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Rechtsanwalt Dr. Wollenweber (li.) und der geschasste OSK-Mitarbeiter Stefan Susberg am Donnerstag in Köln (Bild: Foto: Susbauer / Scheuß, Montage: queer.de)

Ein schwuler PR-Manager klagt gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber. Am Donnerstag traf man sich vor dem Kölner Arbeitsgericht. Ein Fall mit viel schmutziger Wäsche.

Von Christian Scheuß

Für einen "Gerichtssaal" scheint es keine gesetzlich vorgeschriebene Mindestgröße zu geben; Der Saal 102 am Kölner Arbeitsgericht ist definitiv zu klein, um ausreichend Platz für alle zu bieten, die am Donnerstagmorgen an der um 9:15 Uhr beginnenden öffentlichen Verhandlung teilnehmen. Der Fall Susbauer gegen Schrott, ein schwuler PR-Manager gegen seinen ehemaligen Geschäftsfreund Oliver Schrott, hat bereits in der Presse viel Wirbel verursacht. Es steht unter anderem der Vorwurf der sexuellen Belästigung durch Susbauer an seinem Arbeitsplatz in Peking im Raum. Die Richterin dagegen hat einen ganz anderen Aspekt des Rechtsstreits im Fokus: "Wir behandeln hier heute ausschließlich die Frage, ob ein festes Arbeitsverhältnis bestand. Das kann ich hier nicht erkennen."

Der 45-jährige PR-Manager Susbauer und der 50-jährige Agenturleiter Oliver Schrott kennen sich seit Jahrzehnten, arbeiten mindestens ebenso lang vertrauensvoll zusammen. Die Kölner PR-Agentur OSK gilt in der Branche als erfolgreicher Aufsteiger im hart umkämpften wie stockkonservativen Markt der Automobilindustrie. Als der Stuttgarter Automobilhersteller Daimler, einer der Hauptauftraggeber der Agentur, beschließt, das Geschäft in China auszubauen, geht OSK 2010 mit einer Zweigstelle nach Peking. Und schickt Susbauer als deren Vertreter hinterher.

Gesichts- und Auftragsverlust wegen eines "Lebensstils"?


Dieses Foto von der Mercedes Fashion Week in Peking sollte den "ausschweifenden Lebensstil" Susbauers belegen (Bild: privat)

Laut Susbauer begann der Ärger Anfang 2012: Oliver Schrott habe ihm erklärt, man müsse sich leider von ihm trennen, da sich die Leiterin der Unternehmenskommunikation Daimler Northeast-Asia über Susbauers "Lebensstil" beschwert habe. Sie würde ihr "Gesicht verlieren", wenn sie weiter mit einem homosexuellen Mann zusammenarbeiten müsse, der in China noch vor ein paar Jahren wegen seiner Homosexualität ins Gefängnis gekommen wäre. Und sie habe mit einem Auftragsentzug gedroht.

OSK wurde 2004 mit dem "Top Job"-Siegel als einer der 100 besten mittelständischen Arbeitgeber Deutschlands ausgezeichnet. In der Begründung dieser Branchenauszeichnung hieß es: "Die Firmenkultur wird von offenen Türen und persönlichen Gesprächen geprägt. Statt auf 'hire and fire' setzt man bei Oliver Schrott auf die Hege und Pflege des Mitarbeiterbestandes." Gilt das mit der Hege und Pflege nur, bis ein homophober Geschäftspartner auf den Plan tritt? Susbauer ist schwer enttäuscht: "ich hätte erwartet, dass sich mein Arbeitgeber vor mich stellt."

Aber es kommt noch schlimmer. Ein halbes Jahr später tauchen in den anwältlichen Schriftsätzen der OSK vermeintliche Belege für Susbauers Fehlverhalten auf, die die Daimler-Frau auf die Palme gebracht hätten und die eine Kündigung rechtfertigen würden. Zitat:

"Die Nachforschungen haben ergeben, dass der Kläger – neben anderen Vorwürfen – im Kreise der Mitarbeiter der OSK Peking unaufgefordert eindeutige Fotos von einer sogenannten Gayparty vorgezeigt hat. Zudem erfuhr die Beklagte, dass der Kläger dem Lebenspartner eines Mitarbeiters unaufgefordert eindeutige Avancen gemacht hat." Und an anderer Stelle: "Gemessen an den in China geltenden gesellschaftlichen Maßstäben hat der Kläger in unangebrachter Weise sein ausschweifendes Privat- und Sexualleben unaufgefordert öffentlich dargeboten."

