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  • 04.04.2013           14      Teilen:   |

Tunesien: Oppositionspolitiker wegen Homosexualität verhaftet

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Mounir Baâtour soll in einem Sheraton-Hotel Sex mit einem Mann gehabt haben: Die Regierungspartei beschimpft den liberalen Politiker als unislamisch

Die islamistische Regierung in Tunesien geht mit einer Rufmord-Kampagne gegen die Opposition vor: Jetzt wurde der Anführer einer liberalen Partei festgenommen, weil er angeblich schwulen Sex hatte.

Ein tunesischer Richter hat am Mittwoch Haftbefehl gegen den Rechtsanwalt Mounir Baâtour, der die kleine Oppositionspartei "Liberales Tunesien" anführt, erlassen. Wie "TF1 News" berichtet, soll der Politiker in einem Sheraton-Hotel beim Geschlechtsverkehr mit einem anderen Mann inflagranti erwischt worden: Ein Angestellter der amerikanischen Hotelkette soll zufällig die beiden Männer in ihrem Zimmer gesehen haben und dann die Polizei alarmiert haben. In Tunesien stehen auf homosexuellen Sex drei Jahre Haft.

"Er hat alles abgestritten", erklärte der Anwalt des Verhafteten am Mittwoch. Er warf den Ermittlern vor, keinerlei Beweise präsentiert zu haben. Diese erklärten jedoch, dass sie aus ermittlungstaktischen Gründen noch nicht alle Erkenntnisse teilten.

In Tunesien haben seit dem Ende des Regimes von Diktator Ben Ali die gemäßigten Islamisten die Macht übernommen: Bei der Wahl zur verfassunggebenden Versammlung im Oktober 2011 ging mit 37 Prozent die Ennahda-Partei als stärkste Kraft hervor. Sie lehnt Homosexualität aus religiösen Gründen ab. Auf der Website der Partei ist bereits kurz nach der Verhaftung ein Video veröffentlicht worden, in dem Baâtour heftig beschimpft wird. So glaubt Abd Wahab Heni, der Anführer der weltlichen Majd-Partei, dass die Anschuldigungen "frei erfunden" worden sind, um die liberale Opposition als unislamisch zu diskreditieren.

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Homofeindliche Atmosphäre im neuen Tunesien

Die Regierungspartei hat bereits wiederholt Stimmung gegen sexuelle Minderheiten gemacht. So hat Menschenrechtsminister Samir Dilou im vergangenen Jahr Homosexualität als Perversion bezeichnet und Schwulen und Lesben das Recht auf freie Meinungsäußerung abgesprochen (queer.de berichtete). Die homophobe Denunzierungskampagne wurde aber auch gegen die Ennahda-Partei angewendet: Anfang des Jahres ist anonym ein verschwommenes Video veröffentlicht worden, das den damaligen Innenminister Ali Larayedh beim Sex mit einem Mann zeigen soll (queer.de berichtete). Die Islamisten beschuldigten daraufhin das alte Regime, der Regierung schaden zu wollen. Inzwischen ist Larayedh zum Premierminister befördert worden.

Anders als in Ägypten gibt es aus Tunesien keine Berichte über systematische Verfolgung von Homosexuellen. Viele Liberale in Tunesien befürchten, dass die Wahl der gemäßigten Islamisten der erste Schritt in einen Gottesstaat sein könnte. Die Ennahda-Partei hat aber wiederholt versucht, diese Befürchtungen zu zerstreuen. So versicherte der Parteichef nach der gewonnenen Wahl, dass seine Bewegung nicht anstrebe, Homosexualität und Atheismus zu bestrafen, den Erwerb und Genuss von Alkohol zu verbieten oder Frauen zu benachteiligen. Schwulen und Lesben sicherte er etwa das "Recht zu existieren" zu (queer.de berichtete). (dk)

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Tags: tunesien, mounir baâtour
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Reaktionen zu "Tunesien: Oppositionspolitiker wegen Homosexualität verhaftet"


 14 User-Kommentare
« zurück  12  vor »

Die ersten:   
#1
04.04.2013
16:23:28


(+6, 8 Votes)

Von Frühlingsfrost


"So versicherte der Parteichef nach der gewonnenen Wahl, dass seine Bewegung nicht anstrebe, ... Frauen zu benachteiligen."

Aber nein, sie wollen nur in der Verfassung die Frau als "Gefährtin des Mannes" und als dessen "Ergänzung im Schoße der Familie" bezeichnen, anstatt als gleichberechtigte Bürgerinnen.

"Schwulen und Lesben sicherte er etwa das "Recht zu existieren" zu"

Wow, und das dürfen die sogar bevorzugt im Gefängnis tun. Ich bin tief ergriffen von ihrer Großmütigkeit.


