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Neue CD "Denk was du willst"

Mary Roos s(w)ingt sich frei


Nimmt bereits seit den 1950er Jahren Platten auf: Mary Roos und das Cover zum neuen Album "Denk was du willst" (Bild: Koch Universal)

Vom Schlager zum Chanson, vom Bossa Nova zum Pop: "Denk was du willst" ist die schönste Überraschung dieses Frühlings.

Von Jan Gebauer

Die Showbranche hatte schon immer ihre eigenen Gesetze: Caterina Valente, selbst veritabler Weltstar, prophezeite Mary Roos einst eine internationale Karriere. Mithilfe des späteren Disco-Genies Giorgio Moroder feierte sie daraufhin zumindest den Durchbruch in Deutschland ("Arizona Man", 1970), war daneben bis weit in die 1970er Jahre gesanglicher Export ins französische Nachbarland und bewies in diversen Personality-Shows, das sie mehr kann, als das recht eng gesteckte Schlagergenre hergibt. Vielseitigkeit bewies sie auch auf Platte: Auf der LP "Mary Roos" (1970) sang sie stilistisch unterschiedliche Lieder von den Beatles, Peggy Lee oder Jorge Ben, während der Nachfolger "Woraus meine Lieder sind" (1971) gleich drei Lieder von Brasiliens Pop-Legende Gal Costa präsentierte, daneben Kompositionen von Cat Stevens oder José Feliciano.

Doch Plattenfirmen denken nun mal in erster Linie wirtschaftlich und wollten irgendwann weitere Hits sehen. In den Charts landeten dann "California Nacht", "Fremdes Mädchen" oder "Lieber John". Rund 40 Jahre später, ihre Fans hatten die Hoffnung wohl schon aufgegeben, hat sich die Roos ein Herz gefasst und mit der neuen CD "Denk was du willst" an ihre Glanztaten zwischen anspruchsvollem Schlager, Chanson, Easy Listening und Bossa Nova angeknüpft.

Ein Album, wie eine Befreiung


Für das neue Album arbeitete Mary Roos unter anderem mit Frank Ramond oder Till Brönner zusammen (Bild: Koch Universal)

Mit einem Schuss zeitgemäßem Pop, gelingt der junggebliebenen Sängerin auf "Denk was du willst" die Verknüpfung von Vergangenheit und Gegenwart. Entspannt und völlig unverkrampft reihen sich unter der Produktion von Roberto di Gioia (Max Herre, Joy Denalane) ein portugiesischer Titel von Caetano Veloso ("O Leãozinho") sowie eine elektronisch aufgepeppte Fassung des unverwüstlichen französischen Jacques-Brel-Klassikers "Ne me quitte pas", aber auch heutige Kompositionen von Frank Ramond (Annett Louisan, Ina Müller, Roger Cicero) oder Till Brönner, der daneben die hervorragenden Fotos im Booklet verantwortete, aneinander.

Und so wirkt "Denk was du willst" nach all den Jahren wie eine kleine Befreiung einer Künstlerin, die in aktuellen Interviews eingesteht, dass sie ihr ganzes Leben darauf gewartet habe, solch ein Album aufzunehmen. Die Schlagernische war eben allzu vertraut und wohl auch lukrativ. Nicht, dass dort keine Highlights zu finden wären, so etwa 1972 als sie für Deutschland mit "Nur die Liebe lässt uns Leben" beim Eurovision Song Contest den dritten Platz belegte oder 1984, als sie im "Aufrecht geh'n" zwar beim gleichen Wettbewerb empfindlich stürzte, dennoch einen zeitlosen "Mutmachklassiker" hinterließ. Und auch in den letzten 15 Jahren mit dem Autorenteam Michael Reinecke und Alexander Menke waren immer wieder gute Aufnahmen ("Zu schön, um wahr zu sein") und mit "Einmal um die Welt" sogar ein echter Dauerbrenner dabei, ohne den heutzutage keine Schlager- oder Karnevalsparty von Rügen bis Malle mehr auskommt.

Youtube | Kleine Doku zur neuen CD mit viel Musik

Die Roos als neue Johannes Heesters?


50 Jahre sind lang genug: Mary Roos wollte solch ein Album schon immer machen. Ab Mai 2013 darf sie es dann auch auf ihrer ersten Solo-Tour vorstellen (Bild: Koch Universal)

Dennoch war die Roos gut beraten, die Zusammenarbeit mit Reinecke/Menke in den letzten Jahren immer mehr zu reduzieren, denn die Mär von der "starken Frau, die sich von Niederlagen nicht unterkriegen lässt und das Leben meistert" und dem dazugehörigen pastellfarbenen Schlagerschaum, war irgendwann ausgereizt. Auf "Denk was du willst" verblüfft die Sängerin dagegen mit augenzwinkernder Ironie, wenn sie sich bei "Wie lange woll'n Sie das noch machen" der Frage stellt, ob sie vielleicht die neue Johannes Heesters sei. Beim trotzigen "Es wird Herbst" besingt sie trotzig-humorvoll jene späten Jahre, die Frank Sinatra einst in seinen "September of My Years" weitaus nostalgischer verewigte. Und der schwülwarme Bossa von "Sommer unseres Lebens" mit knisterndem James-Bond-Flair ist ein weiterer Volltreffer.

Und so lassen sich die Gefühle bezüglich des Albums mit einem Zitat zusammenfassen: "Ach, wenn Mary Roos singt, dann klingt mein Herz", so Waldorf aus der berühmten "Muppet Show" im Jahre 1976 (Mary Roos wurde speziell für das deutsche Fernsehen in eine Folge "hineingeschnitten", neben Elke Sommer war sie die einzige Deutsche, die Gast in der Show war). Kein Wunder, dass sich die 64-Jährige im kommenden Mai gleich noch einen Herzenswunsch erfüllt: sie geht erstmals in ihrem Leben auf Solo-Tournee durch Deutschland!

Solo-Tour

15.05., Berlin, Quatsch Comedy Club
16.05., Köln, Gloria
17.05., Hamburg, Grünspan


11 Kommentare

#1 FoXXXynessEhemaliges Profil
#2 timpa354Ehemaliges Profil
#3 Thorsten1Profil
  • 28.04.2013, 16:14hBerlin
  • Die Frau geht auf die 70 zu. Da sieht man mal, was die heutigen Gesichtschirurgen leisten können...
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#4 GerhardAnonym
#5 lentilAnonym
  • 28.04.2013, 18:56h
  • Wie wär's mal damit Musiker vorzustellen, die sich in ihrer Musik mit der LGBT Community oft außeinandersetzen oder ein Teil von ihr sind ?
    Ich kenne einige schwule Rapper die auch in ihren Texten darüber rappen und die sehr unbekannt sind. Gerade die könnten es gebrauchen hier mal vorgestellt zu werden. Da gibt es einige.

    Wenn ich auch selten was hier auf der Seite zu meckern habe, aber die Rubrick Musik sollte dringent überabeitet werden.
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#6 GerhardAnonym
#7 goddamn liberalAnonym
#8 carolo
#9 Alte TunteAnonym
  • 29.04.2013, 01:31h
  • "Nur die Liebe läßt uns leben" war ganz hübsch, ansonsten war das einfach nicht meine Musik. Aber sich rund fünfzig Jahre lang in diesem Geschäft zu halten - alle Achtung!
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#10 Meikel58Anonym
  • 29.04.2013, 10:46h
  • Ohne Zweifel ein großartiges Album.

    PS : Es ist sicher nur ein Schreibfehler, aber Mary vertrat Deutschland das erste Mal 1972.
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