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Deutscher Eurovision-Vorentscheid

Ben Ivory: "We are the Lovers, we are the Queers"


"Neon Cathedral" heißt sein Album, das im März erscheinen wird. Soft Cell lassen grüßen. (Bild: Warner)

Ben Ivory wäre aus unserer Sicht der perfekte Kandidat für den Eurovision Song Contest. Deshalb hier unser schamloser Versuch, das Voting zu seinen Gunsten zu beeinflussen.

Von Christian Scheuß

Geht's noch ein bisschen dicker aufgetragen? "Ben Ivory ist ein Visionär. Ein Grenzgänger" lobpreist die Pressemappe den jungen Künstler. "Ein Wandler zwischen Wirklichkeit und Wahrheit, der auf dem roten Faden seiner künstlerischen Gegensätzlichkeit einen waghalsigen Drahtseilakt vollführt". Äh, hat da ein abgebrochener Philosophiestudent im Rahmen seines Praktikums bei Warner diesen Text verfasst?

Schauen wir doch mal, was der auf irgendwelchen Fäden balancierende Formwandler denn nun wirklich ist. Künstlerische Gegensätzlichkeit zum Beispiel mögen wir nicht erkennen. Ben Ivory ist vielmehr ein wohldurchdachtes stimmiges künstlerisches Gesamtkonzept, bei dem musikalisch und optisch alles nahtlos ineinander passt.

Ying und Yang, Kling und Klang, Ding und Dong...

Dass er gern die Kontrolle über alles behält, verriet er kürzlich im "Morgenmagazin". Texte, Musik, Grafiken und Styling bleiben in den Händen des Künstlers, der sich nicht nur als Sänger ausprobiert hat, sondern der auch malt, dichtet und modelt. Dass er nicht so gern die ganze Wahrheit über sich preisgibt, verrät die Tatsache, dass auf allen Websites mit biographischen Angaben zu ihm die Lücke des fehlenden Geburtsjahres mit weiterem Geschwurbel gestopft wurde: "Ben Ivory ist der wandelnde Gegensatz von Licht und Schatten, Ost und West, Seele und Intellekt…"

Fakt ist: Er ist in den Achtzigern geboren und hat musikalische Eltern, die seine Kinderwiege ordentlich mit den Sounds der Achtziger beschallten. Die Ohrwürmer, die dem kreativen Kind da eingepflanzt wurden, führten unter anderem zu dem Song, mit dem er sich beim ESC-Vorentscheid an diesem Donnerstag um den deutschen Platz für Malmö bewirbt (das Online-Voting ist bereits eröffnet): "The Righteous Ones" ist eine wummernde Electropop-Hymne über das Anderssein, die ihren musikalischen Saft komplett aus den Wurzeln der Achtziger zieht, aufgepimpt mit dem üblichen Bass- und Kompressionsoverkill der Jetztzeit. Das Ding knallt und hat das Zeug für einen Aufstieg in den Dancecharts, Ben wird es mit vielen Lasern und einem Anzug von Jean-Paul Gaultier präsentieren.

Radiohead, Björk, Placebo, Michael Jackson und David Bowie benennt er als seine persönlichen musikalischen Helden. Man findet ihn ihm aber auch noch andere Spurenelemente. So hat er das divenhafte eines Marc Almond und mit ihm die weitere Gemeinsamkeit, dass man sich immer wieder wundert, wie viel Kraft in den Stimmen von solch zierlich zerbrechlichen wirkenden Personen steckt. Ein bisschen Pathos von Alphaville und etwas Sendungsbewusstsein von Bronski Beat / Jimmy Somerville steckt ebenfalls drin. Am Ende ist es eigentlich ziemlich egal, ob er im wahren Leben nun mehr ein eitler Kontrollfreak ist oder ein sensibler Künstler, seine Musik bietet jede Menge Reflektionsfläche und Identifikationspotential für solche, die einfach nur auf den Eighties-Retrosound abfahren als auch für jene, die sich anders als die Anderen fühlen.

