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  • 19.03.2013           116      Teilen:   |

Eskalation

Türkei: Kampagne gegen niederländische Regenbogenfamilie

Artikelbild
Im türkischen Fernsehen macht die leibliche Mutter von Yunus Stimmung gegen das lesbische Paar.

In der Türkei machen Regierung und Medien Stimmung gegen ein niederländisches Frauen-Paar, das einen türkischstämmigen Jungen aufzieht – die Regenbogenfamilie musste untertauchen.

Hochrangige türkische Politiker haben am Montag gefordert, dass türkischstämmige Kinder nicht von Homo-Paaren oder Christen aufgezogen werden dürften. Anlass waren Medienberichte über des türkischstämmigen neunjährigen Yunus, der nach Misshandlungen im Babyalter in seiner damals in Den Haag lebenden Familie bei einer lesbischen Pflegefamilie wohnt, die das Kind inzwischen adoptiert hat. Im Hauptquartier der Regierungspartei AKP sagte der stellvertretende Ministerpräsident Bekir Bozdag, dass sein Land eine Kampagne gestartet habe, um das Kind vor homosexuellen und christlichen Pflegeeltern zu "retten": "Behörden [in den Niederlanden] haben die Forderungen der türkischen Familie des Jungen ignoriert. Wir werden alles tun, um der Familie rechtlichen Beistand zu geben. Wenn das fehlschlägt, wollen wir, dass das Kind zu Pflegeeltern gebracht wird, die die türkische Familie für gut befindet."

Die Debatte um Pflegekinder in europäischen Staaten schwelt bereits seit längerem. So hat ein parlamentarische Kommission erst kürzlich kritisiert, dass in Belgien drei türkischstämmige Kinder in Regenbogenfamilien platziert wurden. Im vergangenen Monat protestierte Vizepremier Bozdag bereits, dass 4.000 türkischstämmige Kinder in Europa von christlichen Familien aufgezogen werden.

Im Fall von Yunus protestierte seine biologische Mutter im türkischen Fernsehen dagegen, dass ihr Sohn von lesbischen Christen aufgezogen werde. Sie bat Premierminister Recep Tayyip Erdogan um Hilfe, der am Donnerstag die Niederlande besuchen will. Der TV-Sender ATV, der vom Schwiegersohn Erdogans betrieben wird, startete daraufhin eine Kampagne unter dem Titel: "Stoppt den Kindesmissbrauch in den Niederlanden".

Youtube | Bericht im niederländischen Fernsehen
Fortsetzung nach Anzeige


Kind wurde in leiblicher Familie schwer misshandelt

Die Niederländer beharren darauf, dass im Fall Yunus alles rechtens gewesen sei: Das Kind sei nach häuslicher Gewalt im Alter von vier Monaten mit einem Armbruch und schweren Kopfverletzungen in ein Hospital in Den Haag eingeliefert worden. Danach schalteten die Ärzte das Jugendamt ein, das den Jungen wegen den Misshandlungen nicht mehr zurück in die Familie geben wollte. Das Jugendamt erklärte: "Wir hätten Yunus auch gerne in einer türkischen Pflegefamilie untergebracht. Aber wir haben keine gefunden."

Die Zeitung "NRC Handelsblad" meldet, dass das Jugendamt der türkischen Familie im Jahr 2008 das Sorgerecht von zwei weiteren Kinder wegen schweren Misshandlungen entzogen hat. Die Familie ist daraufhin in die Türkei geflohen.

Die beiden lesbischen Pflegeeltern mussten nach Drohungen untertauchen. Sie erhalten nun Personenschutz durch die niederländische Polizei. Die Frauen werden insbesondere in sozialen Netzwerken bedroht, auf Facebook wird zudem zur Entführung des Kindes aufgerufen.

Stopp der EU-Beitrittsverhandlungen gefordert

Die türkische Kampagne hat in den Niederlanden zu scharfer Kritik geführt. Der liberale Europaabgeordnete Hans van Baalen, der Vorsitzende der Liberalen Internationale, forderte als Reaktion auf den Fall, die EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei zu beenden. Er wolle einen entsprechenden Antrag in Straßburg einbringen. Rechtspopulist Geert Wilders forderte den niederländischen Regierungschef sogar auf, den Staatsbesuch Erdogans abzusagen. Der türkische Premier sei in dem liberalen Land nicht willkommen.

Der niederländische Vize-Ministerpräsident Lodewijk Asscher erklärte, dass die Einmischung der Türkei in diesem Fall "völlig unangemessen" sei. Eine Pflegefamilie werde nicht auf Basis der Rasse, der Religion oder der sexuellen Orientierung ausgewählt, sagte der Sozialdemokrat. Er betonte, dass das Kind in seiner leiblichen Familie "in Gefahr" gewesen sei und das Jugendamt deshalb handeln musste. Er machte dem untergetauchten lesbischen Paar Mut: "Menschen, die ein fremdes Kind annehmen, verdienen unsere Anerkennung." (dk)

Wochen-Umfrage: Gehört die Türkei in die EU? (Ergebnis)

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Tags: türkei, niederlande, pflegeeltern, regenbogenfamilie
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Reaktionen zu "Türkei: Kampagne gegen niederländische Regenbogenfamilie"


 116 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
19.03.2013
14:49:57


(+15, 17 Votes)

Von Loren
Aus Greifswald (Mecklenburg-Vorpommern)
Mitglied seit 02.11.2013


"Der niederländische Vize-Ministerpräsident Lodewijk Asscher erklärte, dass die Einmischung der Türkei in diesem Fall 'völlig unangemessen' sei. Eine Pflegefamilie werde nicht auf Basis der Rasse, der Religion oder der sexuellen Orientierung ausgewählt, sagte der Sozialdemokrat. Er betonte, dass das Kind in seiner leiblichen Familie 'in Gefahr' gewesen sei und das Jugendamt deshalb handeln musste. Er machte dem untergetauchten lesbischen Paar Mut: 'Menschen, die ein fremdes Kind annehmen, verdienen unsere Anerkennung.'"

