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  • Christian Scheuß, Jahrgang 1966, ist Redakteur bei queer.de und langjähriger "Fachidiot" in Sachen LGBT-Journalismus. Dass es noch viel zu tun gibt, damit queere Lebenswelten in den Medien vorurteilsfrei und den Realitäten entsprechend dargestellt werden, darauf stößt er häufig. Und reibt sich dann daran…

    25. April 2013, 67 Kommentare

Da haben Männer im Berliner Tiergarten Sex und ein Boulevardblatt echauffiert sich. Was das wirklich "ekelhafte" an dieser Geschichte ist, sagt Christian Scheuß.

Sehr geehrte Kollegen A. Grömminger, K. Marrach, S. Meissner und Th. Schröder!

Da musstet Ihr also gleich zu viert anrücken, um für das Berliner Boulevardblatt B.Z. mal was richtig Investigatives, mal was ganz Provokantes zu recherchieren. Mit einem starken Teleobjektiv habt ihr sie dann abgeschossen, die Männer, die sich da am helllichten Tag im Berliner Tiergarten treffen. Sie treffen sich dort, wie ihr es im Titel der Story knallhart benennt, für "Sexspiele mitten im Tiergarten". Da kann es nur eine Reaktion drauf geben: "Berliner empört". Und natürlich: "Politiker fordern Maßnahmen."

Genau lesen lohnt sich: Nicht die eigentlichen Taten, sondern die Bilder von den "Sexspielen" sorgen hier für Aufregung: "Die B.Z.-Fotos dieses offen zur Schau gestellten Treibens erhitzen die Gemüter", schreibt das Blatt ungeniert. Liest man weiter, wird klar: Es gibt weder Anzeigen von unfreiwilligen Augenzeugen wegen "Erregung öffentlichen Ärgernisses", noch gibt es die erwähnten empörten Berliner. Die in der Fotostrecke gezeigten vermeintlich Belästigten wurden einfach nur mit den B.Z.-Paparazzi-Bildern konfrontiert.

Die B.Z. bastelt sich ihre eigene Empörung


Persönlichkeitsrechte missachtet, nicht existente Aufregung provoziert. (Bild: Screenshot)

Männer haben Sex im Tiergarten, was für eine Neuigkeit. Kommt zwar geschätzte einhundert Jahre zu spät ins Blatt, diese Sensation, aber immerhin: Jetzt erfährt endlich auch der geneigte B.Z.-Leser, was die Schwulen da so treiben. Wie schamlos sie dabei sind: "Vor den Augen von Spaziergängern, Joggern, Fahrradfahrern". Und wie dreckig: "Neben dem Anblick von Männern, die sich öffentlich befriedigen, kritisieren Spaziergänger auch, dass benutzte Kondome und Kondomverpackungen auf den Parkwegen zurückbleiben." Immerhin, nach dem Bericht über die Sexspiele vom Mittwoch fand am Donnerstag gleich das "große Ekelaufräumen" statt.

Die B.Z. bastelt sich ihre eigene Empörung über die nach Meinung der Reporter dreckigen, rücksichtslosen Homosexuellen. Und man fragt sich: Warum? Vor allem: Warum jetzt?

Die Story befeuert bewusst das homophobe Ressentiment des neidvollen Spießbürgers, der im Schwulen eh schon immer den triebgesteuerten unkontrollierten Sexmaniac sah, dessen Treiben am Ende nur eines erzeugt: Ekel. Und so jemand fordert derzeit vehement die Öffnung der Ehe. So jemand erdreistet sich, die CDU vom CSD auszuladen. So jemand darf jetzt auch noch in Frankreich heiraten.

Mag die Story aus einem Reflex entstanden sein, mag es der gezielte Schlag unter die Gürtellinie sein, es braucht keine Fantasie noch den Hang zu Verschwörungstheorien, um hier einen Zusammenhang zu sehen. Die Geschichte erschien nicht zufällig. Das, wie auch die Veröffentlichung der Bilder, die nur notdürftig die Gesichter der Personen kaschieren, aber dennoch genug zeigen, um die Beteiligten für Bekannte und Verwandte wiedererkennbar zu machen: Das ist das eigentlich ekelhafte an der Story.



