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Der Theologe David Berger outete sich 2010 als schwul und wurde in Folge eine Art lose Kanone der katholischen Kirche, die auch über die Homosexualität des nun zurückgetretenen Papstes spekulierte.

Unter dem Papst sei Homophobie zu einer Voraussetzung für eine Karriere im Vatikan geworden, sagt der schwule Theologe.

Der Theologe David Berger hat am Montag Papst Benedikt XVI. Respekt für seinen Rücktritt gezollt und zugleich "die Abgründe an Unmenschlichkeit, Machtmissbrauch, Loyalitätserzwingung und Erpressung" kritisiert, die gerade mit seinem Pontifikat in Verbindung stünden.

"Mit Benedikts Rücktritt geht ein Pontifikat von Pleiten, Pech und Pannen zu Ende", sagte Berger am Montag. "Da waren die Skandale um die Islam-Rede in Regensburg, die unsensiblen Äußerungen im Konzentrationslager Auschwitz, die Versäumnisse und Ausreden im Missbrauchskandal, die gefährliche Verteufelung von Kondomen auf seiner Afrika-Reise sowie das Buhlen um die Zuneigung des Antisemiten Williamson und seiner fundamentalistischen Piusbruderschaft." Auch die Vatileaks-Affäre "und der damit verbundene, neu aufflammende Vatikan-Bank-Skandal können hier nicht unerwähnt bleiben", so Berger.

Das werde in der Kirchengeschichte ebenso in Erinnerung bleiben wie "die stramm angetretene Umwandlung der Volkskirche hin zu einer Art fundamentalistischer Sekte mit stark homophober Ausprägung", glaubt Berger. "Die Macht des Bösen sah Ratzinger und später auch Benedikt nämlich jedesmal dann am Werk, wenn es um die gleichgeschlechtliche Liebe unter Männern geht. Ihn, der der größten transnationalen Schwulenorganisation der Welt vorstand, trieb zugleich eine panische Angst vor Schwulen um."

Keiner der Vorgänger Ratzingers habe sich "jemals in diesem Ausmaß und mit solcher Verve abfällig über Homosexualität, besonders über schwule Männer und deren Kampf um Gleichberechtigung und gegen Diskriminierung, geäußert oder diese Äußerungen in seinem engsten Umkreis forciert. Homophobie wurde unter seinem Pontifikat zur unabdingbaren Voraussetzung, um Karriere zu machen. Dies ging etwa so weit, dass man sich im von Benedikt regierten Vatikan nicht scheute, Länder wie Uganda in ihrem Bestreben zu bestärken, die Todesstrafe für homosexuelle Handlungen wieder einzuführen."

Homophob-homophiles Milieu

Zugleich habe es über niemanden im Vatikan so viele Gerüchte über eine eigene homosexuelle Veranlagung gegeben, so Berger: "Ich war selbst auf dem Petersplatz zugegen, als die Wahl Ratzingers zum Papst bekanntgegeben wurde. Neben mir stand eine Gruppe junger Italiener, die riefen: 'Viva la Checca!' (Lang lebe die Königin)."

Man werde sich auch ewig erinnern an "die unbändige päpstliche Lust an Mozetten aus edelster Moiréseide, an rote Luxusschuhe, an scharlachrote, meterlange Kardinalsschleppen, für die man jugendliche Epheben als eigene Träger benötigt – an diesen Kult um die mit Tausenden feinster Falten gebügelten Hemdchen aus Häckelspitzen. Also an all das, was strukturell bis aufs Jota der schwulen Lust am Verkleiden und am Fetisch ähnelt."

Das alles habe das "eigentlich Paradoxe dieses homophob-homophilen Milieus augenfällig zum Ausdruck" gebracht. Doch "die fromme Kulisse aus Wolken von Weihrauch und zahllosen Vorhängen edler Gewandungsstücke konnte die Abgründe an Unmenschlichkeit, Machtmissbrauch, Loyalitätserzwingung und Erpressung – gerade bei den zahlreichen homosexuellen Klerikern – nur ansatzweise verdecken", so Berger.

