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Gezielte Kampagne oder homophobe Einzelausfälle?

"Bild" macht Stimmung gegen Gleichstellung


Die "Bild" zeigte am Mittwoch selbst Mut, als sie diesen gewagten Text zur homophoben Politikerin Katherina Reiche veröffentlichte

Das Blatt verteidigt Katherina Reiche als "Mutter Courage" und veröffentlicht suggestive Umfragen, die eine Zustimmung zur Homo-Ehe geringer erscheinen lassen.

Von Norbert Blech

War das Kanzleramt am Telefon? Oder will Springer der Union von sich aus helfen? Noch am Sonntag hatte die "Bild"-Zeitung einen sehr wohlwollenden Kommentar zur Gleichstellung von Lebenspartnerschaften veröffentlicht. Doch nun scheint eine Kampagne gegen die Gleichstellung begonnen zu haben. Jedenfalls brachte das Springer-Blatt am Mittwoch gleich zwei merkwürdige Texte, die den Kurs der Union zu verteidigen und indirekt zu unterstützen suchen.

In dem ersten Artikel wird die Gleichstellungsgegnerin Katherina Reiche als "Mutter mit Courage" gefeiert. Während die Union zum Thema Homo-Ehe "schweigt" (Äh, hallo?!? Haben nur wir Homos all die negativen Stimmen der letzten Wochen wahr genommen?), "kämpft" Reiche, so das Blatt anerkennend.

Der Text ist eine ärgerliche Hochstilisierung, wie man sie sonst von PI kennt: Aus dem Schüren von Vorurteilen wird der vermeintlich einsame, gar heldenhafte Kampf gegen angebliche Gefahren für die Gesellschaft. Die "blitzgescheite" (Äh, hallo?!?) Politikerin melde sich zu Wort, wenn "im allgemeinen Gleichstellungsübereifer die klassische Familie unter die Räder zu kommen droht", heißt es etwa.

Homophobie? Reichephobie!


Auch privat stellt sich der "Bild"-Autor gegen die Gleichstellung

Reiches wirren wie homophoben Thesen wird nicht widersprochen. Kein Wunder: "Bild"-Autor Ralf Schuler schreibt selbst in seinem Blog gegen die Gleichstellung an: "Die Anerkennung und Respektierung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften bedeutet eben nicht, dass man sie wider besseres Wissen für komplett gleichartig erklären muss", so der frühere Träger des Theodor-Wolff-Preises. "Es bedeutet auch nicht, dass Homo-Paare in ihrem ultimativen Drang, Kinder großziehen zu wollen, die sie selbst nicht bekommen können, an fordernder Aggressivität kinderlose Ehepaare in den Schatten stellen dürften."

In dem "Bild"-Text schafft es Schuler zudem, Reiche zum Opfer zu machen. Bereits 2012, als die Politikerin erstmals schwadronierte, dass die Zukunft nur in der klassischen Ehe liege (queer.de berichtete), "wurde Reiches Facebook-Seite mit einem wahren Shitstorm lahmgelegt und musste vom Netz genommen werden", bedauert er. "Von Nazi-Vergleichen bis zur Beleidigung ihrer Familie" habe sie viel aushalten müssen, sich aber nicht "beirren" lassen.

Nun seien "es vor allem Homo-Aktivisten, die Katherina Reiche in [die] rechtsradikale Ecke stellen wollen und auch nach der 'Jauch'-Sendung wieder mit Hass-Mails überzogen", bemerkt Schuler, um dann fettgedruckt zu kommentierten: "Die Toleranz, die sie für sich einfordern, gilt offenbar nicht für andere Standpunkte."

"Rechtsrandgebiet" und rechter Rand


Bei Günter Jauch hatte Reiche von der Gleichstellung als "Rechtsrandgebiet" gesprochen

Diese Verteidigung setzt freilich voraus, dass Reiche einen Standpunkt hätte. Doch die oft wiederholten Thesen von Reiche reichen nicht über diffuse Ängste hinaus. "Wir senden mit der Homo-Ehe ein falsches Signal", sagte Reiche am Sonntag im Talk bei Günter Jauch (queer.de berichtete), was "Bild" nun wiederholte. "Es geht darum, was noch übrig bleibt von Ehe und Familie, wenn homosexuelle Paare bei Ehegattensplitting und Adoptionsrecht die gleichen Rechte bekommen."