#1 eMANcipation*Anonym
  • 25.04.2013, 17:34h
  • Ich finde es ehrlich gesagt auch ekelhaft, wenn benutzte Kondome oder Taschentücher herumliegen. Und ganz ehrlich: Sex in der Öffentlichkeit oder im Gebüsch muss nicht sein, weder in Berlin noch in den Dünen von GC. Da gibt es nichts schönzureden und auch kein Recht auf Sex in der Öffentlichkeit.
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#2 Thorsten1Profil
  • 25.04.2013, 17:37hBerlin
  • Jetzt kommt natürlich sofort eine Flut von Empörung über die spießigen Heteros, über Diskriminierung usw.
    Ficken in der Öffentlichkeit hat aber nichts mit schwuler Emanzipation zu tun, sondern ist soziale Verelendung. Das gilt für Homos und Heteros gleichermaßen.
    Wahre schwule Emanzipation bedeutet, sich gemeinsam mit den Heteros für eine menschlichere Gesellschaft einzusetzen, gemeinsam Verantwortung zu übernehmen.
    Wer unbedingt Sex in der Öffentlichkeit will, ist entweder wie ein kleines Kind, dass sich keine Vorschriften machen lassen will oder er braucht eine Therapie. (Es geht nicht darum, was nachts in den Büschen des Tiergartens geschieht, sondern es geht darum, dass nackte Schwule mit steifem Glied am hellichten Tag über die Hauptwege des Tiergartens laufen, vorbei an Touristen, Familien und Kindern.)
    Natürlich bekomme ich jetzt sofort wieder rote Punkte, aber denkt doch mal darüber nach, was schwule Emanzipation wirklich bedeutet!
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#3 XYZ1Anonym
#4 wodnickProfil
#5 Lars3110
  • 25.04.2013, 17:47h
  • Antwort auf #1 von eMANcipation*
  • Man muss nicht alles glauben, was die Springer-Presse schreibt.
    Klar ist das Cruising-Gebiet, aber am hellichten Tag passiert da selten was.
    Das Foto könnte z.B. gestellt sein oder auch was ganz anderes darstellen.
    Ich bin im Frühling und Sommer sehr oft auf der "Tuntenwiese" zum Sonnen, aber hemmeungsloses Rumsexen vor Joggern und Kindern habe ich da noch nie gesehen - aber die BZ anscheinend.
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#6 wanderer LEAnonym
  • 25.04.2013, 17:54h
  • Von mir aus soll die Polizei dort Ordnungsgelder verhängen. Genauso bei Leuten, die grillen und ihren Müll liegenlassen. Haben diese Kerle kein Zuhause? Parksex stammt aus Zeiten des § 175, sowas hat keiner mehr nötig. Wenn ich fremden Leuten beim Ficken zusehen will, gucke ich einen Porno und kann mir dabei die Akteure aussuchen. Im Park fremde Leute ficken sehen zu müssen, ist eine Zumutung.
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#7 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 25.04.2013, 18:02h
  • Sind den Journalisten des Revolverblattes wohl die Themen ausgegangen, was? Billig, billig, billig!
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#8 Timm JohannesAnonym
  • 25.04.2013, 18:04h
  • Antwort auf #3 von XYZ1
  • Aller unterste Niveau, was dort die Autoren A. Grömminger, K. Marrach, S. Meissner und Th. Schröder bei der B.Z. bringen.

    Bestimmte Bereiche des Tiergartens sind schon seit 100 Jahren und mehr beliebter Treffpunkt homosexueller Männer, da hat Autor Christian Scheuß vollkommen Recht. Und es ist eine Frechheit, wenn die B.Z. hundert Jahre zu spät, daraus einen Skandal machen will.

    Im übrigen der fast gesamte Rest des Tiergartens, denn homosexuelle Männer treffen sich da nur in einem ganz bestimmten Teil des Tiergartens, ist für heterosexuellen Sexspiele reserviert. Da kann man täglich durch den Tiergarten im Frühling/Sommer wandern und man wird dort fast überall auf Decken irgendwelche Heteropärchen am Küssen, Streicheln und engumschlungen auf der Decke liegend sehen.

    Das einzige, wo man ein wenig appelieren kann: nehmt Eure gebrauchten Kondome und Taschentücher und werft sie in eine Mülltonne...gilt aber auch genauso für Coladosen, Plastikflaschen, usw.

    Die B.Z., die dem Axel-Springer-Verlag gehört (Ullstein ist eine Tochter davon) ,ist mit diesem Bericht wiedereinmal ganz ganz unten angekommen und bietet unterirdische Berichterstattung.

    Diesmal ein guter Artikel von Crhistian Scheuß, dem ich zu 100 Prozent zustimme.
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#9 strudelbrainAnonym
  • 25.04.2013, 18:06h
  • Bitte Leute, jetzt tut doch nicht so. Auch der durchschnittliche Heterosexuelle hat (hätte gern) Sex in der Öffentlichkeit. Es ist nun mal öffentlicher Raum.
    Daran gibt es grundsätzlich nur zwei ärgerliche Dinge: Wenn andere nicht respektiert werden und der Müll nicht weggeräumt wird. Ob nun im tiefen Gebüsch des Tiergartens (wo nun wirklich kein Jogger vorbei kommt) oder in den Dünen von GC ist dabei völlig unerheblich. Sex unter der Sonne gab es immer, gibt es, wird es immer geben.

    Ärgerlich an dem Artikel sind zwei Dinge: Die offenkundige Meinungsmache der BZ und Schwule, die im Drang nach Bürgerlichkeit ihre eigene Subkultur und Herkunft vergessen und reflexhaft im Chor mit der BZ "ekelhaft" brüllen.
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#10 alexander