Entspannung nur für den Papst

Der Rücktritt des Papstes sei aber noch lange keine Entwarnung für Schwule und Lesben: "Benedikt wird seinen Lebensabend in einem stillen abgeschiedenen Kloster, begleitet von den Tröstungen durch Monsignore Gänswein, verbringen dürfen. In der stillen Gewissheit, dass sein Nachfolger – sollte nicht doch irgendwann einmal der Heilige Geist eingreifen – gesellschaftspolitisch noch rückwärtsgewandter sein wird als er."

Papst Benedikt XVI. war am Montag aus Gesundheitsgründen zurückgetreten. Bis zum Nachmittag hatte sich nur der Grünenpolitiker Volker Beck mit einer Kritik zu Wort gemeldet (queer.de berichtete). (nb)



#1 PiskalfaktAnonym
#2 Thorsten1Profil
  • 11.02.2013, 16:00hBerlin
  • Für katholisch sozialisierte Schwule war Ratzinger seit ca 30 Jahren der blanke Horror. Selbst die antischwulen Aussagen des -heterosexuellen- Vorgängers Johannes Paul II. kamen auf Einflüsterungen Ratzingers zustande. Stellenweise konnte man den Eindruck haben, dass dieser homophobe Homo überhaupt nur deshalb Papst geworden ist, um den Schwulen zu schaden, wo er nur konnte.
    Das Ärgernis war, dass er sich den "bestaussehensten Mann des Vatikans", Georg Gänswein, durch die Aussicht auf Einfluss und ein Erzbischofsamt an seine Seite geholt hat und mit ihm unter einem Dach gelebt hat. Dieser "Privatsekretär" konnte nur ein -extrem gutaussehender- Hetero sein, denn ein schwuler Mann wäre das Haßobjekt von Ratzinger geworden.
    Dieser Papst hat sein Leben -unter anderem- dem Haß auf offen schwule Männer gewidmet. Wenn in diesem Leben nicht alles egal ist und es eine göttliche Gerechtigkeit gibt, wird sich auch Josef Ratzinger eines Tages dafür verantworten müssen.
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#3 FriederAnonym
#4 TheDadProfil
  • 11.02.2013, 17:19hHannover
  • Antwort auf #1 von Piskalfakt
  • Für die kritischen Äußerungen Bergers ist es völlig unerheblich ob er NOCH Mitglied ist..

    Viele Menschen die weit weniger Karriere in der RKK machten, sind und bleiben Mitglied, in der Meinung und Hoffnung den Verein von innen heraus verändern zu können..

    Ich persönlich halte das für unmöglich und unnötig, was aber damit zusammenhängt, das ich als Atheist diese Vereine grundsätzlich für entbehrlich halte..

    Der Vorwurf allerdings, der jedesmal wenn ich dieses oft wiederholte Posting mit der Frage nach Bergers Mitgliedschaft lese, mitschwingt, ist doch, ob er trotz Comming Out und beendeter innerkirchlcher Karriere quasi als eine Art "Stasi-Agent" den Steigbügelhalter für die RKK macht..

    Der Vorwurf ist ebenso witzlos wie infam, und er wurde nie gegen Menschen wie Uta Ranke-Heinemann, Heinz Küng oder Eugen Drewermann erhoben..

    Aber die sind ja auch nicht schwul/lesbisch, und müssen sich deshalb auch nicht öffentlich dazu erklären; so scheint es mir jedenfalls..

    Infam und dumm allerdings ist die unterstellte Absicht, durch Bergers vermuteten Verbleib in der RKK würde dieser die Absicht verfolgen "ein wirksameres Tool" zu schaffen..

    Welchem Zweck sollte dieses Toll dienen ?

    Der perfekteren Verfolgung von Minderheiten ?

    Wie sähe eine "geschmeidigere Sekte" aus ?

    Mehr Schrankschwestern in der Führungsetage ?

    Beides ist ebenso abwegig wie unmöglich, denn noch mehr Schrankschwestern können selbst die überdimensionierten, begehbaren Luxusschränke im Vatikan nicht aufnehmen, und noch offensiver und perfekter kann Mann Minderheiten gar nicht beleidigen und verfolgen..

    Jede Diktatur in der Welt müßte ihre "Verfolgungsleistung" an der Perfektion der RKK messen, wollte Mann einen "Standard" dafür entwickeln..

