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Im Kampf für und gegen die Ehe-Öffnung fliegen nun auch im französischen Parlament die Fäuste (Bild: @Whainot / Twitter)

Kurz vor dem Ende der Debatte zur Ehe-Öffnung kam es am Freitag zu Handgreiflichkeiten zwischen einigen Abgeordneten.

Die französische Nationalversammlung hat am Freitag die dreitägige, auch nächtlich geführte Debatte zur zweiten Lesung des Gesetzes zur Öffnung der Ehe für Schwule und Lesben abgeschlossen. In der Nacht auf Freitag war es noch zu einem Tumult im Parlament gekommen.

Mehrere Abgeordnete der konservativen UMP stürmten kurz vor ein Uhr morgens auf die Regierungsbänke der Sozialisten zu und wurden dort handgreiflich. Zwar konnten Saaldiener und Politiker die wütenden Personen bändigen, es soll aber zu vereinzelten Faustschlägen gekommen sein. Die Sitzung wurde kurzzeitig unterbrochen, der Anlass für den Ausbruch ist unklar. Ein UMP-Politiker sprach von einer "übermüdeten Reaktion" auf einen Scherz eines Mitarbeiters des Justizministeriums. Ein entsprechender Scherz wird allerdings bestritten.

Gegen acht Uhr wurde dann die Debatte beendet. Am Dienstag stimmt die Nationalversammlung endgültig über das letztlich unveränderte Gesetzespaket ab. Danach landet es vermutlich aufgrund einer angekündigten Klage der UMP vor dem Verfassungsgericht, das innerhalb von einem Monat urteilen muss. Hält es den Gesetzentwurf für verfassungsgemäß, kann der Präsident ihn unterzeichnen. Nach einer Veröffentlichung im Gesetzesanzeiger könnten Schwule und Lesben dann die Ehe eingehen.

Weitere Demonstrationen geplant, Gewalt befürchtet


Stinkefinger mit Ehering: Für den Sonntag sind Proteste gegen Homophobie u.a. in Nantes (l.) und Paris geplant

Vor der Abstimmung am Dienstag wird es am Wochenende erneut zu zahlreichen Demonstrationen in ganz Frankreich kommen, sowohl gegen die Ehe-Öffnung als auch gegen Homophobie. In den letzten Tagen war es dabei mehrfach zu Gewalt und Ausschreitungen gekommen.

In Lille wurde am Mittwoch eine Homo-Kneipe von vier Skinheads überfallen, die Männer wurden inzwischen festgenommen (queer.de berichtete). Am gleichen Tag war es in Paris zu Ausschreitungen von Gegnern der Ehe-Öffnung gekommen – dabei wurden Journalisten, Polizisten und Homosexuelle angegriffen. Bereits im Laufe des letzten Wochenendes hatte die französische Polizei insgesamt rund 200 Personen festgenommen, die nicht friedlich oder nicht angemeldet demonstriert hatten (queer.de berichtete).

In Paris hat deshalb ein Homogruppenbündnis rund um Act Up zu einer Demonstration gegen Homophobie am Sonntag am Platz der Bastille aufgerufen. Gegner der Ehe-Öffnung treffen sich etwa zeitgleich am Place Denfert-Rochereau. (nb)



#1 Timm JohannesAnonym
  • 19.04.2013, 13:30h
  • Gut das nun am Dienstag die Abstimmung erfolgt.

    "vor dem Verfassungsgericht, das innerhalb von einem Monat über das Gesetz urteilen muss. "

    --> Interessant: das wußte ich noch nicht, dass die Urteile in Frankreich innerhalb so kurzer Zeit erfolgen müssen.