Youtube | Ben Ivory - Auftritt im ARD/ZDF-Morgenmagazin

Ben Ivory: "Das Wort queer hat in erster Linie nichts mit schwul zu tun"

Auf die Frage des Online-Magazins "Woodz", ob er sich in seinem Leben schon einmal ausgegrenzt gefühlt hat, antwortet er: "Ehrlich gesagt geht es mir mein ganzes Leben schon so. Auf der anderen Seite glaube ich aber, dass es immer was mit der Betrachtungsweise zu tun hat, festzustellen, dass man vielleicht nicht in ein gewisses Format oder System passt." Der Text seines ESC-Songs "The Righteous Ones" spielt genau damit. Der Versuch, das Andere, das Fremde zu unterdrücken oder gar niederzuknüppeln, wird scheitern, prophezeit Ben Ivory darin. Das Textfragment "We are the queers" soll entsprechend keine Anbiederung an die schwule Zielgruppe sein, betont er.

Seine Interpretation der Bedeutung von "queer" ist jedoch diskussionswürdig: "Das Wort hat in erster Linie nichts mit schwul oder homosexuell zu tun." Kann man so sehen, Ben. Aber spätestens in zweiter Linie hat es sehr viel damit zu tun. Frag deinen Kollegen Mika. Oder schau dir dein Video nochmal an: Die homosexuelle Ästhetik deines eigenen Auftritts, dazu die Erotik der kämpfenden halbnackten Muskelmänner, und als Feindbild den Papst mit der Teufelsmaske. Mehr Bezüge zur schwulen Zielgruppe lassen sich kaum einbauen. Und dann können russische Schwule und Lesben noch den kompletten Text als Stinkefinger Richtung Regierung deuten.

Die neue Single "Better Love" wird einen Tag nach dem ESC-Entscheid erscheinen. Eine schöne Ode auf ein Leben mit und für die Musik, die Bens allergrößte Liebe ist: "Ich habe noch zu keinem Menschen eine so intensive Beziehung geführt wie zur Musik." Das wirklich exzellente Debüt Solo-Album "Neon Cathedral" – Soft Cell lassen schon mal grüßen – wird im März folgen.

Queer.de bietet am Donnerstagabend ein Liveblog zum dt. Vorentscheid.

Youtube | Das Video zu "The Rightous One"


#1 reiserobbyEhemaliges Profil
  • 13.02.2013, 15:57h
  • Ich vernehme hier zwischen den Zeilen eine gewisse Distanzierung zum Objekt, Herr Scheuss. Was soll dass denn, bitte? Ein bisschen mehr Linientreue erwarte ich von Queer.de, es geht hier immerhin um den ESC.
    Votet solidarisch für Ben Ivory, ruft an, klickt euch kirre!
    (Ich habe bereits alle Radiostationen durch.)
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#2 m123Anonym
#3 Der RickAnonym
#4 Mister_Jackpot
  • 13.02.2013, 16:22h
  • Antwort auf #2 von m123
  • Boah diese absolut einseitige Werbung für einen Titel nervt extremst. Ich hoffe inständig, dass das nicht gewinnt. Die werden und auslachen, wenn wir das dahin schicken...wan schafft Deutschland es endlich mal nen geilen Eurodance Track zum ESC zu schicken...dieses pseudointellektuelle Gedudel mit "Message" kann sich doch niemand wirklich anhören....
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#5 reiserobbyEhemaliges Profil
#6 reiserobbyEhemaliges Profil
#7 reiserobbyEhemaliges Profil
#8 FoXXXynessEhemaliges Profil
#9 FriederikeAnonym
  • 13.02.2013, 19:19h
  • Man, ist das Lied von Söhne Stammheims shitty. Voll die Loser. Ohne Xavier sind die nix.
    Schade dass Xavier nicht allein und auf deutsch zum ESC fährt, um den Leuten mal zu zeigen, wie deutsche Sprache klingen kann.

    Wir wollen doch nicht Freaks und Nerds sein. iss Terminologie von Unterdrückern.

    Xavier <3
    We are the Lovers!
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#10 Mister_Jackpot
  • 13.02.2013, 20:54h
  • Es ist echt lächerlich und ziemlich arm, dass hier einige eine andere Meinung nicht respektieren. Soviel zum Thema Toleranz unter Schwulen! Kinder!
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