Für Susbauer ist das Maß voll: "Bei dem erwähnten Foto handelt es sich um völlig harmlose Aufnahmen einer Veranstaltung im Rahmen der Mercedes-Benz Fashion Week in Peking, zu der ich als Gast eingeladen war." Susbauer erzählt, dass er sich zu den szenefernen Schwulen zählt. Offen seit er 19 Jahre alt ist, seit langem mit seinem Mann zusammen und verpartnert. Schwule Partys und selbst den Kölner CSD habe er bislang nicht besucht. Ausschweifungen habe es keine gegeben. "Ich erwarte von Oliver Schrott mindestens eine Entschuldigung für diese Schmutzkampagne."

15 Uhr: Zwei Gewinner beim Arbeitsgerichtsverfahren


Nach dem Gerichtstermin: OSK-Chef Schrott (li.) und Stefan Susbauer diskutieren weiter (Bild: CS)

Keine 30 Minuten währt die Verhandlung, die Richterin zieht sich mit den zwei ehrenamtlichen Richterkollegen zur Beratung zurück und verkündet eine Urteilsverkündung für den Nachmittag an. Auf den Fluren vor Saal 102 kocht die Diskussion jedoch noch eine Weile weiter. Susbauers Mutter geht auf Oliver Schrott zu und verteidigt ihren Sohn etwas zu vehement: "Mein Stefan ist so was von asexuell, wie können sie glauben, er würde andere belästigen?" Gegenüber der Presse verteidigen Schrott und sein Anwalt ihr Vorgehen: Die Hauptgründe für die Trennung seien andere gewesen, es habe Unterschlagungen gegeben bei Spesenabrechnungen. Von einem schlechten Führungsstil ist die Rede. Schrott, der auf der Unternehmenswebsite sein ausschweifendes Privatleben unaufgefordert ausbreitet ("Verheiratet, zwei Kinder. Liest Bücher wie ein Staubsauger.") sieht sich als Opfer einer von Susbauer inszenierten Medienkampagne: "Die Artikel bei Bild und 'W & V' machen es jetzt schwierig, sich gütlich zu einigen." Die chinesische Daimler-Mitarbeiterin, so betont er gegenüber queer.de, habe nicht diskriminiert. "Auch ich oder mein Unternehmen diskriminieren keine homosexuellen Mitarbeiter."

Einigen müssen sich die zwei nicht nur in der Frage der Gehaltszahlungen in Höhe von 30.000 Euro. Vor dem Landgericht gibt es ein weiteres Verfahren, in dem beurteilt werden muss, welchen Wert die von Susbauer eingebrachten Assets aus seiner eigenständigen Agenturarbeit haben, die er im Rahmen der langjährigen Zusammenarbeit an die OSK GmbH übergeben hat, ohne dies ausreichend vertraglich zu fixieren. Hier liegt der Streitwert bei 400.000 Euro.

Das Urteil steht gegen 15 Uhr fest und wird im Internet veröffentlicht. Die Richterin weist die Klage als solche ab, setzt aber auch fest, wieviel Gehalt noch zu zahlen ist: "Es wird festgestellt, dass das Vertragsverhältnis der Parteien durch die Kündigung der Beklagten vom 27. April 2012 nicht vor dem 31. Mai 2012 aufgelöst wurde. Die Beklagte wird verurteilt, an den Kläger 30.000,00 € nebst Zinsen in Höhe von 5 Prozentpunkten über dem Basiszinssatz seit dem 06. Februar 2013 zu zahlen." Kurz darauf eine SMS. Oliver Schrott bietet ein Gespräch über eine gütliche Einigung an.

