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  • 04.02.2013           17      Teilen:   |

Neuer "Kulturkampf"

Streit um Homo-Verbot bei US-Pfadfindern

Artikelbild
Wenn ein Junge bei den "Boy Scouts of America" mitmachen will, muss er sein Land lieben, Christ sein und Sex mit Frauen haben wollen (Bild: Steven Depolo / flickr / cc by 2.0)

Die "Boy Scouts of America" wollen offenbar das Verbot von Homosexuellen in ihren Reihen lockern. Präsident Barack Obama begrüßt den Schritt, viele Republikaner sind nicht begeistert.

Der Vorstand der US-Pfadfinder, dem mehr als 70 Mitglieder angehören, will in dieser Woche in Irving (Texas) zusammenkommen, um über die Abschaffung des Hetero-Gebotes im Verband zu debattieren. US-Medien zufolge gilt als wahrscheinlich, dass es eine Mehrheit für das Ende der Diskriminierung geben wird. Die "Boy Scouts of America" sind schon seit Jahrzehnten in der Kritik, weil sie generell schwule Pfadfinder oder Ausbilder ausschließen oder fristlos entlassen.

Das geplante Treffen hat auch in der Politik zu Auseinandersetzungen geführt. So untermauerte der demokratische US-Präsident Barack Obama am Sonntag in der Fernsehnachrichtensendung "CBS Evening News" seine Forderung nach der Gleichbehandlung von Homosexuellen: "Schwule und Lesben sollten in allen Bereichen den gleichen Zugang und die gleichen Möglichkeiten haben wie jeder andere auch. Die Pfadfinder sind eine großartige Institution, die jungen Menschen auch in ihrem späteren Leben hilft. Niemand sollte hier ausgeschlossen werden." Obama hatte bereits vor wenigen Monaten während des Präsidentschaftswahlkampfs die Ungleichbehandlung bei den Pfadfindern kritisiert (queer.de berichtete).

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Rick Perry: Gleichbehandlung ist unchristliche "Populärkultur"

Der Republikaner Rick Perry ist der dienstälteste Gouverneur der Vereinigten Staaten. Er vergleicht Homosexuelle mit Alkoholikern – und empfiehlt in beiden Fällen Abstinenz - Quelle: Wiki Commons / Robert Scoble / CC-BY-2.0
Der Republikaner Rick Perry ist der dienstälteste Gouverneur der Vereinigten Staaten. Er vergleicht Homosexuelle mit Alkoholikern – und empfiehlt in beiden Fällen Abstinenz (Bild: Wiki Commons / Robert Scoble / CC-BY-2.0)

Insbesondere konservative Politiker lehnen die Gleichbehandlung von Schwulen bei den Pfadfindern ab. Am Samstag erklärte etwa der texanische Gouverneur Rick Perry, der im vergangenen Jahr auch republikanischer Präsidentschaftskandidat im Vorwahlkampf gewesen war, dass sich die Pfadfinder nicht der "Populärkultur" unterwerfen, sondern an ihren christlichen Wurzeln festhalten sollten.

Die Haltung zu Homosexualität beruht bei den Boy Scouts vor allem auf den kirchlichen Wurzeln der Organisation. So wird eine große Zahl der Pfadfindergruppen von Glaubensgemeinschaften getragen, die Schwulen und Lesben traditionell feindlich gegenüberstehen. Die wichtigste Trägerorganisation ist die Mormonenkirche, die Homosexualität ausnahmslos als Sünde ansieht. Diese homofeindliche Politik wurde 2000 vom Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten, dem Supreme Court, für verfassungsgemäß erklärt. Die Richter argumentierten mit fünf gegen vier Stimmen, dass die Pfadfinder als eingetragener Verein ihre Mitglieder eigenständig aussuchen und auch Minderheiten diskriminieren dürften.

Allerdings geriet diese Haltung in der Öffentlichkeit immer mehr in die Kritik. Sponsoren wanderten ab und die Mitgliederzahl ist seit 2000 um 21 Prozent gesunken. Außerdem wurden mehrere tausend Fälle von sexuellen Übergriffen auf Minderjährige bekannt, die systematisch von der Vereinsleitung vertuscht worden waren.

Homo-Aktivisten warnten davor, dass eine halbherzige Lösung nicht ausreiche. So dürfe die Dachorganisation nicht nur ihr landesweites Verbot aufheben, lokalen Gruppen aber weiterhin gestatten, Schwule zu diskriminieren. Vielmehr müsste bei den Pfadfindern genauso ein Antidiskriminierungsgebot für Schwule geben, wie es bereits seit Jahrzehnten für Afro-Amerikaner gilt. (dk)

 Update  05.02.12, 10:30 Uhr: Aktivisten haben am Montag in Irving mehrere Kisten mit 1,4 Millionen Unterschriften übergeben, in denen die Aufhebung des Homo-Verbots gefordert wird. Die Unterschriftenaktion wurde auf der Seite change.org organisiert.

Youtube | Reden der Aktivisten bei der Unterschriftenübergabe
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Tags: boy scouts, pfadfinder, usa, barack obama, rick perry
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Reaktionen zu "Streit um Homo-Verbot bei US-Pfadfindern"


 17 User-Kommentare
« zurück  12  vor »

Die ersten:   
#1
04.02.2013
19:53:21


(+5, 5 Votes)

Von bigott


"die Homosexualität ausnahmslos als Sünde ansieht."

die "hingezogenheit" zu männlichen jugendlichen anscheinend nicht:

"wurden mehrere tausend Fälle von sexuellen Übergriffen auf Minderjährige bekannt, die systematisch von der Vereinsleitung vertuscht worden waren."


