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  • 28.01.2013           32      Teilen:   |

Debatte um "Homo-Propaganda"

Russland: Lehrer nach Teilnahme an LGBT-Protest entlassen

Artikelbild
Ilja. K lebt mit Frau und zwei Kindern in Moskau. Nach seinem Einsatz für Homo-Rechte ist er seinen Job als Lehrer los. (Bild: Natalia Fedorowa)

Zu Update springen: Lehrer kann vielleicht weiterarbeiten (29.1., 20h)

Das Gehabe um angebliche "Homo-Propaganda" in Russland führt nach und nach zu Konsequenzen, die nicht einmal in den entsprechenden Gesetzen vorgesehen sind. Zunächst wurden nur Demonstrationen verboten und/oder Teilnehmer festgenommen. Nun werden die ersten Menschen ihren Job los.

Von Norbert Blech

In Russland hat die Diskussion um Gesetze gegen "Homo"-Propaganda zu zwei Entlassungen geführt. Ein TV-Journalist musste offenbar ebenso seinen Job aufgeben wie ein Lehrer, der gegen das Gesetz protestierte.

Der Moskauer Lehrer und Familienvater Ilja K. hatte am Freitag an einem LGBT-Protest vor der russischen Staatsduma teilgenommen, als sich die Abgeordneten dort in erster Lesung mit einem landesweiten Verbot von "Werbung" für Homosexualität befassten (queer.de berichtete). Während ein Großteil der Demonstranten von der Polizei abgeführt wurde, blieb er unbehelligt – und stritt mit den Gegendemonstranten.

"Ich sagte, dass alle Forschungen zeigen, dass Homosexuelle psychisch normale Menschen sind und die weltweite Wissenschaftler-Gemeinschaft seit langem widerlegt hat, dass es eine Krankheit sei", so der Lehrer in einem Gastbeitrag für svoboda.org. "Ich habe gesagt, dass ich als Vater und Lehrer eine Gefahr darin sehe, dass unsere Gesellschaft homosexuelle Jugendliche in den Untergrund treibt – das endet häufig mit Selbstmord. Und ich habe auch gesagt, dass das Gesetz darauf abzielt, unter den Menschen Feindschaft zu sähen und unsere ohnehin bereits kaputte Gesellschaft zu spalten."

K. hatte bei der Diskussion, die später unter anderem als Video verbreitet wurde, seinen Beruf und Namen genannt. In den folgenden Tagen gingen mehrere Briefe bei der Schulleitung ein, in denen sich angebliche Eltern von Schülern beschwerten, K. habe sich öffentlich als Schwuler geoutet, und seine Kündigung forderten. Am Montag gab das Direktorium dem Druck nach und entließ den Lehrer, der 18 Jahre lang unterrichtet hatte, die letzten sieben Jahre an diesem Gymnasium.

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TV-Moderator ohne Job

Anton Krasowsky ist vom Bildschirm verschwunden
Anton Krasowsky ist vom Bildschirm verschwunden

Am Montag wurde auch bekannt, dass der bekannte Fernsehjournalist Anton Krasowsky den von ihn mitgegründeten Kanal Kontr TV verlassen hat. Die Hintergründe sind bislang unübersichtlich. Kraswosky hatte in der letzten Woche eine Diskussionssendung zum Gesetz gegen Homo-Propaganda geleitet.

Dabei hatte der Moderator gesagt: "Ich bin schwul. Und ich bin eine Person wie ihr. Wie unser Präsident, unser Ministerpräsident, wie auch andere Personen in der Regierung." Auch hatte er behauptet, dass es einige Politiker gebe, die quasi gegen sich selbst stimmen würden.

Internationale Kritik

Markus Löning, der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, hat erneut Russland kritisiert
Markus Löning, der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, hat erneut Russland kritisiert (Bild: Deutscher Bundestag / Lichtblick / Achim Melde)

Derweil sorgt das geplante landesweite Gesetz gegen Homo-Propaganda, das in verschiedenen Varianten bereits in zehn Regionen Russlands in Kraft ist und in der ersten Lesung im russischen Unterhaus eine große Mehrheit erhielt, weiter für internationale Kritik.

So stellten die USA ihren "Bürgerrechtsdialog" mit Russland ein. Wie US-Außenamtssprecherin Victoria Nuland sagte, sei der Schritt eine Reaktion auf Moskaus Maßnahmen zur "wirklich starken Einschränkung" der Zivilgesellschaft in jüngster Zeit. Diese hätten gezeigt, dass der Dialog nicht funktioniere. "Niemand darf dafür diskriminiert werden, wen er liebt", sagte Nuland.