Möglich, dass die Entschuldigung und die Wiederherstellung des Rufs, wie sie Stefan Susbauer nach wie vor fordert, in greifbare Nähe gerückt ist. Es bleiben jedoch Fragen. So hat sich die zuständige Beschwerdestelle bei Daimler trotz Anfrage von Susbauer bislang nicht zum Fall geäußert. Daimler hat wie viele andere große Unternehmen auch, eigene Diversity-Regeln aufgestellt, die Diskriminierungen verhindern sollen und die weltweit gelten.

Die Broschüre über Daimlers Diversity-Aktivitäten hat übrigens eine Kölner PR-Agentur gestaltet. Ihr Name: OSK…



#1 Aus Bad HomburgAnonym
  • 28.02.2013, 18:36h
  • Gut, dass Herr Susbauer gewonnen hat. Sonst ein Argument mehr, dass coming out immer noch ein gewisses Risiko, und deshalb besser zu vermeiden ist (ganz besonders in einem 'maskulinen' Umfeld).
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#2 KurkonzertAnonym
#3 KampfsportAnonym
#4 TheDadProfil
  • 28.02.2013, 19:13hHannover
  • ""die Leiterin der Unternehmenskommunikation Daimler Northeast-Asia über Susbauers "Lebensstil" beschwert habe. Sie würde ihr "Gesicht verlieren", wenn sie weiter mit einem homosexuellen Mann zusammenarbeiten müsse, der in China noch vor ein paar Jahren wegen seiner Homosexualität ins Gefängnis gekommen wäre. Und sie habe mit einem Auftragsentzug gedroht""..

    Ich möchte drum wetten, diese "Leiterin" hat den Susbauer angegraben und ist natürlich abgewiesen worden..

    Mann könnte kotzen..
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#5 Johannes XLAnonym
#6 Timm JohannesAnonym
  • 28.02.2013, 19:27h
  • Na da hat aber die Dame bei Mercedes Benz einen Schaden für ihr Unternehmen hinterlassen und verursacht.

    Das kommt bei der deutschen Bevölkerung überhaupt nicht gut an, was sie dort abliefert, wenn sie chinesische Standards im Arbeitsrecht anwenden will.

    Ist natürlich ägerlich für sie, wenn ein Mitarbeiter schwul ist, und sie dann schlecht selbst "sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz" geltend machen kann ("wird dann in solchen Fällen immer gern gemacht und eine beliebte Waffe von Frauen gegenüber männlichen heterosexuellen Mitbewerbern").

    Und eines sollte diese Dame schleunigst begreifen, dass die Rechtstandards von Deutschland gelten, soweit es sich um deutsche Firmen handelt, und nicht um die Standards, die in China herrschen.

    Wie heißt denn diese Dame mit Namen, das hätte ich gern hier erfahren ? Der würde ich gerne eine Mail nach Mercedes an Ihr Unternehmen und deren Presseabteilung schicken. Und wer profitiert davon, dass jetzt Mercedes Benz einen Imageschaden erlitten hat ? Hat Sie dies überhaupt bedacht, das Ihr Verhalten dem Unternehmen Schaden bereiten wird ? Aber das war Ihr wahrscheinlich ganz egal. Oder wurde sie heimlich von der Konkurrenz anderer Autofirmen bezahlt... man weiß das ja nie so genau in solchen Fällen.
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#7 Leo GAnonym
#8 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 28.02.2013, 23:15h
  • Natürlich hat die chinesische Mitarbeiterin Herrn Susbauer diskriminiert! Und dehsalb hat er sowas von verdient den Prozeß gewonnen und kann sich nun über ein hübsches Sümmchen freuen!
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#9 Harry1972Profil
  • 01.03.2013, 06:07hBad Oeynhausen
  • In dem Prozess ging es doch überhaupt nicht darum, ob er als Schwuler diskriminiert wurde oder nicht. Eure Freude ist also unbegründet.
    Es wurde lediglich darüber verhandelt, ob der Herr Susbauer in einem festen Arbeitsverhältnis stand und welche Summe ihm für seine Arbeit noch zu zahlen ist.
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#10 GesetzeAnonym
  • 01.03.2013, 10:50h
  • Es liegt an Gesetzen. Französische sind anders, chinesische auch anders. Deutsche auch. Oder holländische. Je höher, desto besser. Küssen.
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