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Ist sie nicht niedlich? Bridge Markland macht uns das Gretchen, lässt Goethe auf Madonna treffen (Bild: Sommerblut / Dirk Holtkamp-Endemann)

Das kommende "Festival der Multipolarkultur" in Köln beschäftigt sich im Schwerpunkt mit Fluchten aller Art. Und mit Gender-Identitäten.

Rund 70 Veranstaltungen, 40 Veranstaltungsorte, über 400 Künstler – das Kölner Sommerblut Kulturfestival geht im Mai 2013 den gewohnt vielfältigen Weg eines genreübergreifenden Programms: Veranstaltungen in den Bereichen Theater, Tanz, Literatur, Musik, Film und in der Kombination aller Genres. Dazwischen traditionell auch viel Queeres. Inhaltlicher Schwerpunkt ist in diesem Jahr das Thema Flucht. Das komplette Programm wurde am Mittwoch von Festivalleiter Rolf Emmerich und seinem Team vorgestellt.

Homosexualität – In vielen Ländern ein Fluchtgrund


Sex im Comic – Andreas Knigge kennt sich aus (Bild: Andreas Knigge)

Die Dokumentation "A Jihad for Love – Dschihad für die Liebe" von 2007 passt perfekt in diese Klammer "Queer – Flucht". Regisseur Parvez Sharma zeigt uns in Porträts die Lebens- und Erfahrungswelten homosexueller gläubiger Muslime, von denen viele wegen der drohenden Strafen ihre Heimat und Familien verlassen mussten.

Eine der Spezialitäten von Sommerblut ist die Infragestellung eingefahrener Sichtweisen und das lustvolle Umräumen in alten Schubladen. Das merkt man auch an den Programmpunkten, die sich eher an ein LGBT-Publikum richten. Der Performancekünstler Morgan Nardi beschäftigt sich in seinem Tanzstück "3rd" mit dem Mythos Sexualität in Verbindung mit der Frage nach dem sozialen und biologischen Geschlecht. In der Ausstellung "Zwischen Frau und Mann sind viele Geschlechter" wird Intersexualität beleuchtet. Und Bridge Markland – die Expertin per excellence für queere Genderfragen geht ganz neue Wege: Mit Hilfe von Handpuppen inszeniert sie Goethes "Faust" für die Generation Popmusik und begegnet dabei unter anderem Madonna und Queen.

Schönheitsideale und Gender-Identitäten auf dem Prüfstand


Patrick Anderthalb: Schwules Elternpaar adoptiert homophoben Teenager (Bild: Mayer Originals)

Passend zum aktuell diskutierten Thema Adoption bei lesbisch-schwulen Paaren zeigt die "Comedia" die Theaterversion der Komödie "Patrick Anderthalb", in dem ein Teenager plötzlich schwulen Adoptionseltern gegenübersteht. Der Kabarettist kehrt in "Der zerfallene Engel" übliche Schönheitsideale ins Absurde, indem er sie einfach umdeutet. Ein Mann versucht sich immer unattraktiver zu machen und wird dennoch immer begehrenswerter. Dem schwulen Kirchenkritiker David Berger kann man auf einer Lesung begegnen und der Comic-Experte Andreas Knigge beweist, dass es nicht erst seit Ralf König "Sex im Comic" gibt. Eine weitere Ausstellung arbeitet die Unterdrückung und Verfolgung von Lesben, Schwulen und Trans* während der Franco-Diktatur in Spanien auf. Ein Land, das heute außerordentlich gayfriendly ist.

Ach ja, trotz aller Multipolarität, Querdenkerei, den vielen Infragestellungen und kreativen Irritationen, gibt es bei Sommerblut einen Fix-Programmpunkt, den Nichts und Niemand zu verrücken vermag: Georgette Dee ist – gemeinsam mit Terry Truck – auch in diesem Jahr wieder mit dabei. Vielleicht bringt sie uns ja eine Menge schöner Lieder mit, die sich mit den großen wie kleinen Fluchten des Lebens beschäftigen. Sommerblut, das Festival der Multipolarkultur beginnt am 9. Mai und läuft bis zum 26. Mai. Der Ticketvorverkauf hat begonnen. (cs)



#1 genderfluchtAnonym
#2 gendercastingAnonym
  • 14.03.2013, 22:09h
  • Gerade mit Zuwachs der Außenwerbung in den vergangenen zehn Jahren ist auch das Körperbild von Kindern stark verändert. 2006 fühlten sich laut der Weltgesundheitsorganisation noch 70 Prozent der Mädchen in Deutschland wohl in ihrer Haut, 2012 waren es nur noch 47 Prozent.
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