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  • 28.02.2013           2      Teilen:   |

Medizin und Recht

OVG Münster: Cannabisanbau ist möglich

Artikelbild
Ganz so einfach wie in der TV-Serie "Weeds" mit dem Anbau in der heimischen Wanne wird es nicht laufen. (Bild: Sony Pictures Home Entertainment)

Wenn es nicht anders geht, dürfen sich Schmerz-Patienten auch selbst versorgen, urteilte das Gericht Ende 2012. Blühen bald überall ganz besondere Balkonpflanzen?

Von Christian Scheuß

Das Recht des Patienten auf angemessene Therapien zur Behandlung seiner Erkrankung wiegt mehr als die Durchsetzung geltender gesetzlicher Normen. Das ist der Kern eines Urteils des Oberverwaltungsgerichts in Münster, das bereits Ende Dezember 2012 veröffentlicht worden ist. Geklagt hatte ein Patient mit Multipler Sklerose, der zuvor vergebens versucht hatte, eine offizielle Genehmigung zum Selbstanbau von Cannabis zu bekommen. Das dafür zuständige Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) lehnt routinemäßig private Anträge ab. Das darf nicht sein, sprachen jedoch die Richter, und nannten dafür mehrere, sehr an den Lebensrealitäten orientierte Begründungen.

Über die grundsätzlichen Wirkungen der im Cannabis vorhandenen medizinischen Substanzen, die positive Wirkungen haben können, berichteten wir bereits vor einer Weile. Die Cannaboide besitzen antibiotische, schmerzstillende und entzündungshemmende Potentiale, die in Form von Medikamenten unter anderem für Epilepsie- und Schizophrenie-Patienten zur Verfügung stehen. Bei Patienten, die HIV-assoziierte Symptome wie Nervenschmerzen, Appetitlosigkeit oder Übelkeit plagt, hat die begleitende Behandlung mit der Cannabispflanze oder cannaboidhaltigen Medikamenten Erfolge gezeigt.

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Cannaboid-Pillen versus Medizinalhanf

Der generellen Verfügbarkeit stehen allerdings hohe Hürden gegenüber, die Patienten häufig individuell zu überwinden haben. Besonders schwierig wird es, wenn der Erkrankte aus eigener Erfahrung sagen kann, dass die cannaboidhaltigen Medikamente nicht so effektiv wirksam sind wie die originalen unveränderten Hanfblüten. Auch den kann man zwar grundsätzlich per Rezept als so genannten "Medizinalhanf" erhalten. Doch die Krankenkassen spielen nicht immer mit und verweigern die Übernahme der Kosten.

Der MS-Patient aus Mannheim hat genau dies erlebt, wandte sich deswegen an das BfArM und beantragte eine Sondergenehmigung für den Eigenanbau in seiner Wohnung. Die wurde verweigert, der Fall landete vor Gericht. Nun hat dieser Patient zwar nicht die erhoffte Genehmigung erhalten, der eigene Cannabisgarten auf dem Balkon ist ihm nach wie vor nicht gestattet. Doch die grundsätzliche Ablehnung der staatlichen Behörde soll nach dem Willen des OVG Münster nun nicht mehr möglich sein.

Selbstbestimmungsrecht des Patienten bei Therapie gestärkt

Auch dem Kläger ist der Selbstanbau noch nicht gestattet worden
Auch dem Kläger ist der Selbstanbau noch nicht gestattet worden (Bild: Stan Dalone / flickr / cc by-sa 2.0)

Im Urteil heißt es: "Für den Fall der – belegten – unzureichenden therapeutischen Wirksamkeit von 'Dronabinol' und der fehlenden Kostenerstattung für Medizinalhanf durch die AOK Rhein-Neckar-Odenwald dürfte der vom Kläger beantragte Eigenanbau von Cannabis für seine medizinische Versorgung notwendig und geeignet sein. Die Versorgung des schwer kranken Klägers mit Cannabis dürfte in diesem Fall notwendig sein, da eine alternative erschwingliche Therapiemöglichkeit nicht verfügbar wäre."

