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  • 15.02.2013           64      Teilen:   |

Diskriminierung

Katholisches Pflegeheim weist schwulen Rentner ab

Artikelbild
Das Kreszentia-Stift im Glockenbachviertel
Bild: Wiki Commons / Nothere / CC-BY-SA-3.0

"Die Schwestern wollen das nicht" – Das Münchner Kreszentia-Stift diskriminiert einen 72-Jährigen und rudert zurück, als es zu spät ist.

In München ist ein neuer Fall von kirchlicher Diskriminierung im Dienstleistungssektor bekannt geworden: Wie die Münchner "tz" berichtet, weigerte sich das von einer katholischen Stiftung getragene Kreszentia-Stift, einen schwulen Rentner aufzunehmen.

Der 72-Jährige lag zu diesem Zeitpunkt seit Wochen im Krankenhaus, während sein 66-Jähriger Lebenspartner Karl Schaffner einen Platz für ihn in einem Pflegeheim suchte. Dass die beiden Männer seit 48 Jahren ein Paar sind, verschwieg der Mann im Telefonat mit dem in seiner Nachbarschaft gelegenen Stift nicht.

Die Pflegedienstleitung habe daraufhin gesagt, "sie müsse erst mit den Schwestern reden, weil es nicht so leicht sei: ein Mann mit einem Lebensgefährten", so Karl Schaffner zur "tz". Dann kam der Rückruf: "Die Schwestern wollen das nicht." Man sei schließlich eine katholische Stiftung.

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153-jährige Tradition

Das Kreszentia-Stift war vor über 150 Jahren von katholischen Ordensschwestern gegründet worden, den Kreszentia-Schwestern vom Dritten Orden des hl. Franziskus. Inzwischen wurde die Leitung an eine Kirchliche Stiftung des öffentlichen Rechts übertragen, die Schwestern sind aber weiterhin in die Pflege eingebunden. Sie werden seit 1990 von Schwestern aus Kroatien unterstützt, den "Töchtern der göttlichen Liebe".

Auf der Homepage des Stifts heißt es, Ziel der Pflege sei unter anderem, "die Persönlichkeit aller Bewohner gleichwertig zu achten, zu schätzen und zu fördern". Geschäftsführer Christian Poka behauptet inzwischen, er habe später von der Anfrage erfahren und noch versucht, Schaffner über die Klinik des Lebenspartners zu erreichen, um ihm den Platz anzubieten. Dabei habe er aber keinen Erfolg gehabt.

Das Haus nehme erst seit 15 Jahren Männer auf, einen Bewohner in Eingetragener Partnerschaft habe man noch nicht gehabt. "Dass da die ein oder andere Unsicherheit besteht, ist normal", so Poka gegenüber der "tz". Es sei "mehr Sensibilität angebracht" gewesen und er bedaure es, wenn sich Schaffner "diskriminiert gefühlt habe".

Heimplatz gefunden

Stadtrat Thomas Niederbühl spricht von einer "unglaublichen Geschichte"
Stadtrat Thomas Niederbühl spricht von einer "unglaublichen Geschichte"

Der fühlte sich tatsächlich diskriminiert und erinnerte sich an eine Zeit, als der Paragraf 175 noch existierte und man Schwierigkeiten hatte, eine gemeinsame Wohnung zu finden. Inzwischen hat Schaffner für seinen Partner einen Platz im Leonhard-Henninger-Haus gefunden, einem etwas weiter entfernten evangelischen Pflegeheim: "Die sind ganz toll mit uns umgegangen", so Schaffner zur "tz". Im Kreszentia-Stift wäre man wohl nur "geduldet" worden.

Stadtrat Thomas Niederbühl (Rosa Liste), an den sich Schaffner gewandt hatte und der den Kontakt zur Zeitung vermittelte, sagte, es gebe immer wieder Probleme, wenn ältere Schwule in Pflegeeinrichtungen kommen. "Aber von einer derart offenen Ablehnung, dass man das so unverblümt sagt, habe ich noch nie gehört." Auch in katholische Einrichtungen gebe es "kein Recht auf Diskriminierung." (nb)

 Update  17.10h: Erste Reaktionen
Die Schwusos in Bayern zeigten sich in einer Presseerklärung empört "über die offensichtliche Diskriminierung, die dem 72-jährigen Rentner zu teil wurde." Sie appelierten daher "gerade an Einrichtungen in kirchlicher Trägerschaft, das Persönlichkeitsrecht eines jeden Menschen zu wahren". Es dürfe keine Benachteiligung aufgrund der sexuellen Orientierung geben.
"Erst Köln, jetzt München!", schrieb der Grünen-Politiker Volker Beck auf Facebook, in Anspielung auf eine von einem katholischen Krankenhaus abgewiesene vergewaltigte Frau in der Domstadt. "Vielleicht, liebe katholischen Einrichtungen, mal wieder das Gleichnis vom barmherzigen Samariter bei der Morgenandacht lesen? Lk 10,25-37 steht in jeder gewöhnlichen Bibel. Wer nicht jeden aufnimmt, kann nicht Teil unserer staatllich oder sozialversicherungsrechtlich finanzierten Infrastruktur sein!"

