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  • 29.01.2013, Autor: Norbert Blech           7      Teilen:   |

Ausgezeichnet und mangelhaft

Der Spiegel: Schwulenparaden, homosexuelle HIV-Kreise und Psycho-Coming-outs



Das Schwule Netzwerk NRW zeichnet den Spiegel-Verlag für seine Berichterstattung über Schwule aus. Dabei zeigt ein einzelner SpOn-Artikel eine ganze Menge Schwächen.

Im Sommer wird der Spiegel-Verlag mit der Kompassnadel des Schwulen Netzwerks NRW für eine angeblich "menschenbejahende Berichterstattung zu
Homosexualität" ausgezeichnet. In der Begründung (PDF) heißt es:

Die Artikel der letzten Jahre, die tagesaktuellen Berichte auf Spiegel Online sowie die Reportagen von SPIEGEL-TV geben ein ausgewogenes und realistisches Bild von schwulem Leben in Deutschland und vor allem auch in anderen Ländern, in denen Homosexuelle unterdrückt, verfolgt und ermordet werden, wieder. Sehr feinfühlig berichtet der "Spiegel" über die Lebens- und Leidenssituation von transsexuellen Menschen. Der "Spiegel" setzt sich aktiv für die Verbesserung der Lebenssituation von Schwulen in unserer Gesellschaft ein und dient anderen Massenmedien als Vorbild für die positive Darstellung einer vielfältigen und pluralistischen Gesellschaft.



Am Freitag hat die russische Duma in erster Lesung ein Gesetz beschlossen, dass die "Propaganda" von Homosexualität verbieten soll. Heute wurde Spiegel Online aus dem Außenministerium exklusiv zugespielt, dass der Bundesaußenminister – endlich – in Sachen Russland aktiv wird. In irgendeiner Weise gefordert hatte die Redaktion das nicht, anders als Die Zeit oder etwa auch Volker Beck, der mit seinem Aufruf an Westerwelle so aber nicht in dem SpOn-Artikel zur ersten Lesung des Gesetzes zitiert wurde. Er ist, soweit die SpOn-Suche verlässlich ist, die einzige Meldung zu dem Gesetz seit Wochen.

Der Westerwelle-Artikel selbst ist in seiner Zuammenfassung der Ereignisse eine bemerkenswerte Mischung aus Ungenauigkeiten, Fehlern und üblen Ausrutschern.

Bislang galt ein ähnliches Verbot in St. Petersburg und anderen, vornehmlich kleineren Städten.


Es sind 10 Städte und Regionen, die ein solches Verbot erlassen oder beschlossen haben, Kaliningrad gerade erst am Donnerstag (was bei Spiegel Online kein Thema war). Man könnte mal die Millionen Russen zählen, die das inzwischen betrifft.

Er selbst ist mit seinem langjährigen Partner Michael Mronz verheiratet.


Westerwelle ist nur verpartnert, was auch an der Bundesregierung liegt, der er angehört.

Ein Gericht in der Hauptstadt verbot im vergangenen Jahr – angeblich aus Sicherheitsgründen – die Gay-Parade in Moskau für 100 Jahre, nachdem der Vorsitzende des russischen Homosexuellenverbandes, Nikolai Alexejew, 102 Schwulenparaden für die kommenden 100 Jahren beantragt hatte.


Veranstaltet wird ein "Gay Pride" und eine Demonstration, auch weil man sich andauernd für vermeintlich dekadente Paraden aus dem Westen rechtfertigen muss, speziell für all die Bilder von Männern im Fummel, die so gerne von Medien wie Spiegel Online von den "schrillen" Paraden verbreitet werden.
Aleksejew ist Vorsitzender eines Verbandes von vielen und derzeit nicht die wichtigste Stimme, an Protesten vor der Duma nahm er nicht teil und zu den von einem "Propaganda"-Gesetz betroffenen Aktivisten in St. Petersburg hat er, freundlich ausgedrückt, ein schwieriges Verhältnis. Das CSD-Verbot, das man wohl irgendwo im Archiv fand und nicht mehr als die Realsatirenergänzung zu den ohnehin andauernd ausgesprochenenen und durchgesetzten Protestverboten ist, wurde übrigens inzwischen von einem Bezirksgericht bestätigt.
Auch handelt es sich nicht um "Schwulenparaden", sondern um Demonstrationen von Schwulen, Lesben und Transgendern. Zwar gerät auch diese Redaktion gelegentlich wegen ihres Sprachgebrauchs in Kritik und man kann es nicht jedem Recht machen, aber "Schwulenparaden" ist einfach unzutreffend und verstärkt das ach so "schrille", falsche Bild einer rein hedonistischen Bewegung.

Wird das neue Gesetz in Russland umgesetzt, stünden nicht nur Paraden von Schwulen und Lesben unter Strafe, schon das Schwenken oder Aufhängen einer Fahne, die für Homosexualität wirbt, wäre dann strafbar.


Der Entwurf enthält derzeit noch keine näheren Ausführungen, was unter Propaganda fällt. Es muss sich aber um Handlungen im Beisein von Minderjährigen handeln.

Auf der Basis eines ähnlichen lokalen Gesetzes in Russlands zweitgrößter Stadt St. Petersburg war im Mai Nikolai Alexejew wegen eines Plakats mit der Aufschrift "Homosexualität ist keine Perversion" zu umgerechnet rund 130 Euro Strafe verurteilt worden.


Bereits die Verhaftung von Aleksejew hatte Spiegel Online damals zu einem Aufmacher gemacht und weiter verfolgt. Verhaftet und an einem Protest gehindert wurden wegen "Propaganda" und aus ähnlichen Gründen inzwischen eine ganze Menge Personen. In der Regel wurden sie dann wegen anderer Bestimmungen zu einem Bußgeld verknackt oder einfach wieder freigelassen. Anklagen wegen "Propaganda" wurden zudem teilweise von Gerichten abgewiesen, auch wegen des zu unbestimmten Gesetzestextes. Der soll Homosexuelle nicht bestrafen, sondern bereits vorab mundtot machen.

