verstanden sich die Gefangenen so gut, dass es zu sexuellen Handlungen kam - der Monitor traute seinen Ohren nicht und notierte erschrocken: "[They] engage in homosexuality!!!".

Typischer für die homophobe Männerkultur des Militärs war freilich eher etwas anderes, nämlich der Tratsch über Frauen, Sex und Bordellbesu-
che. Die Männer betonten damit nicht nur ihre Maskulinität, sondern auch ihre Heterosexualität - denn die galt als unumstößliche Basis der Kameradschaft.

Kameradschaft bedeutete andererseits nicht, dass die Soldaten keine Meinungsverschiedenheiten haben konnten.
Keineswegs alle Gespräche in Fort Hunt liefen harmonisch ab. Kennzeichnend war aber auch hier, dass man sich im Zweifelsfall eher
arrangierte, als die Streitthemen weiter auszutragen.

Dass die Soldaten aufgrund ihres Kameradschaftsdenkens so offen miteinander umgingen, steigerte den Gehalt der Abhörprotokolle.

Zugleich sind die Gespräche selbst ein Dokument für die Praxis der Kamaradschaftskultur in der Wehrmacht."

Seite 56/57

Link zu www.amazon.de


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#9
19.01.2013
14:24:21


(+8, 8 Votes)

Von fragen


wer reduziert menschen denn auf die frage gebährfähigkeit ja/nein, indem er sie auf dieser basis in zwei (und nur zwei!) geschlechter einteilt, die "natürlich" heterosexuell zu sein haben?

welche ideologie macht weiblich sozialisierte menschen denn zu gebärmaschinen?

wer entwertet damit (zutiefst) menschen, ihr leben und menschliche/gesellschaftliche reproduktion insgesamt?

und welche gesellschaftliche basis hat diese ideologie?

alles in allem ein widerlich reaktionäres, menschenverachtendes, ebenso frauen- wie schwulen- und muslimfeindliches machwerk, das auch aus der tiefbraunen ecke heraus nicht besser hätte konstruiert werden können.


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#10
19.01.2013
14:45:41
Via Handy


(+12, 12 Votes)

Von daVinci6667
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Gefallt mir nicht. In meinem Paradies oder auf meinem Planeten oder in meinem Roman würde es anders zugehen.

Im 27. Jahrhundert wird es keine Religionen mehr geben. Ja, der Islam wird zerstört sein, Christentum, Judentum und all das Zeugs natürlich ebenso.

Diskriminierungen gibt es nicht mehr. Etwa je ein Drittel der Menschen lebt offen schwul/lesbisch, bi oder hetero. Die Menschen werden aufgrund des gewaltigen medizinischen Fortschritts und der sehr gesunden Umgebung ein paar hundert Jahre alt.

Ferner gibt es kein Geld, keine Umweltverschmutzung, keine Grenzen und keine Staaten und keine Politiker mehr. Staatsform ist weltweite direkte Demokratie die einem unveränderbaren Grundgesetz unterliegt.

So in etwa wäre der Hintergrund meines Romans.

Vielleicht rettet uns ja auch ein schwuler Captain Kirk mit seinem Raumschiff von diesem völlig rückständigen, mittelalterlichen, verrückten, homophoben und Religionsverseuchten Planeten.

Ausnahmsweise darf er dazu auch gerne meinen sonst mir heiligen Garten als Landeplatz gebrauchen!


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