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#2
04.02.2013
23:08:06


(0, 2 Votes)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Und für die Aufhebung des Homoverbotes haben sich die "Boy Scouts of America" ausgerechnet als Tagungsort auch noch einen der homophobsten US-Bundesstaaten ausgesucht! Ich habe da meine Zweifel, ob das Verbot wirklich abgeschafft wird!


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#3
04.02.2013
23:47:51


(+4, 4 Votes)

Von wanderer LE
Antwort zu Kommentar #1 von bigott


Es hätte da nichts zu vertuschen gegeben, wenn Intimitäten zwischen Männern und jugendlichen Jungs in der übrigen Gesellschaft nicht als Übergriff sondern als das Normalste auf der Welt angesehen werden würden so wie bei den alten Griechen. Dasselbe Problem haben auch deutsche Pfadfinderbünde. Wobei allerdings Mormonen ihre eigenen Bünde aufziehen - die freier sein können, überhaupt nicht mormonisch. Mormonische Werte und Normen haben in Deutschland keine Chance.


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#4
05.02.2013
04:19:15
Via Handy


(+2, 4 Votes)

Von Martin28a
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Immer mit dem Christentum zu kommen, um Homosexuelle abzulehnen halte ich für inhaltsleer und arm


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#5
05.02.2013
09:26:00


(+2, 6 Votes)

Von Marek


1.
Es ist nicht unchristlich, Liebe zu achten und Menschen nicht zu diskriminieren.

2.
Selbst wenn es so wäre, kann man in einer Demokratie religiöse Vorstellungen nicht über Grundrechte und demokratische Grundprinzipien wie den Gleichheitsgrundsatz stellen...


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#6
05.02.2013
10:50:21


(+5, 5 Votes)

Von schwarzerkater
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Antwort zu Kommentar #3 von wanderer LE


"Es hätte da nichts zu vertuschen gegeben, wenn Intimitäten zwischen Männern und jugendlichen Jungs in der übrigen Gesellschaft nicht als Übergriff sondern als das Normalste auf der Welt angesehen werden würden..."

hallo "wanderer LE" - genau das ist das problem!

man kann als schwuler mann auch einem lehrberuf nachgehen, oder in der freizeit kinder trainieren/betreuen, ohne die hintergedanken an sex zu haben und wie man sich an die minderjährigen unauffällig ranmachen könnte. JA, es stört mich ungemein, dass ich wegen solcher deppen als schwuler mann von der übrigen gesellschaft verdächtigt und vorverurteilt werde, egal wie boniert diese spießer/religiösen eiferer auch sein mögen!!!


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#7
05.02.2013
10:54:28


(+5, 5 Votes)

Von schwarzerkater
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Antwort zu Kommentar #5 von Marek


a) nicht jeder schwule ist gleichzeitig auch päderast
b) wenn päderasten die situation wissentlich und mit vorastz als betreuer ausnutzen, dann werden deren übergriffe von bornierten ignoranten immer als typisch schwules verhalten gegeißelt

+ also lass uns mal die mühe machen und differenzieren denn: *nicht alle schwule suchen, wie der verstorbene herr mooshammer, regelmäßig stricher auf, *nicht alle schwule praktizieren ständig und überall hardcoresex o.ä., * nicht allen schwule laufen in der freizeit als transen rum - und vor allem stehen nicht alle schwule auf kleine jungs!


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#8
05.02.2013
11:07:48


(0, 2 Votes)

Von schwarzerkater
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Antwort zu Kommentar #5 von Marek


Marek schreibt am 05.02.2013, 09:26:00 Uhr:
1. Es ist nicht unchristlich, Liebe zu achten und Menschen nicht zu diskriminieren. 2. Selbst wenn es so wäre, kann man in einer Demokratie religiöse Vorstellungen nicht über Grundrechte und demokratische Grundprinzipien wie den Gleichheitsgrundsatz stellen...

zu 1) denke mal, ihr "liebenden" solltet mal zuerst unter "euch" differenzieren und denen keinen deckmantel geben, die rein triebgesteuert und nur auf sex aus sind
zu 2) unsere demokratische gesellschaft hat sich für gesetze und auch für ein mindestalter zum schutz der jugendlichen geeinigt, geschehen durch ein gewähltes parlament


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#9
06.02.2013
01:14:01


(+3, 3 Votes)

Von wanderer LE
Antwort zu Kommentar #6 von schwarzerkater


Das Bestreben, Schwule herauszuhalten aus Berufen, wo sie mit Jugendlichen zu tun haben, ist ein explizit von Wessis - welche allein Pädagogen ausbilden dürfen, fast der gesamte Lehrkörper besteht jetzt aus West-Importen - betriebenes, in der DDR hat es das m.W. nicht gegeben. Finster, mafiös, hinterhältig, womit die uns überziehen.


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#10
06.02.2013
10:15:25


(0, 2 Votes)

Von schwarzerkater
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #9 von wanderer LE


sorry, dass ich deinen frust nicht nachvollziehen kann. kenne hier im katholischen bayern (!!!) offen schwul lebende lehrer, direktoren von grundschulen etc.. alle diese pädagogen stehen allerdings nicht auf jungs, sondern auf muskulöse bärentypen in ihrem alter.
dabei müsste es doch gerade im bigotten bayern "Finster, mafiös, hinterhältig," zugehen, um dich zu zitieren.


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