    Und so Frage ich mich jedesmal wenn ich den fragenden Vorwurf nach dem Verbleib Bergers in der RKK lese :
    Wie groß muß wohl die Angst vor einer Art "Spion wider Willen" sein, entsendet aus den Reihen der RKK in die Bevölkerung ?

    Diese Angst entsteht einzig und allein aus der nicht vollständigen loslösung von der Sekte, und der imaginären Angst, am Ende hätten die doch noch ein wirksames Instrument gefunden um einen den Weg in die Hölle zu ebnen..

    Und so sollte sich jeder Fragen OB ER denn noch heimliches Mitglied einer Sekte ist, bevor er diese Frage einen anderen, oder über einen anderen stellt..

    Und wer das wirklich wissen will, sollte David Berger einfach mal persönlich fragen..
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#5 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 11.02.2013, 17:23h
  • "Mit Benedikts Rücktritt geht ein Pontifikat von Pleiten, Pech und Pannen zu Ende", sagte Berger am Montag. "Da waren die Skandale um die Islam-Rede in Regensburg, die unsensiblen Äußerungen im Konzentrationslager Auschwitz, die Versäumnisse und Ausreden im Missbrauchskandal, die gefährliche Verteufelung von Kondomen auf seiner Afrika-Reise sowie das Buhlen um die Zuneigung des Antisemiten Williamson und seiner fundamentalistischen Piusbruderschaft." Auch die Vatileaks-Affäre "und der damit verbundene, neu aufflammende Vatikan-Bank-Skandal können hier nicht unerwähnt bleiben", so Berger.

    Dem ist nichts mehr hinzuzufügen!
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#6 ZeitfensterAnonym
  • 11.02.2013, 17:48h
  • Ich glaube, dass die Bedeutung des Pontifikats von Benedikt völlig überschätzt wird - positiv wie negativ.
    In ferner Zukunft wird von ihm nichts bleiben, außer dass er den "Papst a.D." eingeführt hat.
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#7 Johannes23Anonym
  • 11.02.2013, 18:37h

  • Das Pontifikat Benes wird uns noch lange nachhängen... Zumindest denen, die selbst jetzt noch nicht den Absprung geschafft haben. Was mich an Berger jedes Mal ärgert, ist seine fast schon homophobe Verkürzung des Schwulseins auf tuntiges Tralala und die angebliche Vorliebe des Verkleidens... das trifft vielleicht auf die Klemmschwestern zu, die sich unterm Rock der kath. Kirche versteckt haben, das echte schwule Leben 2013 sieht aber doch anders aus...
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#8 verlogen hoch 13Anonym
  • 11.02.2013, 18:55h
  • Antwort auf #1 von Piskalfakt
  • eben. nicht die christlich-bürgerliche ideologie (und ihre gesellschaftliche basis) ist menschenfeindlich - nein, es muss nur der kopf ausgetauscht werden, und alles wird gut.

    der theologe berger gehört zu dem schlag der "modernen" missionare, den die herrschenden in diesen spätkapitalistischen krisenzeiten dringend brauchen.
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#9 Martin28a
  • 11.02.2013, 19:13h

  • Warum beschäftigt das Thema Kirche eig queer.de so ?

    Es ist doch egal, wer Papst wird, die Kirche hat eh nix mehr zu sagen
    Die hat die Legitimität weitestgehend verloren und die Bibel selber ist völlig unabhängig zur katholischen Kirche

    Falls es - wider erwarten- doch mal einen liberalen Papst geben sollte, hat dieser ganz sicher sehr viel zu tun
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#10 Thorsten1Profil
  • 11.02.2013, 19:32hBerlin
  • Antwort auf #9 von Martin28a
  • "Warum beschäftigt das Thema Kirche queer.de so ?"

    Weil es die Schwulen interessiert! Diese sind nach außen hin oft Atheist, kratzt man aber an der Oberfläche, so gibt es kaum eine andere soziale Gruppe, mit der man so viel über den Glauben sprechen kann, wie die Schwulen!
    Warum ist das so? Weil die Schwule nicht wie die Heteros von ihrem Umfeld her alles vorgekaut bekommen, sondern weil sie selbst ihre eigene Identität finden müssen.
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