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Schwule Liebe in der neunten Klasse


Der junge Autor Alec Cedric Xander über seinen dritten Roman: "Breakaway ist und wird mein persönlichstes Buch ever bleiben." (Bild: Thomas Haubrich)

In Alec Cedric Xanders drittem Roman "Breakaway" verguckt sich Sitzenbleiber Kyle in den beliebten Mitschüler Adam.

Von Frank Hebenstreit

"Breakaway" heißt das dritte Buch, das Alec Cedric Xander veröffentlicht hat. Ein Titel, der bereits im Grundsatz Programm ist. Kann "Breakaway" doch als Loslösung, Ausbruch oder Durchbruch übersetzt werden. Daneben steht das Wort aber auch für Abfall oder Fehlstart. Am Ende der 400 Seiten weiß man: Irgendwie treffen alle fünf Begriffe auf dieses Buch zu.

Das dritte Buch wurde auch bei einem dritten Verlag veröffentlicht, einem Eigenverlag noch dazu. Das allein lässt zumindest die Frage aufkommen, ob in der deutschen Verlagslandschaft kein Platz für diesen Roman war. Oder glaubte der Autor, auf diese Weise endgültig den "großen Durchbruch" zu schaffen? Schließlich ist es auch in dieser schnelllebigen Zeit nicht unbedingt üblich, in derartiger Rasanz die Verlage zu wechseln.

Auch als Leser stellt man sich ja schon mal die Frage: Brauchte es das Buch jetzt wirklich? Die Antwort lässt sich leider sehr klar und eingrenzend geben: "Breakaway" ist ein Werk, das für eingefleischte Xander-Fans sicherlich ein absolutes Muss ist. Glaubt man den Widmungen und Danksagungen und Ankündigungen, dann bekommen die Fans hier einen dermaßen tiefen Einblick in den Schreiber, den selbst eine Darmspiegelung nicht schaffen könnte. Für den Rest der Welt sei an dieser Stelle die gute alte Redensart mit China und dem umfallenden Großgebinde Getreideprodukt bzw. Hamburg und dem platzenden Grillerzeugnis bemüht.

Moderner Umschlag trifft 50er-Jahre-Papier


"Gefühle kann man nicht leugnen" lautet der Untertitel des Romans

Ein Kompliment muss man Herrn Xander und X Scandal Books für die äußere Gestaltung machen. Ein ansehnliches Cover, das wie üblich zwar nichts mit dem Inhalt zu tun hat, aber wirklich gefällt. Zu bemerken ist hier, dass das E-Book ein eigenständiges Cover hat, das mir persönlich sogar noch mehr zusagt. Die Haptik des Umschlages ist wirklich angenehm und hochwertig. Ob beabsichtigt oder nur zufällig, der Gegensatz zwischen dem modernen Umschlag und dem 50er-Jahre Papier mit dem größtenteils 50er-Jahre-Schriftbild wirkt exzentrisch und macht direkt beim ersten Blättern neugierig.

Zum Inhalt: Wir begleiten den 15-jährigen Kyle, der als Sitzenbleiber nach einem Schuljahr voller Mobbing und Hassattacken in eine neue neunte Klasse kommt. Recht zügig fällt ihm dort Adam auf, ein junger Spanier, den er äußerlich anziehend findet. Nachdem er aber in seiner letzten Klasse den Fehler gemacht hatte, einem Jungen per Brief seine Liebe zu gestehen, und dafür angefeindet, angegriffen und gemobbt wurde, hat er sich nun vorgenommen, mit der schwulen Schwärmerei hinterm Berg zu halten.

Kyle und Adam sind füreinander bestimmt

Der 14-jährige Adam bemerkt den blonden Kyle ebenfalls recht zügig und damit stehen die grundsätzlichen Zeichen eigentlich ja auch fest: Sie sind für einander bestimmt, oder?

Auf den insgesamt 400 Seiten nimmt das Drama nun seinen Lauf. Knappe 280 Seiten braucht der Autor, um seine Charaktere durch nun wirklich jedes gefühlte Auf und Nieder zweier pubertierender Jungs der neunten Klasse zu schreiben. Allerspätestens nach der zehnten Wiederholung der häuslichen Einkaufszene hat es wirklich jeder verstanden, dass sich prinzipiell keiner um Kyle kümmert, er der Fußabtreter der Familie ist und die kleine Schwester bevorzugt wird. Da braucht es auch keine "Sonnenuntergangs-Romantikszenerie" mehr, in der die Mutter, ihr Lebensgefährte und Kyles Schwester gemeinsam schwärmend auf dem Balkon stehen – ohne ihn.

