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Einzelkommentar zu:
Gebt Rocco Buttiglione eine Chance!


#3 HannahAnonym
  • 25.10.2004, 18:56h
  • @ Micha Schulze:

    Ich wäre die letzte, die dagegen ist, anderen Menschen eine zweite Chance zu geben. Es ist aber nicht so, dass Buttiglione seine Meinung relativiert hat, sondern er hat nur halbseidene Erklärungen vorgebracht, die seine Position retten sollen, aber keine wirkliche Läuterung darstellen.

    Jetzt kann man natürlich noch fragen, inwiefern das Äußern seiner Meinung unter die freie Meinungsäußerung fällt, aber auch da vergisst Ihre Argumentation zwei wichtige Aspekte:
    1. Persönliche Freiheit findet ihre Grenzen immer da, wo die Freiheit anderer tangiert wird. Ansonsten hätten wir keine demokratischen Freiheiten mehr, sondern das Recht des Stärkeren, das diese Freiheiten gerade zu verhindern suchen. Das was Buttiglione gesagt hat war nicht, dass er selbst nicht schwul sein möchte, sondern er hat ganz massiv gegen Schwule und Lesben gewettert und zwar in einer Form und Schärfe, die all den homofeindlichen Schlägern neue Rechtfertigung geben.

    2. Gerade Politiker dürfen nicht vergessen, dass sie eine gewisse Vorbildfunktion erfüllen sollten (auch wenn das immer seltener der Fall ist). Buttiglione hat sich hier nicht privat im Kreis seiner Bekannten geäußert (selbst dies würde schon gegen seine Vorbildfunktion sprechen), sondern hat sich offiziell als Politiker geäußert. Und da sind diese Äußerungen untragbar. Auch wenn er nicht direkt zu Gewalt aufgerufen hat, sind es solche Äußerungen, die bestimmten gewaltbereiten Kreisen die Rechtfertigung für ihre Taten liefern. (Von weiterer Diskriminierung ohne physische Gewalt nicht zu sprechen.)

    Mal eine Gegenfrage: würde sich ein Politiker (egal ob privat oder offiziell) abfällig über Schwarze oder über Juden äußern, würden Sie dann auch argumentieren, dass das zur "europäischen Vielfalt" gehört und dass man sich nur daran messen lassen muss, ob man diese Meinung nur privat hat oder auch seine Politik daran ausrichtet? Inwiefern kann ein Politiker solche Gesinnungen überhaupt im Amt außen vorhalten?

    Selbst wenn Herr Buttiglione die rechtlichen Regelungen nicht wieder zurücknimmt, ist es damit nicht getan - wir brauchen weitere Verbesserungen. Und kann jemand, der zutiefst davon überzeugt ist, dass Homosexualiträt abartig ist, dies wirklich leisten? Und mal angenommen, er würde dies wirklich gegen seine Überzeugung tun, wie zuverlässig ist so ein Politiker, der Machterhalt über seine tiefsten Überzeugungen stellt? Ja, er darf ruhig seine Meinung behalten, aber damit ist er nunmal für das Amt ungeeignet.

    Sind wir Homosexuellen schon so weichgekocht und frustriert, dass wir uns schon mit weniger als völliger Gleichstellung zufrieden stellen. Wenn Dinge, die man über andere Minderheiten nicht sagen dürfte von uns toleriert werden, wie können wir dann ernsthaft erwarten, dass sich noch irgendjemand für unsere Belange einsetzt und dass sich wirklich mal etwas ändert?

    Und Herr Schulze, unabhängig von diesen sachlichen Aspekten finde ich es schon fast unverschämt, dass sie Herrn Buttigliones Äußerungen zwar als "freie Meinungsäußerung"b (erfolglos) zu rechtfertigen versuchen, aber bei SPD, Grünen und Liberalen von "gespielter Empörung" und "an Heuchelei nicht zu überbieten" sprechen. Mal angesehen davon, dass man überlegen kann, wessen Meinung in dieser Frage wirklich christlicher und humaner ist und eher mit freier Meinung zu tun hat - fällt die Empörung dieser Gruppen nicht auch unter die "freie Meinungsäußerung", selbst wenn sie übertreiben WÄRE (was sie meiner Meinung nach keinesfalls ist).

    Ich finde es schon verwunderlich, dass ausgerechnet ein queer.de-Redakteur schwulenfeindliche Äußerungen (noch dazu von Politikern in entsprechenden Positionen, die für weitere Diskriminierung und Gewalt mit verantwortlich zu machen sind) unter die freie Meinungsäußerung fassen, aber andere Gegenpositionen als heuchlerisch und gespielt runterspielen. Ahnen sie wirklich die Tragkraft ihrer Äußerungen?
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