Bereits in der Sendung konnte Reiche auf Rückfragen nicht antworten, was Lebenspartner denn konkret Eheleuten weg nehmen und wie sie gar ernsthaft die Zukunft Deutschlands gefährden würden. Die Frage lässt Reiche immer wieder anklingen und erinnert dabei tatsächlich an die Argumentationskette im Dritten Reich, die zur Verfolgung Homosexueller führte. Hinter den "Standpunkten" steckt nicht mehr als vorurteilsgesteuerte Demagogie – von "Bild" hier bewusst ohne Distanzierung verbreitet.

Umfrage zu Vater, Mutter, Kind

Zugleich machte das Blatt am Mittwoch in einem zweiten Artikel mit gekonnten Umfragen zusätzlich Druck gegen die Gleichstellung.

Mehrere Umfragen hatten in den letzten Wochen ergeben, dass rund drei Viertel der Deutschen für eine Gleichstellung sind (queer.de berichtete). Das verschwieg die Zeitung heute und fragte hingegen nach der "besten Form der Familie": 68 Prozent stimmten zu, dass "Vater-Mutter-Kind" die beste Form sei (wonach sonst gefragt wurde, blieb unklar).

"Bild" nutzte das als Steilvorlage, um ein Zitat von CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt zu bringen: "Unsere Gesellschaft will, dass Ehe und Familie die Normalität und etwas Besonderes bleiben und nicht mit allem anderen auf eine Stufe gestellt werden." Als einziges "Gegenargument" wurde gebracht, dass Guido Westerwelle "sehr enttäuscht" über den Koalitionspartner sei.

Zugleich wurde gefragt, ob Homosexualität in den deutschen Medien "'zu viel Aufmerksamkeit' gewährt" werde (!). Das Ergebnis, in dieser Reihenfolge: "Insgesamt 44 Prozent stimmen diesem Satz zu, 49 Prozent stimmen ihm nicht zu." Fast 58 Prozent der Befragten waren der Meinung, dass Homosexuelle in Deutschland nicht "als vollwertige Bürger" behandelt werden. Nicht gefragt wurde, ob man dies befürworte oder kritisiere.



#1 DemokratieAnonym
#2 yomenAnonym
  • 06.03.2013, 21:26h
  • bild übersieht hier eines:

    wer gegen homos aggitiert, geht auch gegen alle anderen minderheiten vor.

    es ist eben nicht "nur" ein kampf der homos, sondern ein kampf FÜR die gleichheit ALLER!

    aber das versteht ein bildredakteur ganz sicher nicht, weil zu komplex gedacht.
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#3 goddamn liberalAnonym
  • 06.03.2013, 21:36h
  • Liebe Leute,

    es wird Zeit, dass wir die Feinde bei ihrem richtigen Namen nennen.

    Die sind nicht konservativ. Die sind verfassungswidrig und mokieren sich über das Verfassungsgericht.

    Im Bierzelt 'Bild' wie in der 'Belle Etage' 'FAZ'.

