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  • 01.02.2013           66      Teilen:   |

Mit Homophobie gegen Drogenkonsum

Zweibrücken: "Saufen ist schwul"

Artikelbild
Mit "coolen" Sprüchen wollen Verwaltungsbeamte stockheterosexuelle Jugendliche von Drogen abhalten.

Das rheinland-pfälzische Zweibrücken hat einen kostenlosen Anti-Drogen-Wandkalender für Jugendliche herausgebracht, in dem Alkoholmissbrauch als "schwul" bezeichnet wird – die Stadt weist Kritik von Homo-Aktivisten zurück.

Zu Update springen: Alle Kalender eingestampft (02.02.2013, 18.20h)

Gemeinsam mit der gemeinnützigen Bildungseinrichtung Internationaler Bund hatte die Stadtverwaltung einen Kalender erstellt, der Jugendliche vom Drogen- und Alkoholkonsum abhalten soll ("Drogen machen hässlich", "Bist du high, sagst du Bye", "Schon mal ins Gras gebissen"). Vor Alkohol warnt der Kalender, in dem er Bier und Co. mit Homosexualität gleichsetzt: "Nüchtern cool, saufen schwul", heißt es neben Bildern von Schülern.

Der Lesben- und Schwulenverband kritisierte die Aussage am Freitag scharf und forderte die Stadt Zweibrücken auf, das Werk zurückzuziehen: "Dieser Kalender ist mit öffentlichen Geldern geförderte Homophobie", erklärte LSVD-Sprecher Manfred Bruns. Die Schule sei nach wie vor ein Ort, in dem die Lesben und Schwulen die meisten Diskriminierungen erfahren müssten. "Statt für ein Umfeld zu sorgen, an dem auch lesbische und schwule Jugendliche selbstverständlich Akzeptanz erfahren, werden hier Mobbing und Ausgrenzung gefördert und verstärkt", beklagte Bruns.

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Schuldezernent: Thema "nicht so extrem hoch hängen"

Die Stadt Zweibrücken sieht den Kalenderspruch allerdings locker: Man solle das Thema "nicht so extrem hoch hängen, das ist sicherlich nicht gegen Schwule gerichtet", erklärte der Zweibrücker Jugend- und Schuldezernent Rolf Franzen (CDU) im "Pfälzischen Merkur". Zwar sei die Verwendung von "schwul" ein "Lapsus", Schüler nutzten das Wort aber "leider" von sich aus als Schimpfwort. Franzen glaubt sogar, dass der Kalender positive Auswirkungen haben könne: "Vielleicht knüpfen Lehrer im Unterricht daran an, und man kann so die Brisanz deutlich machen, 'schwul' als Schimpfwort zu benutzen."

Kritisch sieht dagegen die rot-grüne Landesregierung den Kalender: "Der Spruch in dem Anti-Drogen-Kalender ist nicht akzeptabel, da er Menschen wegen seiner sexuellen Identität diskriminiert. Von Seiten unseres Ministeriums wäre es sehr zu begrüßen, wenn die Stadt Zweibrücken den diskriminierenden Passus entfernen würde", heißt es aus dem Ministerium für Integration, Familie, Kinder und Frauen.

Homo-Aktivisten warnen allgemein davor, dass homosexuelle Jugendliche aufgrund der negativen Erfahrungen in ihrem sozialen Umfeld eine deutlich höhere Selbstmordgefahr ausgeliefert seien. Einer Berliner Studie zufolge verwendeten fast zwei Drittel der Grundschüler "schwul" oder "Schwuchtel" als Schimpfwörter (queer.de berichtete). (dk)

 Update  02.02.2013, 18:20h

Nach einem Bericht von "Zeit Online" wurde der Kalender inzwischen zurückgezogen. "Die Kritik ist berechtigt, das ist nicht optimal gelaufen", räumte ein Sprecher der Stadt sein, der Spruch sei wohl "durchgerutscht". Der Internationale Bund, der zusammen mit der Stadt Zweibrückenen als Herausgeber fungierte, soll bereits alle verbliebenen Kalender eingestampft haben.