    In Deutschland ist dies anders geregelt; dort kann es mehrere Jahre dauern, bis das Bundesverfassungsgericht entscheidet.
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#2 timpa354Ehemaliges Profil
  • 19.04.2013, 13:47h
  • Ach Gottchen, wie lächerlich sich die UMT Abgeordneten aufführen, dieses Theater sollte doch nur den Leuten (Anhängern) da draussen zeigen; Seht her wir haben sogar im Parlament bürgerkriegsähnliche Zustände.Was für ein schlechtes Laientheater.
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#3 goddamn liberalAnonym
#4 Aus Bad HomburgAnonym
  • 19.04.2013, 14:15h
  • Es gibt im Moment in Frankreich, angesichts der letzten Finanzskandäle, ziemlich viel Rede vom " Ende der 5. Republik", "Krise des französischen Staates" etc., und die letzten gewaltigen Ausschreitungen wegen (oder auch unter dem Vorwand) "mariage pour tous" ist im gewißen Sinne auch eine gute Metapher davon. Würde das im Prinzip nicht sehr dramatisch sehen: alle großen Veränderungen in der französischen Gesellschaft (ausser vielleicht der Abschaffung der Todesstrafe 1982) wurden von der Gewalt begleitet, das war im September 1792 so, und im Mai 1968 auch nicht anders - und doch, trotz allem, prägten eben diese wichtigen Veränderungen das Leben aller kommenden Generationen Frankreichs und sind letzendlich für alle Schichten der Gesellschaft zum "kulturellen Nachlass" der "grande nation" geworden. Was mir aber doch gewiße Sorgen im Moment macht, ist eine eher kurzfristige Perspektive: wo werden all die jungen oder sogar sehr jungen (10-15 Jahre, also fast noch Kinder) Leute in 10, 15 oder 20 Jahren sein, werden sie letzendlich ihren Frieden mit der Homo-Ehe (und ganz besonders der Homo-Adoption) schließen ? Man kann von der 1968-er Bewegung verschiedener Meinung sein, fest steht aber: nur dank dieser Generation, die jetzt, 45 Jahre nach den Ereignissen, in allen westeuropäischen Ländern die politische und kulturelle Elite bilden, sind die Schwulenrechte zum "mainestream" geworden und zahlreiche Erfolge, vor allem politische, erreicht. Was werden die Teilnehmer von "Manif pour tous", die ganz offensichtlich nichts geringeres als die rechte Version von "1968-er" ist, 20-40 Jahre später im Pariser Palais de Bourbon, Palais de Luxembourg oder Palais de Elysee beschließen ? Auch die Revolution von 1789 hatte ihre Restauration.
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#5 chrisProfil
  • 19.04.2013, 14:28hDortmund
  • Antwort auf #2 von timpa354
  • Es ist schon immens interessant, wie diese Choreographie aus Bürgern, Politikern und Kirche so funktioniert. Dieses Theaterstück ist offenbar eine Kreation ohne einen direkt sichtbaren Regisseur.

    Ich muss sagen, dass mich diese Leute, ihr Handeln und ihre Äußerungen, langsam ein wenig an die Borg erinnern. Ein kollektiv einheitliches Denken, ein kollektiv einheitliches Ziel und keinen Resprekt für das menschliche Individuum an sich.

    "Wir sind die Konservativen. Sie werden assimiliert werden. Ihre Denk- und Verhaltenmuster werden durch die unsrigen ersetzt werden. Wiederstand ist zecklos."
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#6 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 19.04.2013, 14:46h
  • Am schlimmsten sind die Abgeordneten in Kiew im ukrainischen Parlament. Da fliegen die Fäuste fast regelmäßig und Klitschko hielt sich stets vornehm zurück!

    Die Handgreiflichkeiten der UMP-Abgeordneten in der Assemblée Nationale zeigt einmal wieder, wie primitiv dieses konservative Politikerpack ist!
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#7 m123Anonym
  • 19.04.2013, 15:28h
  • Hoffentlich machen das auch mal die Unionsabgeordneten. Das wäre gut für die Bundestagswahl. :D
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#8 Thorsten1Profil
  • 19.04.2013, 15:37hBerlin
  • Ein nicht unerheblicher Widerstand gegen die Homo-Ehe kommt von den französischen Protestanten:

    Le président de la fédération protestante de France a exprimé son opposition au projet de loi car le « le mariage n'est pas uniquement la reconnaissance d'un amour, le mariage est l'institution qui articule l'alliance de lhomme et de la femme avec la succession des générations »

    wikipedia
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#9 Sveni MausiAnonym
#10 timpa354Ehemaliges Profil
  • 19.04.2013, 16:31h
  • Antwort auf #5 von chris
  • Danke , wieder was dazu gelernt , kannte die Borg bis jetzt gar nicht, habe mir dann eine Gesellschaft so vorgestellt und bin zu dem Schluss gekommen, dass die Menschheit sich nur weiterentwickeln kann durch kreative Menschen, die fehlen in der Borg Ideologie, deshalb wäre ein solches Modell auf Dauer zum Scheitern verurteilt.( Der vernünftige Mensch versucht sich der Gesellschaft anzupassen, der unvernünftige Mensch versucht die Gesellschaft sich anzupassen, deshalb geht aller Fortschritt vom unvernünftigen Menschen aus)!
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