Service   Gewinne   Jobs   Newsletter   Bild des Tages   Presseschau   Partner   Gay Hotels
Queer.de - das schwul-lesbische Magazin
 Community | CSD-Termine
Suche:  (News-Übersicht)
 
Login (Nick / Passw.):  (Registrieren)
  Autologin  
 Home || Politik | Szene | Boulevard | Blog | Meinung | Glaube | Lifestyle | Reise | Kultur | Buch | CD | DVD | Liebe | TV-Tipps || Galerie
  • 26.01.2013           55      Teilen:   |

Nicola Formichetti & Brianboy

Modetrends: Hitlerjungs und Rosa Winkel

Artikelbild
Für Mugler kreierte der schwule Designer Nicola Formichetti schlichte schwarze Shirts mit dem Rosa Winkel der Nazis (Bild: Mugler)

Zwei schwule Fashion-Ikonen sorgen für Wirbel: Während Mugler-Designer Nicola Formichetti Rosa-Winkel-Shirts auf dem Laufsteg zeigt, postet Blogger Bryanboy eine Tasche mit Hitlerjungen.

Von Micha Schulze

Wohl kaum eine Paris Fashion Week zuvor wurde derart ausführlich in politischen Medien und Blogs diskutiert wie in diesem Jahr. Mit seinen beiden lesbischen Bräuten, die er für Chanel auf den Laufsteg schickte, um damit die geplante Ehe-Öffnung in Frankreich zu unterstützen, setzte Karl Lagerfeld ein positives Zeichen (queer.de berichtete). Eher fragwürdig ist dagegen ein Shirt, das Mugler in seiner Männerkollektion 2013/2014 präsentierte: Dieses ziert ein riesiger Rosa Winkel – das Symbol, mit dem die Nationalsozialisten KZ-Häftlinge kennzeichneten, die nach dem Paragraf 175 verurteilt worden waren.

Nun gab es zwar auch schon vor Jahrzehnten T-Shirts und Sticker mit dem menschenverachtenden Abzeichen, das zwischen 1933 und 1945 über 10.000 schwule Gefangene in den Konzentrationslagern tragen mussten – über die Hälfte von ihnen kam ums Leben. In den 1970er Jahren wurde der Rosa Winkel von der bundesdeutschen Schwulenbewegung bewusst als politisches Kampfsymbol benutzt. Ebenso Ende der Achtziger von der Aids-Aktivisten-Bewegung "Act Up", die den Rosa Winkel für ihr "Schweigen = Tod"-Logo auf den Kopf stellte.

Fortsetzung nach Anzeige


Ein Nazi-Symbol als modischer Farbtupfer

Zumindest als CSD-Outfit nicht schlecht... - Quelle: Mugler
Zumindest als CSD-Outfit nicht schlecht... (Bild: Mugler)

Bei Mugler wirkt der Rosa Winkel jedoch nur wie ein modischer Farbtupfer auf den teilweise etwas militärisch anmutenden Klamotten – ein erklärender Slogan wie bei den Politshirts der 1970er Jahre fehlt. Das Design rief denn auch in der Modewelt gespaltene Reaktionen hervor: "Ich finde es wunderbar, dass der Rosa Winkel in einem schönen Kontext wiederverwendet wird", kommentierte User greenbrotherrussell auf Twitter. "Bin ich der einzige, der vom Verwenden des Rosa Winkel geschockt ist?", fragte dagegen IloveDiorHomme.

Die Idee für das umstrittene Shirt hatte der bekannte schwule Designer und Modeautor Nicola Formichetti, der seit September 2010 als Kreativdirektor für Mugler tätig ist und die eigene Männerkollektion erst aus der Taufe hob. Zeitweise parallel arbeitete der 35-Jährige mit italienischer und japanischer Staatsbürgerschaft als Stylist für Lady Gaga. Im Musikvideo zur Homo-Hymne "Born This Way" hatte er bereits 2011 einen Rosa Winkel platziert – dort durchaus noch im passenden Kontext.

Youtube | Video von der Mugler-Show in Paris

Mit blonden Hitlerjungs in den Supermarkt

Diese Tasche entdeckte Bryanboy in Bangkok
Diese Tasche entdeckte Bryanboy in Bangkok

Vernichtender als bei Formichettis Rosa-Winkel-Shirt fielen die Urteile über ein vom philippinischen Fashion-Blogger Bryanboy auf Instagram gepostetes Pic von einer Tragetasche aus, die er beim Shoppen in Bangkok entdeckte: Diese ziert ein Foto mit lächelnden, blonden Hitlerjungen, das HJ-Symbol ist deutlich auf den Uniformen zu erkennen. "Das ist widerlich", kommentierte der Follower misterwagz. "Schäm dich!", meinte coralie_b. "Respektlos! Bitte lösche das Bild! Das ist nicht lustig", forderte ella_y.

Der schwule Bryanboy selbst, der über 16.000 Fans auf Facebook hat, reagierte auf die Kritik zickig: "Sind die meisten von euch dumm oder dümmer?", antwortete er auf Instagram. Er habe doch nur das Foto von der Tasche gepostet, was nicht heiße, dass er die Nazi-Ideologie unterstütze. "Warum folgt ihr Zurückgebliebenen mir überhaupt? Geht und fickt euch in den Schädel!"