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Tags: münchen, pflegeheim, diskriminierung, katholische kirche
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Reaktionen zu "Katholisches Pflegeheim weist schwulen Rentner ab"


 64 User-Kommentare
« zurück  1234567  vor »

Die ersten:   
#1
15.02.2013
11:23:50


(+12, 12 Votes)

Von lucdf
Aus köln (Nordrhein-Westfalen)
Mitglied seit 04.09.2011


Aus Prinzip würde ich nicht meine Kinder in eine konfessionelle Schule schicken. Ich würde nie in ein katholisches Krankenhaus gehen und noch weniger in einem katholischen Altersheim meinen letzten Lebensabschnitt verbringen. Klar sind die Katholen schwulenfeindlich und gerade deshalb sollte man diese Institution nicht unterstützen. Ein bisschen konsequent sollte man schon sein.
Bleibt das Problem eines Unfalles. Wenn man verunglückt, kann man das kaum entscheiden und der Rettungswagen ist dazu verpflichtet, einen zum nächsten Krankenhaus zu fahren, ob es konfessionell ist oder nicht. Da müsste der Gesetzgeber sich etwas einfallen lassen.


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#2
15.02.2013
11:29:34


(+13, 13 Votes)

Von maaaartin


wie lange will man denn religionsgemeinschaften für die zurverfügungstellung billigen arbeitspersonals (den großteil bezahlt doch eh der staat und damit wir mit unseren steuern) noch sonderrechte zur diskrimminierung gewähren?


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#3
15.02.2013
11:31:19


(+7, 15 Votes)

Von luxuria
Antwort zu Kommentar #1 von lucdf


theoretisch richtig.
lebenswirklich mittelklassig.
gelebten protest muss man sich leisten können.
von der wiege bis zur bahre.


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#4
15.02.2013
11:35:15


(+12, 12 Votes)

Von Christine


Pfui Teufel!
Menschenhasser!


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#5
15.02.2013
11:41:58


(+9, 13 Votes)

Von Adopteur


"Aus Prinzip würde ich nicht meine Kinder in eine konfessionelle Schule schicken."

Wie sieht es eigentlich in Landstrichen aus, in denen es nur katholische Kindergärten gibt?

Scrollen:
Zerschlagung der Sozialsysteme

Link zu www.salzekurier.de


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#6
15.02.2013
11:49:03


(+12, 12 Votes)

Von -hw-
Antwort zu Kommentar #5 von Adopteur


Schwule brauchen den sozialen und demokratischen Rechtsstaat.

Neoliberal geplünderte Kommunen brauchen die Kirchen.


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#7
15.02.2013
11:49:08


(+6, 6 Votes)

Von Thorsten1
Aus Berlin
Mitglied seit 15.05.2012


Als emanzipiert schwuler Mann sollte man weder in eine katholische noch in eine evangelische Einrichtung gehen, sondern in eine städtische.
In einer katholischen Einrichtung ist die Leitung eher abweisend während das Personal durchaus offen und freundlich sein kann. In evangelischen Einrichtingen ist es oft genau umgekehrt: Dort ist die Leitung offen und liberal, aber das Personal besteht oft aus "wiedergeborenen" Evangelikalen, die den Bewohnern das Leben vermiesen kann.
Also: Immer in eine städtische Einrichtung!!!


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#8
15.02.2013
11:53:55


(+16, 16 Votes)

Von fink


"er bedaure es, wenn sich Schaffner "diskriminiert gefühlt habe"."

da ist sie wieder: die umdeutung unleugbarer diskriminierung zu einer reinen überempfindlichkeit des opfers. man sollte den geschäftsführer mal kräftig ohrfeigen und dann sagen, man bedaure es, wenn er sich "angegriffen gefühlt" habe.

wenn die rkk so gerne autonom über ihre einrichtungen entscheidet, dann soll sie diese einrichtungen auch autonom finanzieren.

es wird wirklich höchste zeit, diese frage auf die politischen agenden zu stellen und auch bei den parteien änderungen einzufordern!

ich hoffe ja, dass die presse das thema "arbeitgeber kirche" nicht nur wegen des vergewaltigungfalles neulich kurzzeitg behandelt, sondern dass daraus endlich eine größere diskussion entsteht.


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#9
15.02.2013
12:01:23


(+13, 15 Votes)

Von hypathia
Aus Baden (Österreich)
Mitglied seit 18.11.2012


Es ist zu schön!
Mit jedem Aufreger und Skandälchen von seiten der Kirchen werden mehr Menschen sich veranlasst sehen das Volksbegehren gegen Kirchenprivilegien zu unterschreiben.
Hoffentlich kommen bis zum 15.April noch viele dieser katholisch-christlichen Nächstenliebe-Beweise an die Öffentlichkeit.

www.kirchen-privilegien.at


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#10
15.02.2013
12:05:00


(+11, 11 Votes)

Von Dennis
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #8 von fink


Wenn es einen Gott gibt . . . .

Vor Gott sind alle Menschen gleich. Ein solches Verhalten eines "auf christliche Werte wie u.a. Nächstenliebe" geführten Altenpflegeheimes ist an Heuchelei nicht mehr zu überbieten. Es ist würdelos und Menschen verachtend.

Hier sollte man erwägen (ein Anwalt) ob ein solches Verhalten nicht gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) Antidiskriminierungsgesetz verstößt und ggf die entsprechende Schritte einleitet.


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