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  • 24. Oktober 2004, noch kein Kommentar

Die Rock-Ikone kommt auf Tour. Im Gepäck: Ihr neues Album "Before The Rain", das wieder in die Abgründe ihrer Seele entführt. Nick Cave und PJ Harvey haben daran mitgearbeitet.

Von Jan Gebauer

Wer Marianne Faithfull kennt, weiß, dass leichte Kost auf ihren Alben keine Chance hat. Auch auf ihrem neuesten Werk "Before The Rain" gibt es kaum fröhliche Töne und die zwei herausragenden Musiker, die sie bei dem Album unterstützten, stehen auch nicht gerade für fröhliche, chartkompatible Pop-Musik: Nick Cave und PJ Harvey. Da kann man nur sagen: Ein Glück! Die Songs entführen den Hörer in die schmerzhaften Abgründe der Seele von Marianne Faithfull, die scheinbar viele traurige Erfahrungen im Zusammenhang mit Liebe einstecken musste. Die Melodien und Klänge auf "Before The Poison" sind dabei gar nicht so sperrig, wie es zuerst den Anschein macht. Gerade die wunderschöne Ballade Crazy Love kommt mit einer verzaubernden Melodie daher (Nick Caves Werk). Die Lyrics stammen von Marianne Faithfull, die bei sieben Songs auf "Before The Poison" die Texte verfasst hat. Die können aufwühlend sein wie jener von "Desperanto", bei dem Nick Cave eine total abgedrehte Melodie entwickelte oder leicht morbide wie bei "City of Quartz", bei dem eine Spieluhr mitläuft. Das folkig angehauchte No Child of Mine glänzt mit einer geschmackvollen Melodie, die von PJ Harvey verantwortet wurde. Diese kann man auch ausdrucksstark mit ihrer schneidenden Stimme im Refrain hören, sowie kongenial an Gitarre und Piano. "Before The Passion" ist ein dunkles Album wie geschaffen für den stürmischen Herbst. Echte Gefühle, aufwühlende Stimmungen und über allem die raue, vom Leben geschliffene Stimme Marianne Faithfulls.

Weitere CD-Tips der queer.de-Musik-Redaktion von Marianne Faithfull:

Mit Broken English gelang Marianne Faithfull 1979 ein großes Comeback, nachdem sie mehrere Jahre kaum Platten aufnahm und vom verblassenden Ruhm der 60er Jahre lebte ("As Tears Go By" war 1964 ihr erster großer Hit). Hier begann die Faithfull düstere Skizzen ihrer Seele zu zeichnen, unterstützt von hochkarätigen Musikern und einem sicheren Gespür bei der Titel-Auswahl. Höhepunkt ist der bewegende Hit "The Ballad of Lucy Jordan". Allerdings sind auch der Titelsong, John Lennons "Working Class Hero" oder das launische "Brain Dead" gute Anspieltips für einen absoluten Album-Klassiker.

Auf Strange Weather (1987) setzte die Faithfull genau da an, wo die Lenya oder die Dietrich aufhörten. Mit einer einmalig "kaputten Stimme" singt sie ihre Auffassung von Standards wie "Boulevard of Broken Dreams" oder "Yesterdays", aber auch Bob Dylan ("I’ll Keep It With Me").

Tour:

Marianne Faithfull gibt vom 21. bis 25. November ganze vier Konzerte in Deutschland:

21.11.04 (Berlin, Arenatheater)
23.11.04 (Bonn, Brückenforum)
24.11.04 (Leipzig, Haus Auensee)
25.11.04 (Hamburg, Fabrik)

23. Oktober 2004