    Nicht Shitstorms sind da die richtige Antwort, sondern das standfeste Auftreten wehrhafter Demokraten gegenüber inhumanen und unmoralischen Gestalten, die schamlos ihren Untermenschenfantasien nachgehen.
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#4 Die KattiAnonym
#5 ChristineAnonym
  • 06.03.2013, 22:06h
  • Antwort auf #3 von goddamn liberal
  • Ich bitte alle Medien, die um die besondere deutsche Geschichte wissen und die aktuelle weltweite Menschenrechtsbewegung zur Gleichstellung sexueller Minderheiten aufmerksam verfolgen, auch in unserem Land einzutreten für gleiche Rechte von Schwulen und Lesben.
    Wenn die deutsche Bevölkerung in seriösen Umfragen mit großer Mehrheit für die Gleichstellung und Eheöffnung votiert, dann darf man es nicht reaktionären Meinungsmachern überlassen, den Konfrontationskurs von CDU/CSU gegen das Bundesverfassungsgericht und vor allem gegen die betroffene Minderheit zu unterstützen.
    Bitte entlarvt die widerliche Strategie der Springer-Zeitungen, der FAZ und sonstiger Vatikan-verbundener Blätter.
    Es ist Zeit, Flagge für eine moderne Demokratie mit Geschichtsbewusstsein zu zeigen!
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#6 alexander
  • 06.03.2013, 22:13h
  • sich zur BLÖD zu äussern erübrigt sich !
    es reicht schon das die BamS als sprachrohr unserer politiker fungiert, was eigentlich schon alles über unsere ehemalige bananenrepublik aussagt, denn jetzt sind wir schon zu GROTTENOLMEN verkommen, in jeder beziehung !
    wir müssen uns auf der gesamten welt, für unsere politiker schämen! für die bösartige manipulation unserer "sogenannten presseorgane sowieso" !
    das nenne ich doch mal gelebte demokratie ???
    diese unsägliche, "blitzgescheite" reiche, wird jetzt noch zur ikone stilisiert, sie braucht nur noch einen neuen stylist, der sie ähnlich wie frigide barjot AUFBAUT ?!!!!!
    mir ist diese widerliche person mehr als suspekt, zumal ihre vita eigentlich alle vorraussetzungen für ihre haltung vermissen lässt ? sie war doch die bessere dorfmatratze," beine hoch die liebe kommt ", in ihrer ach so schmucken erzkatholischen heimat ? und jetzt schon fast "europäische politikerin"???
    WER HAT NUR DIESE "DORFPLUNZE" INS RENNEN GESCHICKT ??? jemand der sie endgültig loswerden will, wäre ja in dieser partei nichts neues! dieses unsägliche dumme, aber abgebrühte WEIBCHEN, gönne ich keinem mann, der kann sich nur sofort kastrieren lassen!
    dieses mistweib ist die inkarnation des albtraumes eines jeden mannes, abgebrüht, berechnend und geht über leichen !
    das bisserl fickerchen hält sie schon, neuerdings ehelich aus, hauptsache es bringt ihr vorteile !
    wie sagten schon die feministinnen der 70iger, ehefrauen sind die billigsten nutten, die sich ein mann wünschen kann !!!!! (alles kann nach hinten losgehen ?)
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#7 alexander
  • 06.03.2013, 22:32h
  • Antwort auf #5 von Christine
  • liebe christine, du hast nur allzu recht !
    WIR MÜSSEN UNS GEGEN DIESE ÖFFENTLICHEN ANFEINDUNGEN WEITAUS MEHR ZUR WEHR SETZEN!
    denn wie wir ja jeden tag auf das neue erleben müssen, werden wir immer noch als wehrlose, feige tunten abgetan, die das maul zu halten haben, weil es ihnen ja ohnehin schon viel zu gut geht !
    die realität sieht leider anders aus, wir ruhen uns schon wieder einmal auf dem letzten gerichtsurteil aus und warten auf das nächste ???
    SO GEHT ES AUCH NICHT !!!
    denn wir erleben jeden tag den neuen frust, kaum haben wir ein kleines stückchen erreicht, macht diese mischpoke, nach reiflicher überlegung, siehe angie! schon wieder front gegen uns und bricht auch noch gesetze !??
    wie kann das in einer demokratie möglich sein ???
    wir sind gezwungen, noch mehr an die öffentlichkeit zu gehen und diese, unsere gegner, auch öffentlich anzuprangern !
    denn diese art, mit uns umzugehen, hat doch nun wohl den höhepunkt erreicht, wie sollen WIR DAS NOCH TOLERIEREN???
    hier hilft nur noch ganz massive gegenwehr !
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#8 Foxie
  • 06.03.2013, 22:38h

  • Das die Reiche und BLÖD sich in ultrareaktionärer Dumpfheit und Niveaulosigkeit trefflich ergänzen, ist ja klar. Aber diese Wortschöpfung
    "Rechtsrandgebiet" ist eine Beleidigung!!!
    Was für Assoziationen weckt das beim gewöhnlichen BILD-Konsumenten?
    "Aha. Am Rand des Rechtes, schon fast illegal, diese Homos!"
    Oder: "Die sind irgendwie rechts - extrem?"
    Klar, BILD-Leser wissen immer Bescheid!
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#9 LucaAnonym
  • 06.03.2013, 22:38h
  • Die Bild-Zeitung halt.

    Die Springer-Presse war doch immer schon erzkonservativ und hat irgendwelchen rechten Stammtischen nach dem Mund geredet, weil man damit halt Auflage machen kann.
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#10 HinnerkAnonym
  • 06.03.2013, 22:53h
  • Wäre es nicht so traurig, könnte man über so viel Dummheit nur noch lachen:
    rechte Hetzer behandeln uns wie Untermenschen und wenn man dies deutlich und offen benennt, dann sind plötzlich wir die Bösen und Merkel, Reiche, Seehofer & Co sind die armen Opfer...

    Welche Wahrnehmungsstörungen muss man haben, um so verklärten Schwachsinn zu erzählen?

    Die sind dieselben Menschen, die sagen, Vergewaltigungsopfer hätten sich bestimmt sehr aufreizend verhalten.

    So ein Pack muss endlich die Konsequenzen für seine Hetze tragen.
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