Links zum Thema:
» Homepage von Nicola Formichetti
» Bryanboy-Blog
Kommentare: Selbst kommentieren | Bisher 55 Kommentare | FB-Debatte
Teilen: 32             3     
Service: | pdf | mailen
Tags: nicola formichetti, brianboy, mode, fashion, nazisymbole
Unterstützen:
  |   Überweisung / Abo / weitere Infos

Reaktionen zu "Modetrends: Hitlerjungs und Rosa Winkel"


 55 User-Kommentare
« zurück  123456  vor »

Die ersten:   
#1
26.01.2013
15:35:09


(+3, 11 Votes)

Von Foxie


Voll daneben und geschmacklos!
Ein von den Nazis geschaffenes Kennzeichen für von ihnen verachtete Menschen als modischen Farbtupfer zu verwenden!

Wenn ein Designer historische Symbolik und historisches Bildmaterial verwenden will, ist es wohl das Mindeste, sich über die Bedeutungen zu informieren!

Oder will der Typ seine Taschen bei "Thor-Steinar"
anbieten?


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#2
26.01.2013
15:43:21


(-2, 14 Votes)

Von ehemaligem User reiserobby


Ein Rosa Winkel als Fashion-Gag, eindeutiges Statement gegen Homo-Verfolgung, ist schlich cool.

Dass mit der Hitlerjugendtasche mag im Europäischen Kontext unerträglich sein, dass die Tasche jedoch bei Thais auf Gefallen stößt, weil da drauf so viele hübsche blonde Jugendliche zu sehen sind, ist doch auch irgendwie ein Signal dafür, dass Rassismus ein Auslaufmodell ist. Dass dieser Blogger das Foto schießt und veröffentlicht, ist absolut okay, er dokumentiert die Modeszene - na und?
Und überhaupt: Kunst darf alles, denn Kunst tötet nicht.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#3
26.01.2013
15:57:11


(+7, 9 Votes)
 
#4
26.01.2013
15:59:34


(-5, 11 Votes)

Von Thorsten1
Aus Berlin
Mitglied seit 15.05.2012


Man muss weltoffener sein und nicht alles eurozentristisch betrachten. Von Thailand aus gesehen, ist Deutschland weit weg. Dort denkt kein Mensch an Hitler und die Hitlerjungen.
Oft haben mir selbst arabische Taxifahrer gesagt, "Hitler gut!". Da kann man dann nur mit den Achseln zucken. Wir Deutschen können nicht erst 6 Millionen Menschen umbringen und dann die ganze Welt mit unseren eigenen Schuldgefühlen erziehen wollen. Wie gesagt, von Fernost aus gesehen ist Deutschland irgendein Land, von dem man nur weiss, das es das gibt.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#5
26.01.2013
16:01:19


(+7, 9 Votes)
 
#6
26.01.2013
16:40:45


(+1, 9 Votes)

Von bitter irony


Wenn Hitler wie Ahmadinedschad war, haut das in Asien niemanden so richtig vom Hocker.
Nicht nur Europäer haben eine lange Geschichte von barbarischen Herrschern.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#7
26.01.2013
16:49:51


(+8, 10 Votes)

Von Fast richtig
Antwort zu Kommentar #4 von Thorsten1


"Wir Deutschen können nicht erst 6 Millionen Menschen umbringen"

Link zu www.zeit.de


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#8
26.01.2013
17:09:22
Via Handy


(+8, 10 Votes)

Von Ne Danke


Hübsche blonde Jungs in knappen Sporthosen und mit freiem Oberkörper, die fleissig Sport machen uns nicht "unnütz" auf der Strasse rumlungern, dass ist das Bild was heute immer noch viele über die Hitlerjugend haben.
Der Drill, der Leistungsdruck und die menschenverachtende Ideologie dahinter wird verharmlost.
Solche Taschen sind übel.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#9
26.01.2013
17:24:08


(+3, 5 Votes)

Von papayoyo
Aus trier (Rheinland-Pfalz)
Mitglied seit 15.01.2013


Wenn man will findet man in jeden Teller ein Haar in der Suppe.Kunst ist ein weites specktrum.Kunst führt dazu vieles zu verarbeiten und natürlich um nie zu vergessen was war!Man kann und darf vergangenes nicht ignorieren,um es zu vergessen.Es kann nur aufgearbeitet werden,wenn es gezeigt wird.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#10
26.01.2013
17:24:09


(+8, 10 Votes)

Von gefunden


Am Rande altes Zahlenmaterial zum Schädelfick der Jungs auf dem Täschken:

"Während der ersten drei Quartale des Jahres 1944 bekannten sich in diesen
Meinungsumfragen regelmäßig mehr als sechzig Prozent der deutschen Soldaten zu ihrem »Führer«.