Die zwanghafte Heteromanie von Adams Mutter


Die Ebook-Version von "Breakaway" ziert ein eigenes Cover

Je mehr Kyle sich dann noch in Make-up oder andere Dramen flüchtet, desto mehr drängt sich ein Klischee auf: Drama Queen. Adam hingegen ringt mit sich selbst und sehnt sich eigentlich nach der Geborgenheit in den Armen von Kyle. Diese Vorstellung weist er natürlich weit von sich, sobald seine Mutter Lucia vor ihm steht und inquisitorisch nach seinem Sexleben und seinem pubertären Innersten forscht. Mit geradezu zwanghafter Heteromanie treibt sie ihn in das Bett der gerade einmal 14-jährigen Nachbarstochter. Diese häusliche Psychogewalt nervt nach der x-ten Wiederholung einfach nur. Die Steigerung, die diese durch den extra aus Spanien herbeigerufenen Heterohengst und Cousin Ruben erfährt, wirkt irgendwann einfach nur abstrus.

Insgesamt bedienen beide Jungs und ihre heimischen Haushalte wieder massenhaft Klischees. Das anfängliche Mitgefühl für beide Charaktere wandelt sich so im Laufe des Lesens und bleibt ab ca. Seite 150 in recht engen Grenzen. Da helfen dann auch keine Schlittschuhausflüge oder Praktika in Baumärkten, bei denen sich die Jungs näher kommen. Das angekündigte Wiedersehen von Kyle und Adam nach zehn Jahren findet dann nur auf wenigen Seiten statt und bleibt leider wie vieles in diesem Buch unspektakulär.

Alex Cedric Xander hat sich leider nicht entwickelt

Für 16,90 Euro erwirbt man hier leider wieder eine Aneinanderreihung von Klischees, die auch meterhoch aufeinandergestapelt noch keinen Tiefgang ergeben. Die Charaktere bleiben trotz aller enervierenden und lang anhaltenden Schilderungen flach und eindimensional. Eine positive Ausnahme sind Lucia und Kyles beste Freundin Sabine. Beide Frauen sind mit spitzer Feder gezeichnet und haben kurz aufblitzende Momente, in denen sie ihr wahres Ich zeigen dürfen. Danach verursachen sie beim Beginn eines neuen Abschnittes fast Brechreiz. Doch das hält nur kurz. Leider legt der Autor diesen polarisierenden Charakteren immer wieder Belanglosigkeiten oder plakatwandgroße Idiotien in den Mund, so dass jede Regung schleunigst abflacht.

Einerseits sollte man sich vielleicht freuen, dass sich ein junger schwuler Mann selbst auf den Autorenweg macht und den ganzen Damen des Genres der schwulen Literatur dieses Feld nicht kampflos überlassen möchte. Andererseits darf man dabei nicht die klare Sicht auf die literarischen Ergebnisse verlieren. Es gibt auf dem schwulen Buchmarkt vieles ähnlich Belangloses, das wesentlich gefälliger und unterhaltender geschrieben ist.

Alex Cedric Xander hat sich leider nicht entwickelt, ist ganz geringes Risiko gefahren und bleibt bei dem Klientel, das er kennt und von dem er sich die meiste Resonanz erhofft. Dass er sich damit aber einer weitaus größeren Leserschaft verschließt, das wird er selbst am wenigsten wahrhaben wollen. In seiner Kurzvita weist er es zurück, von anderen Autoren inspiriert zu werden. Er muss sich mit diesen jedoch vergleichen lassen.

Zitat: "Er selbst liest überhaupt keine Bücher." Vielleicht sollte er endlich mal damit anfangen!

Infos zum Buch

Alec Cedric Xander: Breakaway – Gefühle kann man nicht leugnen. Roman. 400 Seiten. X-Scandal Books. Kamen 2013. 16.90 €. ISBN 978-3981580907