Ich begrüße die so deutlichen wie angemessen gewählten Worte des niederländischen Vize-Ministerpräsidenten, der alles Notwendige sagt. Leider gibt es immer noch zu viele Menschen, die Hass verbreiten und über Medien und soziale Netzwerke hetzen.


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#2
19.03.2013
15:08:13


(+8, 16 Votes)

Von Thorsten1
Aus Berlin
Mitglied seit 15.05.2012


"Hochrangige türkische Politiker haben am Montag gefordert, dass türkischstämmige Kinder nicht von Homo-Paaren oder Christen aufgezogen werden dürften."

Aha, Homo-Paaren und Christen sind also in den Augen von hochrangigen türkischen Politikern beide gleich ungeeignet, um edle moslemische Kinder aufzuziehen.

Man drehe das einmal um: Wie laut wäre wohl in der Türkei der Aufschrei, wenn hochrangige europäische Politiker Moslems für ungeeignet hielten, Kinder aufzuziehen?


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#3
19.03.2013
15:12:17


(+10, 10 Votes)

Von fink
Antwort zu Kommentar #1 von Loren


ja, dieses statement ist sehr erfreulich. alles andere an diesem fall finde auch ausgesprochen beunruhigend.


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#4
19.03.2013
15:14:53


(+3, 23 Votes)

Von Timm Johannes


Das Thema bestätigt mich nur in meiner Haltung, dass die Türkei auf keinen Fall in die EU hineingehört.

Erdogans Politik islamisiert die Türkei.


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#5
19.03.2013
15:26:33


(+6, 8 Votes)

Von güzelalanlari


Der Art. 301 TCK geht auf den Art. 159 des alten türkischen Strafgesetzbuches zurück. Das alte türkische Strafrecht wurde 1936 weitgehend vom italienischen Codice Rocco Mussolinis kopiert.
Bis zur Gesetzesänderung von 2008 (mit Gesetz Nr. 5759 vom 30. April 2008) war der Begriff Türkentum Bestandteil des Gesetzestextes. Am 7. April 2008 wurde der Gesetzentwurf ins Parlament eingebracht. Die Formulierung Herabwürdigung des Türkentums wurde durch Beleidigung der türkischen Nation ersetzt und der Strafrahmen auf höchstens zwei Jahre reduziert. Außerdem sollen Verfahren nach Art. 301 künftig nur noch mit ausdrücklicher Ermächtigung des Justizministers eingeleitet werden. Das türkische Parlament hat am 30. April 2008 der Revision des Gesetzes zugestimmt.

Link:
de.wikipedia.org/wiki/Artikel_301_(T%C3%BCrkisches
_Strafgesetzbuch)


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#6
19.03.2013
15:39:19


(+12, 12 Votes)

Von seb1983
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Schwer einzuordnen ob ich das nun lächerlich, wütend oder einfach nur traurig finden soll sowas von einem der ranghöchsten türkischen Politiker zu hören.

Ich würde mich schämen würde das ein deutscher Minister als Regierungsmeinung loslassen.
In der Türkei gibts für so einen arroganten, nationalistischen, islamistischen und schwulenfeindlichen Müll noch Beifall!

Mein Respekt dem niederländischen Vize!


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#7
19.03.2013
16:01:03


(+3, 7 Votes)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Da fehlen einem die Worte!


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#8
19.03.2013
16:07:26


(+8, 10 Votes)
 
#9
19.03.2013
16:32:45


(+4, 16 Votes)

Von Thorsten1
Aus Berlin
Mitglied seit 15.05.2012


Wenn die EU wegen des Euros auseinander gebrochen sein wird, wird es keine Mitgliedschaft des asiatisch-moslemischen Landes Türkei mit seinen vorgestrigen Moralvorstellungen mehr geben. Wir Schwule und Lesben können nur darauf hoffen, dass es tatsächlich so kommt und die Türkei nicht in die EU aufgenommen wird, sonst wäre das für uns der Supergau!


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#10
19.03.2013
16:41:02


(+6, 14 Votes)

Von panzernashorn
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #9 von Thorsten1


Richtig - ein Land mit einer solch vorsintflutlichen und menschenverachtenden Denkweise hat in der EU absolut nichts verloren.

Wer Menschenrechte nicht zu achten weiß und weltfremdes, höchst gefährliches Gedankengut unbelehrbar sowie unverbesserlich von sich gibt, gehört in keiner Staatengemeinschaft aufgenommen und lediglich und banal gerichtlich belangt - mit allen maximal möglichen Folgen und Konsequenzen - basta.


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