"Unter dem Vorwand, Minderjährige zu schützen, soll die Meinungsfreiheit ausgehebelt werden", kritisierte auch Markus Löning, der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, am Freitag das Gesetz. "Leider passt dies ins Bild der letzten Monate – Bürgerrechte und die Freiheit, sich zu engagieren, werden immer stärker eingeschränkt." Von einem "absoluten Rückschritt, einer offenen Diskriminierung von Minderheiten" sprach auch Berlins Regierender Bürgermeister am Wochenende gegenüber dem "Tagesspiegel". "Mit einem Demokratisierungsprozess hat das wahrlich nichts zu tun."

Die Entscheidung am Freitag platzte in die jährliche Klausurtagung der Organisatoren der norddeutschen CSDs. Alle elf CSDs erklärten sich "solidarisch mit Lesben, Schwulen und Unterstützern der Menschenrechte in Russland" und forderten europäische und deutsche Politiker auf, sich gegen das Gesetz in Russland stark zu machen und auf die Einhaltung der europäischen Menschenrechte zu bestehen. Die Bundesregierung, allen voran Kanzlerin Angela Merkel und Bundesaußenminister Guido Westerwelle, sollten ihren Einfluss geltend machen, Minderheiten-Rechte in Russland zu stärken.

"Die Idee, dass weniger Menschen homosexuell lieben, nur weil Lesben und Schwule unsichtbar bleiben müssen, ist weltfremd. Wir sind entsetzt, dass in fortschrittlichen Gesellschaften, zu denen Russland seit dem Ende des Kalten Kriegs zählt, solche juristischen Repressionen und Diskriminierungen vorangetrieben werden", sagte CSD-Nord-Vorstand Thomas Sieverding. "Die Folge wird sein, dass lesbische und schwule Menschen in Russland noch mehr Gewalt erfahren werden, als bisher ohnehin schon." Ein "starkes Statement aus Berlin" werde in Moskau Gehör finden.

Das vielleicht stärkste Statement der letzten Tage kam aber von Ilja K., dem entlassenen Lehrer: "Ich weiß, dass ich mich für die Rechte dieser Minderheiten (…) einsetzen musste", schrieb er auf svoboda.org. "Ich muss das auch tun, weil ich nicht schwul bin. Entschuldigt den Pathos: Wir müssen Schulter an Schulter diese Menschen schützen, weil wir die Nächsten sein werden. Es ist der Moment eingetreten, wo schweigen noch gefährlicher ist als reden. Wir müssen gemeinsam reden, gleichzeitig, und dann fallen Angst und Hass wie ein Kartenhaus zusammen."

 Update  29.1., 20: Weitere Entwicklung
Vielleicht gibt es noch Hoffnung für den Lehrer: Der Direktor der Schule liefert sich gerade einen Kleinkrieg mit einigen Medien, was er denn gesagt habe – obwohl die neuen Aussagen teilweise den von den Medien per Tonband aufgenommenen früheren Aussagen widersprechen. Teilweise sagt der Direktor inzwischen, der Lehrer habe noch seinen Job.

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Tags: russland, homo-propaganda, markus loening
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Reaktionen zu "Russland: Lehrer nach Teilnahme an LGBT-Protest entlassen"


 32 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
28.01.2013
20:03:34


(+8, 10 Votes)

Von small


Ein mutiger Mann, Danke!

Zeitgleich fällt grad ein Geschichtsbuch aus dem Ragal, aufgeschlagen die Seite mit 1933 in Deutschland...

Was wird das da in Russland? Muss es denn immer von einem Extrem in das nächste gehen?
Das gilt übrigens auch für einen großen Teil der arabischen Welt......


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#2
28.01.2013
20:06:34


(+4, 8 Votes)

Von ehemaligem User reiserobby


Putin-Jugend, ethnische Säuberung der Kultur-Eliten und Großindustrie, Adoptionsverbot für Ausländer - neben dem Anti-Homo-Gesetz, gibt es in Russland längst eine lange Reihe von Hinweisen darauf, dass Russland sich dem Faschismus ergeben hat. Als BRD-Bürger bleibt da wohl nur der Versuch auf die eigenen Politeliten einzuwirken, damit wir russischen Bürgern Asyl gewähren. Aufgrund ihrer Herkunft, polit. Einstellung und sex. Identität.
Weg von Gasprom und Co. wäre eine weitere Maßnahme.


