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  • 21. Oktober 2004, noch kein Kommentar

Die Mouskouri sagt mit der CD "Ich hab gelacht – Ich hab geweint" Adieu – ihre schwulen Fans werden sie vermissen.

Von Jan Gebauer

Überall auf der Welt liebt man sie, aber die Deutschen waren stets Nana Mouskouris treuestes Publikum. Und wer könnte treuer sein, als ihre unzähligen schwulen Fans? Umso trauriger war kurz vor ihrem 70. Geburtstag die Nachricht vom Rücktritt ihrer Ikone. Eine Abschiedswelttournee soll noch 2005/2006 folgen, dann ist endgültig Schluss. Passend dazu erscheint diese Woche "Ich hab gelacht – Ich hab geweint", das Jubiläumsalbum mit den größten Erfolgen, Raritäten und neuen Hits. Das bezieht sich allerdings ausschließlich auf den deutschen Markt, denn "Only Love" (1986 ein Nummer-zwei-Hit in Großbritannien) sucht man ebenso vergebens wie ihre elegante französische Version von "Guantanamera", die 1966 in den Top-Ten von Frankreich stand. Die Hits wurden weitgehend berücksichtig, sind aber keineswegs komplett: Ihre beiden Nummer-eins-Hits "Weiße Rosen aus Athen" (1961, allerdings in einer späteren modernen Version) und "Ich schau den weißen Wolken nach" (1962) sind enthalten, ebenso der drittgrößte Hit "Einmal weht der Südwind wieder" (1962). "Am Horizont irgendwo" (1962 Platz 4 in Deutschland) fehlt dagegen ebenso wie "Rote Korallen" (1963 Platz 6 in Deutschland).

Überhaupt werden die 60er Jahre vernachlässigt. Die Jahre ab 1975, in denen sie ein großes Comeback nach einigen hitlosen Jahren feierte, sind dagegen gut vertreten, sieht man mal von "Komm, komm, sag uns deinen Traum" (1975) ab. "Adios", "Sieben schwarze Rosen" und natürlich "Guten Morgen, Sonnenschein" (in den 80er Jahren für "Botteram"-Margarine missbraucht) sind dabei und gehören immer noch zu ihren schönsten Aufnahmen. Auch das unvergleichlich kitschige "La Provence (di blühendes Land)" (1981 Platz 17 in Deutschland) darf da nicht fehlen. Schmerzlich vermissen tut man allerdings die deutsche Version von "Only Love", "Aber die Liebe bleibt", die vielleicht schönste Ballade von Nana Mouskouri. Dafür entschädigen die acht neuen Titel, die entsprechend der Erwartungshaltung ihres deutschen Publikums eher in Schlagergefilde komponiert und arrangiert wurden. Dennoch finden sich schöne ansprechende Titel darunter, so zum Beispiel "Sonnenkind", "Durch die Nacht" und "Liebe ist nur ein Wort". Allerdings zeigen sich bei den Titeln im Vergleich zu ihrem alten Repertoire die eklatanten Veränderungen bei ihrem glasklaren Sopran. Der Zahn der Zeit hat seinen Tribut eingefordert, und in den Höhen klingt die Stimme seltsam gepresst. Dem Charme der Aufnahmen tut das aber trotzdem keinen Abbruch.

Sehr interessant sind die 19 Lieder auf der zweiten CD, die mit "Raritäten" betitelt ist. Die Aufnahmen sind ihren zahlreichen deutschsprachigen Studio-Alben entnommen, die zum Teil auch auf CD nicht mehr erhältlich sind. Darunter finden sich viele Perlen. "Das Fest" (1980) zum Beispiel ist eine fantastische, sehr fragile Interpretation von Leonard Cohens "The Guests". "Schau mich bitte nicht so an" (1982) ist eine federleichte Version von Edith Piafs "La vie ein rose" (auch bekannt in der deutschen Version von Mireille Mathieu), dazu kommen feinfühlige Cover wie "Ich leb’ im Traum" (1983, Original: "I Have a Dream" von ABBA), ""Wenn ich träum" (1980, Original: "When I Dream" von Crystal Gayle) und "Meine Insel" (1986, Original: "Une île" von Serge Lama). Überraschend ist die Tatsache, dass auch Nana Mouskouri "Blue Bayou" auf Deutsch interpretierte, allerdings mit anderem Text als Paola (bei Nana heißt der Titel "Ich will heim zu dir, Blue Bayou". Auch hier steigt der Kitsch-Faktor immens. Etwas überschritten wird dieser bei dem Song "So leb dein Leben" (kennt man am Besten als "My Way" von Frank Sinatra"), welchen Mary Roos 1970 ergreifender aufnahm. Langweilig wird es dennoch nicht, weder auf CD 1 noch auf CD 2. Die Stimme von Nana beeindruckt und die Titel sind bunt und zeigen verschiedenste Stationen ihrer deutschen Karriere auf. Dennoch sollten in erster Linie Schlager-Fans zugreifen oder Leute, die prinzipiell Nanas Musik mögen (Geheimtipp: "Die Rose" – bekannt als "The Rose" von Bette Midler). Wer nur ihre Jazz-CD "Nana In New York" mag oder Chansons aus Frankreich bevorzugt, findet hier vielleicht nicht den richtigen Soundtrack für musikalische Stunden.

20. Oktober 2004