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Tags: schule, zweibrücken
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Reaktionen zu "Zweibrücken: "Saufen ist schwul""


 66 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
01.02.2013
15:28:51


(+14, 14 Votes)

Von wutburger


Was denken sich Menschen in öffentlichen Ämtern, die aktiv mit der negativen Konotation des Begriffs "schwul" arbeiten, zugleich aber meinen, man solle die Kirche im Dorf lassen, weil das doch gar nicht so gemeint sei? Und das ausgerechnet an Schulen - ist das Dummheit oder Kalkül?

So schockierend homo-feindliche Meldungen etwa aus den USA sind, so sind auch hierzulande viele Mitmenschen noch lange nicht so liberal eingestellt wie "Homo-Inseln der Glückseligkeit" wie Berlins Mitte oder Köln es glauben machen. Es bleibt noch viel zu tun.


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#2
01.02.2013
15:33:06


(+12, 14 Votes)

Von Patrick


So eine bescheuerte Erklärung kann auch nur von einem aus der CDU stammen...


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#3
01.02.2013
15:41:45


(+17, 17 Votes)

Von Skandalös


und widerlich, wie hier Schwulsein in Wort und Bild und mit der größten Selbstverständlichkeit als "uncooles", "abweichendes" Verhalten diffamiert und stigmatisiert wird.

Und das ist die absolute Regel, nicht die Ausnahme, in der sozialen Wirklichkeit, aber es führt uns beispielhaft vor Augen: Die Unterdrückung, Ausgrenzung und Auslöschung von Homosexualität von Kindesbeinen an funktioniert sogar ohne "Propaganda-Gesetz", nur viel subtiler, bestens.

Nebenbei handelt sich ja auch um Bilder von ganz realen Schüler_innen, die für deren Produktion offensichtlich dementsprechend instruiert worden sind.

Daher kann es mit der angeblichen, harmlosen Unwissenheit über das, was da gespielt bzw. inszeniert wurde, bei den Verantwortlichen nicht allzu weit her sein. Jeder, der nicht sehr weit weg von der sozialen Wirklichkeit ist, ganz sich die betreffenden Szenen "lebhaft" vorstellen.

Allerdings muss sich auch niemand Sorgen über ernsthafte Konsequenzen machen. Über die lebenszerstörenden Folgen solcher ganz alltäglichen Praktiken bis hin zum Selbstmord schwuler Jugendlicher (die richtigerweise als Mord zu bezeichnen ist) wird hierzulande ohnehin konsequent geschwiegen.


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#4
01.02.2013
15:43:12


(+16, 16 Votes)

Von Loren
Aus Greifswald (Mecklenburg-Vorpommern)
Mitglied seit 02.11.2013


Es fällt schwer zu glauben, dass hier versehentlich ("Lapsus") ein homophober "Kalenderspruch" beim Erstellen des Kalenders und bei der Begutachtung der Kalendervorlage durch den öffentlichen Finanzier mal so durchgerutscht ist. Die daran Beteiligten sollten sich öffentlich erklären, damit man beurteilen kann, ob sie absichtlich oder aus völliger inkompetenz gehandelt haben. Vor dem Hintergrund einer schwelenden Antisemitismusdebatte in den Medien wagt man sich kaum vorzustellen, welche Konsequenzen es hätte, wenn in ähnlicher Weise jüdische Mitbürger beleidigt und diffamiert worden wären. Es wird Zeit, dass Lesben und Schwule lauter und eindeutiger Hetze, Diffamierung und Diskriminierung entgegenwirken und in dieser Hinsicht keinerlei Entgegenkommen (auch kein strategisches) zeigen.

P.S. Die Homo-Gurke wäre da nur ein Anfang.


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#5
01.02.2013
15:43:56


(+14, 14 Votes)

Von otaka-san


» Zweibrücker Jugend- und Schuldezernent, Rolf Franzen (CDU), im "Pfälzischen Merkur": Zwar sei die Verwendung des Wortes ein "Lapsus", Schüler nutzten aber "schwul" von sich aus als Schimpfwort.

