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  • 04.05.2013           18      Teilen:   |

Reaktion auf homophobe Interview-Äußerung

Idrissou traf Queer Devils

Artikelbild
"Ich bin nicht schwul! Meine Körpersprache ist eine Männer-Körpersprache. Ich bin nicht schwul und werde auch nicht schwul sein", hatte der Kaiserslauterner Stürmer Mohamadou Idrissou am Montag in einem Interview live gesagt.

Nach seiner homophoben Äußerung traf der Spieler schwule und lesbische Fußballfans. Während ihm die Angelegenheit offenbar glaubhaft leid tut, fällt dem Verein ein klares Statement schwer.

Von Norbert Blech

Der Kaiserslauterner Spieler Mohamadou Idrissou hat sich am Freitag mit Vertretern der Queer Devils getroffen, dem schwul-lesbischen Fanclub des Vereins. Über seine Aussagen vom Montag, er sei männlich, nicht schwul, sagte er, das sei nicht schwulenfeindlich gemeint gewesen: "Das sollte so nicht rüberkommen. Wenn das der Fall war, dann tut mir das leid."

Er selbst habe "viele schwule Freunde". "Mir ist es völlig egal, ob jemand schwul ist oder hetero. Ich lebe nach dem Motto, dass jeder so leben soll, wie er möchte", so der 33-Jährige, der in dem Gespräch auch von der Situation von Homosexuellen in seiner Heimat Kamerun berichtete.

Der Queer Devils-Vorsitzende Matthias Gehring sagte gegenüber queer.de, das Treffen sei "absolut locker" gewesen. Die Initiative dazu sei bereits am Dienstag von dem Spieler selbst ausgegangen. Idrissou habe sich sehr nachdenklich gezeigt und man sei überzeugt, dass er sich nie wieder so äußern würde.

Bereits in einer Pressemitteilung am Donnerstag hatte sich der Spieler entschuldigt, seine Reaktion auf den Schiedsrichter sei "falsch" gewesen und tue ihm "aufrichtig Leid".

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Der zerrissene Fan

Idrissou im Gespräch mit den Queer Devils - Quelle: FCK
Idrissou im Gespräch mit den Queer Devils (Bild: FCK)

Während Idrissou damit aus der Schusslinie geraten sollte, bleiben Fragen an den Verein. Der hatte sich in öffentlichen Aussagen zunächst eher unglücklich verhalten und dafür u.a. die Homo-Gurke von queer.de erhalten. Auch in der neuesten Pressemitteilung heißt es sehr distanziert, dem Fußballspieler seien "homophobe Äußerungen nachgesagt" worden.

Das ist nicht das gleiche wie die Feststellung, der Spieler habe sich homophob geäußert, es ist keine deutliche Grenzziehung oder Zurechtweisung. Bereits in den letzten Tagen hatte der FCK kritisiert, dass man dem Spieler quasi ungerecht Homophobie unterstelle, um sich dann seine Aussagen über Männlichkeit auch noch zu eigen zu machen. Man nehme einen Spieler in Schutz, "der ungerechtfertigt und eher reflexartig angeklagt wird", hieß es.

Muss man in der Pfalz noch lernen, dass eine homophobe Äußerung homophob ist und bleibt, egal, von wem sie stammt und was dieser sich dabei denkt? Weil sie zweifellos keine satirische Darbietung war und die Gegenüberstellung von männlich und schwul natürlich Schwule herabsetzt und entsprechende homophobe Diskussionen nach sich zieht? Der schwule Kaiserslautern-Fan Gehring sagt, es wäre besser gewesen, der Verein hätte "das ein oder andere anders formuliert".

Zugleich betont er, dass eine homophobe Äußerung etwas sei, das "bewusst artikuliert" werde. Auf der Vereinshomepage wird er gar mit den Worten zitiert: "Von uns hat sich niemand von den Aussagen angegriffen gefühlt." Gegenüber queer.de stellt Gehring klar, dass die Aussage in den eigenen Reihen unterschiedlich aufgefasst würde. Wichtig sei aber der Dialog, gerade bei normalen Fußballfans seien die Leute eher unüberlegt als homophob.

Das mag richtig sein und der Fan-Dialog auf den Tribünen wichtig, aber kann diese vorsichtige Haltung auch Maßstab für Offizielle sein? Gehring bemängelt jedenfalls, dass viele im Internet den FCK kritisierten, aber nur die Queer Devils den Dialog gesucht hätten. Man erwarte keine weitere Entschuldigung vom Verein.

Der zerrissene Pressesprecher

Der Spieler und die schwul-lesbischen Fans nach dem Gespräch. Ist nun alles gut?
Der Spieler und die schwul-lesbischen Fans nach dem Gespräch. Ist nun alles gut? (Bild: FCK)

Anruf beim Pressesprecher der Lauterner, Christian Gruber. Der will es spürbar allen Seiten Recht machen, auch dem Spieler. Klar hätte dessen Aussage einen "diskriminierenden Touch" gehabt und dürften nicht passieren. "Das ist ihm auch so gesagt worden."