Die Ergebnisse der amerikanischen Meinungsumfragen zeigen, dass frühere Trennlinien in der »Volksgemeinschaft« überwunden worden waren und dass Hitler seine treuesten Anhänger unter den jüngeren Jahrgängen fand.

Die Zustimmung zu seiner Person belief sich in den Meinungsumfragen in Fort Hunt insgesamt auf knapp 64 Prozent. Differenziert man dieses Befragungsergebnis nach Altersklassen, offenbaren sich unübersehbare Tendenzen:

Je jünger die Soldaten waren, desto fester hielten sie zu ihrem »Führer«.

In den Jahrgängen ab 1916, die ab 1933 für den Eintritt in die Hitlerjugend infrage kamen, betrug Hitlers Akzeptanzrate bereits überdurchschnittliche 68,2 Prozent, während die älteren Jahrgänge, die vor 1916 geboren waren, nur mit 56,3 Prozent für den »Führer« votierten.
Mit steigenden Jahrgängen verschob sich das Verhältnis immer weiter zu Hitlers Gunsten.

Von den Wehrmachtsangehörigen, die ab 1920 geboren worden waren, äußerten sich schon fast 71 Prozent positiv über Hitler.

Und unter den Soldaten der Jahrgänge ab 1923, die zum Zeitpunkt der »Machtergreifung« mindestens zehn Jahre alt waren und somit in die HJ eintreten konnten, betrug Hitlers Zustimmungsrate sogar über 74 Prozent.

Somit hielten drei von vier Landsern der jüngsten Generation, die im letzten Jahr des Zweiten Weltkriegs zwischen 17 und 22 Jahre alt waren, weiterhin Hitler die Treue, während ihre älteren Kameraden dem NS-Regime tendenziell etwas distanzierter gegenüberstanden.

Die Befragungsergebnisse aus Fort Hunt konstituieren den bislang stärksten empirischen Beleg dafür, dass das NS-Regime unter den Jahrgängen der sogenannten HJ-Generation, die im »Dritten Reich« aufgewachsen war und das nationalsozialistische Erziehungssystem durchlaufen hatte, besonders starken Rückhalt fand.

Diese Altersunterschiede bezeugen, dass die Art und Weise der Sozialisation einen wichtigen Faktor dafür bildete, wie sich die Soldaten zu Hitler und zum Nationalsozialismus stellten.

Es machte einen Unterschied, unter welchen Bedingungen und zu welchen Zeiten die Wehrmachtsangehörigen aufgewachsen waren.

Das demokratische System der Weimarer Republik ermöglichte noch Pluralismus und liberales Denken.

Außerdem blieben die diversen Sozialmilieus in dieser Zeit noch so weit intakt, dass ihre weltanschaulichen Orientierungen in eigenen Wohnquartieren, Milieuvereinen und Parteiorganisationen ungestört weitervermittelt werden konnten.

Das NS-Regime hingegen duldete keinen Pluralismus, unterminierte die Sozialmilieus und richtete die Erziehung der Jugend wie alle übrigen Lebensbereiche kompromisslos auf das »Dritte Reich« aus.

An die Stelle der beargwöhnten Parteienvielfalt trat die ersehnte »Volksgemeinschaft« unter dem populären »Führer«.

Die Existenzangst der Weltwirtschaftskrise wurde durch Sicherheit abgelöst, aus Depression wurde Nationalstolz und Perspektivlosigkeit verwandelte sich in Verheißung.

Die Soldaten, die im nationalsozialistischen Deutschland der Dreißigerjahre groß wurden, waren Zwang und Indoktrination ausgesetzt, erlebten diese Phase aber vor allem als eine Zeit des Aufschwungs.

Die nationalsozialistische Diktatur erschien den Wehrmachtssoldaten aus dieser Generation umso selbstverständlicher und alternativloser, als sie das demokratische System der Weimarer Republik nicht mehr erlebt hatten.

Wie schon viele ältere Soldaten feststellten, waren ihre Kameraden aus diesen Jahrgängen schlicht »zu jung, um zu wissen, was sich in Deutschland alles abgespielt hat vor '33«.

Mit demselben Argument tat der 30-jährige Gefreite Heinrich Dahlems in Fort Hunt auch die regimetreuen Parolen seines Mitgefangenen ab, bei dem es sich um einen SS-Unteroffizier des Jahrgangs 1925 handelte: »Du bist nur 20 Jahre alt, du hast nichts anderes als den Nationalsozialismus gekannt.«

Konkurrierende Einflüsse hatte das NS-Regime offenbar erfolgreich zurückgedrängt."


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
« zurück  123456  vor »


 LIFE & STYLE - BODY & FASHION

Top-Links (Werbung)

 LIFE & STYLE



Anderswo
Bild des Tages
Aktuell auf queer.de
Niederlande: Kommission empfiehlt bis zu vier Eltern pro Kind Israel: Gleichstellung ausländischer Homo-Partner geplant Tag der Menschenrechte: EKD wirbt für LGBTI-Gleichbehandlung Die Poesie der ersten schwulen Liebe
 © Queer Communications GmbH 2016   Unternehmen | Team | Mediadaten | Logos | Impressum / AGB | Spenden | Kontakt