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  • 06.02.2013           4      Teilen:   |

Rainbow Reykjavik

Auf Penis-Safari im Homo-Musterland

Artikelbild
Im Museum zu bewundern: die Penisse der isländischen Handball-Nationalmannschaft (Bild: Dominik Dierich)

Islands Hauptstadt lud am vergangenen Wochenende zum zweiten Mal zum internationalen LGBT-Festival "Rainbow Reykjavik" – wir waren dabei.

Von Micha Schulze

Das Ding sieht nicht wirklich sexy aus, wie es da aufgequollen in einem Einmachglas mit Formaldehyd vor sich hin schwabbelt: Ein echter männlicher Penis gehört seit dem Frühjahr 2011 zu den Exponaten im einzigen Penismuseum der Welt. Der einstige Träger hatte sein bestes Stück schon zu Lebzeiten dem Isländischen Phallusmuseum in Reykjavik vermacht.

Die kichernde Gruppe von etwa 70 Schwulen und Lesben aus aller Welt, die das kleine Penismuseum nahezu komplett ausfüllt, wendet sich schnell anderen Ausstellungsgegenständen zu. Vom Hamsterpenis, der nur zwei Millimeter lang ist, bis zum prächtigen 1,70-Meter-Gerät eines Pottwals. Gerne mit dem iPhone geknipst werden die Schwanzabgüsse der isländischen Handballnationalmannschaft – angeblich in Originalgröße und alle versilbert, schließlich hatten die 15 Männer bei den Olympischen Spielen in Peking die Silbermedaille geholt.

Beim ersten "Rainbow Reykjavik"-Festival im Februar 2012 gab es noch Beschwerden schwuler Teilnehmer, wieso ausgerechnet ein Besuch des Phallus-Tempels in Reykjaviks Haupteinkaufsstraße Laugavegur nicht auf dem Programm des Homo-Festivals stand. Diesen Wunsch haben Eva Maria und Birna Hrönn, die beiden lesbischen Organisatorinnen von "Pink Iceland", bei der Neuauflage in diesem Jahr nun beherzigt.

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Mit den Isländern lässt sich gut anstoßen

Warntafel an einer gewöhnlichen Kneipe in Reykjaviks Haupteinkaufsstraße Laugavegur - Quelle: Micha Schulze
Warntafel an einer gewöhnlichen Kneipe in Reykjaviks Haupteinkaufsstraße Laugavegur (Bild: Micha Schulze)

Wie sie überhaupt zahlreiche Anregungen für das zweite Event aufgenommen haben: Die Stadttour – diesmal im Bus und nicht zu Fuß – führt nicht allein zu den wichtigsten LGBT-Orten Reykjaviks, sondern auch zu den allgemeinen Sehenswürdigkeiten wie der markanten Hallgrímskirkja oder dem Aussichtspunkt Perlan. An- und Abreise mit Partner und Sponsor Icelandair sind flexibler geregelt. Das Programm bietet mehr Freizeit, etwa zum Shoppen, für ein romantisches Hummer-Dinner zu zweit oder – wie ein Mitreisender strahlend erzählt – für die privat organisierte Fistparty. Und vor allem: Es gibt viel mehr Begegnungen mit den "Locals", die Homo-Touris bleiben nicht unter sich.

Etwa Freitagabend beim schwul-lesbischen Eurovision-Konzert mit Páll Óskar in der modernen Konzerthalle Harpa, später im neuen Gay-Club "Kiki", in dem bis in den frühen Morgen ausgiebig gefeiert wird, oder auf der "Pink Masquerade Party" am Samstagabend.

Im ehemaligen Theater Iðnó, ein dreistöckiges, schönes, altes Gebäude aus Holz gleich gegenüber dem Rathaus, drängen sich Hunderte kostümierte Schwule und Lesben. Die rund 70 Festival-Besucher aus Europa und Nordamerika – in nahezu all ihren Destinationen hatte die Fluglinie Icelandair für "Rainbow Reykjavik" geworben – fallen kaum auf. Immer wieder werden sie auf der Tanzfläche oder auf dem Raucher-Balkon auf Isländisch angesprochen. Denn schüchtern sind die Einheimischen nicht – vor allem nicht, wenn sie schon einige "Gull"-Biere oder "Reyka"-Wodkas getrunken haben… Dazu muss man wissen: Erst 1989 wurde der Verkauf von Bier auf Island legalisiert, und insbesondere am Wochenende kann man leicht den Eindruck gewinnen, dass der Nachholbedarf noch nicht gedeckt ist.

Auch Heteros feiern und knutschen bei der "Pink Masquerade Party" mit, aber das kümmert hier niemanden. Genauso würde in Reykjavik niemand blöd gucken, wenn sich zwei Männer in einer gemischten Bar küssen. "Wenn du ein Rassist, Sexist, Homophober oder Arschloch bist, dann bleib draußen", steht auf einer Tafel vor einer ganz gewöhnlichen Kneipe am Laugavegur. Die "Rainbow Reykjavik"-Besucher genießen vier Tage lang diese besondere Atmosphäre der Normalität. Island präsentiert sich als tolerantes Musterland, in dem Homosexuelle heiraten können und das von einer lesbischen Premierministerin regiert wird.