Genau hier ist doch das Problem! Durch die Übernahme von Schüler-Sprech wird m.E. doch gerade die fragwürdige Verwendung des Begriffs "schwul" gefördert, da er in einer offiziell abgesegneten Publikation in eindeutiger, nämlich abwertender Weise verwendet wird. Denn es ist ja offenbar genau nicht gewünscht, dass der Nachwuchs säuft. Ich stimme Herrn Bruns daher voll und ganz zu: Hier wird leider versucht, das eine Übel mit dem anderen zu bekämpfen. Note: 6.

Abgesehen davon finde ich die oft verkrampfte Übernahme von Jugendsprache durch Erwachsene generell albern. Ich fand so etwas jedenfalls früher immer ziemlich peinlich.


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#6
01.02.2013
15:56:08


(+12, 12 Votes)

Von tolles Zweibrück


Und dann wundert man sich, daß Jugendliche den Freitod suchen.


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#7
01.02.2013
16:11:45


(+11, 15 Votes)

Von Auslöschung
Antwort zu Kommentar #3 von Skandalös


Die Regel, nicht die Ausnahme:

Der Zweibrücker Stadtschülerratssprecher Christian Becker sieht das ähnlich: "In meiner gesamten Schulzeit ist über Homosexualität nicht im Unterricht gesprochen worden."

Link zu www.pfaelzischer-merkur.de

Wie hoch liegt nochmal der Anteil schwuler Protagonisten im gebührenfinanzierten Fernsehen?

Anteil schwuler Jugendlicher?

Wenn jungen Schwulen in einer Welt, die von einer nie dagewesenen massenmedialen Bilderflut geprägt ist, schwule Identifikationsfiguren, gerade auch jüngere, gezielt und fortlaufend vorenthalten werden, ist das brutalste Gewalt.


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#8
01.02.2013
16:11:48


(-4, 16 Votes)

Von seb1983
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #5 von otaka-san


Hier der volle Artikel im Merkur, sonst sind die Aussagen hier doch leicht verzerrt:

Link zu www.pfaelzischer-merkur.de

Wie der Stadtschülerratssprecher (dass es sowas gibt...) da auch sagt, es wurde wohl versucht Jugendsprache zu übernehmen ohne sich darüber Gedanken zu machen.
Das macht das Ergebnis nicht besser, eine gezielte Aktion halte ich aber für unwahrscheinlich, man hätte ahnen können dass das Wellen schlägt...

Wenn aber selbst Grundschüler schwul als Beleidigung verwenden ohne zu wissen was es überhaupt bedeutet, dann sitzt das Problem, wie schon oft erwähnt, tiefer.


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#9
01.02.2013
16:20:02


(+7, 11 Votes)

Von Aus Bad Homburg


Und wieder einmal erscheint mir ein 'Homo-Propaganda' Gesetz a la Russie, oder anders gesagt, Restauration von 175 in Form und im Geist des 21. Jh., nicht ganz so unrealistisch zu sein. Andererseits, da ist es wie mit dem viel zitierten 'Herrenwitz' von Rainer B. - ist er ein Problem oder das gesamte Klima? Denn mit der Homophobie ist es bekanntlich wie mit fliessendem Wasser: sie ist immer, auf jeder Stelle - aber wenn man es zu greifen (sprich: sie zu dokumentieren und dann bestrafen) versucht, bleiben meistens nur einige Tropfen auf der Hand. In diesem Sinne ist dieser Kalender ein in der Tat sehr grosses Geschenk - soziologisch, historisch (sind etwa heute die Forschungen nach dem Antisemitismus in der deutschen Gesellschaft in den 30-ern ohne Plakate nach dem Motto 'Jude begehrt blonde deutsche Frauen' etc. auch nicht denkbar?). Ein klarer Fall von latenter Homophobie in unserer Gesellschaft wie selten. Ich glaube, wir sollten sogar ein bisschen dankbar sein.


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#10
01.02.2013
16:25:53


(-3, 11 Votes)

Von ehemaligem User FoXXXyness


"Nüchtern cool, saufen schwul", heißt es neben Bildern von Schülern.

Reim' Dich oder ich freß' Dich!


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