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  • 26. Oktober 2004, noch kein Kommentar

Der Prozess wegen Kindesmissbrauchs beginnt für Michael Jackson im Januar. Ist die neue CD-Box "Ultimate Collection" ein Ablenkungsmanöver oder musikalische Genialität?

Von Jan Gebauer

Er ist fast so lange im Showbusiness, wie er Lebensjahre zählt, beeinflusst seit vier Jahrzehnten den Lauf der afroamerikanischen Musikkultur genauso wie die internationale Popmusik und hat nicht nur einmal extravagante Standards gesetzt: Michael Jackson. Dagegen stehen immer wiederkehrende Skandale, wie die Vorwürfe wegen Kindesmissbrauchs, seine kosmetischen Operationen, sein nebulöses Beziehungsleben sowie die fragliche Erziehung seiner zwei Kinder. Im Januar soll er nach derzeitigem Stand wieder vor Gericht erscheinen, denn dann beginnt der Prozess wegen Kindesmissbrauchs. Ob sich seine Karriere irgendwann von diesen erneuten Vorwürfen erholt, dürfte fraglich sein. Am 15. November versucht der "King of Pop" etwas, um auch musikalisch nicht aus den Schlagzeilen zu geraten. Nachdem das Album "Invincible" (2001) weit hinter den Erwartungen zurückblieb und das Best-of-Album "Number Ones" sich mehr schlecht als recht verkaufte, legt Michael Jackson nun das lang erwartete Box-Set vor.

Über sechs Stunden Spielzeit präsentiert die üppig-luxuriös verpackte 4CD- und 1DVD-Retrospektive "The Ultimate Collection" - die erste Komplett-Karriereübersicht - von den Anfängen als Mitglied der Jackson 5 über den Aufstieg zum Superstar Ende der siebziger Jahre bis hin zur jüngsten Vergangenheit. Die meisten Solo-Hits aus Erfolgsalben wie "Off The Wall" (1979), "Thriller" (1982), "Bad" (1987) und "Dangerous" (1991) sind vertreten und ergänzen sich mit Rarem und Unveröffentlichtem aus den Archiven, darunter zahlreiche Demoaufnahmen und "Work-In-Progress"-Versionen. CD eins ist mit 19 Titeln ordentlich ausgestattet, auch wenn die tollen Jackson-5-Zeiten etwas zu kurz kommen, sein zweiter Solo-Hit "Rockin’ Robin" fehlt und schöne Titel wie "One Day In Your Life" übergangen wurden. Die Song-Auswahl konzentriert sich anscheinend vollends auf den amerikanischen Markt, wo letztgenannter Song nicht so abräumte wie auf dem englischen (Platz eins im Jahre 1981). Zur Freude der queer.de-Musik-Redaktion ist aber die seltene Single "Ease On Down The Road" aus Michaels misslungenem Kino-Debüt "The Wiz" (1978) enthalten.

Bei CD zwei beginnt dann ein großes Problem der Box, denn zu wenig Songs wurden auf die Tonträger gepresst: Nur elf Titel, davon immerhin vier unveröffentlicht. "Say Say Say" mit Paul McCartney, 1983 sein zweiter Welterfolg mit dem Ex-Beatle und sechs Wochen auf Platz eins (seine drittlängste Platzierung in den USA) fehlt gänzlich und rare Nummern wie das Duett mit Stevie Wonder ("Get It", als Single 1988 ein Flop) wurden ebenfalls nicht berücksichtigt. Deutsche Fans dürfte auch die Abwesenheit seiner beiden einzigen Nummer-eins-Hits hierzulande, "Earth Song" (1995) und "They Don’t Care About Us" (1996), verblüffen. Aber vielleicht steckt hinter so mancher Auslassung der Gedanke, nicht den Abverkauf der anderen Veröffentlichungen von Michael Jackson zu schaden, denn die könnten ja überflüssig werden; schließlich koppelte der maskenhaft wirkende Entertainer fast den kompletten Titel-Bestand aus seinen Alben als Single aus. Mit einem bis dato nicht erhältlichen Konzert-Mitschnitt wartet schließlich die Zusatz-DVD auf: "Live In Concert In Bucharest - The Dangerous Tour", die eine seiner beeindruckenden Shows zum Besten gibt. Das beigelegte 64-seitige, lederne "Display-Panel-Book" enthält unter Anderem rares und unveröffentlichtes Fotomaterial, sowie eine ausführliche Zeitleiste und komplette Diskografie und dürfte ebenso wie die DVD zu den Pluspunkten des Box-Sets gehören. Seine Musik war unbestreitbar perfekter Pop- und Disco-Sound am Puls der Zeit, auch wenn er den Anschluss in den letzten Jahren etwas verloren hat. Schade, dass einige Lücken das Gesamtwerk etwas oberflächlich erscheinen lassen.

26. Oktober 2004