Kritiker fürchten, dass mit dem neuen Gesetz selbst Informationen über Aids demnächst nicht mehr in homosexuellen Kreisen verbreitet werden dürften und dass auch jede psychologische Beratung für heranwachsende Schwule und Lesben verboten wäre.


Das greift den richtigen Gedanken auf, verfängt sich aber in genau jener Homosexuelle- und Aids-Rhetorik, für die der "Spiegel" früher zu Recht kritisiert wurde. Schulen, Gesundheitsämter und Verbände sind keine "homosexuellen Kreise", Aids betrifft nicht nur Schwule, usw.
Auch das Coming-out ist selten ein so großes Problem, dass es von Psychologen aufgegriffen werden müsste (und wenn, dann nicht wegen der Homosexualität an sich). Gerade die einfache Jugendarbeit würde unter einem "Homo-Propaganda"-Verbot leiden.

Die Strafen sind für russische Einkommen happig: Wer gegen das Gesetz verstößt, muss zwischen 100 und 12.500 Euro an gemeinnützige Organisationen zahlen, letzteres entspricht einem durchschnittlichen Jahresgehalt.


Wir haben bislang noch keine Quelle gesehen, wonach das Bußgeld nicht an den Staat geht. Es ist zumindest gestaffelt nach Einzelpersonen (rd. 125 Euro), Offiziellen (10x) und Organisationen (100x). Personen, die früher bei CSDs festgenommen wurden, berichten, dass die Bußgelder selten eingetrieben werden. Auch hier geht es vor allem um eine verhindernde Wirkung auf Organisationen und Behörden.

Die Opposition verhilft sich mit Protesten und mit Sarkasmus


Einige Abgeordnete scherzten während der Duma-Debatte über die Unbestimmtheit des Entwurfes. Der Großteil des gesamten Parlaments stimmte dann aber für das Gesetz. Lediglich die meisten Abgeordneten der rechten Schirinowski-Partei nahmen an der Abstimmung nicht teil, weil das Gesetz zu noch mehr "Propaganda" in den Medien führe ("Wir machen die gleichen Fehler wie in St. Petersburg. Dort machte man aus diesen Schuften und Mistkerlen Opfer", so der Abgeordnete Oleg Nilow).

Die Gesetze haben viel subtilere Wirkungen als die angekündigten Strafen, wie etwa die Entlassung eines Lehrers und Familienvaters zeigt, der an einem Protest vor der Duma teilgenommen hatte (queer.de berichtete). Davon liest man auf Spiegel Online nichts, es gab wohl keine Agenturmeldung dazu. Nach letztem Stand könnte die Kündigung übrigens aufgehoben werden – wegen all der engagierten Medienberichte.

Ein allgemeinerer Kommentar zur Auszeichnung für den "Spiegel" folgt in den nächsten Tagen.

Nachtrag, 20.30h Spiegel Online hat den Artikel jetzt auch ins Englische übersetzt, was an sich gut ist, da so die Kritik Westerwelles größere Verbreitung findet. Allerdings wurde auch all das Fehlerhafte übernommen, der Außenminister ist etwa "married".

Mehr zum Thema:
» Aids-Hilfe NRW: "Spiegel" soll sich entschuldigen (29.01.2013)
» Deutsche Aids-Hilfe entsetzt über Preis für den "Spiegel"
» Kompassnadel für den "Spiegel" und "queerblick" (25.01.2013)
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Tags: spiegel, kompassnadel, schwules netzwerk, russland, journalismus
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Reaktionen zu "Der Spiegel: Schwulenparaden, homosexuelle HIV-Kreise und Psycho-Coming-outs"


 7 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
29.01.2013
16:44:19


(+7, 9 Votes)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Die Hamburger Politpostille ist für ihre schlampige Recherche berüchtigt und warum sollte man daran was ändern???


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#2
29.01.2013
17:00:36


(+8, 10 Votes)

Von gavros
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #1 von FoXXXyness


Na ja, man hatte danach halt vergeblich die Hoffnung.

Link zu www.spiegelfechter.com

Herr Malzahn ist der Eddie the Eagle des Journalismus

Link zu www.spiegelfechter.com


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#3
29.01.2013
17:12:09


(-8, 10 Votes)

Von Insider


Ein Dank an Guido Westerwelle für seinen Einsatz in dieser Sache. Vorbildlich!


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#4
29.01.2013
17:39:26


(+2, 8 Votes)

Von ehemaligem User Hannibal
Antwort zu Kommentar #3 von Insider


So langsam geht mit diese gewünschte übertriebene political correctness im Umgang mit Schwulen total auf den Sack! Nicht jedes Wort ist immer homophob gemeint! Wobei ICH eigentlich immer der erste bin, der bei sowas Krawall macht!


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#5
29.01.2013
17:40:40


(+8, 8 Votes)

Von ehemaligem User Hannibal
Antwort zu Kommentar #3 von Insider


Bisschen spät! Hätte er schon längst machen sollen!


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#6
29.01.2013
17:49:44


(-3, 5 Votes)

Von Wod28
Antwort zu Kommentar #4 von Hannibal


Man merkt, dass du wenig Ahnung hast worum es geht.


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#7
05.07.2013
17:10:38


(0, 0 Vote)

Von Sigmund


Naja, das jemand, der Demos für 100 (!!) Jahre anmeldet, damit bei Behörden abblitzt, ist allerdings jetzt auch nicht sooo verwunderlich.


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