Das ist vielleicht der Satz, der in den offiziellen Mitteilungen zumindest für Betroffene spürbar fehlte: Die deutliche Aussage, dass Homophobie nicht geduldet werde. Gruber sagt, man sollte an dem Kampf des Vereins gegen alle Formen der Diskriminierung keinen Zweifel haben. Dafür stünde auch die Zusammenarbeit mit den Queer Devils.

Der Pressesprecher ist bemüht, das Verhältnis zu wahren. Es habe sich um eine überhitzte Aussage eines Spielers gehandelt, der nach dem Spiel sehr emotional gewesen sei und dem die Sache leid tue. Als Vertreter einer Mannschaft hätte er sich so nicht äußern sollen. Aber man dürfe nicht pauschal über einen Spieler urteilen, setze ihn so einer Welle von überhitzter Kritik aus.

Aus Vereinssicht wäre es "einfach gewesen, ihm eine Geldstrafe zu verhängen", sagt Gruber, und fragt, ob das auch hilfreich gewesen sei. Denn hätte man so den Spieler, die Fans wirklich überzeugen können?

Liest man sich durch Fanforen, stößt die Kritik an Idrissou größtenteils auf taube Ohren. Die meisten Beiträge sind, wie Gehring sagen würde, eher unreflektiert als wirklich homophob. Ein vorsichtiger Tonfall wie in der Pressemitteilung vom Freitag, in dem die Queer Devils berichten, wie homophobe Machosprüche auf Schwule wirken, kann da eventuell mehr bewegen als laute Kritik. Ein vorsichtiger Tonfall kann aber auch den Eindruck bestärken, es sei doch gar nicht so schlimm gewesen.

So bleibt die Frage, ob der FCK den richtigen Tonfall gegenüber Schwulen, gegenüber der allgemeinen Gesellschaft getroffen hat, seiner Verantwortung gerecht wurde. Man darf und muss einen Spieler angemessen verteidigen, wenn er es verdient hat. Je weiter man sich von Kaiserslautern weg bewegt, desto mehr wurde aber ein klareres Wort gegen Homophobie vermisst, auch von schwulen und lesbischen Fußballfans.

Nun liegt der Ball beim DFB. Schafft man dort einen meisterlichen Abschluss?

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Tags: mohamadou idrissou, kaiserslautern, fußball, sport, homophobie
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Reaktionen zu "Idrissou traf Queer Devils"


 18 User-Kommentare
« zurück  12  vor »

Die ersten:   
#1
04.05.2013
15:51:16


(+1, 5 Votes)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Mahnende Worte an Idrissou: erst denken - dann sprechen!


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#2
04.05.2013
16:31:31


(+9, 13 Votes)

Von Fazit


Eigentlich hätte dieser prototypische Fall der brutalen Zerstörung von Freiräumen männlich sozialisierter Kinder und Jugendlicher durch das Aufzwingen heterosexistisch konstruierter Männlichkeit einen #Aufschrei auslösen müssen, in dessen Rahmen endlich einmal thematisiert wird, dass in dieser Gesellschaft, insbesondere unter jungen Menschen, schwulenfeindliche Äußerungen im Alltag und im öffentlichen Raum inzwischen zum zwanghaft "guten Ton" gehören.

Und dass das natürlich alles nie "so gemeint" ist, wie es bei anderen gesellschaftlichen Gruppen völlig zu Recht aufgefasst werden würde.

Stattdessen ist und bleibt Schwulenfeindlichkeit immer und überall etwas, das man sich erlauben kann (ja: geradezu muss, um sich in seiner vermeintlichen "Männlichkeit" zu vergewissern) - wenn man nur im unwahrscheinlichen Fall, dass sich überhaupt jemand daran stört, "ich habe ja nix gegen Schwule", "war ja nicht so gemeint" usw. hinterherschiebt!

Das Verhalten des Vereins, des DFB, der Medien, praktisch aller Beteiligten, ist letztlich eine ganz klare Ermutigung und ein Freibrief, die im Alltag, im öffentlichen Raum allgegenwärtigen Herabsetzungen von Schwulsein und Schwulen als wesentlichen Bestandteil der gesellschaftlich aufgezwungenen heterosexistischen Ordnung gerade unter jungen Menschen weiter zu eskalieren.

Eine Sanktionierung dieser im Gegensatz zu anderen Rassismen ja völlig harmlosen Menschenfeindlichkeit, gibt es nicht und wird es, v. a. auch dank der ständigen schwulen Selbsterniedrigung, weiterhin nicht geben.