#1 Horst MüllerAnonym
  • 01.05.2013, 17:07h
  • Sicherlich ist eine sachgemäße, konstruktive Kritik, sei sie auch negativ für jeden Autor bzw. Künstler eine gute Sache, um sich weiterzuentwickeln. Herr Hebernstreit jedoch scheint den letzten Teil seines Nachnamens alle Ehre machen zu wollen. - So herablassend und schon fast beleidigend zieht er regelmäßig mit einer groß angelegten verbalen Schlacht zufelde,
    um aber auch ein gutes Haar an diesem Autor zu lassen.
    Da wird man als Kommentator an die Net(t)iquette erinnert, unterdes sich der Herr Hebernstreit wohl nicht daran halten muss. In seiner herablassenden Art, respektlos, provozierend hat der Herr H. hier wieder einmal einen hetzerischen Artikel verfasst, der seinesgleichen sucht.
    Wessen Geistes Kind dieser Herr ist offenbart sich hier abermals - und ganz gewiss ist er nicht nur ein selbstgefälliger Charakter - und hat es,
    trotz seines Talents zum Schreiben nicht geschafft, sich weiterzuentwickeln und seinen schon fast krankhaften Zwang andere niederzumachen Einhalt zu gebieten. Vielleicht sollte Herr Hebernstreit unter vielen anderen auch mal lernen, dass Anstand und ein wenig Niveau schon geboten sind, wenn man schon meint die geistigen Fähigkeiten zu besitzen andere zu kritisieren.
    Zudem frage ich mich, ob das jetzt zum Usus wird, das bei queer.de niveaulose Buchkritiken erscheinen, die aber auch gar nichts aussagen,
    außer dass sich da jemand verbal austobt, mit immer wieder derselben primitiven Rhetorik.

    Und ja, ich habe das Buch gelesen und es hat mir sehr gut gefallen.
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#2 FoXXXynessEhemaliges Profil
#3 TheDad
#4 finkAnonym
  • 01.05.2013, 19:10h
  • es passiert ja immer mal, dass man sich über ein buch ärgert. aber weshalb man es dann unbedingt öffentlich besprechen muss, das erschließt sich mir nicht.

    wäre es nicht sinnvoller, bücher vorzustellen, die man den leser_innen gern empfehlen möchte?
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#5 AustriaAnonym
#6 Sir BorisAnonym
  • 01.05.2013, 21:18h
  • Nun ja, es ist Kritik, dahingestellt sei sicher die Art und Weise. Ich für meinen Teil bin ein absoluter Freund und Verfechter der Redefreiheit und Meinungsfreiheit. Und auch für den Fall das ein Literarisches Werk jemanden nicht subjektiv überzeugt, so sollte man zumindest objektiv bleiben. Objektivität ist für Kritiker ein absolutes muss, das nicht ohne Grund. Es ist nicht einmal die Beleidigung im Bezug auf die Passage mit der Darmspiegelung die mir persönlich übel aufstößt. Sondern eher der Umgang mit den persönlichen und privaten Daten dieses Autors, natürlich kann man einen Verlagswechsel erwähnen, jedoch ist ein Kritiker nicht dafür da zu mutmaßen, warum und weshalb solche Wechsel zustanden kommen. An Ihrer Stelle würde ich eher die Kritik auf den Nenner bringen und das Buch und dessen Inhalt bewerten, denn der Autor steht nicht durch sein privates Umfeld auf den Prüfstand und nicht durch seine Handlung. Buchkritik beinhaltet für mich mich:

    Erster Eindruck
    Geschichtsverlauf ( Mit oder ohne roten Faden )
    Charaktere und dessen Glaubwürdigkeit
    Schreibstil


    Das was ich hier lese, beinhaltet das ganze zwar irgendwie, wird aber durch farbige Ausführungen zum Nachteil der Person des Autors noch verziert. Es liest sich eher wie eine Hetzkampagne gegen eine Person, nicht aber als eine objektive Buchkritik!
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#7 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 01.05.2013, 22:22h
  • Antwort auf #3 von TheDad
  • Das ging ganz gut. in meinem ersten Lehrjahr habe ich sogar Mädchen heimlich während der Pausen einen Klaps auf den Hintern gegeben! Um nicht die Ohrfeige dafür zu kasseiren, konnte ich mich sehr gut hinter einer Männertraube verstecken, so daß niemand was gemerkt hat. Ich hatte für kurze Zeit eine Freundin, aber mehr als Knutschen war nicht.

    Den ersten schwulen Kuß bekam ich dann auf dem örtlichen Kirchweihfest, als mich ein Bekannter in alkohlisiertem Zustand an sich herandrückte und mich wild abknutschte. Ich fand das super! Leider mußte ich mein Schwulsein unterdrücken, so daß ich mich erst 1994, als ich nach Hamburg beruflich umzog, zum Coming-Out entschloß.

    Der Bekannte, mit dem ich knutschte, ist aber leider hetero und Fußballtrainer.
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#8 TheDad
  • 01.05.2013, 23:37h
  • Antwort auf #7 von FoXXXyness
  • Igitt, wie absonderlich -lulz-

    Du hättest in Hamburg bleiben sollen..

    Die Münsterländisch katholische Provinz ist auch nicht die Top-Adresse für schwules Leben..

    Ich glaub nicht daß ich da je etwas verpaßt hätte..
    Ich hatte nie etwas mit Frauen..
    Dazu war keine Zeit..
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#9 AustriaAnonym
#10 FoXXXynessEhemaliges Profil