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#3
28.01.2013
20:14:12


(+6, 8 Votes)

Von Gleiche Rechte


Thema: Massive Menschenrechtsverletzungen in Russland

Ein Akt der Fairness

Nachdem ich heute von dort aus wohl ein halbes Dutzend Mal zu Queer.de verlinkt habe und ich dann auch noch las, dass die Queer.de Redaktion sich über solche Kreuz-und-Que(e)r-Links freut (im Blog über die Bezahlung von Artikeln) ...

Hier (ich kommentiere dort übrigens unter meinem Nick @Engagiert):

"Frauenähnliche Kreaturen" und homophobe Finsterlinge"

Link zu www.heise.de

Bisschen "Support" wäre übrigens von meiner Seite aus auch willkommen (bin dort als Schwuler unter ca. 99 % Heteros absolut in der Minderheit) ... Na ja, wenn kein Support erfolgt ist das auch o.k., schließlich kann ich mich auch ganz gut allein meiner Haut wehren (ich mache das ja auch schon seit meinem Coming-Out mit 16 Jahren)


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#4
28.01.2013
20:20:00


(+3, 5 Votes)

Von alexander
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #2 von reiserobby


dann gibst am besten unserem exkanzler, mit gattin und russischem adoptivkind ASYL ???


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#5
28.01.2013
20:35:18


(+6, 8 Votes)

Von Gleiche Rechte
Antwort zu Kommentar #3 von Gleiche Rechte


Nachtrag:

Klickste erst auf ...

Link zu www.heise.de

dann auf ...

"Kommentare lesen (271 Beiträge)"

dann auf ...

"Alles aufklappen" (oben)

und dann ...

findeste mich, unter dem Nick "Engagiert"

Ich freue mich auf Euch!


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#6
28.01.2013
20:44:05
Via Handy


(+8, 8 Votes)

Von daVinci6667
Profil nur für angemeldete User sichtbar


"Wir müssen Schulter an Schulter diese Menschen schützen, weil wir die Nächsten sein werden. Es ist der Moment eingetreten, wo schweigen noch gefährlicher ist als reden. Wir müssen gemeinsam reden, gleich zeitig, und dann fallen Angst und Hass wie ein Kartenhaus zusammen."

Was für wahre, mutige Worte. Diese dürfen nicht vergessen werden!

Alle die Putin gewählt haben, wollten den alten "Glanz" der Sowjetunion zurück haben. Nun haben sie Russland wieder zu einer Diktatur gemacht!

Nein, Diktatur ist wirklich nicht übertrieben! Nicht bei diesen verabschiedeten Gesetzen und vorallem nicht, wenn man sieht, wie Russland mit seinen Regimekritikern umgeht.


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#7
28.01.2013
21:02:14


(+3, 5 Votes)
 
#8
28.01.2013
21:05:37


(+3, 5 Votes)
 
#9
28.01.2013
21:12:40


(+8, 8 Votes)

Von -hw-


Toller Mann, mutiger Lehrer. Als ich von meinen Lehrern Unterschriften für politische Gefangene in der UdSSR wollte, hatten sie wegen der Berufsverbote Angst eine Unterschrift zu geben. amnesty international stand damals Verdacht links zu sein.
Das legte sich erst nach der Verleihung des Friedensnobelpreises 1977. Ältere, aufgeschlossenere Lehrer wußten das Zeichen zu deuten und waren dann bereit. Die jüngeren Lehrer kniffen damals noch mit Ausflüchten.


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#10
28.01.2013
21:30:43


(+6, 8 Votes)

Von David77
Antwort zu Kommentar #7 von ****


Versteh kein russisch, aber ein Link des Linkes - durch den Übersetzer gejagt - ergibt dieses:

Link:
translate.googleusercontent.com/translate_c?depth=
1&hl=de&ie=UTF8&prev=_t&rurl=trans
late.google.de&sl=ru&tl=de&u=http://ri
a.ru/politics/20130125/919782816.html%3Fria%3Ddgo8
mrg6gmakaphk48er68t6db9snt28&usg=ALkJrhgEv3CNP
B4Lg_5N_ge_WExZV9g3uQ


Man kann halbwegs die Stimmung verstehen, die glauben doch tatsächlich an "Schutz der Kinder"!!!

Die haben wohl zuviel gesoffen und in Geschichte nicht aufgepasst.
Das ist nicht viel anderes als 1933...
Wie heißt es doch: Man kriegt, was man verdient?
Den Russen werden die Augen eines Tages aufgehen, und dann will es keiner gewesen sein...


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