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Einzelkommentar zu:
US-Pfadfinder halten vorerst an Homo-Verbot fest


#9 saltgay
  • 08.02.2013, 21:08h
  • Die Pfadfinder sind nicht mehr als der Spiegel der Gesellschaft. So hat jedes Land seine eigenen Traditionen in der Pfadfindergeschichte. In Deutschland ist das Pfadfinderwesen sehr stark durch die bündische Jugend geprägt worden. Die Homosexualität in der Pfadfinderbewegung war auch in Deutschland noch ein umstrittenes Thema bis in die 80er Jahre. Das war aber nicht zu vergleichen mit den "Boy Scouts of America". In Deutschland wirkte noch lange der Einfluss solcher merkwürdigen Gestalten aus dem Wandervogel und den Jungenschaften nach, von denen Hans Blüher der prominenteste Vogel war. Das lag daran, dass der Wandervogel ein Gegenentwurf bürgerlicher Jugendlicher gegen ihre eigene Gesellschaftsschicht - also das konservavtive kaisertreue Bürgertum, darstellte. In dieser "geschlossenen meist männlichen Gesellschaft" fanden Homosexuelle eher Akzeptanz und einen kleinen freie Lebensraum. Das führte bis zur religiösen Verklärung des "reinen Jungentums". Nach dem Krieg vermied man es sich in irgendeiner Weise angreifbar zu machen. Darum wurde auch das Thema Homosexualität nur sehr intern diskutiert. Heute ist es bei den international anerkannten deutschen Pfadfinderverbänden eben üblich, dass jeder dort unbeschadet seiner sexuellen Orientierung mitarbeiten kann. Wenn größere Lager stattfinden, gibt es stets einen Raum, wo sich schwul-lesbische Pfadis begegnen können, wo Arbeitsgruppen tätig sind und Kontakte geknüpft werden können.

    Aber Vorsicht: der Begriff "Pfadfinder" ist nicht geschützt. Darum können sich auch z.B. Jugendgruppen der Pfingstkirchen "Pfadfinder" nennen, obwohl sie keineswegs vom Weltbund anerkannt sind. Es gibt auch katholische Pfadfinder, die sich eher in den Dunstkreis von "kreuz.net" einordnen lassen, jedoch nicht vom Weltbund anerkannt sind. Das ist stets sehr ärgerlich, wenn richtige Pfadfinder mit solchen abstrusen Gruppen in einen Topf geworfen werden.

    Darum sollte man bei Urteilen genau differenzieren, was für Außenstehende manchmal sehr schwierig ist. Die "Boy Scouts of America" gehören allerdings zum Weltbund und es ist wirklich dringend zu hoffen, dass sich dort nicht die sektierische, reaktionäre Richtung durchsetzt.

    Der 50jährige Pfadi mit Lederhose, Fahrtenmesser und der Zitronenpresse (Pfadfinderhut) auf dem Kopf gehört glücklicherweise ins Museum neben Nierentisch und Tütenlampe. Immerhin war ein wichtiges Ziel von Baden-Powell die Führung von Jugendlichen durch Jugendliche und nicht durch "Allesbesserwisser" vom Schlage Anno Dunnemals.
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