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#3
04.05.2013
16:42:53


(-3, 9 Votes)

Von seb1983
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Ein Besuch beim schwulen Fanclub ist immerhin ne ordentliche Sache.

Wie im Artikel erwähnt, dass Problem ist dass das eben nicht überdacht wird, reflektiert klingt etwas schöner, was da teils gesagt wird. Hier muss auf jeden Fall ein stärkeres Problembewusstsein geschaffen werden.


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#4
04.05.2013
19:24:44


(+5, 7 Votes)

Von Petter


Wenn es ihm wirklich ernsthaft leid tut, er Schwule nicht hasst und sowas nicht nochmal passiert, sollten wir die Entschuldigung annehmen...

Aber dann muss er auch beweisen, dass er es ernst meint und dass er uns in Zukunft unterstützt.

Und der Verein muss auch ganz klar Stellung gegen Homophobie beziehen...


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#5
04.05.2013
19:30:16


(-6, 8 Votes)

Von anome


Er hat deutlich gezeigt, dass er nicht homophob ist und damit ist die Sache erledigt.

"Nun liegt der Ball beim DFB."

Ein Einmischen des DFB nachdem die Situation bereits geklärt wurde, halte ich für fragwürdig.


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#6
04.05.2013
20:24:47


(-4, 10 Votes)

Von Jadughar
Aus Hamburg
Mitglied seit 19.04.2011


Ob nun die Beteuerung, männlich zu sein und nicht schwul, eine homophobe Aussage ist, bezweifle ich. Diese Aussage war nicht auf Homosexuelle gerichtet sondern auf sich selbst. Der Begriff männlich oder weiblich in Zusammenhang mit Homosexualität bewerte ich als neutral.

Ich selbst war in meiner Kindheit transsexuell. Als ich in die Pubertät kam, verschwand dieses Phänomen wahrscheinlich durch die Hormonumstellung. Ich empfand mich vorher als weiblich und in einen falschen Körper. Nach der körperbedingten Veränderung blieb noch etwas kleiner Teil davon übrig, nämlich Männer sexuell attraktiv zu finden, was gewöhnlicherweise ein weibliches Attribut ist.

Ich empfinde mich also auch teilweise als weiblich, und bestehe auch darauf, deswegen nicht diskriminiert zu werden, da ich mir das nicht ausgesucht habe.

Wir tragen also in uns weibliche als auch männliche Komponenten, wo beim Zwitter beide Komponenten stark in Erscheinung treten. Biologisch kann man diese Komponenten auch nachweisen, weswegen eine Umpolung nie funktionieren kann.
Ich empfinde eine Aussage nur dann homophob, wenn die Folge davon zur Erniedrigung, Diskriminierung und auch zur Gewalt und Entrechtung führt und nicht zum Respekt und gerechter Behandlung.


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#7
04.05.2013
20:26:22


(+4, 6 Votes)

Von Miguel53de
Aus Wuppertal (Nordrhein-Westfalen)
Mitglied seit 23.07.2012
Antwort zu Kommentar #1 von FoXXXyness


Dein Wort in Gottes Ohr. Und das auch bei vielen Kommentatoren hier.


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#8
05.05.2013
01:03:44


(+7, 7 Votes)

Von nedjeges
Antwort zu Kommentar #6 von Jadughar


"Männer sexuell attraktiv zu finden, was gewöhnlicherweise ein weibliches Attribut ist"

Wer sagt das?

Es ist genauso normal wenn Männer andere Männer sexuell attraktiv finden.
Es ist die Heteronormativität die anscheinend immer noch greift die dir einredet man müsse weiblich sein um das zu dürfen.
Ich habe mich als schwuler Junge und jetzt als schwuler Mann immer wohl gefühlt, ohne mich transsexuell zu fühlen.


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#9
05.05.2013
08:49:39


(+5, 7 Votes)

Von Nico
Antwort zu Kommentar #5 von anome


Bisher hat er das nur gesagt. Worte sind geduldig und haben nicht immer was mit der Realität zu tun, wie man auch bei den Polit-Nutten der FDP sieht.

Aber wenn er seinen Worten auch Taten folgen lässt, bin auch ich gerne bereit, ihm zu verzeihen.

Dennoch muss sich auch dann der DFB einschalten und endlich was gegen die Homophobie im Fußball unternehmen. Genauso wie sie aktiv gegen Rassismus in den Stadien kämpfen, müssen sie auch gegen Homophobie kämpfen.


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#10
05.05.2013
10:28:08


(+6, 6 Votes)

Von Ehrlich gemeint


???

Ist ja gut wenn er sich mit denen trifft. Vielleicht meint er das mit der Endschuldigung auch wirklich ernst...Trotzdem bin ich etwas skeptisch, stößt mir sein: "Ich habe viele schwule Freunde !" doch ewas sauer auf. Sowas ist doch das Standardargument, welches Homohasser immer benutzen, bevor sie uns beleidigen...


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