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  • 29. Oktober 2004, noch kein Kommentar

"Anton" gegen "Wir vom anderen Ufer": Ein neuer Roman nimmt die Münchner Szenemagazine auf die Schippe.

Von Micha Schulze

Der erste böse Brief kam schon vor Erscheinen: Wie er es wagen könne, Insider-Informationen auszuplaudern, wurde Autor René Martin beschimpft. Allein in der Ankündigung seines Romans über den "Krieg zweier Szenemagazine in einer Großstadt in Süddeutschland" hatten sich manche offensichtlich wieder erkannt. "Den Stöckel auf den Kopf getroffen", heißt denn auch der Titel des im Oktober erschienen Bandes.

Die Story in Kürze: Norbert, Herausgeber der Zeitschrift "Wir vom anderen Ufer", ist sauer auf das jüngere Mitbewerber-Magazin "Anton". Um es vom Markt zu drängen, lässt er sich allerlei Gemeinheiten einfallen – von eMails mit Viren-Anhang bis hin zu zerstochenen Autoreifen.

Die "Anton"-Macher, allen voran der Chef eines DTP-Studios, Quirin, und der schwule Buchhändler Baldur, schlagen jedoch mit noch härteren Bandagen zurück: Sie schmuggeln fingierte Kontaktanzeigen mit Norberts Nummer ins eigene Blatt und entführen schließlich sogar eine komplette Auflage von "Wir vom anderen Ufer" aus der Druckerei. Die Intrigen eskalieren…

"Das alles ist völlig fiktiv", schmunzelt Autor René Martin, räumt jedoch ein, sich von "realen Beobachtungen" hat inspirieren zu lassen. Und so ist das Buch gottlob weder die zickige Abrechnung eines ehemaligen "Our Munich"-Redakteurs noch der Versuch eines "Sergej"-Machers, schmutzige Münchner Wäsche zu waschen. "Den Stöckel auf den Kopf getroffen" ist einfach "nur" die erste größere belletristische Veröffentlichung eines Computer-Spezialisten, der bislang eher mit Werken wie "Visio programmieren – Vom eigenen Shape zur Profi-Applikation" von sich reden machte.

Hohe Literatur darf man nicht erwarten. Getreu Martins Vorbild, dem Szene-Klassiker "Elvira auf Gran Canaria", lebt sein Buch von der treffenden Charakterisierung schwuler Originale, wie man sie nicht nur in München trifft, und ironisch erzählten Episoden aus dem Szene-Alltag. Die Mischung aus Unterhaltungsroman plus einer Prise Krimi und einem Hauch Parabel ist gelungen: Trotz einiger Schwächen, wie allzu langatmiger Nebenhandlungen und manch sprachlichem Patzer, bleibt die Spannung bis zur letzten Seite erhalten.

Das Manuskript habe er schon vor drei Jahren geschrieben, erzählt René Martin – solange habe er gebraucht, einen Verleger zu finden. In der Zwischenzeit ist zwar das Klima im Münchner Blätterwald entspannter geworden. Mittlerweile wissen wir aber auch, dass es im realen Konkurrenzkampf der Szene-Medien schon weitaus härter zugegangen ist als in diesem Buch…

René Martin: Den Stöckel auf den Kopf getroffen, Himmelstürmer Verlag 2004, 158 Seiten, ISBN 3-934825-36-2, 13 €

29. Oktober 2004