Ganz lebensnah argumentierten die Richter, dass man dem Kläger nicht zumuten könne, eine Kostenerstattung für Hanf durch die Krankenkasse zu erstreiten. Als Empfänger von staatlichen Sozialleistungen könne er Medizinalhanf auch unmöglich selbst bezahlen.

Die hohen Auflagen der Behörde, die beispielsweise pharmazeutischen Unternehmen gemacht werden, wenn diese Medizinalhanf anbauen wollen, gelten für Privatpersonen nicht. Eine Anbaugenehmigung an Patienten gefährde zudem nicht die Sicherheit oder Kontrolle des Betäubungsmittelverkehrs. Ein grundsätzlicher Hinweis zum möglichen Missbrauch oder einer möglichen Abhängigkeit von Cannabis reiche ebenfalls nicht als Ablehnungsgrund.

Links zum Thema:
» EIne Analyse des Urteils auf cannabis-med.org
» Weeds, die preisgekrönte Serie auf DVD bei Amazon
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Tags: hiv, aids, medikamente, marihuana, cannabis
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Reaktionen zu "OVG Münster: Cannabisanbau ist möglich"


 2 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
28.02.2013
18:30:09


(0, 2 Votes)

Von TheDad
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Typisch..

Während lt. Suchtbericht der Drogenbeauftragten der Bundesreigierung 9,5 Mio. Menschen in Deutschland Alkohol in gesundheitlich riskanten Mengen konsumieren, etwa 1,3 Mio. Menschen als alkoholabhängig gelten müßen, und rund 300.000 Menschen jährlich an den Folgen dieses Konsums sterben, macht Mann sich gleichzeitig "große Sorgen" um die Gesundheit von Menschen die von willkürlich illegalisierten Drogen abhängig sind..

Durch diese illegalen Drogen sterben jährlich etwa 1,000 Menschen..

Gleichzeitig konnte noch nie der Drogentod eines Menschen ursächlich mit Cannabis-Konsum in Verbindung gebracht werden..

Gleichwohl wird Cannabis illegalisert..

Dabei kann Cannabis bei Menschen mit chronischen Krankheiten wie Multiple Sklerose HIV-Infektionen, psychische Störungen aus dem schizoidem Formenkreis, Tourette-Syndrom, und vielen Krebs-Patienten nicht nur schmerzlindernd, symptom-reduzierend oder appetitfördernd wirken, und damit helfen, das Leben dieser kranken Menschen ein Stück erträglich und frei zu gestalten..

Es ist qausi nebenwirkungsfrei..
Wenn Mann es mit den oft fatalen Nebenwirkungen anderer chemisch produzierter Medikamente vergleicht, sogar völlig..

Daneben ist es kostengünstig zu produzieren, wäre da nicht die das Problem mit der Illegalität..

Diese Problematik allerdings führt im Endeffekt zu einer Diskriminierung erkrankter Menschen, die so keinesfalls hinnehmbar ist..

Das Krankenkassen sich weigern die Kosten für Cannabis-Therapien zu übernehmen, gleichzeitig aber Milliarden aufwenden um Alkoholsucht und dessen Folgen zu behandeln, oft einen Entzug nach dem anderem zu finanzieren, während andere Drogensüchtigen die Kostenübernahme ziemlich erschwert wird, ist ein Skandal, der fast nicht zu überbieten ist..

Das Urteil des OVG-Münster ist daher ein Erfolg, und sollte in der Konsequenz dazu führen diese Problematik bis in die letzte Konsequenz zu klären..

Es kann doch nicht sein das Menschen auf verfügbare Therapien verzichten müßen, weil an den Schaltstellen der Krankenkassen und des BfArM Betonköpfe sitzen die von Fachwissen unbeeindruckt Entscheidungen fällen die niemandem nutzen..


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#2
28.02.2013
23:36:12


(-1, 1 Vote)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Vielleicht kann man ja die Reiche mit Cannabis gefügig machen und zur homophilen "umpolen"?


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