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#2
04.04.2013
16:37:09


(+1, 7 Votes)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Russische Verhältnisse in Tunesien!


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#3
04.04.2013
17:02:00


(+6, 14 Votes)
 
#4
04.04.2013
17:38:28


(-2, 10 Votes)

Von Thorsten1
Aus Berlin
Mitglied seit 15.05.2012


Es lebe der "arabische Frühling"!


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#5
04.04.2013
17:40:50


(+8, 12 Votes)

Von Yannick


So macht man politische Feinde mundtot:
erst schürt man Hass gegen Schwule und dann bezeichnet man seine politischen Feinde als schwul.


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#6
04.04.2013
18:03:20


(-5, 13 Votes)

Von Thorsten1
Aus Berlin
Mitglied seit 15.05.2012


Die richtige Antwort auf die Unterdrückung von Frauen und Schwulen in moslemischen Ländern:

Link:
de.nachrichten.yahoo.com/oben-ohne-demonstration-m
oschee-berlin-131630025.html


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#7
04.04.2013
18:09:03


(+1, 9 Votes)

Von userer
Profil nur für angemeldete User sichtbar


"So hat Menschenrechtsminister Samir Dilou [...] Homosexualität als Perversion bezeichnet und Schwulen und Lesben das Recht auf freie Meinungsäußerung abgesprochen."

Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: der Menschnrechtsminister.

un-islamisch
un-deutsch
un-arisch

Alles Faschisten!


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#8
04.04.2013
18:15:39


(+8, 12 Votes)

Von fachärztlich
Antwort zu Kommentar #3 von -hw-


Insgesamt haben deutsche Firmen 2011 Investitionen im Umfang von 18,3 Millionen Euro in Tunesien getätigt und liegen damit auf Platz drei bei den ausländischen Investoren.

Sorgen bereiten den Investoren jedoch die zahlreichen Arbeitskämpfe in Tunesien. Regelmäßig kommt es zu Streiks und Betriebsbesetzungen, mit denen Arbeiter ihren Forderungen nach höheren Löhnen und besseren Arbeitsbedingungen Nachdruck verleihen.

Mohamed Larbi Rouis, Direktor für das operative Geschäft von Leoni in Tunesien, beklagt beispielsweise, im Leoni-Werk in Mateur im Norden des Landes gebe es "immer wieder illegale Aufstände und Streiks".[4] Mittlerweile droht Leoni damit, Teile der Produktion nach Osteuropa zu verlagern.

Die Geschäftsführerin der Deutsch-Tunesischen Industrie- und Handelskammer, Dagmar Ossenbrink, moniniert, in vielen Betrieben des Landes komme es immer wieder zu Sitzblockaden durch Arbeitslose, die beschäftigt werden wollten; die Polizei gehe nicht dagegen vor. Ein Sprecher des Essener Konzerns ThyssenKrupp, der im Anlagenbau in Tunesien vertreten ist, fordert eine schnelle "Stabilisierung" der Verhältnisse als zentrale Voraussetzung für ein besseres Investitionsklima.

In diesem Zusammenhang erklärte die Nordafrika-Referentin des Afrika-Vereins der deutschen Wirtschaft Katrin Laskowski auf dem vorletztjährigen Deutsch-Arabischen Wirtschaftsforum, man müsse "den Menschen erst mal erklären, dass es auch einen Streikfrieden gibt" .

Dieser Zigarettenhändler hatte keine Hoffnung mehr. Er entzündete sich aus Protest gegen die verzweifelte soziale Lage.

Link zu www.bninsarcity.net

Letztens bei Anne Will:

"Klug schlägt die ehemalige Familienministerin [Rita Süssmuth] dann den Bogen ins Jetzt: Zwar glaube sie, dass die Demokratie stärker als andere Staatsformen sei. "Aber ich will nicht wissen, was hier los wäre, wenn wie in Spanien 54 Prozent der jungen Menschen arbeitslos wären", sagt sie.


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#9
04.04.2013
18:37:59


(+10, 14 Votes)

Von leander
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #8 von fachärztlich


Man kennt doch alle im Bundestag vertretenen Parteien, die auch für Syrien stabile islamische Ausbeutungsverhältnisse fordern.

" Ein Sprecher des Essener Konzerns ThyssenKrupp, der im Anlagenbau in Tunesien vertreten ist, fordert eine schnelle "Stabilisierung" der Verhältnisse als zentrale Voraussetzung für ein besseres Investitionsklima."


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#10
04.04.2013
22:37:04


(+5, 7 Votes)

Von ehemaligem User timpa354
Antwort zu Kommentar #8 von fachärztlich


Na das geschieht den deutschen Firmen doch mal Recht! Mein Mitleid ist äußerst begrenzt.Vielleicht lernen sie doch noch mal die stabilen Verhältnisse in Deutschland zu schätzen.


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