Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://queer.de/?18393

Im Stuttgarts ehemaliger Gestapo-Zentrale "Hotel Silber" ging die Verfolgung von schwulen Männern nach 1945 durch die Kriminalpolizei weiter (Bild: Ankallim (CC-BY-SA-3.0))

Zum Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar fordern die beiden Vereine Weissenburg e.V. und IG CSD Stuttgart e.V. die Aufarbeitung des NS-Unrechts an Homosexuellen in Baden-Württemberg. Diese sei jahrzehntelang systematisch unterblieben.

In dem neu erschienenen Buch "Die Geheime Staatspolizei in Württemberg und Hohenzollern" wird in einem Beitrag von Ralf Bogen die konkrete Verfolgungspraxis während der NS-Zeit aufgezeigt. Darüber hinaus wird durch die ehrenamtliche Arbeit Bogens deutlich, dass in der Nachkriegszeit die Verfolgung der Homosexuellen in der ehemaligen Gestapo-Zentrale "Hotel Silber" durch die Kriminalpolizei nahezu nahtlos weiterging. Unter anderem wurden neben einer Spezialkartei mit Lichtbildsammlung auch V-Männer eingesetzt.

"Die ehrenamtlichen Recherchen zu diesem komplexen und bisher in der Öffentlichkeit wenig beachteten Thema sind von immenser Bedeutung", erklärte Christoph Michl, Vorstand der IG CSD Stuttgart. Er forderte vom Land ein Eintreten für eine Erinnerungskultur, die homosexuelles Leid vor und nach 1945 einschließt: "Mit dem geplanten Lern- und Gedenkort 'Hotel Silber' in Stuttgart sowie dem Aktionsplan für Toleranz und Gleichberechtigung der Landesregierung bestehen einmalige Chancen, bisherige Versäumnisse wieder gut zu machen." (cw)



#1 LucaAnonym
  • 23.01.2013, 16:31h
  • Kann man nur voll unterstützen!!

    Schwule sind als Opfergruppe des dritten Reichs immer noch nicht so anerkannt wie andere Opfergruppen. Viele wissen das nicht mal oder meinen, das sei weniger stark verfolgt worden.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 23.01.2013, 17:16h
  • Grün-Rot ist seit fast zwei Jahren an der Macht. Da fragt man sich zurecht: warum hat man denn nicht schon mit der Aufarbeitung angefangen?
  • Antworten » | Direktlink »
#3 Michael SchmidtAnonym
  • 25.01.2013, 15:18h
  • Die Verfolgung ging ja nach dem Krieg weiter. Der unselige Paragraph 175 wurde in seiner Nazi-Verschärfung weiter von der bundesrepublikanischen
    Justiz und Polizei angewandt - selbst als ab 1962 auch von der CDU die teilweise Abschaffung (ab 1969 im Gesetz) ins Auge gefasst wurde. Es handelte sich dabei nicht um Einzelfälle, sondern um überraschend hohe
    Fallzahlen.
    In dieser Sache sollte in BW auch etwas unternommen werden.
  • Antworten » | Direktlink »
#4 TheDad
  • 25.01.2013, 17:54h
  • Antwort auf #3 von Michael Schmidt
  • ???
    Die CDU ??? 1962 ???

    Da war GAR NICHTS..

    Es war Gutav Heinemann als SPD-Justizminister innerhalb der ersten großen Koalition, der GEGEN DEN WIDERSTAND des Kanzler´s Kiesinger akribisch eine Strafrechtsreform ab 1966 vorbereitete, die dann kurz vor Ende der Koalition 1969 verabschiedet wurde..

    Entgegen Kanzler Kiesinger wollte Heinemann den § 175 ersatzlos streichen, mit der Begründung, das Mann vor dem Hintergrund des Gleichheitsgebotes des Grundgesetzes Männer nicht für etwas einsperren kann, wofür es für Frauen nicht einmal einen Strafvorwurf gäbe..

    Aufgrund großer Widerstände aus der CDU/CSU-Fraktion und der Oppositionellen FDP ließ sich Heinemann schlußendlich auf die Straffreiheit für Erwachsene ein..

    Zeitgleich war der § 175 in der DDR bereits ab 1957 durch ein Urteil des obersten Gerichtes Berlin faktisch Gegenstandslos, und wurde 1968, als die DDR sich ein eigenes Strafgesetzbuch gab, durch den geschlechtsneutralen § 151 abgelöst, der die Straffreiheit ab 18 vorsah, da in diesem Alter in der DDR die Volljährigkeit eintrat..
  • Antworten » | Direktlink »
#5 David77Anonym
  • 25.01.2013, 20:35h
  • Antwort auf #4 von TheDad
  • "Aufgrund großer Widerstände aus der CDU/CSU-Fraktion und der Oppositionellen FDP ließ sich Heinemann schlußendlich auf die Straffreiheit für Erwachsene ein.."

    NIcht nur das. Das waren wohl auch diesselben Leute, die damals meinten, dass der Holocaust ja verjährt sei, da Mord ja nach 20 Jahren verjähren würde, und die sich deshalb gegen die Aufarbeitung wehrten um die Gesetze nicht anzupassen.
    Das ist heute unfassbar.
  • Antworten » | Direktlink »
#6 Michael SchmidtAnonym
  • 27.01.2013, 16:04h
  • Meines Wissens gab es einen Gesetzesentwurf 1962, der im Justizauschuss diskutiert wurde und eine irgendwie geartete Änderung war abzusehen, obwohl
    es noch bis 1969 dauern sollte.
    Noch 1967 wurden in meiner Heimatstadt in BW eine größere Zahl von Schwulen von Polizei und Gericht
    wegen Verstoß gegen den & 175 in die Mangel genommen. Dabei wurde mir die Äußerung eines Richters zugetragen - dem im Familienkreis Vorhaltungen gemacht wurden - dass er selbst in
    Bagatellfällen nach der ( noch) bestehenden Rechtslage
    vorgehen müsse.
  • Antworten » | Direktlink »
#7 TheDad
#8 Michael SchmidtAnonym
  • 27.01.2013, 23:01h
  • Antwort auf #7 von TheDad
  • Innerhalb der geplanten großen Strafrechtsreform, die schon in den 50er Jahren u.a. vom damaligen Justizminister Dehler (FDP) in der Adenauerregierung
    favorisiert wurde, ging es um die Liberalisierung be-
    stimmter Straftatsbestände,darunter etwa Unzucht mit Tieren, Ehebruch aber auch Unzucht mit Männern (§175a). 1962 gab es dann den besagten Gesetzesent-
    wurf, der dann im Justizausschuss jahrelang vor sich hinschlummerte.
    Die Möglichkeit einer Liberalisierung hinderten aber Polizei und Justiz nicht, Schwule weiterhin zu verfolgen und zu verurteilen.
  • Antworten » | Direktlink »