Kein Regenbogen über dem Gullfoss-Wasserfall

Reykjavik von oben: Blick vom Aussichtspunkt Perlan
Reykjavik von oben: Blick vom Aussichtspunkt Perlan (Bild: Dominik Dierich)

Obwohl politisch fast alles erreicht scheint, wird Reykjaviks Gay Pride, der immer im August stattfindet, von Jahr zu Jahr größer. Über 100.000 Menschen – ein Drittel der gesamten Bevölkerung Islands! – säumen dann die Straßen der Hauptstadt. Für Ingvar, der den CSD mitorganisiert und zu einem Abendessen mit den Festival-Gästen kommt, ist das kein Widerspruch: "Warum sollten wir auf den Pride verzichten, wo er doch so viel Spaß macht", wundert er sich über die Frage des deutschen Journalisten. "An 364 Tagen im Jahr sind wir ganz normal, und an einem Tag stehen wir verdientermaßen im Mittelpunkt." Besonders für junge Schwule und Lesben sei der CSD ein prägendes Event.

Nicht zu vergessen: Auch Natur und Landschaft machen einen Besuch auf Island zu einem einzigartigen Erlebnis. Der halbtägige Gruppenausflug am Samstag zum "Golden Circle" kann die Schönheit der Insel nur anreißen. Die Tour führt zum Thingvellir-Nationalpark, dem tosenden Wasserfall Gullfoss, an dem man fast immer (nur heute nicht) Regenbogen sehen kann, und dem kraftvollen Geysir Strokkur, der alle paar Minuten bis zu 30 Meter hohe Wassersäulen in die Luft schießt. Trotz Schneeschauern ist es nicht übermäßig kalt: Dank des Golfstroms schwanken die Temperaturen Anfang Februar in Island um den Gefrierpunkt.

Wer – wie der deutsche Journalist – die Tour zum "Golden Circle" verpasst hat, weil er am Abend zuvor zu lange im "Kiki" recherchiert hat, ist zumindest virtuell dabei: Da alle Ausflugsbusse (ebenso die meisten Cafés, Kneipen und Restaurants in Reykjavik) vorbildhaft kostenloses W-Lan bieten, kann man die witzigen "Gaysir"-Pics der Mitreisenden zeitnah auf Twitter und Co. bewundern.

Das eigene Bild aus dem Penismuseum war leider nur kurz auf Facebook online. Das schöne "Ringe werfen"-Motiv, auf dem ein beachtlicher Ständer als Auffangstab diente, wurde als Verstoß gegen die Nutzungsbedingungen gelöscht…

  Rainbow Reykjavik 2014
Auch im kommenden Jahr wird das LGBT-Winterfestival "Rainbow Reykjavik" stattfinden. Der genaue Termin Ende Januar/Anfang Februar 2014 wird noch bekanntgegeben.
Links zum Thema:
» Homepage von Rainbow Reykjavik
» Homepage von Pink Iceland
» Homepage von Icelandair
Mehr zum Thema:
» Bericht von Rainbow Reykjavik 2012
» Gay and gayfriendly Hotels buchen
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Rainbow Reykjavik 2013

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Tags: rainbow reykjavik, island, reykjavik, penismuseum
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Reaktionen zu "Auf Penis-Safari im Homo-Musterland"


 4 User-Kommentare
« zurück  1  vor »

Die ersten:   
#1
06.02.2013
14:55:46


(-4, 8 Votes)

Von OliverZi


Nun - ein Land, in dessen Hauptstadt so jemand Bürgermeister ist, ist wohl schon etwas weiter als Deutschland.

Link zu www.messynessychic.com

Wobei - Reykjavik hat eins mit unserer Hauptstadt gemeinsam: es wird von einem Clown regiert.
Nur im Gegensatz zu unserem Clown ist dieser beliebt und trotz seinem Dillenantismus durchaus erfolgreich und ein guter Politiker.


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#2
06.02.2013
15:59:51


(+1, 5 Votes)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Island ist immer eine Reise wert!


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#3
06.02.2013
17:03:13


(+3, 5 Votes)

Von weiter
Antwort zu Kommentar #1 von OliverZi


Das Urteil vor dem Gerichtshof der europäischen Freihandelszone EFTA hat die Position Islands im Icesave-Streit bekräftigt. Der Gerichtshof hat bestätigt, dass die Isländer auf ihrem erfolgreichen Sonderweg in der Finanzkrise kein Recht gebrochen haben, als sich das Land 2008 weigerte, britische und niederländische Anleger der insolventen Landsbanki-Tochter Icesave zu entschädigen. Das Gericht wies die Klage ab, weil Island gegen keine Gesetze zum Schutz von Kontoinhabern verstoßen habe, als die Online-Direktbank 2008 abstürzte.

Link zu www.heise.de

Bei einem Referendum hatten sich 93% der Bevölkerung dagegen ausgesprochen, Steuergelder für die Entschädigung locker zu machen. Die Anleger, die den hohen Zinsversprechungen gefolgt waren, wurden ohnehin in ihren Heimatländern entschädigt. Großbritannien und die Niederlande wollten aber durchsetzen, dass Island die Rechnung begleicht. Hätten die Isländer den Rechtsstreit verloren, wären Schadensersatzforderungen von bis zu 2,3 Milliarden Euro aus den Niederlanden und Großbritannien eingegangen.


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#4
16.04.2013
18:20:20


(0, 0 Vote)

Von Timm Johannes


Übrigens in Island sind auch in der lutherischen Isländischen Kirche kirchliche Trauungen kirchenrechtlich erlaubt.

*
Link zu www.icelandreview.com

Tja Island ist wahrhaft ein Homo-Musterland.

Da kann das Bunga-Bunga Land Italien mit seinen Klemmschwestern im Vatikan noch viel, viel lernen.


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